Da bin ich wieder…

So langsam aber sicher bin ich wieder unterwegs in mein “normales” Leben. Die letzten Wochen waren heftig. Neben dem Schock auf einmal als Vollwaise dazu stehen mussten all die formalen Dinge erledigt werden. Ich habe Tage damit verbracht, Unterlagen durchzusehen, alles zu kündigen und so weiter und so weiter. Und fast noch schlimmer: mich um eine recht volle Wohnung zu kümmern, die eigentlich heute leer sein soll. Das wird am Mittwochabend so sein, am Donnerstag gebe ich nach fast 44 Jahren Mietdauer die Wohnung zurück an den Vermieter.

Ich habe mich über die Wochen immer mehr davon distanziert, weil mir einerseits nichts anderes übrig blieb und andererseits macht eine Wohnung nicht die Erinnerungen aus. Ich habe versucht, möglichst viel gut weiterzugeben. So einiges aus dem Haushalt wird mit meiner großen Tochter im Juli nach Mannheim ziehen und für die kleine Tochter ist auch schon einiges weggelegt, sie macht 2023 Abitur. Die Waschmaschine steht beim Sohn vom tollen Mann, der Kühlschrank hat einen Abnehmer gefunden und diverse Einrichtungsgegenstände auch. Für den Rest habe ich einen Wohnungsauflöser beauftragt, ich konnte und wollte das nicht.

Ohne die Hilfe meiner besten Freundin, vom tollen Mann, der Nachbarn und meinem Anwalt in Andernach wäre alles noch viel schwieriger geworden – es ist schön, wenn man aufgefangen wird.

Natürlich gibt es jetzt auch bei mir einige Erinnerungsstücke wie z.B. dieses Regal mit Porzellansäulen:

Außerdem habe ich ALLE Fotos mitgenommen, ich sortiere noch und die Negative muss ich auch noch durchschauen. Auf jeden Fall habe ich neben dem Umzug meiner großen Tochter das erste Projekt für den Vorruhestand: ein Familienfotoalbum. Es gibt noch viele alte Fotos, die muss ich noch mit meiner Tante besprechen, sie ist die einzige, die noch lebt. Von der Familie meines Vaters gibt es kaum etwas, aber immerhin ein Foto meiner Großeltern. Die sind Ende der 40er gestorben, meine Mutter hat sie nicht mehr kennen gelernt, kurz gesagt ist die Datenlage dünn.

Und bei der Gelegenheit werde ich gleich auch mal meine eigenen Fotos aufräumen und ein oder zwei dicke Alben daraus machen.

Ich habe auch einige sehr berührende Dinge gefunden, Feldpost aus dem 2. Weltkrieg vom Lieblingsbruder meiner Mutter. Er ist gefallen und sie hat all die Jahre für Kriegsgräber gespendet und auch sein Grab in Frankreich besucht.

Was schon schwieriger wird: ich habe diverse “Antiquitäten” geerbt, vieles davon gehörte meinem Patenonkel, der kinderlos gestorben ist und an meine Mutter vererbt hat. Nun sind die Sachen bei mir und ich weiß nicht so recht, wie ich sie vernünftig “loswerden” soll, z.B. so etwas:

Oder kleine Schmuckschatullen / Glasdosen

Oder so etwas?

Oder eine Jadefigur:

Und da ist noch mehr… also wer eine schlaue Idee dazu hat jenseits von Ebay Kleinanzeigen oder gar selbst handelt – ich bin für Vorschläge dankbar.

Zurück zum Blog… ich habe letztes Wochenende meine Ideen zu Beiträgen aufgeräumt, dann gibt es noch ein paar überfällige Reviews, dann waren da noch meine neuesten Makeup Experimente und nach der Erfahrung mit der vollen Wohnung habe ich gerade Minimalismusanfälle. Plus neue Rezepte, meine neueste Strickleidenschaft und so weiter und so weiter. Ich will endlich meine “Klassiker im Bad”-Serie fortsetzen. Und nochmal grundsätzlich über Hautpflege nachdenken. Ach ja, Neuigkeiten zu Haarpflege gibt es noch und zur Fußpflege auch. Also kurz gesagt: der Zettel ist voll und ich freue mich auf Schreiben und Diskutieren.

Oh, und noch eine tolle Sache: dieses Jahr kann das große Kind zum ersten Mal in den Herbstferien nicht mit nach Djerba, also mussten wir notgedrungenermaßen etwas für Ende Mai buchen. Also nur wir zwei – darauf freue ich mich sehr.

