Briefwechsel (17.02.19)- Geld und Freude

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Liebe Irit,

der Typ aus dem Kloster ist wirklich toll. Ich frag mich gerade, was bestimmt, was uns tiefe Freude bringt. Überraschenderweise nicht immer, was man denkt oder sich wünscht. Ich war immer der Meinung, nicht aus irgendeinem Leeregefühl heraus zu kaufen, bis ich die Beobachtung machte, dass meine Kaufaktivitäten fast Null waren, als ich meditierte.

Ich vermute, dass Mönche auch hier eine Erfüllung finden, die ich mir auch nicht erklären kann, die aber zweifellos da ist. Was ist da los und wie funktioniert das?

Im Gegensatz zu dir hatte ich früher nie genug Geld, was aber vielleicht gar nicht am Geld lag, sondern an der Art, wie ich bei meinem Vater, bei dem ich aufwuchs, gelernt hatte. Schon als Kind war ich gewohnt, viel aus Unterhaltungs- und Wohlfühlgründen zu bekommen und später kaufte ich auch so. So generell fand ich das auch nicht schlecht, problematisch wurde es erst, als mein damaliger Mann genauso tickte. Ich allein konnte mich disziplinieren, zusammen war das ungeheuer schwer.

Es ist trotzdem erstaunlich, wie gut ich jetzt mit meinem Gehalt klarkomme und das, obwohl ich keinen Konsumverzicht mache. Nur hab ich den Blick auf das, was es sein soll, völlig verschoben.

Komisch war, dass ich noch vor paar Jahren, als ich sehr viel mehr kaufte, dennoch immer Geld übrig blieb. Aber vielleicht lag das auch noch an meinem neuen Leben, das andere Sachen brauchte und eben sehr viel nicht mehr brauchte. Ich hab jetzt wohl seit einiger Zeit die Sättigung erreicht.

Das klingt jetzt zwar, als wäre Geld ein großes Thema, aber seit etwa 15 Jahren ist es das erste Mal nicht mehr, im Gegensatz zum Großteil meines Lebens davor.

Ich finde schockierend faszinierend, was da passiert ist, weil ich immer dachte, ich verdiene zu wenig.

Wie wurde denn in deiner Familie Geld ausgegeben? Bist du Sparsamkeit oder Großzügigkeit gewohnt? Du hast mal was von protestanischem Zuhause gesprochen. Ich hab da zwar eine Vorstellung, weiß aber nicht, ob die auf das zutrifft, was du meinst.

Ich bin vor 8 Jahren beruflich kürzer getreten. Ich arbeite am Freitag nicht mehr und hatte das Gefühl, mehr eigenes und selbstbestimmtes Leben zurück bekommen zu haben. Ich arbeite wirklich gern, aber nach vielen Jahren ist auch sehr viel Routine dabei. Mein selbstbestimmtes Privatleben wird kürzer und kostbarer. Ich hab einen Enkel und nie gedacht, welche Erfüllung mir das bringt, selbst wenn er nicht in der Nähe wohnt.

Mitunter und vielleicht überhaupt kommt der wahre Luxus im Moment. Ihn zu sehen, auch beherzt zuzugreifen und den Moment aktiv zu feiern ist vielleicht das ganze Geheimnis. Vielleicht ist es die starke Aufmerksamkeit, die Dinge im Gedächtnis bleiben lässt, ob es den Kauf einer begehrten Tasche oder Schuhen oder der Moment im Winterwald ist, in dem man im tiefen Schnee versinkt und sich vor Lachen kaum einkriegt, weil das so urkomisch ausgesehen hat, dass man noch ernst redete und im nächsten Moment weg war. Ein besseres „halt die Klappe“ hat mir die Umwelt noch nie geschickt.

Deine Iridia


Liebe Iridia

der Umgang mit Geld – eine sehr interessante Frage. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und viel Geld gab es da nicht. Aber da kommt der schon öfter erwähnte Protestantismus: Sparsamkeit, Pflichtbewusstsein, Fleiß. Meine Mutter hat mir schon sehr früh das Haushalten mit der vorhandenen Geldmenge beigebracht und ich habe bis heute einen genauen Plan für mein Geld – habe ich ja auch schon öfter beschrieben. Der Haushaltsplan und die Umschläge mit dem Bargeld sind immer noch da und ich komme mit dem System bestens zurecht.

