Was ist eigentlich aus dem Minimalismus geworden?

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Das Thema Minimalismus hat mich in den letzten fünf Jahren sehr viel beschäftigt. Es geht dabei nicht nur ums Aufräumen, sondern auch um Lebenszeit. Denn: ich muss (Arbeits-)Zeit aufwenden, um mir Dinge anzuschaffen, um die ich mich dann anschließend „kümmern“ muss. Daneben gibt es natürlich noch den ästhetischen Aspekt. Und das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch – wer wenig besitzt und kauft, verbraucht keine Ressourcen.

Minimalismus ist nicht Ausmisten

Klar geistern die diversen Tutorials herum, von den 30-Tage-Challenges (meistens jeden Tag einen anderen Bereich aufräumen, ausmisten und in Ordnung bringen) bis zur Netflixserie von Marie Kondo.

Ich habe mir NATÜRLICH all meine Besitztümer angeschaut und reichlich entsorgt. Hinzu kam die Situation nach meiner Trennung: ich hatte nur noch sehr wenige Möbel. Das war die nächste Herausforderung: nicht zu viel neu kaufen, sondern nach und nach und wie meine Kinder und ich es tatsächlich brauchen.

Was braucht man denn?

Das ist die schwierigste aller Fragen. Bei einigen Sachen war es sehr einfach: die diversen Weingläser in allen Varianten von Riedel habe ich verkauft. Und von dem Geld meine Bestände an Chardonnaygläsern (die gehen eigentlich für alles) und Sektgläsern aufgestockt – falls dann doch mal zwölf Leute an meinem Tisch sitzen.

Ich habe eigentlich in allen Bereichen nach einfachen und langfristigen Lösungen gesucht – und liebe mein Ikea 365+-Geschirr immer noch sehr. Und mein buntes Frühstücksgeschirr von Dibbern. Womit wir schon beim Punkt sind: natürlich BRAUCHE ich kein Frühstücksgeschirr, ich mag es aber sehr und erfreue mich jedes Wochenende daran.

Und das ist für mich Minimalismus: die Dinge behalten bzw. besitzen, die man mit Freude nutzt und die nicht den Reflex „ich müsste doch mal…“ hervorrufen.

Mittlerweile sieht meine Wohnung weitgehend so aus wie ich es mag. Ein paar Sachen sind noch zu tun, zum Beispiel endlich die Nicht-Maria-Callas-CDs auf eine Festplatte packen und die CDs entsorgen (Danke nochmal an Roland für die sehr nützlichen Tipps zu dem Thema!). Oder endlich mal die Fotos ab 2007 auf überschaubare Bestände bringen (nein, man braucht nicht fünf Varianten desselben Motivs) und Fotobücher machen. Ich mag Fotobücher zum Blättern. Naja, und ähnliche Sachen mehr. Also alles soweit im grünen Bereich.

Insgesamt sieht es bei mir jetzt in etwa so aus:

Ich mag ein paar ausgewählte Dekostücke wie das hier:

Erinnerungsstücke von meinen Kindern, eine (!) schöne Kerze, frische Blumen und ein Foto, das mir sehr am Herzen liegt. Es ist das letzte Foto von meinem Vater und mir, dieses Jahr ist sein 50.ter Todestag.

Was bleibt übrig? Die neue Herausforderung…

Los ging es mit meinen neuen Rührschüsseln (Link). Mittlerweile habe ich noch ein paar Dinge und Bereiche identifiziert, bei denen ich am liebsten den alten (und noch voll gebrauchsfähigen) Kram entsorgen würde… um die Premiumvariante zu kaufen.

Wie geht ihr mit solchen Wünschen um?

5 Kommentare

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Ich neige auch zu einer Art „Edelminimalismus“. Bei mir steht nicht der Kaufverzicht primär im Mittelpunkt, sondern der Verzicht auf (inzwischen!) Überflüssiges. Ich möchte mehr Raum und dass ich wieder Winkel habe, die unbesetzt sind. Ich möchte meine Sachen wieder einzeln wahrnehmen und nicht den Pulk erfassen. Das geht nur über Mengendezimierung. Eine gewisse Menge an Aufmerksamkeit ist immer für alles da. Ist es weniger, hat das die größere Aufmerksamkeit. Ist wieder Platz, bin ich generell wieder offener für Möglichkeiten. Je älter man wird, umso wichtiger finde ich das, weil man tendenziell konservativer wird und den Kontakt zur Jugend, oft über die Kinder und jungen Kollegen, nicht mit der Zeit verlieren will.

