Mal was Politisches

Ich schreibe auf dem Blog nur selten zu politischen Themen, ich finde die Diskussion im Netz eher schwierig (wobei wir hier ja alle freundlich sind). Außerdem sind die meisten Themen so komplex, dass es schwierig in einem Text unterzubringen ist. Aber die neuesten Entwicklungen finde ich megaspannend.

Europawahl

Ich mag Europa. Aus sehr vielen Gründen. Von persönlichen Bequemlichkeiten wie gemeinsame Währung und einfaches Reisen (ich erinnere mich mit Schrecken an meine Dienstreisen ins UK von Passkontrollen über Geldumtausch bis zu komplizierten Reisekostenabrechnungen – wie schön ist es in Riga) bis zu einem Leben in Frieden. Ja, da ist vieles bürokratisch, ich verstehe auch nicht, warum EU-Beamte andere Steuern zahlen als der Rest, aber irgendwas ist immer. Und außerdem glaube ich, dass es eine bestimmte Masse braucht, um wirtschaftlich bestehen zu können. Ich persönlich bin schon sehr gespannt, wie UK das mit den USA oder China verhandelt. Oder mit der EU.

Und daher: ihr geht ja alle am Sonntag wählen, oder? Ich habe schon letzte Woche per Briefwahl gestimmt (der Wahlzettel war beeindruckend) und dieselbe Partei wie die letzten 35 Jahre gewählt. Ich bin nicht immer bei allen Themen derselben Meinung, aber im Großen und Ganzen passt es mit mir und den Grünen.

Womit wir schon beim Aufreger der Woche sind…

DAS Video

Ich habe es mir noch nicht angeschaut, irgendwie fehlte mir die Stunde Zeit. Dafür habe ich zwischendurch einige Berichte und Kommentare gelesen. Ich finde es erschreckend, dass das Internet wohl tatsächlich Neuland für die CDU ist. Wie kann man so tolpatschig reagieren? Kommunikationspanne ist da ein Euphemismus. Unfassbar.

Andererseits passt das genau in mein persönliches Weltbild. Was auch dazu passt: es gab bundesweit eine U18-Wahl an den Schulen, an „unserer“ Schule haben die Grünen mit Abstand gewonnen, war wohl auch der bundesweite Trend. Außer in zwei ostdeutschen Bundesländern, da hat die AFD gewonnen. Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Nein, ich möchte hier niemanden beleidigen und auch nicht über einen Kamm scheren, aber die Wahlergebnisse dieser „Partei“ in den neuen Bundesländern sind nun mal Fakt.

Apropos Schule: ich habe kurzentschlossen meine Mittagspause genutzt und sitze schreibend auf dem Balkon.

Vom Friedensplatz wehen die Sprechchöre der Schüler bei der „Fridays for future“-Demo herüber.

Meine Beiden demonstrieren mit, seit neuestem essen wir deutlich häufiger vegetarisch und es wird auch nicht mehr über die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gemoppert. Ich finde dieses politische Engagement einfach klasse.

Mir geht schon immer die Hutschnur hoch, wenn ich an die Rentenpolitik denke. Offensichtlich lebt und regiert man da nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“, Hauptsache die Wiederwahl wird mit alten Wählern gewonnen und was die nächsten Generationen zahlen müssen, ist ja irgendwie egal. Auch nachhaltige Konzepte sind Mangelware, irgendwie wird das schon klappen mit der Rente.

Genau wie mit der Umwelt, wird es halt im Sommer etwas wärmer und trockener. Oder so.

Ich kann nur hoffen, dass diese Generation bei ihrem Engagement bleibt, eifrig wählen geht und tatsächlich eine Veränderung herbeiführt. Und nicht die nächste Generation von Hinterzimmer-Lobbyisten-Gemauschel-Politikern stellt. Irgendwo muss es doch Politiker geben, die tatsächlich Standpunkte, Moral und Anstand haben und nicht irgendwo auf dem Weg nach oben zermahlen werden.