Das Verhältnis zum Geld und wie ich es ausgebe ist auch noch von einem anderen Glaubenssatz geprägt: meine Mutter hat mir immer eingeimpft, dass ich finanziell unabhängig bleiben soll. Und nicht auf Pump leben soll. Was ich auch beides prompt gemacht habe, ich habe noch nie einen Kredit gebraucht – außer die Hypothek auf meine Wohnung. Dinge werden gekauft, wenn ich sie bezahlen kann – sonst nicht.

Falls du dich wunderst, dass immer nur von meiner Mutter die Rede ist: mein Vater ist ein paar Tage nach meinem vierten Geburtstag bei einem Unfall gestorben und da ich keine Geschwister habe – waren es halt immer meine Mutter und ich. Nach einigen Irrungen und Wirrungen in den Jahren, in denen ich mich erstmal in meinem Leben einrichten musste, haben wir nach wie vor ein gutes Verhältnis. Eigentlich besser denn je. Weswegen es in diesem Sommer auch etwas Besonderes geben wird: wir fahren zu viert eine Woche in den Mädelsurlaub, also meine Mutter, meine Töchter und ich. Das war unser letztes Weihnachtsgeschenk für sie.

Sie hatte so ihre Zweifel (ihr langjähriger Lebensgefährte ist gesundheitlich nicht in bester Verfassung), aber ich kann da nur einen anderen Link zitieren: Jump while you can. Sie ist 81 und man weiß ja nie – also leben wir JETZT und machen die Dinge, die wir machen können. Ich versuche diesen Ansatz auch in meinem Leben mehr zu beherzigen.

Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr wie früher zwölf Stunden Arbeiten, Kinder betüddeln und dann noch bloggen kann und das Ganze jeden Tag. Ich brauche Ruhepausen. Und die nehme ich mir. Hast du das auch bemerkt?

Deine Irit

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18 Kommentare

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Liebe Irit,

Du schreibst „immer meine Mutter und ich“. Das lebe ich mit meiner Tochter auch. Zur Familie ihres Vaters hat sie kaum Kontakt und von meiner Seite ist nur meine Mutter „übriggeblieben“. Alles in allem also eine sehr kleine Familie. Bis meine Tochter 16 war, war sie sehr anhänglich. So nähebedürftig, dass ich mich als Einzelgängerin schon ein ums andere Mal unsanft aus dieser Umklammerung freischaufeln musste. Immer mit einem schlechten Gewissen. Unsere Beziehung ist inzwischen schwierig. Sie will herausfinden, wer sie ohne mich ist. Ich will (wieder) herausfinden, wer ich ohne sie bin. Meinst Du das mit „Irrungen und Wirrungen“? Im Moment brauche ich ein bisschen Ermutigung, dass es wieder besser werden kann. Oder wird… So verfahren und von unausgesprochener Ablehnung geprägt, wie es seit zwei Jahren ist, macht es mich sehr traurig. Ich habe das Gefühl, dass die Phase des Loslösens nach dieser beinahe symbiotischen Mutter-Tochter-Kiste besonders anstrengend und schmerzhaft ist. Wie hast Du das als Tochter erlebt?

naja, bei uns war es nicht ganz so. Meine Mutter musste sich um ihre kranken Eltern kümmern. von daher war ich eigentlich immer recht eigenständig unterwegs. Ich hatte schlicht schon sehr früh die genaue Vorstellung, dass Hausfrau und Mutter nicht zu meinen Lebenszielen gehört und schon überhaupt nicht in einer Kleinstadt wohnen. Also habe ich irgendwann mit 16 ziemlich rebelliert (das war halt so die 80er Punkphase), bin nach dem Abi zum Studium weggezogen und habe halt DIESE Erwartungen absolut nicht erfüllt. Ich denke, wir haben beide Zeit gebraucht, um ein paar Sachen zu verstehen und eine gewisse Distanz tut da sehr gut.

