50 Jahre

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Heute mal nicht die neuste Creme oder die Balkonrenovierung – sondern etwas sehr persönliches.

Auf dem Bild seht ihr meine Eltern – lange vor meiner Geburt, irgendwann Mitter der 50er Jahre. Es war die große Liebe, meine Mutter war 17, mein Vater 21 und sie haben sich nie wieder getrennt.

Und hatten immer viel Spaß zusammen. Es war das Übliche in den 50ern. Man lernte sich kennen, ging tanzen und spazieren. Lernte die Schwiegereltern kennen. Irgendwann wurde dann geheiratet, aber der Spaß kam nicht zu kurz.

Sehr viel später – um genau zu sein zwölf Jahre später – kam ich dann dazu. Wir waren eine glückliche kleine Familie – zumindest was ich aus den Erzählungen meiner Mutter weiß.

Das hier ist mein Lieblingsfoto von meinem Vater und mir:

Es steht in meinem Wohnzimmer.

Heute vor 50 Jahren ist mein Vater bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit gestorben. Kein Abschied für meine Mutter. Und für mich ein 50 Jahre altes Trauma, das ich bis heute nicht bewältigt habe – trotz diverser Anläufe mit diversen Therapeuten.

Als ich in der Pubertät war, habe ich immer davon geträumt, dass das alles ein Irrtum war und mein Vater eines Tages vor der Tür steht. Es ist für mich merkwürdig, von „Eltern“ zu schreiben. Es waren immer meine Mutter und ich, ich habe keinerlei Erinnerung an meinen Vater. Nur die alten Fotos und Erzählungen. Erstaunlicherweise ist er auch noch bei vielen unvergessen, die alten Bekannten in Andernach erzählen mir noch von ihm. Ich habe viel von ihm geerbt, nicht zuletzt die Vorliebe für Salmiakpastillen und die schlechten Zähne.

Und jetzt sitze ich hier, mir laufen wie immer wenn ich an meinen Vater denke die Tränen herunter. Meine Mutter erzählt mir immer, wie stolz er auf mich gewesen wäre. Und auf meine Töchter, die mit Nachnamen so heißen wie er.

Tot ist man erst, wenn keiner mehr an einen denkt. Meine Mutter denkt jeden Tag an ihn. Ich auch.

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23 Kommentare

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Ach Irit, jetzt hab ich auch ein bisschen feuchte Augen. Das sind schöne Fotos. Erinnerungen, die bleiben, wenn auch diejenigen nicht mehr da sind, die uns noch von damals erzählen können.
Ich drück Dich!

Liebe Irit, ich drücke dich.
Es ist rührend, wie du an deinen Vater denkst und ich kann das sehr gut mitfühlen.

Ich hatte lange meinen Vater, er ist mit 81Jahren gestorben, aber auch ich vermisse ihn sehr und denke jeden Tag an ihn. Seit seinem Tod steht jeden Tag ein frischer Blumenstrauß in meinem Wohnzimmer. Zu seinem Gedenken. Mein Ehemann ist genau vor einem Jahr ohne dass wir Abschied nehmen konnten, gestorben. Das ist schmerzhaft und auch ich werde, genau wie deine Mama, jeden Tag an ihn denken.

Ganz liebe Grüße
Violetta

Liebe Irit,
hab‘ gerade einen Kloß im Hals, danke, dass Du das mit uns teilst.

Er ist und bleibt für immer ein Teil von Dir.

Mein Vater hat mich auch verlassen, allerdings freiwillig. Wenn ich das hier lese, frage ich mich, ob ich nicht doch einen Kontaktversuch starte, bevor es zu spät ist.

Fühle Dich umarmt,
Gabriele

mach das unbedingt – wenn er tot ist, ist es zu spät. Und falls das alles nicht so schön wird, dann hast du es versucht und dein Bestes gegeben.

Liebe Irit,
Vielen Dank für deine Geschichte, die mich sehr bewegt hat. Ich habe meine beiden Eltern leider auch schon begraben müssen, war aber bereits erwachsen und verheiratet. Das kann man nicht vergleichen. Kann mir nur in Ansätzen vorstellen, was du erlebt haben magst. Ich drück dich in Gedanken. Und dein Vater ist dein ganz eigener Engel, der dich immer begleitet. Tu dir heute was Gutes!

