Wochenendkolumne #4: Bundestagswahl

Dass ich nochmal etwas zur Bundestagswahl schreibe, hätte ich auch nicht gedacht. Ich finde die Entwicklung momentan sehr spannend.

Was ich nicht ganz so spannend finde, ist die Entwicklung in NRW. Gefühlt ist Herr Laschet hier nicht mehr vorhanden, stattdessen blamiert er sich bei Kinderreportern bzw. bügelt diese nach bewährter Politikermanier ab. Und derzeit wird noch nachgetreten, weil er eine denkbar schlechte Figur gemacht. Apropos Kinderreporter: die Blamage des Kandidaten der Partei, die hier nicht genannt wird und gerne mal deutschtümelt, fand ich nun richtig gut. Viel Blabla (mehr deutsche Gedichte in der Schule) und alles eben nur Blabla – der besagte Kandidat konnte nämlich noch nicht einmal ein Gedicht benennen geschweige denn aufsagen. Ich sah mich in meinem Dumpfbacken-Vorurteil bestätigt.

Ansonsten ein erstaunlicher Wahlkampf. Die totgeglaubte SPD erklimmt neue Höhen, wer hätte das gedacht. Und das einfach durch nichts tun! Die Fehler haben die anderen gemacht und das hat die SPD schon lange nicht mehr geschafft. Auch bei den Kinderreportern hat Herr Scholz sehr souverän abgeliefert. Ich bezweifele, dass es nach der Wahl so weitergehen wird, aber wer weiß.

Den Absturz der CDU fand ich auch erstaunlich – offensichtlich hat die eine oder der andere gemerkt, dass es mit „weiter so“ eben nicht weitergeht. Ich schätze Angela Merkel sehr, sie ist eine tolle Frau. Intelligent, fleißig und ab und an blitzte mal ihre Meinung hervor (Fukushima, Syrien). Ansonsten fällt mir niemand ein, der so dermaßen beherrscht und ohne jede persönliche Eitelkeit einfach alles von sich abtropfen ließ. Unvergessen die Versuche des Problembären Stoiber, ihr in die Kanzlerschaft zu funken. Und die Art und Weise, wie sie wirklich die komplette Konkurrenz abgeräumt hat – Chapeau. Nicht zuletzt: sie hat sechzehn Jahre lang ihre Dienstuniform getragen, ohne Ausrutscher. Das nenne ich konsequent.

Im Vergleich ist der Herr Laschet leider ein minderbemitteltes Grinsemännchen. Was mir da in Erinnerung bleibt, ist der Lachanfall vor den Flutopfern. Sehr peinlich. Abgesehen davon kann ich mir den Mann beim besten Willen nicht z.B. bei Herrn Putin vorstellen. Der verspeist ihn doch nicht zum, sondern vor dem Frühstück. Eine unangenehme Perspektive.

Frau Baerbrock fand ich anfänglich klasse – leider musste ich dann schnellstens feststellen, dass es da wohl einen (guten) Berater zu wenig gab – oder Beratungsresistenz? Die Geschichte mit dem Lebenslauf, dieses Stipendiumsgeschichte und dann noch Plagiate in einem schnell publizierten Buch – das sind Anfängerfehler. Da frage ich mich schon, ob die Kanzlerschaft nicht eine Nummer (oder zwei bis fünf) zu groß ist.

Tja, so stehen wir da in Deutschland – keine Inspiration von ganz oben in Sicht. Was angesichts von Klimakrise, Rentenkrise und den diversen anderen Krisen nicht viel Gutes verheißt.

Ich habe schon per Brief gewählt. Meine politische Ausrichtung ist kein Geheimnis, ich habe mein Leben lang grün gewählt, ich spende auch seit langen Jahren bei Greenpeace. Diesmal bin ich aber auch noch taktisch vorgegangen. Es ist nämlich so: wenn die CDU bei den Zweitstimmen ein mageres Ergebnis hat, aber gleichzeitig mit der Erststimme viele Wahlbezirke gewinnt – gibt es keine Kandidaten von den Landeslisten, die ins Parlament kommen. Das träfe dann wohl auch auf Herrn Laschet zu. Mal sehen, wie es kommt.