Es war auch interessant, für mich zu erkennen, dass die meisten Sachen nur für eine gewisse kurze Zeit gedacht waren – von Anfang an. So etwas überlege ich mir jetzt besser, allerdings hab ich auch vieles gehabt und nutze es nicht mehr. Das Wort „brauchen“ ist dabei für mich nicht relevant, ich suche nach dem bestmöglichen Jetztzustand.
Dazu gehören durchaus auch mal ein paar Spaßkäufe, die ich aber jetzt zeitlich begrenzt besitze. Gläser und Tassen sind da auch mein Thema. Ich tausche da relativ viel, habe aber über die Zeit gemerkt, dass wir alle z.B. die großen Tassen der Hotelporzellanfirma „Walküre“ aus Bayreuth lieben, schöne Farben, dazu aber die Größe, die wir inzwischen bevorzugen. Oft bemerkt man bei der Benutzung, was das eigene Ding ist.

Ich entsorge viel Altes, das oft gekauft wurde, als man es gebraucht hat, aber nie richtig perfekt war. Damals war halt auch nur das im Budget oder auf dem Markt. Zudem hat sich viel geändert. Ich hab viele Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass ich auch nicht mehr viele Leute zu Hause bewirte. Wir treffen uns nach dem französischen Prinzip in Restaurants.

Momentan merke ich z.B. an solchen Sachen, dass manches real nicht so wurde, wie ich es immer gedacht habe. Die Zeit, in der ich gern und lange gekocht und gebacken habe, scheint vorbei zu sein und ich entspanne mich mehr, wenn mein Schwerpunkt nicht Küche, sondern Gäste sind, früher konnte ich noch beides. Dazu kommen noch veränderte Essgewohnheiten, vegan, low Carb, diverse Allergien, Alkohol oder nicht. Ich finde gerade eine Art einfache Lösung für alles, das ist aber mit der Aufgabe des Systems von früher verbunden.
Das mal nur als Beispiel, warum sich Systeme ändern und angeschaffte Sachen nicht mehr gebraucht werden, auch wenn ich immer dachte, ich brauch das unbedingt.

Ich weiß nicht mal, ob das direkt Minimalismus ist, aber seit vielen Jahren ist die intensive Beschäftigung damit der beste Motor gewesen, es so hinzukriegen, wie ich es will und das ging hauptsächlich über Loslassen.
Jetzt gibt es nicht mehr viel Neues in der Theorie, sondern das zukünftige Leben, die wandelnden Bedürfnisse und den laufenden Prozess im Auge zu behalten.

Das Sterben kann viel schneller kommen, als wir es uns vorstellen wollen. Falls ich irgendwann dieses Jahr sterbe, werden meine Schwester und meine Tochter vor all meinen Möbeln, Bildern, Pflanzen, Dingen stehen… Das Haus meiner Schwester ist voll bis oben hin. Meine Tochter wohnt mit ihrem Freund in einer Studentenbude. Sicher wird sie einiges gebrauchen können. Aber das Meiste — wird im Sperrmüll landen, im Wohnungsauflösungströdel. Hauptsache weg, damit „die Sache geregelt“ ist.

Ich sitze also abends bei Kerzenlicht, lasse meinen Blick über „meine“ Dinge schweifen und stell sie mir vor auf einem unpersönlichen Ramschhaufen. Das tut mir weh.

Wieviel besser wäre es, mich so schnell wie möglich „im Guten“ vom Großteil zu trennen: verschenken, verkaufen, selber geben ohne Not.

Ich schaff das einfach nicht.

