Briefwechsel (10.02.19) – Luxus

Ein neues Format bei mir. Ich tausche schon etwas länger eher unregelmäßig Mails mit Iridia aus und letztes Jahr hatten wir uns an „Nachgedacht – Weitergedacht“ probiert. Aus privaten Gründen mussten wir damit pausieren und nun geht es leicht verändert weiter. Eigentlich ist es eine entschleunigte Variante eines Podcasts und eben nicht „nebenbei“ verfügbar. Bin schon sehr gespannt, wie es euch gefällt!


Liebe Irit,

ich hab mir in letzter Zeit viele Gedanken über Luxus gemacht. Heute hab ich einen Artikel in der „Wirtschaftswoche“ gelesen, der genau mein Gefühl dafür ausdrückt.

Mir kam der Begriff „postmaterialistische Gesellschaft“ in den Sinn. Einerseits glaube ich schon, dass es ein Zeichen von Älterwerden und Reife, aber auch einer gewissen materiellen Sattheit ist.

Mir fällt aber in meinem kompletten Umfeld auf, dass der Trend eher zum Erlebnis als zum materiellen Artikel geht.

Erlebnis auch gern downgesizt, aber nicht immer, ich denke da auch mitunter an Reisen.

Mein Mann und ich haben uns neulich darüber unterhalten, dass wir uns als größte Genusserlebnisse daran erinnert haben, wie es war, völlig durchgefroren nach langer, herrlicher Winterwanderung  in ein mollig warmes Café zu kommen und dort was Heißes zu trinken. Das ist schon irre, wenn man es ins Verhältnis dazu setzt, was wir gewöhnlich dafür machen.

Weggeben zu können, nicht mehr als einem gut tut, was auch einen Teil von Luxus beinhaltet, erlaubt einem, eine Auswahl zu treffen. Mir fiel auf, dass ich irgendwann bei Douglas die Parfumpröbchen nicht mehr mitgenommen habe und sie auch sonst im Haus aussetze, falls mit Paket gekommen, wenn mich nicht zufällig wirklich interessiert, was ich bekomme. Mir ist wichtig, zu finden, was im Moment perfekt zu mir passt.

Dabei hab ich festgestellt, dass es wie bei Werner auch viele kleine Dinge sind, die ich bevorzuge. Ins Restaurant gehe ich jetzt nicht unbedingt, weil es dort besser schmeckt, aber anders und vor allem gehe ich in eine andere Atmosphäre, ungestört, mit anderen Energien als bei mir zu Hause. Für mich ist das eher Microurlaub als eine Alternative zum Abendessen zu Hause. Aber auch das wird immer seltener.

Ich hab manchmal noch Kontakt zu alten Profiköchen und immer wieder höre ich auch dort: wichtiger als ausgefallen Rezepte sind immer gut schmeckende Zutaten. In das Geheule aromafreien Gemüses fallen alle automatisch ein, wie ein Werwolf-Rudel. Dabei: die perfekt aromatische Tomate mit etwas Meesalz, könnte ein Nudelgericht im Restaurant dagegen halten? In der Praxis fast nie, wenn auch die Chance nicht unmöglich ist. Auch ich bin schon lange zum „einfacher essen mit besseren Zutaten“ zurück gekehrt.

In London gibt es eine kleine Konditorei in South Kensington, nahe der Tube-Station. Sie heißt: Maitre Choux. Die Spezialität: Eclairs und zwar solche Aromen, wie man sie gar nicht mehr kennt. Phantastisch. Der Brüller aber war: es gab so ganz kleine ungefüllte Windbeutelchen mit grobem Hagelzucker darauf, die waren einfach göttlich, der Brandteig perfekt und nie so gegessen. Falls du mal dort bist, probier beides.

Das ist ganz großes Kino, das Aufwendigste und das Einfachste in gleicher Qualität. Luxus, der lohnt. Aber wann hab ich das schon mal. Wir passen auch auf, das nicht zu inflationieren, wenn wir dort sind, die Gefahr ist ganz groß, das jeden Tag zu wollen. Aber es wird nicht besser, nur gewohnter. Das ist kein Luxus mehr. Jeden Sommer paar Wochen in London zu verbringen ist auch kein Luxus mehr, es ist beinahe schon ein Wohnort mit echten Heimatgefühlen. 😊

Ich hab neulich mal im Freundeskreis laut darüber nachgedacht, wie verführerisch früher Clubs und Feiern waren, heute empfinde ich es manchmal sogar als Belastung, Essen und Alkohol zu schlecht und zu viel, immer dieselben Gespräche.