Was beschäftigt euch bei dieser Wahl?

39 Meinungen zu “Wochenendkolumne #4: Bundestagswahl

  1. Meine Wahl ist auch kein Geheimnis, ich wähle ebenfalls Grün und ebenfalls seit Jahren. Ich hoffe einfach, daß es ohne die Grünen keine Bundesregierung geben wird und danach sieht es ja aus. Bei der Vorstellung, daß Laschet als Kanzler Putin u.a. besucht, wird mir auch mulmig. Ich sehe einfach nicht, daß er über ausreichendes Format verfügt.

    Wer mal lachen möchte: ich empfehle die Matthias Richling-Show, lief gestern am späten Abend bei SWR und ist in der Mediathek. Besser kann man die Schwächen unserer Kandidaten nicht vorführen 🙂, die Krönung aber ist eine „Pressekonferenz Kretschmann/Strobel“ zum Thema Klima. Bei Frau Barebock werde ich nun immer an Pokemon denken, und bei Olaf Scholz „ich kann mich nicht erinnern“. Einfach köstlich.

    Liebe Grüße, Wally

  2. Ich habe für mich beschlossen, meinen Sohn mit entscheiden zu lassen. Er ist 16 und darf in Berlin für die Bezirksverordnetenversammlung wählen, aber nicht fürs Landesparlament oder die Bundestagswahl. Wir haben uns die Wahlprogramme angeguckt und den Wahlomat gemacht. Gewählt haben wir dann Volt, ich mache prinzipiell immer Briefwahl. Diese Wahlentscheidung wird sicherlich keinen Einfluss auf die aktuelle Politik nehmen, mein Sohn ist aber der Ansicht, dass deren Wahlprogramm unsere Ansichten am besten vertritt und dass man kleinen Parteien auch eine Chance zum Wachsen geben muss. Den Ansatz finde ich gut, zumal ich mit den großen Parteien auch ziemlich fremdele mittlerweile

  3. Ich finde alle 3 Kandidaten nicht wählbar und kann mir keinen als künftigen Kanzler vorstellen. Traurig, dass die Politik bzw. die Menschen dahinter so wenig zu bieten haben.

    1. So sehe ich es leider auch.
      Immer Grün gewählt. Frau Baerbock möchte ich als Kanzlerin nicht verantworten. Deshalb bin ich per Briefwahl ausgeschert.

      Rezo sagte so schön, die Regierung der nächsten zehn Jahre müsse es reißen. Da bin ich vollkommen hoffnungslos…

  4. Liebe Iris, das freut mich aber, dass du Grün wählst – ich auch. Und ja, Annalen Baerbock hat Fehler gemacht – die anderen aber auch. Und letztlich geht es (mir zumindest) nicht nur um die Kandidaten, sondern um die Politik, für die die Partei steht. Und da sehe ich nur die Grünen als Partei, die etwas verändern wird. Die anderen Parteien hatten in den letzten Jahren wirklich Zeit genug zu beweisen, dass sie Politik gegen den Klimawandel machen können – haben sie aber nicht. Morgen gibt es bei mir im Blog übrigens ein Interview mit Claudia Roth.

  5. Grüß Gott!
    Ich darf in Deutschland nicht wählen.
    Überascht, nein ehrlcherweise im innersten meines Verstandes nicht, weil vermutet.
    Diese Wahlempfehlung für Grün, auf einem Wohlfühl Blog, obwohl Zweifel dazu seilbst von der Bloggerin geschrieben werden?
    Irgendwie bin ich schwerer enttäuscht, als ich zugeben möchte, als treue Leserin von Irit Eser.
    Greta Thunberg fehlt als Argument. Woran liegt das nun?

    1. Hallo Kulturpur, Sie haben ja auch in meinem Blog auf Texterella schon Ihren Unmut über (vermeintlich sogar bezahlte) Wahlwerbung geäußert. Warum? Langsam frage ich mich tatsächlich, was und wer da dahintersteckt. Sehr seltsam, mindestens.