LIebe Irit,
ich bin seit ca. 7 Jahren Minimalistin und mittlerweile ziemlich gut an meinem persönlichen Idealzustand angekommen. Ähnlich wie Iridia habe ich den Hang dazu, noch funktionierende Dinge zu verschenken (das Sozialkaufhaus hat in den letzten 7 Jahren 85% meines bisherigen Hausstandes bekommen) und mir dann das für mich persönlich passende zu kaufen.
Das ist einerseits überhaupt nicht nachhaltig andererseits ist es der einzige für mich stimmige Weg. Ich habe sehr sehr lange gebraucht, um meinen eigenen Stil und Geschmack zu finden. Meine Mutter hat mir (ich bin 40!) oft Dinge geschenkt und mich aus 2 Varianten gefragt, welche mir besser gefällt. Das hatte dann zum Ergebnis, dass ich viele schöne Dinge besessen habe, die aber nicht MEIN Geschmack waren, weil weder die eine noch die andere „vorgegebene“ Variante wirkich zu mir gepasst hat. Ich hab das lange nicht bemerkt. Dafür bin ich heute um so klarer und rigoroser.
Ich kaufe mittlerweile viel weniger, dafür aber hochwertig. Ich liebe es bei Einrichtung sehr (!) reduziert und weiß/beige/Holz. Kleidung trage ich ebenfalls nur in weiß, beige, dunkelblau (und ganz ganz wenig grau).
Ich bin hochsensibel und daher mit Farben und Dingen schnell überfordert, kann mich nicht mehr konzentrieren und mich selbst nicht mehr spüren. Da kommt man dann doch irgendwann unweigerlich dazu, dass ein minimalistisches Leben ein glücklicheres und erfülltes LEben ist.

Hallo liebe Irit,
vielen Dank für die Blumen 💐!
Ich bin ein bisschen paranoid und habe deshalb meine CDs nicht entsorgt sondern lagere die im Keller (ich hab 80m2 Kellerräume😀). Eigentlich bisschen bescheuert, da ich inzwischen bei Amazon Music HD angemeldet bin und selbst, wenn mir meine Festplatte kaputt geht, dann kann ich alles ja digital übers Netz hören. Ich weiß nicht, ob es mit der Haptik zu tun hat (kann ich anfassen) oder mit Nostalgie, dass ich die noch nicht entsorgen mag.
Die Farbe an der Wand gefällt mir außerordentlich, mein Bad ist fast in der gleichen Farbe. Meine Architektin hat sich durchgesetzt und mir gedroht, sie wirft hin, wenn ich mich für weisses Bad entscheide. Originalton: „jetzt sind Sie doch einfach mal mutig“. Ich war es und bin immer noch begeistert. Ein Teil der Wände ist weiß und die Keramik natürlich auch, harmoniert ähnlich schön wie Dein Sideboard.
Ich mag es ansonsten auch clean, aber ach, zwei Seelen leben in meiner Brust. Beim Ansehen von Downton Abbey dachte ich bei all der Pracht immer: will ich auch! Ich brauche einfach ZWEI große Häuser, moderne Townvilla und mondänes Landhaus😀. Und dann ziehe immer hin und her…
Viele Grüße
Roland

Minimalismus ist meiner Ansicht nach ein recht interessantes Konzept, das einen allerdings immer sich schuldig fühlend zurücklässt – und für mich mittlerweile aber eher ein Katalysator, um darüber nachzudenken, was ich wirklich möchte. Wir haben recht viel Platz, und es gibt eine Menge Deko-Eintrag über Erbschaften sowie so genannte Danaer-Geschenke (also Mitbringsel, die nicht verwelken, gegessen oder ausgetrunken werden). Kriege, die in der Vergangenheit das Hab und Gut vernichteten, gibt es zum Glück hier nicht, also sammelt sich so manches einfach an. Schlimm finde ich zu sehen, dass das ‚gute Geschirr‘ nicht einmal jeden Sonntag genutzt wurde.

Das Sozialkaufhaus wurde erwähnt, und dort landen sehr viele Dinge, die man ebenso gut verkaufen könnte, doch schrecken mich die teilweise abstrusen Erfahrungen anderer bei Online-Plattformen. Sprich: ich mache lieber vielleicht jemand anderen glücklich, als dass ich für wenig Geld viel Zeit aufbringen muss (win-win).

Lieber Roland, so ist es. Eher in Downtown Abbey lebend, bin ich ganz zufrieden und versuche, in den Schränken und Ecken nicht so viel zu horten, sondern zu nutzen, ansonsten verlässt es das Haus.

Neuester Reflex: beim ersten Hauch eines Gedankens, dass dies oder jenes zu gut ist, um es jetzt zu nutzen, nutze ich es jetzt mit voller Absicht.

Wer weiß, wie lange man lebt, wie lange man genießt, und nach jedem kommt die Sintflut des Überflusses in einer saturierten Gesellschaft.

Liebe Irit, ich lese schon ein wenig länger mit, und muss sagen, dass mir Dein Blog sehr gut gefällt, denn er strahlt eine innere Gelassenheit aus. 🙂

Einen schönen Sonntag noch!

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