Nachtrag gestern Abend 23:04

Es gibt ein neues Video und ich bin noch mehr beeindruckt. Ich kenne nur wenige der Youtuber (und die auch nur von meinen Töchtern), nach allem, was ich lese, ist das wohl so ziemlich das Beste, was es in Deutschland gibt. Gemeinsam die Reichweiten zu nutzen und an einem Strang zu ziehen… ich bin sehr gespannt auf die Wahlergebnisse.

Hut ab.

11 thoughts on “Mal was Politisches

  1. Liebe Irit, ich bin hier ganz bei dir. Über politische Meinungen kann man streiten, das mache ich mit dem konservativen Teil meiner Verwandten seit ca. 40 Jahren. Nicht diskutierbar ist allerdings die Klimaerwärmung und solange Groko und Co. glauben, man kann mit Wechselprämien für E-Autos das Problem lösen wird das wohl nix mit irgendwelchen substanziellen Verbesserungen.
    In diesem Sinne, frohes Wählen.
    Edith

  2. Ja!Ja!Ja! Ich finde es auch super, dass die Jungen sich engagieren, wir Alten fressen nicht nur ihre Welt auf, in der sie ihre Kinder großziehen müssen, sondern auch noch ihr Geld durch unsere Renten, die sie dann zahlen müssen.
    Ich habe mir das Video heute mit meinem 14-Jährigen angeguckt (und er hat es damit sogar mehrfach gesehen, ein einstündiges Video mit politischem Inhalt und ohne fortnite 😉 Ich finde es gut auf den Punkt gebracht, vermutlich besser recherchiert als so manche Promotion und nicht zu sehr simplifiziert.
    Und ich finde den Umgang der sogenannten „Volksparteien“ mit ihren unterirdischen Zustimmungsraten überheblich und respektlos im Umgang mit der nächsten Generation. In einem Tweet schrieb irgendein CDUler sinngemäß, dass die Jungen sich mal schön hinten anstellen sollen und sich erst mal ein paar Jahre/Jahrzehnte in irgendeiner Partei hochbuckeln sollen, nur das wäre politisches Engagement. Unfassbar!
    Ich hoffe, es kommt mal langsam Bewegung in die politische Landschaft.

  3. Ich habe DiEM25 gewählt. Allein wegen Varoufakis. Der Mann hat vernünftige Ansichten, ist sehr gescheit und wahnsinnig sexy! 🙂

    Und was die Fridays vor Future Bewegung anbelangt: Es ist so wunderbar was die junge Schwedin da auf die Beine gestellt hat. Respekt! Die etablierten Politiker, die jetzt lästern, fühlen sich offensichtlich bedroht in ihren Machtpositionen und der schwindenden Deutungshoheit. Recht so!

  4. Dank Rezo haben meine Tochter (19) und ich neulich zusammen unser erstes politisches Video gesehen — es war ihr ultrawichtig, das mit mir zu teilen. Eine Stunde am Stück die Absurditäten und nicht eingehaltenen Versprechen einer Partei zu belegen, und das äußerst witzig und kurzweilig („Wuuuuusa…“ 😉 ist für einen Mitte-Zwanzigjährigen, der nicht Politik studiert, krass beachtlich. Mir blieb auch nur Grün.

    Nebenbei habe ich die journalistische Arbeit von Jung+Naiv entdeckt, den Kanal abonniert und kann nur staunen… Ich freue mich wahnsinnig über das politische Erwachen der jungen Generation!

    1. das ist wirklich erstaunlich, oder? Meine Töchter erzählen mir auch andauernd etwas darüber und brennen darauf, endlich wählen gehen zu dürfen

      bei einigen Themen muss ich auch dringend noch versierter werden, sonst reden sie mich an die Wand

  5. Seit diesem Beitrag ringe ich mit mir, hier etwas zu sagen. Selbst nach einer gewissen Zeit bin ich noch immer fassungslos ob dieser Aussage.
    Ich empfinde diese mehr als arrogant.
    Sie war in keiner Weise reflektiert und schon gar nicht recherchiert.