      1. Dahinter steckt meine persönliche Meinung, politisches Denken, Überzeugung, Verantwortung.
        Grüne Parteien, die die Natur über den Menschen stellen, ständig vom Klima redet, dabei völlig ignoriert wie die soziale Realität aussieht. Wasser predigt, SUV fährt.
        8Mrd Menschen müssen ernährt werden. Nicht nur Deutschland.

        1. Das mit dem SUV musste ja kommen. Ich fahre (wg drei Kindern) Sharan. Und möglichst viel Fahrrad und Zug.

          Der Klimawandel fördert übrigens Hungersnöte. Denn wo es nicht mehr regnet, wächst auch nichts mehr.

    2. Guten Morgen, ich mache keine Wahlwerbung und auch keine Empfehlung, sondern schreibe nur, was ich persönlich mache. Was genau ist da die Enttäuschung? Ich schreibe doch hier ständig, was mich persönlich gerade umtreibt. Mit Greta Thunberg habe ich es nicht so, also warum sollte ich darüber schreiben? Und natürlich habe ich Zweifel, Politik ist immer auch Kompromiss – wie alles im Leben.

  6. Guten Morgen alle hier. Wenn ich mir die drei Personen, die derzeit im Fernsehen omnipräsent sind ansehe, sehe ich es wie Isabelle, keiner von denen ist wählbar. Frau B. Muss noch viel lernen, aber dazuverdient sie wohl auch noch viel Gelegenheit bekommen. Was Herrn Scholz betrifft bin ich wirklich baff, dass NIEMAND, vor allem die politische Konkurrenz ihn ganz konkret auf sein Versagen iS Wirecard, iS Est.- Erlass ü 40 mio.€ einer Hamburger Privatbank anspricht und ihn mit den dämlichsten Ausreden durchkommen lässt, er könne sich an kein Treffen, kein Telefonat erinnern….oh mein Gott!!! Damit käme von uns def. niemand durch, egal wo und wegen was. Und wenn er sich tatsächlich nicht erinnern kann, dann ist der Posten des Bundeskanzleramtes doch wohl erst recht Zuviel für ihn, oder? Und dann auch noch zu sagen, alle ab 100.000,-€ brutto jährlich sollen mehr Est.- Steuer zahlen…. Ok, das sind viele. Dann bleibt netto gar nichts mehr. Sorry, aber der spinnt doch.
    Laschet und die Grünen regieren das größte Bundesland doch recht erfolgreich.. ich persönlich, ich sag’s ganz offen, bedaure sehr, dass man Herrn Söder nicht genommen hat. Der macht wenigstens den Mund auf.
    Apropos grün sein, Ökostrom usw. wir hier ( Nördliches Rheinland) erhalten ( ich habe bei unserem Stromabnehmer nachgefragt), derzeit Atomstrom aus Frankreich. Das nenn ich eine gelungenen Ausstieg aus dem Atomstrom, liebe Politiker. Aber klar, wo soll der ganze Strom auch herkommen, den wir benötigen, wenn umgesetzt werden soll, was die sich in ihren Audi A8 so vorstellen ….

    Deinen Äußerungen zur Person Angela Merkel stimme ich voll und ganz zu.

    In einer Woche wissen wir mehr.

    1. „Laschet und die Grünen regieren das größte Bundesland doch recht erfolgreich“ plus „NRW wird von CDU und FDP regiert 😉“ ergibt doch, wenn man Laschet abzieht: die FDP. Witzig.

      Nee, echt, wenn wir nicht beim Klimaschutz voranmachen, macht es mal wieder niemand; am Ende wird der gute alte Kompromiss der Grund sein, wieso es mal wieder nicht geht.
      Da reicht es nicht, Klimaschutz „gewollt“ zu haben.
      Es zählt doch nicht die Absicht, sondern die Umsetzung.

      Wer grün wählt, macht bitte keine Flugreisen.

  7. Wenn Du taktisch gewählt hast, Deine Rechnung aufgeht und Laschet nicht in den Bundestag kommt – dann müsstest Du in der Folge ja Laschet behalten wollen. Echt?