Ich schick dir gute Gedanken
Sabine

Oh Irit…auch ich sitze hier mit feuchten Augen. Meine Eltern sind beide wohlauf…waren am Wochenende sogar bei mir. Ich liege Nachts im Bett und denke dran dankbar zu sein daß ich sie beide noch haben darf. Mein Vater hat immer sehr viel gearbeitet, war aber irgendwie doch immer präsent. Ich kann mir garnicht vorstellen wie es ohne Ihn gelaufen wäre. Ich drück dich heute auch❤️

Liebe Irit,
eine schöne Liebesgeschichte, die Du von Deinen Eltern erzählen kannst. Sie sehen sehr glücklich auf den Fotos aus und waren bestimmt noch glücklicher als Du dazu kamst. Wie schade, dass Du so wenige eigene Erinnerungen an Deinen Vater hast! Gut, dass andere sich noch gut an ihn erinnern und Dir von ihm erzählen können. Für mich ist das wieder Ansporn, den Kontakt zu Mann und Tochter meiner besten Freundin zu pflegen, die vor zweieinhalb Jahren gestorben ist. Erst vor zwei Wochen habe ich mit ihrem Mann zusammen gesessen und wir haben über die coole Zeit als Studenten in Bochum erzählt. Das hat ihm und mir sehr gut getan. Nach ihrem Tod habe ich ihrer 12-jährigen Tochter einen Brief geschrieben und angeboten, dass ich ihr jederzeit gerne Geschichten von ihrer tollen Mutter erzähle.
Ein kleiner Trost ist vielleicht, dass Du zu Deiner Mutter eine besonders innige Beziehung zu haben scheinst.
Mieke

Gabriele mach das unbedingt. Mein Vater starb relativ jung und plötzlich und ich dachte ich habe noch unendlich viel Zeit. Hatte ich nicht. Dieses Erkenntnis kam zu spät. Das begleitet einen ein Leben lang.
Irit ich weiß nicht was ich genau schreiben soll, denn das Thema kommt mir sehr nah. Alles Gute und so wenig wie möglich schlechte Tage.

Liebe Irit,

was Du schreibst, berührt mich sehr. Ich durfte beide Eltern lange haben, ich denke jeden Tag an sie und vermisse sie immer noch.
Was bleibt, ist die Erinnerung. Und solange man an jemanden denkt, ist er nicht ganz fort…

LG, Irene

Irit, auf dem ersten Foto sieht deine Mutter aus wie du….das gleiche Gesicht. Ich habe mir vor Jahren schon angewöhnt, nie böse auseinander zu gehen. Egal, ob ich schlafen gehe oder das Haus verlasse. Man weiß nie, wie der Tag endet. Und sollte man im Streit auseinandergehen, kann man es hinterher nicht mehr gutmachen. Das Letzte, an was man sich dann erinnert, ist nicht eine Umarmung oder ein Kuss, sondern der Streit. Schade, das du deinen Vater nur so kurze Zeit haben durftest.

Liebe Irit, das große Loch im Leben, im Herzen, dort, wo der Vater sein sollte, teile ich mit Dir. Als ich zwei war, haben sich meine Eltern getrennt. Schlimme Geschichten, 500 Kilometer zwischen uns. Ich hatte mir immer vorgenommen, ihn zu finden und aufzusuchen, sobald ich 18 bin. Als ich 14 war, rief er bei uns zu Hause an — ich hörte zum ersten Mal bewusst seine Stimme; das war verstörend und hoffnungsvoll zugleich. Zwei Wochen später war er tot. Meine Mutter fuhr mit ihrem Lebensgefährten hin, um alles „zu regeln“.

Bis heute schleppe ich (manchmal schwer) meinen toten Phantomvater mit mir herum. Ich wünschte, ich könnte ihn noch einmal begraben. Ich war unglaublich wütend auf ihn. Und komme einfach nicht an ihn heran. Mir fehlt die Hälfte meiner Wurzeln, meiner Geschichte. Für immer.

An Stelle dieser Leere kann niemals etwas anderes sein.

Ich liebe 70er-Jahre-Fotos :-)

Liebe Irit, deine Geschichte ist sehr traurig und berührend 😞
Ich kann mich auch nicht mehr wirklich an meinem Vater erinnern. Er ging bzw meine Mutter hat ihn rausgeschmissen, als ich 7 Jahre war. Diese Jahre waren nicht schön, ich kann mich nicht erinnern, weiß es aber. Ich habe ihn danach nicht mehr gesehen. Meine Mutter hat es unterbunden, sie hatte ihre Gründe. Mit meinem Stiefvater hatte ich kein gutes Verhältnis. Auch das hat Gründe. Das letzte, was ich von meinem Vater erhalten habe, war die Rechnung der Stadt Neuss für seine Beerdigung. Diese musste ich zahlen, obwohl er nie was für mich gezahlt hat. Auch mit meinem Stiefvater habe ich abgeschlossen, viele Jahre nach dem Tod meiner Mutter. Ich versuche auch, mit allem abzuschließen. Das gelingt nicht immer. Es hat mein Leben beeinflusst und wird dies auch weiterhin tun. Aber das geht ja vielen so. Fühl dich gedrückt 😗 LG Andrea

Ein Vater liebt – ohne viele Worte
Ein Vater hilft – ohne viele Worte
Ein Vater versteht- ohne viele Worte
Ein Vater geht – ohne viele Worte
Und hinterlässt eine Leere, die in Worten niemand auszudrücken vermag.

Auch ich kann dich leider gut verstehen…Alles Liebe!

Wie mutig, dass Du so private Gedanken mit uns teilst.