Ich hatte oft das Gefühl, dass meine Mutter meine „Leistung“ nicht anerkennt, weil es halt nicht heiraten, Kinder kriegen und putzen war. Ich kann mich noch an die Diskussionen über den Nachnamen erinnern. Ich habe meinen natürlich behalten und meine Töchter heißen so wie ich. Und eine Hochzeit in weiß war für mich absolut undenkbar und nicht das Ziel meiner Wünsche. Eher ein Porsche 911. Damals.

Vielleicht braucht deine Tochter einfach Zeit zum Finden. Und vielleicht ist die Situation auch ein bisschen ähnlich? Sie kann ihre Wahl treffen und du kannst sie nur wahrnehmen. Und wertschätzen. Vielleicht ist das der Schlüssel?

Ich danke Dir sehr für Deine lange Antwort, Irit. Ja. Anerkennung dieses Weges, den ich nicht gehen würde. Der Gedanken, die mir unlogisch erscheinen. Der Entscheidungen, die für mich wie keine aussehen… Ein wertvoller Schlüssel.

Zu Geld und Freude wär mir viel eingefallen. Ich hab mich dieses Mal zurückgehalten, wegen der „Verschwurbelungsgefahr“… ;-)

Es stimmt. Susi hat so ihren Stil. Wie alle Kommentierenden. Das finde ich gerade spannend. Und wer sich anderen echt und sichtbar zeigt mit dem, was er denkt und fühlt, macht sich verwundbar. Sich Kommentaren auszusetzen, ist per se mutig (Danke an alle, die sich trauen, echt zu sein!). Manche Kommentare können empfindlich treffen (s.o.). Bitte lösche keine Kommentare einfach. Ich glaube, wir können aushalten, was uns missfällt, und mit der Ruhe und Selbstsicherheit unserer inneren Wahrheit dagegenhalten.

Wenn einer „Ideologie“ sagt und drei antworten: „Können wir nirgends entdecken, wo soll die sein?“, kann in meinen Augen von allen das ganze Bild betrachtet werden.

Weißt Du, wie ich es meine?

na klar weiß ich das.

Es geht mir darum, dass wir hier einen freundlichen Umgang miteinander pflegen. Speziell in diesem Fall gab es ja ein paar Aussetzer vor einiger Zeit und ich mag so etwas auf meiner Seite einfach nicht lesen. Konstruktive Kritik jederzeit gerne, aber es gibt da eine feine Linie…

Liebe Susi,

ich hab eigentlich schon gedacht, dass kaum Reaktionen auf unseren Briefwechsel kommen. Wir tauschen uns ja über Erfahrungen aus. Im besten Fall, zumindest für mich, würden ganz neue Fragen im Raum stehen.

Es ist eher als Gedankenanstoß gedacht, auch für uns selber. Vielleicht treffen wir ab und zu auf eine Resonanzfläche bei anderen und kriegen selbst paar neue Gedanken, die wir so nicht hätten.

Welche Ideologie siehst du denn hier?

Liebe Susi, es ist nicht umsonst so, dass ich deine Kommentare einzeln freigebe.

hier herrscht kein Kommentierzwang – wer mag, kann etwas schreiben und ansonsten lesen oder auch nicht. Und auch kein Lesezwang. Wem es zu ideologisch ist, liest es einfach nicht (mehr) oder bleibt gleich ganz weg.

Ich empfinde deine Kommentare oft als sehr belehrend und nur weil andere Leute nicht deiner Meinung sind, heißt das nicht, dass sie Ideologien unter die Leute bringen oder seltsame Ansichten haben oder ähnliches mehr.

Ich bitte dich, künftig über deinen Tonfall nachzudenken – ansonsten werde ich deine Kommentare einfach löschen.

LG Irit

also ich finde Susis Kommentare nicht belehrend. Sie hat ihre Meinung und auch den Mut nicht mit allen und allem konform zu gehen. Mir gefällt das. Und zwar unabhängig davon, ob ich inhaltlich zustimme oder nicht. Und auch der Kommentar in dem das böse, böse verschwurbelt-Wort vorkam (auf das jetzt Kommentar für Kommentar Bezug genommen wird), fand ich sehr berechtigt und äußerst angemessen formuliert.

hm, vielleicht reagiere ich da auch etwas empfindlich – so schnell wird hier auch nicht gelöscht. Einfach mal entspannt weiterschauen!