    Meine Meinung zu den Kandidaten: in diesen Zeiten, mit all ihren Umbrüchen und wirklich längst notwendigen, ach was: überüberfälligen Veränderungen, in einem großen und wichtigen Industrieland nun solche ausgemacht mittelmäßigen Kandidaten, von denen selbst viel zu viele Parteimitglieder gar nicht überzeugt sind, zur Verfügung zu haben, ist doch schier zum Verzweifeln.

    Was mir nicht gefällt, ist das reflexhafte Anspringen auf die üblichen Dinge wie Plagiatsaffären (Abschreiben versteht jeder) und Lachen zum schlechten Zeitpunkt (auf Beerdigungen wird auch viel gelacht). Eine Aussage über den Charakter? Hm.
    Disclaimer: Beides unterstütze ich ausdrücklich nicht und finde jedoch, daß sich Politiker noch deutlich viel mehr an dem messen lassen müssen, was sie politisch geleistet und sich darüber hinaus „geleistet“ haben.
    Baerbock hat mangels Ämtern nicht viel leisten können, man kann es nur ahnen, Laschets Fehler sind die üblichen Fehler eines Mittelmäßigen im Amt (eins links, ein rechts, zwei fallen lassen), und Scholz…?
    Scholz, der wohlgemerkt eher in eigener Sache wirklich sehr professionell agierenden Politiker, sagt, daß das alles nicht so schlimm war mit CumEx und Wirecard, und überhaupt er war es nicht, und er lächelt seit Wochen konsequent alles in Grund und Boden, so freundlich war seit vielen Jahren nicht.
    Hier riecht man doch die Absicht und ist verstimmt.

    Bei ihm greift die rhetorische Fähigkeit (die sich von der politischen Qualität unterscheidet): tue so, als ob alles in Ordnung wäre, dann denken die Leute, das sei es auch, für wenigstens ein paar Monate, das reicht für eine Kanzlerschaft. Echt?

    Seit Scheuer muß ja niemand mehr zurücktreten.

    Mich verärgert wirklich, daß keine einzige Partei ein Programm hat, mit dem man den Klimawandel gestalten kann: Worte, nicht Taten. Das überschneidet sich mit den meisten Bürgerïnnen.

    1. Da es gerade ein wenig hochkocht: die Djerbareise habe ich völlig vergessen oder verdrängt. Ich bitte dafür um Entschuldigung. Sonst hätte ich nichts gesagt, denn böse gemeint ist mein Einwurf nicht; ich meinte, dass es schon zusammenpaßt, wenn weder Parteiprogramme noch Wählerïnnen adäquat mit der Welt, die wir unseren Kindern bewahren wollen, umgehen: Es ist menschlich, nicht konsequent zu sein.
      Also: Anwesende sind selbstverständlich ausdrücklich ausgenommen.

      Taten: Ich fliege schon seit vielen Jahren nicht mehr, habe aber dafür andere, sehr schöne Möglichkeiten usw.
      Mir gefällt ein wertschätzender Austausch, weil ich überzeugt bin, dass man etwas verändern kann, wenn man den anderen respektiert, dieser das bemerkt und vielleicht ins Nachdenken kommt.
      Und ich bin schon glücklich, wenn ich jemanden dazubringen konnte, mal darüber nachzudenken, ob eine, sagen wir, Kreuzfahrt wirklich so wichtig ist und vielleicht eine Reise weniger gemacht wird.
      Es ist ein bißchen wie in der Pandemie: wo liegen die Prioritäten des Einzelnen?

      1. Ich habe das nicht so aufgefasst – keine Bange.

        Ich würde auch nicht mehr für 5 oder 6 Tage hinfliegen und auch nicht mehr zweimal im Jahr. Aber ganz streichen? Nein, nur unter Zwang. Dafür ist es einfach zu schön.

        Wie schon geschrieben: kleine, stetige Verbesserungen sind für mich das Mittel der Wahl. Stellt euch nur mal vor, alle würden statt SUV Fiat 500 fahren. Zack, 75% Sprit eingespart bei all den Autos.

        1. Hm, ich verstehe Deinen Ansatz – und teile ihn ausdrücklich nicht. Wie dringlich Taten jetzt sind, sieht man am Bericht von IPCC: es ist (eigentlich) schon zu spät. Nur ist das so nicht zu formulieren, weil dann keiner mehr mitmachen will.
          Motivation bekommt man übrigens, wenn man freundlich und offen auf die jungen Leute beim FFF herantritt.😉

          Nur unter Zwang? Wen müßte man dafür wählen?

