Ein Frauenmythos – die beste Freundin

Die beste Freundin, ein echtes Frauenthema und als ich mir kürzlich „Immer für dich da“ auf Netflix angesehen habe (ja, es ist Lockdown, Corona und ich verbringe zu viel Zeit allein), habe ich mir meine Gedanken zu dem Thema gemacht.

In der Serie lernen sich zwei vorpubertäre Mädchen kennen und halten den Rest ihres Lebens zusammen – wobei die letzte Szene auf das Ende der Freundschaft hinweist. Ich habe natürlich neugierig gegoogelt – (Achtung – Spoiler für Staffel 2, die dann vermutlich irgendwann mal kommt), tatsächlich, es gibt einen dicken Eklat.

Aber von der Serie zur Realität.

Hat hier jemand eine Freundin seit „Kindertagen“?

Wenn ich auf meine Freundschaften zurückblicke, würde ich das Ganze eher als Mischung aus serieller Monogamie und Singledasein bezeichnen plus Erlebnisse, die genauso auch in einer Paarbeziehung passieren können.

Und je länger ich darüber nachgedacht habe, umso mehr stellte ich fest: ja, die Sachen, die ich immer über die Paarprobleme anderer Leute lese – die sind mir nicht mit Männern, sondern mit Frauen passiert. Eine ist mal aus nichtigem Grund verschwunden, bei anderen waren die Ansichten über das Leben unterschiedlich und so weiter. Die Parallelen sind erstaunlich, ich habe das vorher noch nie so gesehen.

Aber seien wir ehrlich:

Wenn es im Leben kracht – hat man hoffentlich eine beste Freundin

Das ist die, mit der man stundenlang telefoniert, Probleme wälzt, die einen unterstützt und mit der man über einfach ALLES reden kann – egal wie banal, peinlich, toll.

Und genau wie bei den Paarbeziehungen gibt es vermutlich nur in Ausnahmefällen die lebenslange Freundschaft. Ich denke auch aus gutem Grund: das Leben ändert sich, die Lebenssituation und auch banales Drumherum wie der Wohnort.

Die andere Beziehung

Von all den Frauen in meinem Leben, die mir mal wichtig waren, sind nur wenige über geblieben. Die gehören fest zu meinem Leben, selbst wenn wir uns manchmal ein halbes Jahr nicht sprechen. Die Verbindung ist da und auch nach längeren Auszeiten macht man nahtlos an der Stelle weiter, an der man das letzte Mal gesprochen hat. Ein echtes Phänomen. Funktioniert sogar (in einem Fall) nach fast zehn Jahren Sendepause – allerdings kennen wir uns auch fast 45 Jahre.

Die beste Freundin

Und dann gab es noch den Glücksfall: in meinem Leben gibt es nämlich nicht nur den tollen Mann, sondern auch eine tolle Frau. Von der stammt der Zettel, den ich fotografiert habe – er lag in den schlimmsten Trennungszeiten auf meinem Schreibtisch.

Habt ihr eine beste Freundin? Oder eher gemischte Lage?

PS: etwas mehr zu meiner privaten Situation gibt es im „Geheimen Garten“. Für alle Gärtner*innen hier der Link. Wer auch im privaten Rahmen ohne Internetöffentlichkeit diskutieren möchte, ist herzlich eingeladen, Infos gibt es hier.

13 Meinungen zu “Ein Frauenmythos – die beste Freundin

  1. Leider nein, habe ich nicht und habe mir lange deswegen Druck gemacht bzw. mich wie ein Versager gefühlt, dass ich das offensichtlich nicht hinkriege, was in Serien, Filmen, Büchern, Zeitschriften glorifiziert wird. Und was hab ich mich angestrengt, verbogen, zurückgesteckt, weggeschaut, nur um sagen zu können, ich habe Freunde/beste Freundin. Nicht mal meine Mutter ist meine beste Freundin, sondern meine Mutter. Und mein Mann, wir steuern auf die Silberhochzeit zu, ist zwar derjenige, der viele Freundschaften und deren Scheitern, Abflauen, Auseinanderdriften, mitbekommen hat aber für mich ist er mein Mann und nicht mein bester Freund.
    Und irgendwann habe ich akzeptiert , dass ich da nicht mithalten kann und in dieser Kategorie max. mit Lebensabschnittsfreundschaften oder Bekanntschaften aufwarten kann. Aber immerhin muss ich mich dafür nicht verbiegen, zurückstecken oder sein, vorspielen, was ich nicht bin.

    1. warum solltest du auch? Ich halte auch nichts davon, Menschen in anderen Rollen (Mutter, Mann, Kinder) zu „zweckentfremden“

      Ich denke, es ist genau wie mit den Paarbeziehungen – manchmal funktioniert es gut und man trifft jemanden (so wie du), und manchmal eben nicht. Aber… das kann sich ja praktisch täglich ändern!

