Sideboard Minimalismus Marie Kondo

Minimalismus. Oder doch nicht?

Das Thema Minimalismus mit sämtlichen Verzweigungen beschäftigt mich seit mehreren Jahren. Es gibt so viele Aspekte und Varianten und dann lese ich wieder etwas Neues oder beobachte mein eigenes Verhalten und bin verwirrt. Ich fürchte, so wird der Post auch. Ich wühle mich ein bisschen durch meine Gedankenwelt vornehmlich der letzten anderthalb Jahre. Und natürlich gibt es auch einen kleinen Ausblick auf meine Pläne für die nächsten Monate.

Wie alles anfing…

Nach meiner Trennung 2014 habe ich praktisch die gesamte Wohnung „entrümpelt“, alte Möbel verkauft, Bücher verschenkt/aussortiert/in den Altpapiercontainer gebracht. Über meine Wandfarbe nachgedacht, sehr langsam neue Möbel angeschafft. Immer weiter ausgemistet, Küchengeräte, CDs (außer einer Schublade mit meiner Callas-Sammlung plus Einstürzende Neubauten alles auf Festplatte) und so weiter und so weiter.

Dieser Prozess dauert immer noch an, das eine oder andere habe ich ersetzt, weil der erste Kauf dann doch nicht so toll war. Und damit noch eine Menge Leute erfreut (ihr glaubt nicht, wie viele Antworten man auf „zu verschenken“-Annoncen bei Ebay Kleinanzeigen bekommt).

Minimalismus umsetzen?

Meistens wird Minimalismus mit „ausmisten“ gleichgesetzt (was natürlich zu kurz gedacht ist) – also fangen wir mal damit an. Ich vermute, alle kennen Marie Kondo und ihren Ansatz, wirklich alles auszuräumen und nur die Dinge zu behalten, die Freude bereiten. Dabei geht man nach Kategorien (Kleidung, Bücher etc) vor. Ich habe das in Teilen gemacht, aber nicht durchgängig. Wobei ich den Ansatz mag, nur Dinge zu besitzen, die Freude bereiten.

Andere Strategien sind die „Zimmer für Zimmer“-Methode von Joshua Becker. Womit schon der erste Blogtipp in Sachen Minimalismus kommt: Becoming minimalist (englisch). Er geht die Sache allerdings deutlich umfassender an und sein Ansatz erstreckt sich auf alle Lebensbereiche von Kindererziehung bis entspannterem Leben.

Oder man macht jeden Tag ein bisschen, entfernt jeden Tag ein Teil oder engagiert einfach jemanden, der hilft.

Wieviel ist genug?

Irgendwann zwischendurch gab es auch diverse Berichte über Menschen, die ihren kompletten Besitz in zwei Umzugskisten haben und die Bilder der sehr stylishen, fast leeren Wohnungen geisterten überall herum. Ich mag keine zugestellte Wohnung, aber ich mag es gemütlich. Ich habe mittlerweile einige Teppiche, diverse Pflanzen, große Bilder und schöne Lampen. So richtig durch mit meiner eigenen Wohnvision bin ich noch nicht, mit meiner Lebensvision auch nicht, aber es wächst.

Ich denke, das Leben zu entrümpeln ist ein sehr wichtiger erster Schritt, aber:

Minimalismus ist für mich nicht aufräumen und ausmisten

Vielmehr geht es für mich darum, durch weniger Besitz und Konsum insgesamt ein entspannteres, schöneres und stressfreies Leben zu erarbeiten. Ich schreibe mit Absicht „erarbeiten“, denn einfach ist das nicht.

Denn: ich mag schöne und auch richtig gute Dinge und ich möchte es so einfach wie möglich haben. Ein kabelloser Dyson ist eine prima Investition, spart auch gleich den Handstaubsauger. Meine sauteure Küchenmaschine von Kenwood ist mit Sicherheit nicht nötig, aber ungemein hilfreich. Und natürlich: ich brauche keine zehn Seren und fünf Cremes. Ich will sie aber haben und benutzen.

Kurz gesagt: nicht so einfach, die richtige Balance zu finden.

Ich habe für mich so einige Themen gesammelt und die werde ich in den nächsten Wochen und Monaten eins nach dem anderen beleuchten und sehr gerne mit euch diskutieren. Einige Themen haben sich einfach so ergeben, ich habe auch einiges auf anderen Blogs gelesen.

Beschäftigt sich von euch noch jemand mit dem Thema?

PS: am Mittwoch gibt es natürlich prompt einen Post zu einer Neuanschaffung – die ich sehr genial finde.

PPS: ich habe dazu schon einiges geschrieben, findet ihr hier

8 Meinungen zu “Minimalismus. Oder doch nicht?

  1. Guten Morgen,
    Ich habe mich beim Geheimen Garten angemeldet, aber beim Einloggen wird meine Mailadresse nicht akzeptiert, auch mit dem Benutzernamen klappt es nicht. Was kann ich tun?
    Grüße von einer stillen Leserin.