          Hm, ich glaube, ich habe mein Buch des Club of Rome von jemandem nicht zurückbekommen – Die Grenzen des Wachstums von 1972 (!) kaufe ich gerne noch einmal nach.

          1. mit unter Zwang meine ich: Flugreisen werden verboten. Ich fände es katastrophal, wenn man sich nicht mehr die Welt anschauen könnte. Oder im warmen Meer schwimmen. Oder bei 35 Grad am Strand liegen. Ein echter Verlust an Lebensqualität.

          2. Ja nee, schon verstanden. Wenn schon der grünen Spitzenfrau mit Blick auf eine Kreuzfahrt nach Venedig (da gehen ja gleich mehrere Alarmleuchten an) auf die Frage, was sie denn ihren Wählerïnnen dazu sagen würde, nur „Gute Reise“ wünscht, dann begreift man auch, dass eine Wahlentscheidung Züge eines Ablaßhandels trägt. Es ist leichter. Sünden machen halt Spaß.

            Ich befürchte ja ganz viel Symbolpolitik.

            Daß dies wirklich nutzen wird, wage ich nun einmal zu bezweifeln.

            Ich wünsche gute Gedanken und einen guten Start in die neue Woche.

  8. Ich bin ehrlich gesagt auch überrascht, hier auf dem Blog einerseits von einem geplanten Djerba-Urlaub und gleichzeitig „habe mein Leben grün gewählt“ zu lesen.
    Aus meiner Sicht ist der Verzicht auf private Flugreisen, wenn es denn schon beruflich nicht möglich ist, eine größere Stimme für den Klimaschutz als ein Kreuz auf dem Wahlzettel.
    In meinem Umfeld sind sämtliche Grünen-WählerInnen ausgeprägte Autogegner, den ein- bis zweimaligen Jahresurlaub Langstrecke lassen sie sich aber nicht nehmen. Auch nicht während der Pandemie. Dann kommen bei einigen noch private Kurzstreckenflüge Inland hinzu, da es schneller geht als mit der Bahn oder günstiger ist oder oder. Viele Argumente werden vorgebracht, warum fliegen unumgänglich ist.
    Dennoch macht „die Politik“ alles falsch in Sachen Klimaschutz, darum wird grün gewählt.
    Es fällt mir schwer, diese Haltung zu verstehen.

    1. ich heiße halt Irit Eser und nicht Greta Thunberg.

      Was spricht gegen eine Flugreise in den Urlaub? Du weißt doch nicht, ob und wie ich das kompensiere.

      Ich bin immer wieder erstaunt, welches Vorbild man als Bloggerin zu sein hat. Ja, ich werde weiter in den Urlaub fliegen. Ich werde hoffentlich noch an die Westküste der USA kommen, Angkor Wat anschauen und Neuseeland irgendwann. Ich werde weiter Auto fahren.

      Sag mal, geht es noch?

      1. Irit, Du weißt, ich mag Dich. Und ich schätze Dich. Und ich respektiere Dich. :-))

        Und — an dieser Stelle bin ich bei Caro.
        Ein bisschen (komfortable) Veränderung wird uns nicht den Arsch retten. Oder den des Planeten. Die einzigen Veränderungen, die *wirklich* einen echten positive(re)n Unterschied bewirken können, würden weh tun. Ich werde mein Heizöl bald nicht mehr bezahlen können. Das ist übel. Es bedeutet: kalt duschen und frieren. Oder umziehen in eine Mietwohnung mit einer anderen Heizung. Ich w i l l nicht frieren oder umziehen. Trotzdem ist mir klar, dass es jetzt keinen anderen Ausweg mehr gibt.

        Es geht nicht darum, Vorbild zu sein.
        Es geht darum, ernst zu machen. Jetzt. Jetzt. Genau jetzt.

        1. Das mit deinem Haus und den Energiekosten tut mir leid – ich weiß, wie sehr du an deinem Haus hängst, du hattest es mal als deinen persönlichen Luxus bezeichnet. Was ich gut verstehen kann, meine Wohnung ist auch mein persönlicher Luxus.

