Nähversuche und Sommerkleider…

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Hier kommt das lang versprochene Update zu meinem neuen Projekt „selbst nähen“. Und auf den ersten Blick…

Ein Desaster

Ich hatte mir das so schön gedacht: ich mache den Nähkurs, lerne alles wichtige und schwups, schon nähe ich mir die tollsten T-Shirts, Sommerkleider, Oberteile und natürlich weite Hosen und warum eigentlich nicht mal einen Mantel?

Sieht man ja auch auf diversen Blogs, alles nicht so schwierig und im Zweifel schaue ich mir eben ein Youtube Tutorial an.

Ein grandioses Beispiel für Selbstüberschätzung. Nicht umsonst dauert eine Schneiderlehre so einige Zeit.

Meine Versuche…

Zunächst wollte ich mir mal ein Nachthemd nähen, einfacher, weiter Schnitt, knielang. Kann man relativ einfach zuschneiden, zackzack mit der Overlock zusammennähen, Ausschnitt, Ärmel und Unterkante mit einer Zwillingsnadel nähen – fertig.

Das zumindest hat ganz gut geklappt. Wobei ich dann feststellen musste, dass auch die Overlock nicht von allein näht und dass man an kniffeligen Stellen (Ärmel zu Seitenteil) langsam und ordentlich arbeiten muss.

Das Ganze gefiel mir gut, also dachte ich: aaahh, ein Sommerkleid, noch Taschen in die Seitennähte und etwas länger – fertig ist der Allrounder.

Ich wiederhole mich: ein Desaster. Die Taschen sehen merkwürdig aus, überhaupt sieht das Ganze merkwürdig aus und das dauert alles viel länger als gedacht. Ist noch ein Nachthemd geworden…

Und auch die selbstgenähte Hose beult an den Tascheneingriffen – warum auch immer, ich habe es immer noch nicht verstanden.

Ich war frustriert (sieht doch bei Youtube alles so einfach aus!) und habe mich dann an meine Strickerei erinnert. Es hat JAHRE gedauert, bis ich endlich die Pullover hatte, die ich wollte. Ja, dicke Wolle verstrickt sich sehr schnell. Sieht aber auch nach Michelin-Männchen aus. Und man braucht viel Erfahrung, um einen Pullover selbst ordentlich gestalten zu können (Ausnahme: Raglan von oben… da entfällt die schwierige korrekte Armkugel). Und überhaupt sieht mein Maschenbild heute absolut gleichmäßig aus – war am Anfang auch nicht so. Es braucht halt Zeit – sowohl zum lernen als auch zum ausführen.

Meine Lerneffekte

Ich nehme mir die Zeit – in jeglicher Hinsicht.

Im Januar mache ich wieder einen Nähkurs und als erstes werde ich meinen persönlichen T-Shirt Schnitt perfektionieren und auch die Umsetzung. Und wenn ich fünf Tage für zwei T-Shirts brauche: egal. Irgendwann geht es schneller und sie sind halt handgemacht und passen.

Und dann werde ich mir Schnitte kaufen und für mich anpassen.

Ordentlich zuschneiden – mit Lineal!

Vielleicht schaffe ich es, mir zum Sommer auch noch ein oder zwei schöne Kleider zu nähen. Und irgendwann auch mehr. Wenn ich mir etwas nähe, werde ich mir dafür genügend Zeit reservieren. Mir gefällt das Nähen und es ist alles eine Frage der Geduld und der Übung.

Ist es euch auch mal so mit einem „Hobbyprojekt“ ergangen? Alles dauert länger und klappt nicht so richtig?

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12 Kommentare

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Mir fällt in dem Zusammenhang immer Kochen ein – oder auch Backen – etwas, von dem jeder annimmt, es aus dem Stand können zu müssen. Die Annahme ist, man probiert ein Rezept und es schmeckt großartig. In Wahrheit sind aber alles ca. Angaben, auch weil Lebensmittel nun mal unterschiedlich schmecken, Herde und Öfen unterschiedlich arbeiten, aus dem Kühlschrank andere Temperaturen als frisch gekauft kommen, Lebensmittelqualitäten sich dramatisch unterscheiden usw. Profis arbeiten an ihren Rezepten weiter – bis es richtig schmeckt. Da können schon mal 7 oder mehr Versuche in Folge kommen, bis es so weit ist.