  2. Das Thema Minimalismus beschäftigt mich zZ auch. Vor unserem Umzug nach Virginia hatte is ALLES ausgemistet, entrümpelt und verschenkt/verkauft. Wir hatten ein tolles, stylisches, leeres Haus. Wir brachten genau 2500kg “Besitz” mit (erlaubt waren 5000!). Nach und nach haben wir wieder aufgestockt. Hier gibt es unglaublich tolle Second Hand shops (Oberteile $5, Kleider $6) und plötzlich fühle ich mich wieder eingeengt (und miste wieder aus). Mein Mann nennt es “Optimalismus”. Jeder muss für sich das findet was funktioniert. Ich hätte gerne ein leeres Haus. ABER, ich mag es auch gemütlich. Ich mag grosse Bilder an den Wänden, viele grosse Pflanzen und ich liebe es kreativ zu sein. Ich finde, so lange ich etwas wirklich mag, oder auch benutze, soll es bleiben. Ich versuche aber immer sofort die ungeliebten/unbenutzten Dinge sofort zu entsorgen. Ich merke gleich wenn ich ein Paar Schuhe nicht mehr mag, die Bluse nervt, oder ein Kochlöffel nie benutzt wird. Diese Dinge kommen dann gleich weg. In der Garage steht ein Korb der regelmäßig zum Second Hand gebracht wird. Ich finde ein Wohnort sollte voller Dinge sein die man mag und braucht. Alles andere ist Ballast. Ich merke auch wie “zuviel” mich gleich aus der Bahn bringt und dieses erdrückende Gefühl spornt mich an etwas dagegen zu tun. Da ich als “Maximalistin”😁 erzogen wurde, wird mich dieses hin und her wohl ewig begleiten. Ist aber irgendwie spannend sich öfters über die eigene Umwelt Gedanken zu machen.

    1. ja, so ähnlich geht es mir auch. Den eigenen Optimalzustand zu finden ist schwierig. Und ich mag das Wort „Optimalismus“. Ich hatte schon mit „Komfortismus“ geliebäugelt, aber das trifft es noch besser.

      By the way: bist du schon geimpft und somit auf der sicheren Seite???

      1. Leider bin ich noch nicht geimpft. Mann (Zivilangestellter bei der Army und deswegen Priorität) und Tochter (arbeitet in einer Tierklinik) schon. Ich LEIDER noch nicht da ich “Hausfrau”😒 bin. Ich melde mich in jeder Apotheke und werde jetzt auch meinen “Impf-Radius” erweitern…ist mir egal wie weit ich fahren muss! Unsere Eltern haben schon längst beide Impfungen hinter sich (zum Glück!)

  3. Mich würde einiges über erweiterte Minimalismus-Bereiche interessieren, das aus dem Buch.

    Meine Definition ist nicht „so wenig wie möglich“, sondern: „nichts aufheben, was passé ist.“ Ich hab die meisten Probleme mit Sachen, die nicht wiederbeschaffbar sind. Neulich las ich: „Minimalismus muss man sich leisten können“ und das ist nicht ganz falsch. Ich werfe weg mit dem Hintergrund, mir das im Notfall noch mal zu kaufen, was aber eigentlich nie auftritt. Dagegen kaufe ich durchaus mal Sachen nach, die ich schon habe, aber nicht finde. Wir haben z.B. noch CDs, aber hören keine mehr. Wie Filme streamen wir. Der Kauf von analogen Büchern ist fast komplett eingestellt und die vorhandenen sollen auch im Umfang halbiert werden, weil sie zur unbenutzten Deko eines früheren Lebens geworden ist. Ich erinnere mich an die Bücherwand meiner Mutter, die seit Jahrzehnten praktisch unverändert da stand – aber auch nichts mehr genutzt wurde und wie spooky ich das immer fand. Bei uns ändern sich zwar die Bücher, aber wir haben auch noch einen Großteil alter Bestände, die sollen jetzt raus. Dito: Kochbücher, mein großes Problem. Ich liebe sie emotional sehr, aber benutze eigentlich fast nur noch chefkoch.de oder Kochblogs und youTube. Dazu kommt: die Art des Essens hat sich in den letzten Jahren sehr verändert und durch Reisen hab ich auch einiges verinnerlicht, was damals neu war. Einige Bücher habe ich als Aufforderung und Anleitung, z.B. über Putzen, Meditation, Yoga, Medizin, Handwerk usw. eigentlich gehören auch die Kochbücher dazu.

    Weiteres Problem: Küchenzubehör. Ich benutze das nur selten und der Preissprung ist in den letzten Jahren so nach oben gegangen, dass ich hier auch überlege, das wegzutun. Wenn ich mir die älteren Frauen ansehe: die kochen zwar noch immer gern aber immer weniger aufwendig. Besonders beim Backen fällt es mir auf und es wird gekauft. Die Qualität ist aber wirklich dort auch sehr gestiegen im Verhältnis zu früheren Jahren.
    Ein Teil meiner Familie lebte im essbegeisterten Frankreich und kaufte immer beim Spezialisten, wo das möglich war. Meine Mutter hat ihr Können weit überschätzt und wir wären froh gewesen, wenn sie mal was vom Bäcker gekauft hätte, auch weil sie dann nicht völlig entnervt gewesen wäre, wenn mal wieder was misslungen war. Das war mal anders. Ich backe gern, esse aber nicht viel. Brauche ich das Zeug wirklich noch?

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