          Bevor du ausziehst: schon mal über eine Untervermietung nachgedacht?

          Bei der Veränderung bin ich anderer Meinung: ich glaube schon, dass man innerhalb der persönlichen Komfortzone etwas ändern kann. Hier ein bisschen, da ein bisschen und es leppert sich – vor allem, wenn das viele machen. Und dann wird die Komfortzone auch größer und man macht noch ein bisschen mehr. Ich sehe das wie allzu ambitionierte Sportprogramme (=ich gehe jetzt jeden Abend laufen) – das ist kein nachhaltiger Ansatz. Stetige Verbesserung schon.

          PS: meine Freundin und ich haben unsere Kurztrips gestrichen. Ist nicht viel, sind aber eben weniger Flüge. Die Fleischportion verkleinern – das sind schnell mal 20-40%. Und so weiter

          1. Ich sehe das wie Du, Irit. Die Strategie der kleinen Schritte mache ich auch. Weniger Fleisch essen, das Gemüse kommt dieses Jahr von der solawi (regional, bio und unverpackt) und Klamotten kaufen ich weniger und dann gerne second hand. Automässig bin ich letztes Jahr von einem Mittelklassewagen auf einen Kleinwagen umgestiegen. Natürlich rettet man mit den Dingen keine Welt. Ich stelle aber fest, dass man mit seinen Änderungen in gewisser Weise „Vorbild“ für Freunde und Verwandte sein kann, die plötzlich auch anfangen, Ihr Verhalten zu ändern. lg alexandra

        2. Das ist leider der Punkt. Ohne Verzicht werden wir den Klimawandel nie begrenzen können. Gar kein Auto mehr(auch keinen kleinen Fiat) und max eine private Fernreise alle 6 Jahre(dann halt etwas länger bleiben)waren ein Anfang. Dazu scheinen aber zu viele nicht befreit zu sein. Wer über ”meine Lebensqualität“ redet, möchte vielleicht nicht so viel an die der kommenden Generationen oder andere Bewohner dieses Planeten denken.

          1. das ist mal wieder eine einfache Lösung eines komplexen Problems – und genau wie alle anderen Vorschläge dieser Ausrichtung funktioniert er nicht.

            Stellen wir uns mal kurz vor, niemand würde mehr ein Auto kaufen. 5% des BIP weg, sehr viele Arbeitslose, weniger Kaufkraft, andere Unternehmen gehen den Bach runter, noch mehr Arbeitslose, erste Kürzungen bei Sozialleistungen und so weiter und so weiter.

            Das hört sich immer so toll und einfach an, berücksichtigt aber leider nicht das Gesamtgefüge. Und da würden bei dem Szenario alle verlieren und zwar als erstes die sozial Schwachen

  9. Liebe Irit,

    nein, ich glaube, bei einigen geht’s nicht mehr! Die Wurzel allen Übels ist der Neid.

    Ich wähle wie oben schon erwähnt ebenfalls grün, fliege niemals und bin Fußgängerin mit Jahreskarte für die Öffis. Nix Langstrecke oder Inlandsflug, kein SUV und auch kein Wein, während die anderen Wasser trinken. Aber eben auch kein Oberlehrertonfall, wenn jemand in den Urlaub fliegt.

    Ich finde es großartig, daß jemand so offen darüber spricht, welche Partei er wählt, wie Irit das tut. Mit der Wahlverweigerung einiger hier werden weder die Klima- noch die sonstigen Probleme gelöst. Aber man kann sich dann sicher gut fühlen, weil man ja an nichts schuld ist. Auch eine Haltung – aber nicht meine.