    Deine Aussage war: „
    Außer in zwei ostdeutschen Bundesländern, da hat die AFD gewonnen. Tja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Nein, ich möchte hier niemanden beleidigen und auch nicht über einen Kamm scheren, aber die Wahlergebnisse dieser „Partei“ in den neuen Bundesländern sind nun mal Fakt.“

    „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“??

    Wen selektierst du damit? Wer ist denn der Stamm und wer der Apfel??

  6. Guten Morgen liebe Sandra, ich musste erstmal nachlesen, was ich genau geschrieben hatte. Was ich damit meinte ist ganz einfach: der Stamm ist für mich die jeweils letzte Landtagswahl. Die Zahlen kann man u.a. hier sehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sitzverteilung_in_den_deutschen_Landesparlamenten

    Und der Apfel: Kinder und Jugendliche. Ich denke, dass die politische Meinung in der Familie und in der Schule geprägt oder das Nachdenken darüber angestoßen wird. Weil man als Familie oder Eltern Werte weitergibt. Ich habe mein Leben lang die Grünen gewählt und man darf jetzt dreimal raten, mit welcher Partei meine Töchter sympathisieren. Aber: ich lehne Kopftücher bei Frauen strikt ab. Das sehen meine Töchter ganz anders, sie sind anders aufgewachsen und sehen es als „normal“ an. Nicht für sich selbst, aber da soll halt jede machen wie sie will (Betonung auf: wie SIE will).

    Und nun können wir darüber nachdenken, was passiert, wenn in einer Familie rechtspopulistisch gedacht und gewählt wird. Da ist er dann, der Apfel.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir darüber diskutieren können. Ich habe so meine eigenen Vorurteile und Standpunkte – aber die stehen immer zur Disposition bei guten Argumenten.

    1. Ich möchte gar nicht diskutieren über politische Meinungen und Ansichten. Es geht nicht darum, worüber „man“ evtl. nachdenken könnte, wer was wann wo wählt.
      Unterschwellig teilst du deinen Leser*innen schon mit, wer was wo dein/e Favoriten*innen sind. Blumig untermalt mit Geschichten von deinen Töchtern, die selbstverständlich wissen, wen man unbedingt wählen soll und du in langen Sätzen erklärst, warum du das dann doch auch total gut findest. Was du mit deinen Zeilen (nicht) sagst ist entscheidend. Und das kannst du nicht relativieren.

      1. Ich verstehe nicht so ganz, was du mir sagen möchtest.

        Natürlich teile ich (und nicht nur unterschwellig) meinen Leser*innen meine Meinung mit – das ist hier schließlich mein Blog und kein Nachrichtenmagazin. Und natürlich erziehe ich meine Töchter mit meinen Werten und Meinungen- was sie daraus machen, ist etwas anderes. Das ist mein Job als Mutter.

        Ich relativiere auch nichts. Ich halte absolut nichts von rechtspopulistischen Parteien. Und die Wähler*innen, die deren unsägliches Gebaren in den Parlamenten dieses Landes ermöglichen, gehören nicht zu meinem Bekannten- und Freundeskreis.

        Ich denke, das entbehrt jetzt jeder Blumigkeit.

  7. Natürlich ist das Elternhaus maßgeblich an der politischen Meinungsbildung der jüngeren Generation beteiligt – ganz genau, Stamm und Apfel.
    Und manchmal geschieht es, dass der Apfel über den elterlichen Tellerrand hinausschaut und Perspektive und Standpunkt sich ändern, aber eben nur manchmal.
    Ich finde es erschreckend, welche Zuwächse diese „Partei“ in den neuen Bundesländern hat. Fünf Minuten einer Höcke-Rede reichen doch aus, um zu wissen, wohin mit diesen Leuten die Reise geht. Und wenn das Zustimmung findet bei jungen Menschen, dann gute Nacht.
    Hier sind die Eltern ganz klar in der Pflicht, politische Bildung fängt zu Hause an. Das einfach mal zu benennen hat doch nichts mit Arroganz oder gar Selektion zu tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.