Bei mir waren das Komplizierteste Macarons. Mein Ofen hält diese Temperaturen nicht gut, die Backmatten funktionierten nicht, ich hab die Größe nicht gleichmäßig hinbekommen, die Teile rissen an der Oberfläche, die Füllungen waren nicht der Hit und wie so oft: bei den ersten Malen hatte ich Anfängerglück und hab mir eingeredet, sie schmecken toll. 😃

Ich weiß nicht, wie viele Techniken ich gebraucht habe um das zu kriegen, was denen von Pierre Hermé oder Laduree mindestens das Wasser reichen kann, aber eines Tages und mit Hilfe eines Fachbuchs von Hermé selbst war es dann soweit. Mir ist völlig klar, warum die Dinger so teuer sind.

Was normalerweise an Zutaten angesagt wird, damit kriegt man das nicht hin und auch die Technik ist aufwendiger, als das die meisten Rezepte beschreiben. Das war mir vorher nicht klar. Letztlich ist alles eine Frage des Anspruchs. Irgendwie hin kriegt man es meist gut, bis es aber so ist, was einen begeistert, dazu braucht es Übung und Misserfolge.

Liebe Iridia,

eine kluge Frau hörte ich neulich im Radio sagen: „In Misserfolg steckt das Wort ‚Erfolg‘. Oder wie wärs mit ‚Miss Erfolg‘?!“ Du hast es hingekriegt… :-) Sieht so aus, als beruhte Erfolg nicht auf einer Einmalzündung. Sondern auf einer zähen Grundlage wie Beharrlichkeit…

Zum nähen: Ich habe dieses jahr auch einen Nähkurs besucht. Das Einzige, was mich dort weitergebracht hat, war das ausmessen. Ansonsten für mich ist daheim nähen sinnvoller und nicht so zeitintensiv. Wir sind in dem Kurs zu selten dran gekommen. 8 Teilnehmer auf die Kursleiterin.

Wenn Du richtig nähen lernen möchtest, kann ich die Kurse auf Makerist von der Inge empfehlen. Da wird auch erklärt, wie man Seitentaschen schön einnäht. (Seitennaht schließen, Taschenöffnung zuheften, Taschenteile knappkantig einnähen)

Ach ja, nähen ist im Grunde ein Abenteuer. Ich nähe seit mindestens 15 Jahren wieder und lerne immer noch dazu. Weil, Schnitt, Stoff und Figur müssen zusammenpaßen.

Beim stricken bin ich gescheitert. Und habe nicht die Muse, dass in jahrelanger Arbeit zu erlernen.

Zum Thema kochen kann ich das Buch von Samin Nosrat empfehlen. „Salz, Fett, Säure, Hitze“. Wenn man die Zusammenhänge versteht, kann man sich auch hier einen Schritt oder mehrere nach vorn bewegen.

Und generell habe ich an mir festgestellt, mich nicht mehr mit so vielen Dingen abzugeben, die eh nichts werden bzw. wofür ich kein Talent habe…..

Nähen ist sehr komplex. Viele verschiedene Techniken, Stoffe die sich unterschiedlich verhalten, und dann auch noch der Einfluss der eigenen Figur. Da ich nicht ständig nähe, muss ich immer wieder nachschlagen, um keine Fehler zu machen. Klassisches Beispiel: Einnähen eines unsichtbaren Reisverschlusses. Vor 30 Jahren konnte ich mal Paspeltaschen. Deshalb habe ich mir eine Nähschule angeschafft. Da schau ich zuerst rein. Im Netz müsste ich zulange suchen.
Viel Zeit zum Lernen habe ich auch an der Strickmaschine gebraucht. Mittlerweile klappt es ganz gut. Aber auch hier: Wenn ich eine längere Pause gemacht habe, muss ich in der Bedienungsanleitung nachschlagen.

ich glaube, dass Nähkurse eher ein Gleichgesinntententreffen ist, als ein Ort, wo man es richtig lernt. Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Als ich mir das Nähen vor vielen Jahren beigebracht habe, gab es noch kein Internet und ich habe mir alles aus Zeitschriften erlesen. Heute, mit Internet ist alles viel einfacher und ich lerne immer noch dazu. Echte Profis zeigen in Videos alles haargenau. Ärmel lassen sich leichter einnähen, wenn die Seitennaht noch nicht geschlossen ist und wenn die Nahtzugabe nicht so breit ist. Leichter auch, wenn man die Nahtlinie mit Zauberstift vor malt oder einmal mit großer Stichlänge, auf einfacher Stofflage vor näht.
Ausschnitte und Eingriffe werden ordentlicher, wenn man sie mit Vlieseline verstärkt. Für Jersey gibt es da ein Band. Ordentlich Zuschneiden und Nähte bügeln, bringt immer eine ordentliche Arbeit und mal schnell etwas nähen können nur Leute, die keinen Wert auf korrekte Kleidung legen. Webware lässt sich einfacher verarbeiten, als Jersey. Eine Schneiderausbildung braucht man im Internetzeitalter nicht unbedingt, aber Konzentration und Geduld.
Pattydoo erklärt gut, aber auch einfach-naehen ist gut und kosten nichts. Makerist hat manchmal Angebote, dann kosten die teuren Videos nur 2 oder 5 Euro, aber darauf muss man leider warten.