  2. Bei mir ist es ähnlich. Unsere Leben haben sich doch sehr auseinanderentwickelt, sind weit verzogen. Mit einer hab ich den Kontakt wieder intensiviert, momentan sind unterschiedliche Ansichten zu Corona nicht einfach, aber es wird auch wieder andere Themen geben. Beste Freundinnen hatten früher einen anderen Stellenwert, als man gemeinsam auf der Suche nach Orientierung war. Die Zeit war generell sehr intensiv und viele Gedanken hatte man das erste Mal zusammen, was auch sehr verbunden hat.
    Dann gingen wir alle in den Familien auf, die Verbindung blieb, wurde aber sehr viel lockerer.

    Wenn man sich nicht mehr wie früher abends mal treffen kann, weil man hunderte Kilometer auseinander wohnt, fehlt auch ein wesentlicher Teil. Bei meiner Mutter hab ich gesehen, dass einige Freundschaften wieder intensiver wurden, als beide oder eine verwitwet waren. Ich hab aber dennoch immer intensive Freundschaften für die ich auch aktiv was mache, damit sie wachsen können. Ich hab auch langjährige Freundschaften auf der Arbeit, „meine beste Freundin“ dort ist ein Mann. Wir haben fast zur selben Zeit die Kinder bekommen, aufwachsen sehen und nun unterhalten wir uns über unsere Enkel. Wir haben Ehekrisen und heimliche Schwärme zur Erschöpfung analysiert 😃 und sahen uns auch ständig, um tagesaktuelle Entwicklungen zu bequatschen.

    Freundschaften aktivieren sich in Krisen wieder neu und man findet auch immer neue, denen zwar die gemeinsame Vergangenheit fehlt, aber dafür sind sie passgenau und genauso intensiv. Es gab Zeiten, wo ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich je ohne meine beste Freundin (ich hatte 2) sein werde, aber wir hatten auch nie wieder die gemeinsame Lebenssituation und ich verankerte auch mich stärker in der Familie, als ich mir das damals vorstellen konnte, meine Freundinnen aber auch. Sie sind zwar noch da und wenn wir uns sehen, ist sofort emotional wieder alles da, aber richtig aktiv und tief sind die aktuellen, die ich in der Situation getroffen habe, in der ich jetzt bin. Alles kann wieder werden, wenn es wieder neu passt, aber wenn nicht, bleibe ich dankbar und ewig verbunden und pflege die, wo es passt und die mich jetzt kennen, wo auch ich anders bin als früher.

    Ich merke auch bei meinen jüngeren Freundinnen, wie einen das Familienleben absorbiert und das ging mir genauso. Soviel Zeit und Unabhängigkeit wie früher hatte ich aber auch nie wieder. Ich genieße gerade, wieder mehr davon zu haben.

    1. Die Freundschaften haben sich auch im Vergleich zu früher geändert. Ich erinnere mich noch an stundenlange Telefonate und so weiter. Das würde mich heute nerven. Aber ändert nichts an der Verbundenheit. Und ja, du hast recht – das Familienleben kann ganz schön absorbierend sein. Ich verbringe momentan sehr gerne den Abend auf dem Sofa mit meinen Töchtern, wer weiß, wie lange das noch so geht. Nicht mehr so lange, das große Kind wird wohl im OKtober flügge.

  3. Ich habe eine tatsächlich eine beste Freundin seit dem Kindergarten. Wir gingen zusammen zur Schule, auf dem Gymnasium waren wir zwar in getrennten Klassen (Latein / Französisch). Ich machte eine Ausbildung, sie studierte. Ich bekam meine Tochter mit Mitte 20, sie Ende 30. Sie ist eine Eule, ich eine Lerche….. Eigentlich trennt uns mehr (auch räumlich rund 200km), als wir gemeinsam haben. Und vielleicht ist es doch gerade das, was uns unsere Freundschaft so genießen lässt. Die jeweils Andere hat oft eine vollkommen andere Sicht auf die Dinge und das ist zwar manchmal anstrengend, aber oftmals ist gerade das die wichtigste Entscheidungshilfe.
    Dass wir mit den gleichen Werten aufgewachsen sind und ähnliche Lebensvorstellungenhaben, hilft uns immer wieder schnell zueinander zu finden. Auch wenn wir manchmal wochenlang nicht miteinander telefonieren, geschweige denn uns sehen (zuletzt im Juli letzten Jahres).
    Ich möchte sie auf keinen Fall missen, denn sie ist eine liebenswerte, zuverlässige und konstante Größe und bereichert mein Leben…. und ich denke jetzt rufe ich sie gleich mal an. Gut, dass es Telefonflatrates gibt.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Lisbeth

  4. Meine beste Freundin kenne ich über 30 Jahre – fast mein ganzes Leben (aus dem Kindergarten). Eigentlich sind wir wie Schwestern. Da wir uns ja wirklich von klein auf kennen, sind auch unsere Eltern heute noch befreundet, wir gehören praktisch jeweils zur Familie. Es war aber auch bei uns so, dass wir uns zwischendurch in andere Richtungen entwickelt haben und wir uns dann auch längere Zeit nicht gesehen haben oder der Kontakt dann eher oberflächlich war. Aber wir haben immer wieder zusammengefunden.
    Mein Bruder hat übrigens auch einen besten Freund, den er schon 20 Jahre kennt. Auch die hatten immer mal Phasen mit weniger Kontakt, finden aber immer wieder zusammen.