Mich erstaunt, dass das Wort ideologisch scheinbar eher negativ besetzt wird, ich verstehe unter Ideologie lediglich eine bestimmte Einstellung (wozu auch immer) oder Weltanschauung ..? Und dass Minimalismus offenbar nicht jedermanns Sache ist, finde ich auch nicht ab- oder bewertend. Vielleicht, weil ich selbst gerne minimalistischer leben würde, mich aber nur schwer von etwas trennen kann = „zwei Seelen in einer Brust“, aber das ist eine andere Geschichte ;-) …

Die Gedanken zu Geld an sich, dem Umgang damit, und dem Ansatz, es einfach als materialisierte Energie zu betrachten und nutzen, gefallen mir alle sehr!

Liebe Susi, es geht hier nicht um abweichende Meinungen – natürlich hat nicht jeder dieselbe Meinung. Das fängt bei den Cremes an und hört bei Minimalismus auf. Es geht mir um den Tonfall. Ich möchte mich in meiner Freizeit über unterschiedliche Standpunkte freundlich austauschen und nicht kontrovers oder hart diskutieren und auch keine bitteren Pillen schlucken. Ich finde das auch nicht anregend, sondern anstrengend. Ich habe auch keine Lust, jedes Wort zu sezieren – ich bin Mathematikerin und keine Juristin und das aus gutem Grund.

Wir sind hier nicht vor Gericht und das ist auch kein Fall, der gewonnen werden muss.

Das ist die letzte freundliche Aufforderung, den freundlichen Umgangston hier nicht zu vergiften – ich kann mich prima an die letzte Diskussion mit den Stoppbällen erinnern und das wird es nicht noch einmal geben. Wie ich höre, gibt es auch andere Blogbetreiber, denen genau dieser Punkt nicht gefällt – und die dann schlichtweg gesperrt haben.

@ Beate

„Zu Geld und Freude wär mir viel eingefallen. Ich hab mich dieses Mal zurückgehalten, wegen der „Verschwurbelungsgefahr“… ;-)“

Das finde ich nun wirklich schade. Mich hätte sehr interessiert, was dir dazu einfällt. Schreibst du es noch?

Im Netz kursieren ja unendlich viele Versionen von Menschen, die anderen zeigen wollen, dass sie „es geschafft haben“ und wie das geht. In einem Live-Video forderte ein junger Mann seine Zuschauer dazu auf, sich vorzustellen, monatlich € 20.000 Einkommen zu haben und ihm im Chat zu schreiben, was sie dabei empfänden. Ich konnte mir das nicht vorstellen. Ich empfand blanke Überforderung. Ab einer bestimmten Grenze fühlte sich € 20.000 Einkommen genauso an wie € 500.000. Das bedeutet für mich, dass ich persönlich so eine Wohlfühl-Geldmenge brauche. Darunter ist es schwierig, drüber noch schwieriger. Und die Erkenntnis: Ich will nicht reich sein. Ich will nicht mehr haben, als ich brauche. Und genau aus dem Grund kann ich mir Neid, falls er mal aufkommt (und das tut er), sparen.

Aus Erfahrung weiß ich: Etwas Neues wird alt. Und zwar alles Neue. Warum sollte mir eine Einrichtung, die ich vor zehn Jahren mit Liebe fürs Detail ausgewählt habe, heute nicht mehr gefallen, nur weil zehn Jahre vergangen sind? Das gilt für alle Dinge, die noch sind, was sie waren. Also frage ich mich: Warum mag ich den Schrank, die Uhr, das Kleid nicht mehr? Und wenn die Antwort ist: weil sie alt sind, verarsche ich mich selbst.

Ich erinnere mich daran, dass die Klasse meiner Tochter vor einigen Jahren Vorschläge dafür gesammelt hat, was an einem Wandertag zu unternehmen sei. Niemand kam auf eine Idee, die nichts kostete. Der Minimaleinsatz pro Person waren €25. Ich war traurig darüber. Geld tötet Kreativität. Was Menschen sich ausdenken, weil das Geld für die „Standardlösung“ fehlt, ist faszinierend.