Tatsächlich glaube ich, dass Lebewesen nie wirklich sterben.
Ein Teil von ihnen (nennen wir es Seele) lebt in uns und unter uns weiter.
Auch ich denke viel an die Lieben, die uns viel zu früh verlassen haben.
Mir gibt meine Denkweise Kraft an den Tagen, an denen es mir nicht gut geht.

Dir, liebe Irit, wünsche ich an diesem besonders traurigen Tag, ebenfalls viel Kraft.
Auch von mir eine „Luftumarmung“.
Ganz lieben Gruß

Bei uns ist es erst 4 Jahre her als mein Mann nach 47 Jahren Ehe einfach ,ohne Vorwarnung ,ohne Vorerkrankung an einem sog.plötzlichen Herztot verstarb. Meine Tochter und ich könnten uns auch nicht verabschieden. Meiner Tochter geht es wie Dir. Sie schleppt auch das Trauma mit sich herum. Sie hat seitdem u.a. Verlustängste, die sie nun auf mich projiziert. Aber prof. Hilfe will sie sich nicht holen. Mir hat eine Hypnosetherapie geholfen. Ich habe zwar nun einen neuen Lebenspartner ( mit getrennten Wohnungen) aber mein Mann ist trotzdem tgl.allgegenwärtig und für meine Tochter ist der neue Partner ein Störfaktor………naja. Wie ich hier lese, hat jeder so einen neuralgischen Punkt, mit dem sie/ er zu kämpfen hat.

Liebe Irit,
es tut mir so leid, das du deinen Papa kaum kennen lernen durfest. Er bleibt aber für immer in deinem Herzen und ich bin sicher, er schaut von oben herab und ist stolz auf seine Tochter.

Ich danke euch für eure liebevollen Kommentare

Hier sind doch viele, die ihr Päckchen zu tragen haben. Das ist nicht schön. Andererseits fühle ich mich in einer Gemeinschaft.

Diese Gedanken, diese Gefühle Deinem Vater gegenüber – sie sind ein Teil von Dir, sie gehören zu Dir, und sie sind wichtig. Wichtig, nicht einzig, weil sie Dich seit vielen Jahrzehnten prägen, sondern auch, weil sie die Zugehörigkeit von Euch beiden unterstreichen. Zu wissen, wie sehr die Eltern einander geliebt haben und wie sehr sie einen selbst liebten, kann ein sehr schönes Gefühl sein, das Geborgenheit verleiht.

Hallo Irit,

ich fühle mit dir. Meine Eltern leben zwar beide noch, aber ich weiß trotzdem aus schmerzhafter Erfahrung, wie es ist, jemanden so plötzlich und ohne die Möglichkeit eines Abschieds zu verlieren.
Mein Bruder starb Ende Januar 2016 ganz unerwartet. Er war am Wochenende noch bei uns zu Besuch, ging montags auf Dienstreise und starb nach seiner Rückkehr am plötzlichen Herztod.
Noch immer fällt es uns allen schwer, damit zu leben. Und ja, es gibt die Erinnerung und mit meinen Eltern kann ich auch über meinen Bruder und die gemeinsamen Erlebnisse sprechen. Aber die anderen Verwandten tun so, als hätte es ihn nie gegeben. Das belastet mich sehr.
Nun aber genug gejammert. Du bist eine starke Frau und ich bewundere es, wie deine Mutter und du mit dem Verlust zurecht gekommen seid.
Ich drücke dich,
Jennifer

Liebe Irit,

Ein sehr bewegendes Posting. Ich hab lange darüber nachgedacht und finde bemerkenswert, dass du nie schlechte Erinnerungen an deinen Vater behalten hast, die dich beeinflusst haben. Ich bin jetzt, 2 Jahre nach dem Tod von meiner Mutter, immer noch am Überlegen, wie es gewesen wäre, wenn sich jetzt immer noch so viel um sie gedreht hätte. Selbst mein wirklich sehr netter Vater hatte sehr viel Einfluss auf mein Leben und sein relativ früher Tod hat mir auf der anderen Seite mehr Unabhängigkeit verschafft. Der Punkt fiel mir erst 20 Jahre nach seinem Tod auf. Auf der einen Seite vermisse ich ihn noch immer, auf der anderen sehe ich inzwischen völlig zerstrittene Familien, weil Alter auch eigene Herausforderungen bereit hält, besonders, wenn man abhängig wird.
Man neigt mitunter dazu, nur die positiven Seiten eines Menschen in Erinnerung zu behalten, aber jeder Mensch hat 2 Seiten und beide prägen einen.
Als ich neulich auf der Beerdigung meiner Großtante war, ist mir mal spontan aufgefallen, dass ich einen sehr großen Teil meines Wesens in diesem Familienzweig wiedererkannte. Hast du mit deinen väterlichen Großeltern noch Kontakt gehabt oder ist dieser Familienzweig komplett abgerissen?

Liebe Irit.
Dein Artikel spiegelt Deine Geschichte wieder, alles Liebe, Freude, Spaß, Kind und dann… Ist es plötzlich ein Schock. Mir ist gerade kurz das Herz stehen geblieben und ich bin sehr ergriffen von deiner Geschichte.
Fühl dich gedrückt.

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