Heute morgen hab ich darüber nachgedacht, dass Abfall bestimmt bald pro Stück kostenpflichtig werden und genauso viel wie Kauf kosten könnte.

Was, wenn die Abfallbeseitigung einzelner Sachen teurer würde als ihr Kauf?

Was ich mit dem Kauf bezwecke, ist ja ein Gefühl. Wenn das Gefühl aber irgendwann auch so kommt.

Die Sache mit dem Ablehnen ist natürlich auch eine psychologische. Wir sind meist dazu erzogen worden, uns für Geschenke zu bedanken und nicht abzulehnen. Man arbeitet aktiv gegen ein inneres Muster an. Mein Problem sind Pralinenschachteln und hässliche Blumen, die ich dann auch noch aktiv versorgen muss und ihnen beim Welken zusehen! :D

Herzliche Grüße

Iridia


Meine liebe Iridia

ganz ähnlich hier!

Es ist einfach das Allerschönste, wenn man nicht im gefühlten Zugzwang ist, sondern seine eigenen Maßstäbe setzen kann. Ich denke, das ist auch ein Privileg des Älterwerdens. Ich war mit Beginn meines Arbeitslebens immer in der glücklichen Situation mehr als genug Geld zu haben. Natürlich habe ich mir jede Menge unnötigen Kram gekauft, ich erinnere mich noch an meine erste Shoppingtour in der Parfümerie vom ersten Gehalt. Aber war das wirklich unnötig?

Ich habe bis heute eine schöne Erinnerung daran. An vieles andere allerdings nicht.

Wenn man in einem Konzern arbeitet, kommt man ja sehr schnell in die „Höher, weiter, schneller, besser“-Mühle. Ich war auch darin und wäre es wohl immer noch – hätte ich nicht meine Kinder bekommen. Das war vor 15 Jahren ein Karriere-Knockout-Kriterium. Heute wusele ich zufrieden eine oder zwei Ebenen tiefer in meinen geliebten IT-Projekten herum, habe aber (fast) genug Zeit für meine Töchter, für mich, den tollen Mann, meine Freundinnen und natürlich den Blog.

Das ist für mich Luxus – Zeit!

Mein Luxus ist es am Wochenende zusammen schön zu kochen und beim Essen ein gutes Gespräch zu haben. Zwei Stunden auf Bloglovin oder Pinterest herum zu lungern und Sachen zu lesen, also praktisch nichts tun. Oder ein paar Tage frei zu haben und z.B. selbst in meiner Wohnung etwas zu machen.

Wobei ja die Frage ist, ob man wirklich Luxus kaufen möchte oder es nicht einfach ein Impuls von außen ist. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich die Menschen das Leben durch Vergleiche vergällen. Ich habe ein Interview mit dem Kapuziner-Bruder Niklaus Kuster (Link) gelesen. Am tollsten fand ich das Ende, als er von seinem Freund berichtet. Der ist verheiratet und hat drei Kinder, also genau das gegenteilige Leben. Und Herr Kuster sagt: „Wir spiegeln uns gegenseitig den Reichtum im Leben des andern“. Ist das nicht wunderbar?

LG von deiner Irit

26 Kommentare

  • Liebe Irit, liebe Iridia,
    sehr schönes Format und ich lese es mit Begeisterung.
    Besonders auch die Kommentare von dir Iridia sind immer sehr inspirierend. Du hast mir auch einmal auf einen meiner Kommentare geantwortet und mir wertvolle Tipps gegeben. Dafür wollte ich mich schön längst einmal bedanken!
    LUXUS – ist für mich tatsächlich auch die Zeit.
    Zeit für sich selbst zu haben, sowie die Zeit mit seinen Lieben verbringen zu dürfen.
    Das letzte Jahr war für mich sehr anstrengend und traurig, meine Freundin und mein treuer tierischer Weggefährte erkrankten beide schwer an Krebs. Ich durfte mir die Zeit nehmen, beiden auf ihrem letzten Weg sehr intensiv zu begleiten. Ich konnte mir hierfür beruflich eine kleine Ausszeit nehmen.
    Dass, ist wahrer Luxus für mich und ich bin glücklich und dankbar dafür.
    Ich wünsche euch noch eine wundervolle Zeit!
    Liebe Grüße
    Sansa

    • Liebe Sansa, das ist eine sehr traurige Geschichte – und gleichzeitig eine „schöne“. Zeitkann man eben nicht kaufen

    • Liebe Sansa,

      Es tut mir schrecklich leid mit deiner Freundin und deinem Tier. Mein Jahr war auch schlimm, meine Mutter ist gestorben und meine Geschwister leben zwar noch, hab ich aber auch in der Zeit verloren, soviel ist mir klar geworden. Wir konnten nicht auf gleiche Art trauern und ich verstehe erstmals Paare, die sich trennen, wenn ein Kind gestorben ist.