Geld ist Energie, das stimmt. Geld zieht noch mehr Geld an. Kein Geld kann Geld nicht anziehen, das ist energetisch unmöglich. Wenn du glaubst, dass du reich bist, wirst du reich werden. Wenn du glaubst, dass du arm bist, wirst du arm bleiben. Das ist echt fies für die Armen.

Susi schrieb, Geld muss fließen. Das sehe ich auch so. Ich habe da so eine Idee, wie die Armen nicht arm bleiben müssen. Jeder, der viel hat, sucht sich einen, der wenig hat, und gibt ihm etwas ab. Nur so viel, dass es ihm nicht weh tut. Also: Einer, der über €10.000 monatl. Einkommen verfügt, gibt einem, der € 900 hat, € 300 monatl. ab. Der eine merkt das fast gar nicht und dem anderen geht es viel besser. Ich weiß, das würden viele machen, wenn dieses Tandem eine persönliche Sache wäre. Aber wie organisiert man das? Es ist so einfach. Oder… sehe ich das zum Erbarmen naiv…??
Das will mir einfach nicht aus dem Kopf.

Das mit der Wohlfühlgeldmenge kenn ich auch. Ich glaube, alles, was ich auf verschiedenen Wegen wirklich gemacht habe, ist die Wohlfühlgeldmenge angehoben. Das funktionierte nur über eine Änderung der Ansichten, die ich über Geld hatte. Ich hab es auch nur gemacht, weil ich die Situation, in der ich plötzlich Geld brauchte, mit der ich nicht gerechnet hatte, nie wieder erleben will.

Interessant finde ich, heute gar nicht das Gefühl zu haben, anders zu leben als früher, nur mit wirklich genügend Notreserve, zumindest für einen überschaubaren Zeitraum, für gute Rente reicht es nicht.

Natürlich wird sich viel geändert haben, aber nichts davon hat mir Missbehagen verursacht. Wahrscheinlich haben wir tatsächlich einen inneren Setpoint und den versuchen wir zu leben. Wir können ihn nicht ändern, wenn unsere inneren Überzeugungen gleich bleiben, denn die haben uns ja an den Punkt gebracht. Erst wenn wir die ändern können, ist mehr möglich. Aus diesem Grund suchen wir instinktiv Leute, denen es genauso geht und nicht welche, die es anders gemacht haben. Das alles würde den Wohlfühlpunkt stören. Sogar Gespräche dazu müssten sich sehr unangenehm anfühlen, wir müssten Bücher und Philosophien darüber ablehnen usw.

Wenn du noch nie große Geldprobleme hattest, ging es dir wie mir vorher. Ich sah auch gar keinen Grund, das zu änderen. Für mich war wirklich dieses Ereignis, als ich wirklich mit dem Rücken an der Wand stand, der Wendepunkt.
Ohne das hätte ich das vermutlich nie geändert. Trotzdem will ich nie wieder zurück, es ist mit dem Blick zurück eins der besten Sachen, die mir passieren konnten. Auch wenn ich das inzwischen wenig über Materielles mache, hat es mir viele wirklich tiefe und wichtige Sachen ermöglicht. Vorher lag das gar nicht in meinen Möglichkeiten und hab darüber auch nie nachgedacht. Als ich mit dem Geld gerade so um die Runden kam, war undenkbar, einen Tag kürzer zu arbeiten, um mehr Zeit für mich, meine Familie und meine kranke Mutter zu haben. Selbst wenn morgen alles Geld weg wäre, hat mir es diese unwiderbringliche Zeit ermöglicht.

Dass Geld Kreativitat tötet, ist dabei genauso ein innerer Glaubenssatz wie „Geld macht nicht glücklich“. Er hat den Sinn, den Setpoint dort zu halten, wo er ist, sonst würde man glauben „mache Kreativität ist erst mit Geld möglich“.
Du hast recht, sehr oft wird Geld aus Gründen der Bequemlichkeit der Kreativitat vorgezogen, aber es ist nun mal so, dass ein Großteil der Menschen nur eine gewisse Menge davon im Leben will. Aber mit Geld ist das offenbar auch so.