  5. Ich dachte, ich bin die einzige, der es so geht!
    Vielen Dank für den Artikel. Ich habe schon gedacht, es läge an mir, dass ich zu unterschiedlichen Lebensabschnitten unterschiedliche „Gefährtinnen“ habe und keine lebenslange beste Freundin…

  6. Ich habe keine beste Freundin, noch nicht einmal eine gute Freundin, eher einige Bekannte, denen ich jedoch nicht mein Herz öffne. Das sind eher oberflächliche Bekanntschaften.
    Das liegt wahrscheinlich an meinem Lebensstil, was mich jedoch gar nicht stört.
    Mein Mann ist Ehemann und bester Freund in einer Person. Wir sind schon durch dick und dünn gegangen, haben Hochs und Tiefs gemeinsam erlebt und durchgestanden. Die Jahre haben uns zusammengeschweißt. Wir sind das beste Team der Welt.
    Okay, das denken auch andere von sich; wir sind eins der besten Teams 😉

    Ich habe nicht das Gefühl, dass mir eine Freundin fehlt.

  7. Ich habe sogar zwei beste Freundinnen, die erste seit nun 45 Jahren, bei der zweiten sind es auch schon 35. Es ist genau wie von dir beschrieben. Man hat sich lange nicht gesprochen und kann wieder genau da anknüpfen, wo man vorher war. Ich möchte keine von beiden missen, einer geht es gesundheitlich gerade schlecht und ich bin um sie in Sorge wie ich es wäre, wenn sie ein Familienmitglied wäre. Mir würde sehr viel fehlen ohne die beiden. Aber wir sind uns auch bewusst, daß das die Ausnahme ist, nicht die Regel.

  8. Tatsächlich habe ich zwei beste Freundinnen aus der Schulzeit. Wir kennen uns seit über 40 Jahren und obwohl sich unsere Lebenssituationen zwischendurch nicht mal geähnelt haben, passt noch immer kein Blatt zwischen uns.
    Und dann gibt es noch eine Frau, die mich besser kennt als ich mich selbst und das ist meine, um nur 1 Jahr jüngere Schwester. Uns verbindet nicht nur die Familie, wir sind und waren immer dicke Freundinnen.
    Ich habe wirklich Glück.
    LG
    Nic

  9. Ein Mensch, mit dem ich alles teilen und machen kann, der mich immer unterstützt?! — Nee.

    In meinem Leben gibt es einen, mit dem ich die seltsamsten Gedanken/Erfahrungen teilen und den ich alles fragen kann; aber wir sehen uns nie. Einen, der mich jederzeit tatkräftig unterstützt, auf den ich mich verlassen kann. Ein paar, die mich inspirieren. Und, wenn ich Glück habe, einen für körperliche/emotionale Nähe… 😉 Ist doch okay so. Zusammen genießen, was zusammen am besten geht.

    Menschen kommen und gehen. Und jeder hat seine Zeit.

  10. Ich habe tatsächlich ein paar sog. beste Freundinnen aus Kindheitstagen. Auch wenn sich die Freundschaft natürlich verändert hat. Jede hat sich iwie in eine andere Richtung entwickelt. Wir sehen uns auch nicht so oft, aufgrund der unterschiedlichen Lebensumstände. Aber die Basis ist immer geblieben und wir whatsappen alle paar Tage. Vielleicht checken wir irgendwann ins gleiche Altersheim ein, wer weiss haha. Diese typisch beste Freundin habe ich aber nicht mehr. Ich könnte das auch zeitlich gar nicht mehr schaffen ….stundenlang alles besprechen, Männer verbal zerlegen etc. haha ….und das möchte ich auch nicht mehr. Wenn es brennt bin ich aber da, ohne wenn und aber. Und umgekehrt weiss ich auch, da sind Menschen für mich da. Grade die letzten Tage war ich sehr niedergeschlagen, da ich allein lebe, Single bin, nur homeoffice mache, nur noch arbeite von dunkel bis dunkel und mir das gerade alles zu viel wird ohne Menschen ohne Ausgleich. Einen emotionalen Ausbruch über whatsapp gehabt (ich sage sehr selten, dass es mir nicht gut geht) schon überlegen sich meine tolle Menschen, wie sie mich rausholen können aus meinem Loch. Und das, obwohl sie selber zu kämpfen haben. Ich bin sehr dankbar solche Menschen zu haben. LG

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