      Trotzdem hat mir vieles die Augen geöffnet, wie dankbar ich bin für Schmerzfreiheit, meine Lebenszeit und auch, gute Sachen von unguten besser trennen zu können und auch tatsächlich loszulassen. Die letzten Monate meiner Mutter waren auch schlimm, aber ich bin dankbar, überhaupt diese tiefe und bedeutende Zeit mit ihr verbracht zu haben. Das geht dir sicher auch so. Schön, dass du das konntest und auch dazu bereit warst.

      Wir vergessen oft, wie schnell es vorbei sein kann und was für eine kostbare Zeit einfache Unbeschwertheit ist. Meine Mutter war schon alt, deine Freundin ist leider vorzeitig, nehme ich an, gegangen. Aber – sie hatte ihre Freundin bis zum Ende ihres Lebens bei sich und du auch. Mehr geht nicht. Du warst die beste Freundin, die sie haben konnte.
      Tiere werden oft so nebenbei abgehandelt, aber ich finde das oft gar nicht so anders. Man hat Freud und Leid geteilt und Tiere fühlen das und stehen uns bei. Wenn sie gehen, fühlt man sich wie von wichtigen Wurzeln angeschnitten. Du hast viel durchgemacht in dem Jahr.
      Ich wünsche uns beiden ein gutes 2019. Dieses Jahr wird anders. :)

      • Liebe Iridia,
        es tut mir sehr Leid, dass du deine Mutter im letzten Jahr verloren hast. Und ja, es fühlt sich an, wie von wichtigen Wurzeln abgeschnitten. Ich fühle mit dir mit!
        Traurig finde ich es, dass du auch im Prinzip deine Geschwister verloren hast. Ganz oft kommt es vor, dass gerade in so einer schweren Zeit, in der man doch zusammenhalten sollte, sich immer weiter voneinander entfernt. Das ist sehr schade!
        Du hast aber recht, indem du sagst, vieles hat dir die Augen geöffnet. Mir ging es genauso!

        Deine Mutter hatte hoffentlich ein langes und erfülltes Leben.
        Meine Freundin wurde mit knapp 51 Jahren aus dem Leben gerissen; eigentlich schon kurz nach ihrem 50. Geburtstag, als die Diagnose kam und die darauffolgende Tortur begann. Dass alles miterlebt zu haben, hat mich doch in so mancher Hinsicht auch verändert.

        Mein Hund war für mich nicht nur ein Tier, sondern ein treuer Weggefährte und ich vermisse ihn sehr.
        Gestern Abend erhielt ich die Nachricht, dass voraussichtlich Anfang Juli wieder ein Hund bei uns einziehen wird. Einerseits freue ich mich wieder eine Aufgabe zu haben, aber andererseits ist mein Herz noch traurig. Mal sehen was die Zukunft bringt, es muss auf jeden Fall besser werden ;-).

        Ich wünsche uns beiden auch ein sehr gutes Jahr 2019.

        Liebe Grüße
        Sansa

  • Danke liebe Irit.
    Ja, die Zeit ist sehr kostbar. Um so älter man wird, umso mehr weiß man sie zu schätzen.

  • Luxus ist das, was wir von Herzen zu schätzen wissen. Was es auch sei. Ein Schatz ist es spätestens spürbar dann, wenn wir es vermissen müssen. Der größte Feind von Luxus ist die Gewohnheit. Und schaffen wir es, die Schleier der Gewohnheit beiseite zu nehmen, finden wir uns inmitten von Reichtümern aller Art…

    • Interessanter Gedanke, Beate. Ich empfinde Gewohnheit zwar auch als Schleier, aber als einen, der durch Überfluss und Nichtbeachtung entsteht. Fällt dir noch einer ein?

      Das Tolle, zu viel, erzeugt auch Gewohnheit. Kaufen wir alles, weil es uns gefällt, haben wir Überfluss in der Wohnung, essen wir hauptsächlich, weil es schmeckt, haben wir es auf den Hüften. Alles, was schön ist, kann entwertet werden durch Häufigkeit – und ist im besten Fall Gewohnheit, im noch schlechteren Überdruss.