Ich bin soeben dabei meine Gästetoilette mit Glassteinen zu fließen😬 Eh…ja…sah bei Youtube super einfach aus. Mörtel schmieren kann doch jeder…hah! Ich arbeite mich halt in sehr, sehr kleinen Schritten voran. Mein Mann sagt nicht viel, und guckt immer mal wieder sehr ruhig in den Raum. Habe schon über 500 Steine geklebt und habe circa 1/5 einer Wand verziehrt…ich habe aber vor das ganze Bad zu bekleben😱 Na ja…irgendwann ist es fertig…

Das finde ich spannend. Ich habe auch in diesem Jahr beschlossen, Kleidung für mich zu nähen. Mir sind eigentlich alle Ärmel der Fertigklamotten zu kurz, ebenso die Hosenbeine, wenn es nicht gerade amerikanische Länge 36 ist. Also: Overlock gekauft, Nähmaschine zur Inspektion gegeben. Es geht voran… aber langsam. Ich finde so viele Indie- Schnittmacherinnen toll, es gibt da eine sehr spannende Auswahl.
Was ich sehr schnell bemerkt habe: Hier kann ich Geduld trainieren. Und wenn ich noch so sehr brenne, zu sehen, wie die Teile zusammengesetzt aussehen, ich brauche Fokus und Sorgfalt bei vielen Schritten. Das hat was fast Heilsames für mich.
Das soll nicht heißen, dass ich bei anderen Dingen schlurig bin, aber beim Nähen finde ich doch einen Tacken zuviel Gefiddel (Viskosestoffe, haha!) für mein Temperament.
Die Lernkurve ist steil, finde ich. Und ich habe wenig Zeit. Aber ich bleibe auch dran, es ist großartig, ein fertiges Teil wirklich anzuziehen! Heimlich hat die Ingenieurin in mir schon mal ein Standardwerk über Schnittmusterkonstruktion gekauft. Ähem. Ich liebe es, zu lernen. Auch, dass Fehler dazugehören und sie für mich nicht per se ein Desaster bedeuten müssen. Sagen wir es so: Bin auf dem Weg :)

Liebe Irit, beim nähen brauchst Du Geduld, Präzision und den Mut aufzutrennen wenn es nicht gut geworden ist. Du solltest Deine Maße mit der Größenangabe des Herstellers vergleichen und Abweichungen auf dem Papierschnitt ändern. Das Schnittmuster enthält eine Bequemlichkeitszugabe.
Wenn Du einen Ärmel einsetzt schließt Du die Naht und naehst die Armkugel mit großem Stich, wie einreihen. Dann ziehst Du den Faden bis die Armkugel sich leicht kräuselt. Jetzt bügelst Du vorsichtig die Kräusel glatt. Dadurch schiebst Du den Stoff zusammen, die Armkugel wird kleiner und passt perfekt ins Armloch. So mache ich es bei Shirts, Blusen und Blazern.
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Einen schönen Abend

Ich danke euch für eure hilfreichen Kommentare! Ich denke auch: Geduld, Zeit und Schritt für Schritt dazulernen ist der Schlüssel. Und ich werde auf jeden Fall dran bleiben :-)

Klar brauchst du Geduld, liebe Irit, Häkeln und Stricken ging ja auch nicht von alleine… Ich finde Nähen sehr komplex und habe es daher, als meine Schwangerschaft vor 24 Jahren beendet war (damals gab es nur so abartige Umstandklamotten, dass ich mir ein paar Oberteile ohne Bärchen und Schleifchen nähen musste), auch sofort wieder aufgesteckt. Anders als Stricken, das ich liebend gerne mal so nebenbei mache, braucht Nähen die volle Aufmerksamkeit und viel Erfahrung. Ich finde es eine gute Idee, dass du im Kurs dein T-Shirt perfektionierst, das kannst du dann beliebig reproduzieren, und wenn es dir Spaß macht, lernst du alles andere ohne weiteres auch.

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