Wochenendkolumne #7: Eine Frage der Haltung

Kürzlich stolperte ich über ein ganz wunderbares Zitat von Sophia Loren

“Ich halte mich immer gerade und mache keine Altersgeräusche, schnaufe nicht, stöhne nicht, huste nicht und hebe beim Gehen die Füße”

Und fühlte mich fast ertappt.

Hand aufs Herz: vermutlich kennt fast jede diese Art von Geräuschen von den Eltern oder älteren Verwandten. Beim Aufstehen vom Stuhl: leises (oder lauteres) Schnaufen. Beim Hinsetzen: leises (oder lauteres) “Puh”. Bei allem, was auch nur mit der geringsten körperlichen Anstrengung verbunden ist: leise (oder lautere) – ich zitiere – Altersgeräusche. Mir fällt auch bei Menschen sagen wir mal ab 55 immer wieder auf, dass die Fortbewegung immer langsamer wird. Inklusive schlurfen. Natürlich gibt es jede Menge Menschen mit kaputten Knien, Hüften etc – aber sind das wirklich so viele?? Und ist das wirklich eine körperliche Angelegenheit oder eher ein Problem im Kopf? Wenn ich mir Sophia Loren oder Helen Mirren oder ähnliche Rolemodels in deutlich fortgeschrittenem Alter anschaue – hm. HM. Stichwort Picard. Ich befürchte ja immer, dass der gute Sir Patrick Stewart mitten in einem Staffeldreh stirbt. Aber einen gebrechlichen Eindruck macht er mir jetzt nicht – ich freue mich gerade auf Staffel 2 ab Februar 22  und Staffel 3 ist bestätigt. Er schlurft auch nicht.

Äh, ja, zurück zum Thema.

Ich habe mich kürzlich tatsächlich auch dabei erwischt – und sofort beschlossen, dass ich das möglichst nie wieder mache und auch gezielt darauf achte. Außer im Krankheitsfall. Ich gehe ohne darüber nachzudenken mit flottem Tempo und damit das auch so bleibt, mache ich Sport. Demnächst noch mehr, wenn ich schlichtweg mehr Zeit habe. Überhaupt ist das das Stichwort: in Bewegung bleiben. Und dabei keine Altersgeräusche machen.

Wer fühlt sich ertappt????

22 Meinungen zu “Wochenendkolumne #7: Eine Frage der Haltung

  1. Ich ich ich😂 Aber ich sehe das nicht ganz so streng, mich entspannt das laute Aufseufzen irgendwie… Wobei Sexy in den Wechseljahren wahrscheinlich anders geht☺️ Aber mein Schritt war und ist immer noch zackig, ich werde oft gefragt, ob ich Stress habe. Dabei ist das mein ganz normaler Schritt. Und Füße heben ist ein MUSS, ich kann das Geschlurfe nicht leiden.

  2. Muss ich mal darauf achten, aber tiefes Seufzen hab ich auch. Ich dachte immer, dass es am Asthma liegt.
    Ich versuche aber jetzt auch seit einiger Zeit, mich gerade zu halten. Hab ich mein Leben lang nicht gemacht, aber jetzt.

    Danke für den Gedankenanstoß, klingt gut, das mal zu überprüfen. 🙂

  3. Schlurfende Menschen machen mich aggressiv 😂 im Supermarkt muss ich an mich halten, damit ich nicht sofort schlurfende Menschen anspreche, es wäre kein netter Ton 🤭 Ich finde dieses Schlurfgeräusch einfach unerträglich und kann auch gar nicht verstehen, wie man in festen Schuhen schlurfen kann? Alle anderen von dir genannten Eigenarten kommen für mich evtl ab 80 infrage, wenn ich denn so alt werde 😉

    1. Nicht jeder alte Mensch hat das doch recht komfortable luxuriöse Leben einer Loren geführt. Fragen wir mal die ältere Metzgereiverkäuferin, warum sie Körpergeräusche von sich gibt. Oder die Rentnerin, die Flaschen sammelt um ihre Rente aufzubessern, warum sie schlurft.
      Wie muss man denken?

      1. naja, ich sagte ja, dass es eine Menge Leute mit kaputten Knien, Hüften etc gibt – da finde ich das mehr als verständlich. Zum Beispiel auch bei meiner Mutter, die zwei Knieprothesen hat, von denen die eine dauernd schmerzt.

        Das war aber auch nicht der Punkt, sondern mehr – wie Isabelle so schön schrieb und was es auch trifft – die Selbstachtung

      2. Bei Körpergeräuschen muss man irgendwie auch an etwas anderes denken, pardon… beim Yoga so passiert – einer älteren Dame ist etwas entfleucht. Alles haben es ignoriert.

  4. Meine Freundin kann auch bestimmte Geräusche nicht hören, ohne aggressiv zu werden. Dazu gibt es einen Begriff „Misophonie“, das Genervtsein von Alltagsgeräuschen. Ich höre das gar nicht oder registriere das bei anderen auch nicht, wenn es nicht ganz extrem ist. Dementsprechend hab ich auch kaum eigene Wahrnehmung.

    1. Ich habe das und finde das schlimm, weil ich wirklich sehr empfindlich bin: Kaugeräusche, Schmatzen sowieso, Nasehochziehen, schnarchen, usw. sorgt bei mir für körperliches Unwohlsein und macht mich, wenn ich es nicht abstellen (lassen) kann, auch richtig aggressiv. Nervt mich selbst, aber ich weiß nicht, wie ich das ändern kann. 🙁

      Schlurfen finde ich auch schlimm, aber weniger wegen des Geräuschs als wegen der gefühlten Langsamkeit, mit der sich Leute fortbewegen. Wenn das nicht erkennbare ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen sind (bei denen stört mich das komischerweise überhaupt nicht), werde ich sehr ungeduldig…

      Auf meine eigene Geräuschkulisse habe ich noch nicht geachtet, aber vielleicht ist das so eine Art von “Ich bin so alt wie ich mich fühle.”? Also wenn ich mich wie ein alter Mensch verhalte (seufzen, schlurfen etc.), dann fühle ich mich auch so?