      Mir ist das mal aufgefallen, als ich nach einer Koffeinpause den ersten Espresso wieder hatte. Dieses Gefühl hat keiner der vielen Kaffees gehabt, die ich sonst täglich getrunken habe. Mir fällt da der Spruch „willst was gelten, mach dich selten“ ein, den ich leider nie befolgen konnte, mit den logischen Konsequenzen. :D

      Beziehungen werden vielleicht auch nicht schlechter durch Gewohnheit, die Gewohnheit verhindert allerdings, die aktiv zu genießen wie früher. Gerade Beziehungen brauchen wohl immer neue Energien, die sich nicht nur aus Positivem speisen müssen. Haltbare schlechte Beziehungen erinnern halt auch oft an viele Momente, denen man besondere Aufmerksamkeit schenkte und sich damit lebendig fühlte. Das Gefühl „du hast soviel in die Beziehung investiert“ kann ich gut nachvollziehen. Auch Schmerz kann sehr lebendig sein.

  • Liebe Iridia,

    ich bin — wer weiß, wieso — mit der Unfähigkeit gesegnet, mich an das Schöne zu gewöhnen. Das Meer, zu dem ich nun schon über zwölf Jahre täglich zu Fuß gehen kann… mein Lieblingstee oder -kaffee in der perfekten Mischung… mein Frühstückshaferbrei… das Rauschen des Windes… kleine Vögel im Garten… oder ein Mensch, der mir am Herzen liegt — jeden Tag dieselbe dankbare Freude.
    Das ungeschriebene Gesetz, dass ich mich dosiert zurückhalten soll, um geschätzt zu werden, hat mich deshalb in besonderer Weise schon immer irritiert und verletzt. Denn das bin ich nicht. Und so lebe ich nicht. Wegbleiben, um interessant zu sein. Darauf springe ich so gar nicht an :-)
    Dableiben, obwohl oder weil es gerade sehr ungemütlich ist… das beeindruckt mich!

    Und immer öfter und eindringlicher kommt mir die Erkenntnis, dass das bewusste Sein der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist. Erfüllt im Sinne von „alles enthalten“. Ob das Glas halbvoll oder halbleer ist, interessiert mich nicht. Ich will wissen, was im Glas ist.

    Manchmal mach ich Gedankenexperimente: Wie würde sich jetzt die Dusche anfühlen, wenn ich mich zwei Wochen nicht hätte waschen können? Wie schmeckt dieses Käsebrötchen, wenn es das letzte meines Lebens wäre?

    Ich war ein großer Fan von Christoph Schlingensief. Er hatte Lungenkrebs. Und schrieb ein Buch über seinen Abschied vom Leben. Er hatte soviel erlebt. Begegnungen mit namhaften Persönlichkeiten. Unvergessliche Auftritte in der Öffentlichkeit. Und am Ende hat er sich nichts sehnlicher gewünscht, als noch einmal zum Imbiss zu gehen und dort ein Mettbrötchen zu essen.

    Das Tolle bleibt für mich also immer das Tolle. Außer es hat, wie Du und Irit es auch beschrieben, auf einmal keine Bedeutung mehr. Mit dem Alter wird die Linse trüber. Und doch sehen wir vieles klarer als je zuvor.

  • Liebe Beate,

    Ich hab auch viel erlebt. Ich überlege eben, ob es für den jetzigen Moment eine Rolle spielt. Man sagt immer, der Weg hat einen dorthin gebracht, wo man ist, aber vielleicht wäre man auf jedem anderen Weg im aktuellen Moment gelandet. Sich an die Vergangenheit zu halten, ist auch ein Festhalten an etwas Starrem, fürchte ich.
    Das Mettwurstbrötchen hingegen ist total Jetzt. Das meinte ich auch in dem Brief mit „Rückkehr zum Einfachen“, der Luxus dessen, was im Moment das Herz wirklich begehrt.

    • Ich glaube ganz nah an ich weiß, dass für den jetzigen Moment nichts, was vorher war, eine Rolle spielt. Das ist irgendwie beunruhigend und beruhigend zugleich… oder? :-)

  • Ja, ein irgendwie unangenehm entwurzelnder und gleichzeitig frei machender Gedanke. :)

  • Liebe Iridia,

    Ilan Stephani veröffentlichte gestern einen neuen Podcast, der einen wunderbaren Bogen schlägt, wie ich finde. Warum der Regenwurm uns zu klein erscheint, während wir mit dem Blauwal beschäftigt sind…

    https://www.youtube.com/watch?v=p_DgzuyzQ98&pbjreload=10

  • Was für ein langatmiger und nicht enden wollender Dialog. Wenn diese Gedanken zu Anfang noch ein klein wenig anregend waren, so sind sie jetzt einfach nur noch sehr privat und für den Leser, der sich nicht über den Durchschnitt erhebt, langweilig und sich im Kreise drehend.
    Sorry, aber das musste jetzt mal raus!