Dieses Buch:

hat mir eine Leserin im Dezember nach dem Tod von Friedel geschickt und wir lieben es sehr. Ich habe oft reingeschaut – und es spendet wirklich Trost. Nochmal ein ganz dickes Dankeschön dafür!

Und sonst?

Ich sitze gerade fassungslos vor dem Rechner. Ich hätte niemals gedacht, dass vor unserer Haustür ein Krieg stattfinden wird. Oder dass nochmal mit Atomwaffen gedroht wird. Meine persönliche Meinung zu dem Herrn in Moskau ist klar – kleiner Mann mit nacktem Oberkörper auf dem Pferd? Das sagt doch schon wirklich alles. Leider ist der Mann brandgefährlich, sehr schlau und offensichtlich zu allem entschlossen. Wohin es auch immer führen mag. Da fehlen mir ausnahmsweise die Worte.

Wie geht es euch?

15 Kommentare

Liebe Irit,

es ist schön, wieder von dir zu lesen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwer und emotional die letzten Wochen für dich gewesen sind. Ich stelle mir das ausräumen einer so lange von geliebten Menschen bewohnten Wohnung sehr schwer vor. Das Buch klingt toll.

In der “Süddeutschen” habe ich kürzlich einen Artikel über einen Mann gelesen, der die Wohnung der Großeltern ausgeräumt und anschließend mit seiner Freundin noch ein Jahr dort gewohnt hat (mit eigenen Möbeln). Die Großmutter kam 1945 nach der Flucht aus dem Sudetenland nach München und lernte den Großvater kennen, der bereits mit seinen Eltern in besagter Wohnung lebte. Eine sehr schöne, bewegende, wenn auch traurige Geschichte, ich verlinke sie hier mal https://sz-magazin.sueddeutsche.de/familie/einzug-wohnung-grosseltern-90671.

Liebe Grüße

Hallo zurück! :-))

Was von einem Leben übrig bleibt… Und die Anstrengung für die, die es aufräumen (müssen). Das ist so gewaltig, dass ich es den Menschen, die meine Spuren auf der Erde beseitigen müssten (klingt hart, ist aber so), gern ersparen würde.

Und da schließt sich der Kreis beim Minimalismus.
Wenn nur all die Dinge nicht mit irgendeiner erinnerungswürdigen Bedeutung aufgeladen wären, die ich das Gefühl hätte, gleich mit zu entsorgen. Entsorgen — schönes Wort eigentlich. Dinge weg — Sorgen weg.

Nach meinem Entschluss, jetzt schon jede Woche etwas von den Dingen wegzuwerfen, die wirklich nutzlos sind, tat ich ein Paar kaputte Gummistiefel in die graue Tonne.
Dabei blieb es… 😉

Wie fühlt es sich an ohne Rückbindung zu Eltern?

Mein Vater ist seit 2 Monaten im Altersheim und wir räumen langsam das Haus auf. Natürlich sehr traurig und aufheben kann man nicht alles.
Erstmal sind wir hauptsächlich mit den Unmengen an Papier beschäftigt um uns über die finanziellen Verpflichtungen einen Überblick zu verschaffen, ihn kann man leider nicht mehr fragen.

ach herrje, das hört sich auch nicht gut an. Und Ordnung in die Finanzen zu bringen plus Vollmachten etc ist anstrengend. Ich wünsche euch viel Kraft – ich kann dir versichern: es geht vorbei.

Die Unmengen an Papierkram hatte ich auch, weniger von meiner Mutter (sie war gut sortiert, von irgendjemanden muss ich es ja haben), aber von Friedel. Scheidungsakten aus den 60ern etc. Vier große schwarze Müllsäcke mit Papierschnipseln…

Liebe Irit, wir haben gute Erfahrungen mit seriösen Auktionshäusern gemacht. Bei Interesse kann ich dir eines in Bonn empfehlen, mit dem wir zuletzt zusammengearbeitet haben. Es gibt innerhalb der Häuser auch ein gutes Netzwerk, wenn bestimmte Sachen nicht ins Portfolio passen. Und man erhält eine zuverlässige Wertschätzung, bevor man sich entscheidet… LG

Genau das hätte ich vorgeschlagen! Es kann aber sein, dass sie nicht alles und auch nicht auf einmal annehmen. Das Abgeld liegt um die 20 %. Dafür gehen die Gegenstände an Personen, die Spaß daran haben – und das ist ja die Hauptsache.

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