  5. Hi , hi , schmatzen kann ich auch so gar nicht leiden – da werde ich aggressiv !
    Schlurfen tue ich nicht , aber sicherlich mache ich Geräusche beim Auf und Ab , allerdings buckelt mal den ganzen Tag schwere Kisten , da tut einem wirklich alles weh …
    Und das Frau Loren nicht hustet , finde ich dann doch seltsam . Das ist ein Reflex ! Wie bitte soll ich mir den verkneifen , ohne zu platzen ??
    Schönes Wochenende für euch !!

  6. Die Geschmeidigkeit verabschiedet sich, die Elastizität, die Koordination, die Reaktionsfähigkeit, die Regenerationsfähigkeit — alles schön langsam, Häppchen für Häppchen. Das IST so beim Altern. Beim Aufstehen fühlt es sich eben nicht mehr so an, als würde man in eine andere Position gleiten, sondern als müsste man umständlich ein paar Holzstücke zusammenraffen. Das IST so. Ich soll mich also zusammenreißen und Jugendlichkeit vortäuschen, damit sich andere an der Schwelle zum Altsein nicht an ihre eigene Vergänglichkeit und Gebrechlichkeit erinnert fühlen? Echt junge Menschen haben nämlich keine Probleme mit Knarzgeräuschen… 😉

    Wir beobachten an anderen, die schon ein Stück voraus sind, was uns blüht. Wer hat schon Bock darauf.

    1. als müsste man umständlich ein paar Holzstücke zusammenraffen – sehr schön beschrieben! Da ahnt man, was auf einen zukommt (seit zwei Wochen ziept es beim Aufstehen aus dem zugegeben sehr niedrigen Bett).

      Ansonsten hält man sich natürlich gerade – umso mehr, je mehr man andere, auch gerne sehr viel jüngere sich krümmen sieht, ganz oft ‘entschuldigt’ durch die Nutzungen eines Smartphones.

  7. Einen jugendlichen und schwungvollen Gang zu erhalten hilft Sport und Bewegung. Ich wandere oft mit 80+ Altersgruppe. Teulweise sind da 85jährige und sogar 90jährige dabei.
    Personen die ihr ganzes Leben lang sehr aktiv geblieben sind und mMn genau deshalb weniger Beschwerden haben. Von Gang her hält man diese 80+ Jährige für 50. Jeder sollte sich täglich mindestens eine halbe Stunde am Stück bewegen. Das hat auf die Psyche und Körper eine unfassbare Wirkung.
    Meine Körperhaltung ist leider nicht optimal, aber mein Gang gleicht das aus.
    Stimme Andreas Kommentar zu.
    Misophonie wäre sicher in meinem Leben zu finden, wobei ich Schlurfen, gerade bei unter 55jährigen richtig schlimm finde. Ich verbinde damit “kein Bock” Einstellung, Faulheit, das Leben vergeuden. Das ist vermutlich weit her geholt, aber ich sehe dann Schludrigkeit in Person vor mir. Stelle mir gleich eine schmutzige, zugemüllte Wohnung vor, eine mangelnde Körperhygiene und auch nicht gerade einen wachen Geist vor.

  8. Wow, ihr geht hier aber teilweise ganz schön hart ins Gericht mit Menschen, über deren Lebensumstände einem persönlich nichts bekannt ist.
    Was interessiert es mich persönlich, wenn andere Menschen beim Aufstehen Geräusche machen? Warum sollte es mich tangieren, wenn jemand schlurft?
    Die Hintergründe für diese so störenderen „Geräusche“ und weiteres können doch so vielfältig sein (Krankheiten, Kraftlosigkeit, Müdigkeit nur als erstes genannt), da möchte ich es mir nicht anmaßen, über andere zu urteilen.
    Empathie. Und Live and let live. Was ich an mich selbst über Ansprüche stelle, steht auf einem anderen Blatt.

    1. Liebe Lina,

      volle Zustimmung von einer, die noch geräuschlos aufsteht🙂.
      Ein bisschen mehr Toleranz und Großzügigkeit denen gegenüber, die es schwerer haben – die Gründe kennen wir doch meistens nicht – stünden uns allen gut zu Gesicht. Ich möchte nicht wissen, wie es einer Frau in meinem Alter körperlich geht, die ein weniger komfortables Leben führt .

      LG, Wally

  9. Ich wollte einer älteren Dame im Yoga Studio helfen, ihre Jacke an die für sie hohe Garderobe hängen. Sie stöhnte dabei. Ihre Antwort war Nein, es geht damit nur viel leichter. Was ist so sympathisch fand war ihre dabei offene und lustige Art.
    Nicht aufgeben und den Humor nicht verlieren.
    LG Lisa

  10. Es gibt Geräusche, die aus Gewohnheit gemacht werden und Geräusche die auf Grund echter Schmerzen/ körperlicher Probleme gemacht werden. Die ersteren finde ich auch total nervig.

    1. Punktlandung Tina.
      Wie ich ältere Person wahrnehme und erlebe habe ich ganz deutlich formuliert.
      Deshalb halte ich mich in deren Nähe gerne auf.
      Und was mich im Stillen nervt oder irritiert ist auch ganz persönliche Sache.
      Oder wie ich dies oder jenes erlebe.
      Das einem zu genehmigen gehört ebenfalls zu leben und leben lassen.

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