    • Das darf auch gerne raus :-) um ehrlich zu sein mache ich mir auch nicht jeden Tag derlei Gedanken, aber manchmal schon. Im Moment bin ich sehr neugierig, wohin sich das entwickelt.

      Aber mal eine Frage: was meinst du mit „für den Leser, der sich nicht über den Durchschnitt erhebt“??

      • Da ich niemanden kränken oder gar beleidigen möchte, fällt mir die Antwort schwer. Ich finde diesen Dialog einfach abgehoben und sehr um sich selbst kreisend. Tja, und halt eben auch – wie gesagt – sehr privat.

        • keine Bange, hier ist so schnell niemand beleidigt ;-)

          jetzt muss ich aber nochmal fragen: meinst du den ursprünglichen Post oder die Kommentare??

  • Ich meine die Kommentare. Der ursprüngliche Post ist für mich klar und aussagekräftig. Was dann folgt, ist eher verschwurbelt, wenn ich das mal so salopp sagen darf.

    • ja, das sind sie – ich denke, es liegt daran, dass beide im letzten Jahr einen großen Verlust hatten und sich auf einer „anderen“ Ebene verständigen bzw. auf ähnliche Erkenntnisse gestoßen sind.

      Ich danke dir für deine Kommentare, denn 1. wird hier mal wieder die von mir sehr geschätzte Bandbreite deutlich und 2. äußerst du Kritik so nett, dass man sie gerne liest (also ich zumindest). Die Leserschaft hier ist glaube ich ziemlich heterogen und hier sind alle Meinungen erwünscht(außer es wird beleidigend, das wird dann von mir gelöscht und ich sperre auch schon mal eine IP-Adresse…)

    • Reflexionen als „verschwurbelt“ zu bezeichnen, weil der Leser ihnen nicht folgen kann, finde ich schon nicht ganz so nett… ;-) Und natürlich werde ich in persönlichen Kommentaren persönlich. Mein persönliches Erleben und Empfinden ist schließlich das einzige, von dem ich wirklich eine Ahnung habe. Über alles andere kann ich nur mutmaßen. Allgemeines Mutmaßen wiederum langweilt mich…

      • Ich kann durchaus folgen, langweile mich in diesem Fall hier aber zu sehr, um da noch weiter einzusteigen bzw. dranzubleiben. Ich wollte natürlich niemanden kränken, aber „nett“ sein ist auch nicht mein Ziel. Ich glaube auch, dass die meisten hier schon viel erlebt haben, darauf gibt es kein Monopol.
        Ich wollte einfach nur zum Ausdruck bringen, dass ich diese Reflexionen uninteressant finde.
        Irit hat gefragt und ich habe geantwortet.

        • Ich langweile mich auch bei manchen Themen… Dann lese ich nicht mit und überlasse das Kommentieren den Interessierten. Das ist doch in Ordnung so, Angela. Irit hat ja unlängst mal überlegt, wohin ihre Blogreise so gehen soll. Welche Themen sie künftig aufgreifen will. Ich finde, Tiefe muss da drin sein. Auch Tiefe, die gerade nicht meine ist. (Oder Deine.) Mit Beiträgen, die allseits gefällig über den Bildschirm plätschern, ist das Netz stoppevoll.
          Jedenfalls freue ich mich jetzt schon auf ein Thema, für das Du hier engagiert sichtbar wirst :-))

  • Angela, selbst bei mir kam der Gedanke beim Lesen meiner eigenen Zeilen. :D Wirklich.

    Ich mag es aber, speziell auf jemanden einzugehen, der sich auf meine Gedanken bezogen hat und kommunziere genauso, wenn ich kann.
    Ich fand es sehr interessant, obwohl mir klar ist, dass die meisten das einfach überscollen dürften. Das ist völlig in Ordnung. Zumindest mir hat es einen ganz neuen Gedanken gebracht, den ich vorher noch nie hatte. Mir hat es was gegeben.