    LG, Wally

  10. Guten Abend an Alle,
    ich habe grün noch nie gewählt. Zuerst wählte ich gar nicht, hat mich nicht interessiert. Dann CDU, um überhaupt zu wählen, immer noch kein Interesse. Vor ein paar Jahren immer wieder SPD, weil ich mit der CDU nicht zufrieden war und diesmal aus Überzeugung Grün, weil sich auf der Welt und in Allem etwas ändern muss. Auch, wenn manchen die Veränderungen weh tun werden (mir sicher auch) es kann nicht angehen, dass man in 20-30 Jahren nicht mehr atmen kann, nur weil die hohen Herrschaften der Regierung zu feige sind etwas zu unternehmen, es könnte ja ihrer Partei schaden.
    Frau M. hat mal klein angefangen und nun 16 Jahre geschafft, weshalb soll es Frau B. nicht auch schaffen. Ich finde die Dinge, die man in ihrer Vergangenheit bemängelt sind Peanuts gegen dass, das die Konkurrenz „am Stecken“ hat. Mr. L. hat nicht das Zeug für einen Kanzler und der Super S. ist auch nur ein Mensch, der einen Posten will. Wenn S. wirklich Mum in den Knochen hätte, hätte er sich dafür eingesetzt, das Laschi die zweite Geige bekommen hätte.
    Was das Fliegen betrifft, es sind nicht die Passagiere, die die Luft verpesten, es sind die Fluggesellschaften, die Flugreisen zu billig machen. Wenn ich mit dem Zug viele Stunden für viel Geld (ca. 120 €) und umständlich von Hamburg nach Madrid fahre, für das Flugzeug aber wenige Minuten brauche und 20 € bezahle, dann wähle ich natürlich das Flugzeug. (Preise sind Tatsache. Ich bin noch nie geflogen). Ich erinnere mich noch gut an den Lockdown im Frühjahr 2020, wie klar blau der Himmel und die Luft war ohne den Flugverkehr. Aber nicht nur das Flugzeug ist schuld am Umweltschaden, auch die Containerschiffe, Fabriken, LKW’s, PKW’s und ganz besonders wir Verbraucher. Tropisches Obst, laufend neue Kleidung, billige Kleidung, das viele Dekozeug. Die Läden sind voll mit unsinnigen Sachen, die kein Mensch braucht, jedoch viele kaufen. Immer neue Süßigkeiten … Ich glaube, ich könnte die ganze Nacht hindurch schreiben.
    Guts Nächtle

  11. Hallo in die Runde,
    Ich halte es ähnlich wie Irit: Biokiste, Ökostrom-Tarif (mir ist bewusst dass aus der Steckdose nicht unbedingt Ökostrom kommt), bin Radfahrer und Fußgänger. Wir haben ein Auto als Familie, ein Passivhaus und Solaranlage für Warmwasser. Aber natürlich zeige ich meinen Kindern die Welt soweit möglich, reise gelegentlich etc. Ich denke schon, dass jeder seinen Teil beitragen kann aber mal im Ernst: USA, China, Indien usw lachen sich kaputt; denen würde im Leben nicht einfallen auch nur irgendeine Einschränkung hinzunehmen. Insofern: jeder mache, was sein/ihr Gewissen gebietet. Und wie immer gilt: was Du nicht, willst, das man Dir tu….

    1. da hast du in der Tat auch einen Punkt zum drüber nachdenken. Ich habe gleich mal gegoogelt und D hat einen Anteil von gut 2% bei den weltweiten CO2-Emissionen. Ich hätte mehr vermutet. China 28%, USA 15%. Tja, selbst wenn wir alle nur noch Fahrrad fahren, macht das nicht besonders viel aus. Da bleibe ich bei meiner Strategie und versuche mich „vernünftig“ zu benehmen. Beim tägliche Konsum – das tut dann nämlich auch was bei den Emissionen durch internationalen Handel.

      1. Moin Irit und Alle,
        da liegt ja das Problem. Man liest „D = 2%“ und man meint, wir sind fein raus. Weshalb sollen wir etwas ändern, auf unseren Luxus verzichten, sollen doch erstmal die Anderen. Es ist aber so, dass wir Massen aus China importieren (sonst brauchte es keine Containerschiffe, Flugfracht), damit sind wir zu einem Großteil an den 28 und 15 % beteiligt!

        Fahrrad fahren ist auch toll, erst recht, wenn Made in China. Oder EBike mit Akku aus China

        China, Indien, USA lachen, sollen sie lachen, sie Atmen in erster Linie ihren Smog, trinken ihr Wasser, haben ihre Brände und ihr Insektensterben.