Oh, hätte ich geahnt, wie weittragend ein Wörtchen wie „verschwurbelt“ hier wird, so hätte ich geschwiegen…
LG, Angela

Ach was, alles gut. Ein neues Format und da muss man sich zurecht ruckeln.

Du hast allerdings das Copyright 😀

Es ist ja so, Angela: Wenn uns etwas piekst — ein Blick, ein Wort, ein ganz bestimmtes –, dann fühlt sich das Ego unwohl. Das ist der Teil von uns, der dafür sorgt, dass wir in dieser Welt zu unserem Recht kommen und den Platz einnehmen, der uns gebührt. Das Wort, das Du ohne Hintergedanken verwendet hast, hat bei mir einen aktiviert. Aus einem ganz bestimmten Grund, den Du nicht wissen kannst. Und während wir vordergründig Gedanken und Argumente austauschen, kommunizieren auch unsere Egos miteinander. Unbewusst. Und provozieren Reaktionen, die von anderen, die andere (unbewusste) Hintergründe haben, gar nicht provokant verstanden werden (können). Das unbewusste Pieksen nehme ich Dir nicht übel. Wie sollte ich! Aber ich darf aua sagen. Und anschließend frage ich mich — bewusst –: Hm. Was passiert hier? Warum hat mir das weh getan? Und finde vielleicht etwas Interessantes über mich heraus. Dafür ist das Pieksen gut.

@ Susi

„Die Tendenz der gestrigen Beiträge von Dir und Irit erschien mir als fragwürdig oder zumindest als diskussionswürdig.
So schwang ich mich also zu meinem Kommentar auf, den ich als Antithese zu Eurer geäußerten These verstanden wissen wollte. Dies auch in der Annahme, dass wir zu einer Synthese gelangen können und werden.“

Bleiben wir mal bei diskussionswürdig. :)

Das hätte ich auch gern gehabt, ich hab einfach nicht verstanden, was du sagen wolltest. Das liegt auch daran, dass mir das Protestantische völlig fremd ist und mir Irit erklärt hat, woher ihre Wurzeln da kommen. Ich hab nicht mal verstanden, was du mit Ideologie gemeint hast. Deswegen hab ich gefragt. Ich hab es gar nicht mal als Antithese aufgefasst. Antithese wozu?

Ich weiß immer noch nicht, was du über Geld denkst und wie du diese „Energie“ lenkst, vor allem die Grenzen interessieren mich. Irit und ich kommen ja aus ziemlich gegensätzlichen gestrickten Elternhäusern, außer dass wir beide bei einem Elternteil aufgewachsen sind – sie der Mutter, ich beim Vater, die aber auch noch ganz unterschiedlich mit Geld umgingen und wir uns das abgeguckt haben.
Ich hab grundsätzlich gar nichts gegen Geld ausgeben. Ich hatte eher ein Problem mit überhaupt Geld behalten. Mir hat aber schon zu denken gegeben, dass ich mich nach meiner Scheidung erst mal wieder finanziell sanieren musste, denn auch „Energie“ auf Abruf zu haben, wenn unvorhergesehen eine teure Sache auf einen zukommt, schafft inneres Gleichgewicht. Ich hab ansonsten gar keine so schlechten Erfahrungen gemacht mit „hau die Kohle raus, wie sie kommt“, aber die Erfahrung, dass trotzdem noch einiges übrig bleibt, ist bei mir in den letzten 10 Jahren doch relativ neu. Mir fällt jetzt gerade beim Schreiben auf, dass ich mich eher frage: wie viel Geld kann ich eigentlich haben, bevor ich mich unwohl fühle? Früher war das viel niedriger als jetzt. Ich war tatsächlich erst mental froh, wenn das Geld am Monatsende alle war und neues kam.
Rational natürlich nicht, da war mir schon klar, dass es besser wäre, was zu behalten. Emotional fühlte sich das aber nicht richtig oder auch nur gut an, also hab ich es nicht gemacht. Vielleicht lebe ich hier noch was aus der Großelterngeneration aus, die gesehen haben, wie wertlos ihr Geld wurde und mir das ständig erzählt haben, als ich klein war und auch mein Vater war davon geprägt. Ich kann mir dazu noch ewig Gedanken machen, aber es ist wie es ist. :D

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