  • Huch, da ist ja richtig Fahrt in die auch aus meiner Sicht etwas verschwurbelte Diskussion gekommen…ich finde das gut !
    Das eigentliche Thema war ja ‚Luxus.
    Luxus? Oh je, schwieriges Terrain, vermintes Gelände.
    Was Luxus ist, ist schwer zu fassen und liegt im Auge des Betrachters, ähnlich verhält es sich mit der Schönheit, die, wie man weiss, auch nur subjektiv wahrnehmen kann.
    ‚Was dem Eenen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall“…
    Zur Verdeutlichung:
    für den einen sind die vergoldeten Wasserhähne in seinen Marmorbädern Luxus, ich selbst empfinde sie nur als protzig, prollig und geschmacklos. Einfach Glas Wasser ist per se kein Luxus, wird aber als solcher empfunden, wenn einen der Durst quält. Luxus kann ein warmes Bett nebst Wärmflasche in einem kalten Haus sein, eine nach Tagen endlich wieder funktionierende Dusche in Zentralafrika und -seit meinen Reisen dorthin- unser Trinkwasser hier in Deutschland, das aus dem Wasserhahn sprudelt.
    Oder nach einer langen Wanderung in Eiseskälte in den Hochvogesen in der Wärme einer der dortigen Ferme Auberges anzukommen und ein einfaches Mahl zu sich zu nehmen und einen einfachen Edelzwicker zu trinken.
    Ja und mal unbeschränkt Zeit für sich selbst und seine Lieben zu haben angesichts eines sonst beruflich zugetakteten Daseins.
    Reisen sind Luxus, eigentlich immer, für mich vor allem nach Paris, also die Stadt, in der Luxus zuhause ist. Ich meine nicht unbedingt jetzt Dior, Hermes &Co. Aber dort in meiner Lieblingskneipe zu essen, einen besonders tollen Lippenstift zu kaufen, ein Parfum, in eine Ausstellung zu gehen – Luxus pur.
    Luxus setzt also immer eine Ausnahmesituation voraus, der die Erfahrung von Entbehrung vorausgegangen ist. Also die warme Suppe bei Hunger und Kälte, wenn der Schneesturm ums Haus tobt, etc.
    Glück ist wieder was ganz anderes und ein weites Feld.
    Und die sog. ‚kleinen Freuden‘ und die ‚kleinen Freuden des Lebens noch mal ein Aliud zu Luxus und Glück. Aber die Grenzen sind fließend.
    Und wenn ich dann im Frühling in Paris mit dem Mann meines Lebens in einer meiner LieblingsKneipen dort, sagen wir ‚Brasserie Lipp‘ oder ‚Train bleu‘ in Erwartung der Jakobsmuscheln aus der Normandie ein Glas Sancerre trinke nach mehrwöchigem Hungern, um wieder in den Armanianzug zu passen -und er passt wieder!-, und Makeup inkl. Lippenstift schlicht gelungen sind, dann, ja dann ist das alles auf einmal: Luxus, Glück und so viele ‚kleine Freuden‘. Ich vergaß noch das Orchester, das ‚La vie en rose‘ spielt…
    Aber: ein Bier in Münster i.W. kann unter gewissen Voraussetzungen dasselbe Empfinden provozieren.
    Ginge das jeden Tag so, wäre es weder Luxus noch Glück sondern….schlicht langweilig und Überdruss würde sich schnell einstellen.
    In diesem Sinn wünsche ich Euch manchmal luxuriöse Zeiten und viel Glück, vor allem aber tagtäglich viele kleine Freuden.

  • Danke, dir auch. :)

  • Da ich auch schon viel erlebt habe ist Luxus heute für mich nichts meist nichts Materielles, sondern Dinge wie Liebe und Gesundheit, Zeit für sich selbst. Auch wenn diese Dinge eher kein Luxus sein sollten, ganz oft sind sie es leider doch. Die materiellen Dinge, die ich früher als Luxus bezeichnet hätte, wie Kosmetik, Musik oder was man auch immer persönlich dafür hält, machen das Leben schöner. Quasi die Sahne auf dem Kuchen. Aber eben verzichtbar und deshalb kein Luxus. Zumindest für mich.

    Und: ich lese gerne diese „verschwurbelten“ Kommentare. Da ich ein Mensch bin der gerne tiefer einsteigt, nachdenkt, reflektiert etc. Mich persönlich hat der Briefwechsel an sich zu Anfang eher irritiert, weil ich ihn privst fand. Aber es hat was solche Gedanken zu lesen. Ähnlich wie fremdes Tagebuch. Außerdem Liebe ich es meinen Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen.

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