        Wir Verbraucher können die Welt nicht verbessern, wir können nur das kaufen, was angeboten wird. Die Regierung muss Veränderungen schaffen, aber das wird keine tun, weil sie alle Angst haben

  12. Ich reise weiterhin, fliege wenn das Reiseziel es braucht. Fahre Auto wenn es besser paßt, nehme den Zug wenn es komfortabler ist.
    Esse 4 mal die Woche Fleisch, manchmal 1 Woche gar kein Fleisch. Trinke italienischen Wein, kaufe Kleidung, Schuhe. Trenne Müll. Ich arbeite sehr viel, die wenig freie Zeit freue ich mich über mein Leben. Bin sozial und solidarisch mit Schwächeren.
    Belehre nicht über die bessere Lebensweise, hoffe 90% lassen sich Impfen.
    Ich wähle nicht grün. Ich bin politisch. 8 Mrd Menschen wollen ein gutes Leben. 10 Mrd in einigen Jahrzehnten. Hält die Welt das aus, dss Klima das aus? Ja, davon bin ich überzeugt. Technologie und Fortschritt schreiten weiter voran.

    1. Bitte, wer Umweltschutz betreibt, ist doch auch optimistisch: daß die eigenen Beiträge nicht sinnlos sind. Sonst täte man dies nicht und lebte stattdessen, als gäbe es kein Morgen.
      Eine Wärmepumpe baut man sich nicht aus Armut ein.

      Im übrigen bin ich lange schon der Ansicht, daß es technologische Neuerungen sein werden, die die Wende bringen können und, nicht zu vernachlässigen, die Arbeitsplätze in Europa sichern helfen.

      Wichtig ist zunächst nichtsdestotrotz die Frage, was man selbst dazu beitragen kann (willensunabhängig). Ergibt sich eine Diskrepanz zur Umsetzung, bräuchte es Argumente.

      Der Verweis „aber die anderen“ hat, vorsichtig formuliert, nur bei wenigen Dingen geholfen und kann eher eine Beschönigung gesehen werden.

      Die Frage ist doch, wie bewältigt die Gesellschaft den Klimawandel zum Positiven.
      Da zählt wie in der Pandemie der Blick des Einzelnen: auf das Ganze. Vorsichtig formuliert (ich habe da mal so einiges weggelassen 😉).

      Alles Gute!

  13. Puh, jetzt habe ich mich durch alle Kommis durchgelesen. Ich wähle Grün und Volt… ich habe lange mit meinen jungen Kollegen gesprochen und bin erstaunt, wie engagiert die sind. Herausgekommen ist nach langen Recherchen diese Kombi.
    Ich fahre SUV (ich komme vom Land in 3 Schichten arbeitend leider nicht mit den Öffis zur Arbeit und zurück). Wenn ich morgens völlig übermüdet von der Intensivstation nach Hause in mein Bett fahre, möchte ich ein sicherheitstechnisch perfekt ausgestattetes Auto mit viel Pufferzone. Wer schon des Öfteren Kontakt mit Rehen, Hirschen und Wildschweinen hatte und weiß, was von einem Menschen übrig bleiben kann, wählt auch mal diese umweltschädliche Alternative. Stolz bin ich darauf nicht, aber es ist mein Leben und meine Gesundheit.
    Ich fliege nicht, erledige soviel wie möglich zu Fuß, esse wenig Fleisch ( vom Jäger meines Vertrauens), kaufe vor allem regional (die Vorteile, wenn man auf dem Land wohnt), ich vermeide tierische Produkte ( außer Käse und Joghurt)… Meine Tochter lebt sehr Öko, ist Veganerin und sagt immer: „du musst nicht an einem Tag die Welt retten… ich bin stolz auf dich, das du viele kleine Schritte tust“. Und das bedeutet mir sehr viel.
    Liebe Irit…Danke wieder mal für diesen tollen Post. Ich freue mich, wenn sich hier nicht nur perfekte Menschen tummeln, sondern so vielfältige Menschen dabei sind.
    Die Greta Thunberg mag ich nicht, sie kommt immer so Aggro rüber und das mag ich gar nicht, das prallt an mir ab.

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