Begegnungen #3: eine Freundin

Kürzlich traf ich eine alte Freundin von mir und wir haben zusammen Mittag gegessen, gequatscht und dabei kamen erstaunliche Dinge zum Vorschein.

Wir hatten uns etwas länger nicht mehr gesehen, also gab es erstmal ein kleines längeres Update in Sachen Kinder (was, schon Abitur?), Beruf (wo bist du andauernd unterwegs?? Riga? UK?) und so weiter. Und natürlich kamen wir auch auf die Männer zu sprechen.

Ich erging mich in Lobeshymnen über den tollen Mann, der mich tatsächlich jeden Tag glücklich macht – auch nach mittlerweile zweieinhalb Jahren. Apropos: wir haben uns mittlerweile auch „Freundschaftsringe“ zugelegt – als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit. Die sind wirklich wunderschön, da hat meine Lieblingsgoldschmiedin mal wieder etwas tolles gezaubert (es sind diese hier), er hat aber eine Variante mit einer eckigen Ringschiene. Und nein, es wird weder geheiratet noch zusammen gezogen, das passt alles ganz ausgezeichnet, wie es ist. Leider sind sie nicht so richtig alltagstauglich, also wird demnächst noch etwas schlichteres angeschafft…

Äh, was wollte ich eigentlich schreiben… ach ja. Meine Freundin ist seit sehr langen Jahren verheiratet und ich wusste, dass es vor ein paar Jahren SEHR heftig gekriselt hatte. Da war von Trennung die Rede, aber aus mehreren Gründen blieb es dann beim Status Quo. Sie erzählte mir dann, dass sie rückblickend gesehen wohl eine richtige Midlife Crisis gehabt hatte, das Übliche… was man nicht alles verpasst und es kann doch nicht alles gewesen sein und so weiter.

Und dann kam der Punkt, der mich sehr berührt hat: irgendwie hat sich im Lauf der Zeit alles wieder eingerenkt. Die Beiden unternehmen wieder viel zusammen und haben Spaß zusammen und freuen sich aneinander und sind glücklich, dass sie sich haben.

Toll, oder?

PS: ich nenne hier zwar keine Marke, aber das steht bei mir jetzt grundsätzlich überall dabei – vorsichtshalber. Dieses Berliner Urteil…

9 Kommentare

  • Ich bin ja ein großer Fan von Midlife-Krisen, generell von großen Krisen. Wirklich.

    Sie zeigen, dass etwas falsch gelaufen ist und man kann sich jetzt wieder positionieren und wieder alles auf Spur bringen, was auch immer das für Konsequenzen hat. War es eine Frage der Kommunikation, ist der Partner oder man zu wenig wertgeschätzt in der Beziehung, machte einer alles und der andere immer weniger, ist jemand aus innerer Einsamkeit fremdgegangen? Für dies alles gibt es gute Möglichkeiten, durch den Schock der möglichen Trennung wieder eine Kurskorrektur zu machen – wenn das beide noch nicht zu lange so gemacht haben und aktiv etwas anders machen. Auch, wenn man sich entscheidet, den anderen hinzunehmen, wie er sich entwickelt hat und die Priorität der Ehe zu geben, nicht mehr zu kritisieren usw. ist das eine echte Entscheidung, die den Stress, den man vor der Krise hatte, beendet.

    Ich selbst hatte auch zwei heftige Krisen und ich erinnere mich, dass sich die Partnerschaft damit sehr gefestigt hat und hinterher stärker war als vorher.
    Letztlich ist sie später doch noch zerbrochen, aber da wurde klar, dass sich die Lebensentwürfe inzwischen unterschieden. Trennung bedeutete weiteres Lebensglück, nur nicht mehr in der alten Beziehung, sondern mit jemandem, der seine eigenen Lebensentwürfe aktiv lebte und mit dem es auch wieder passte.

    Die Zeit der Midlife-Krise zeigt auch, ob man für seine Erfüllung kämpft, einen Weg findet oder hauptsächlich verheiratet bleiben will. In der Zeit, in der man noch Kinder zu betreuen hat, würde ich alles versuchen, das zu erhalten, falls das Alltagsleben sonst nicht schon von ständigen Streits und Vorwürfen bestimmt wird. Aber das ist immer ein schlechtes Zeichen.
    Die Midlife-Krise kommt fast immer erst dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder bald gehen, wenn neue Lebensentwürfe gemacht werden, was man danach mit der Zeit und Kraft macht und was man ewig aufgeschoben hat, weil es mit Kindern nicht ging, ohne dass man es gemerkt hat. Dann wird man nur noch auf sich und die Partnerschaft zurück geworfen und sieht, ob sie einen noch erfüllt oder sogar so bremst, ob man vergessen hat, was einen selbst ausmacht. Es kann ein Akt der Treue zu sich selbst sein oder das Gegenteil, man kann dem Partner treuer werden als sich selbst oder: der Ehe an sich.

    Mich hätte bei deiner Freundin am meisten interessiert, was die mentalen Änderungen waren, die die Veränderung brachten. Was war im Denken danach anders als da, wo es vorher Probleme gab?
    Natürlich würde mich auch interessieren, ob es tatsächlich eine langfristige Veränderung gab oder ob es eine Sollbruchstelle war, die später wieder kommt.
    Was ich allen wünsche ist: ein glückliches Leben. Das kommt vor einer glücklichen Ehe. Das zweite sollte das erste ausmachen, wenn es das nicht ist, sollte man andere Wege suchen, ein erfülltes Leben zu leben. Ich finde, man sollte seine Träume in der Partnerschaft erfüllen können, dann hat man auch die besten Chancen, dass sie beide erfüllt. Happy Wife, happy Life.

    • Liebe Iridia
      Ich frage Dich, kann etwas Anders sein, als es ist? Kann etwas „ falsch“ laufen?
      Wir befinden uns gedanklich permanent in der Vergangenheit oder in der Zukunft, höchst selten im Jetzt. Sind wir im Jetzt, kann nichts falsch oder richtig sein, das gibt es nur im Blick zurück, da wird dann bewertet und für richtig oder falsch befunden.
      Liebe Grüsse

      • Im Jetzt kann man genau falsch sein, wenn man merkt, dass es gar nicht gut läuft und die Richtung falsch ist. Oft ist es sogar ein ganz klarer aktueller Moment, an dem man begreift und den Schalter umlegt, wohin auch immer.

        Hast du sowas nie erlebt? Eine Krise ist ja eine Kurskorrektur, die bedingt, dass man unbewusst oder bewusst einige Zeit davor vom Wege abgekommen ist oder sich hat abdrängen lassen.

        Im Buddhismus sagt man, dass alle Probleme vom Anhaften kommen, also wenn man etwas aktuell nicht loslässt, (weil es seinen Grund in der Vergangenheit hat).

        Wenn es gut läuft, gibt es keinen Kampf gegen die eigenen Interessen der Seele. Es geht nicht darum Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, aber ob was wirklich zu einer neuen Qualität oder man nur nicht loslassen will, weil das Pferd tot ist, das man reitet, ist ein Unterschied.

        Hab ich dich falsch verstanden? Worauf willst du in dem Zusammenhang hinaus?

        • sie will darauf hinaus, dass es ist , wie es ist! Alles andere ist bewerten, optimieren, Druck ausüben passend machen nenn es wie es ist! Eine Krise ist eine Krise ein Danach ist ein Danach! Irits Freundin hat sich für ein Weiter so entschieden warum auch immer

  • „…der mich tatsächlich jeden Tag glücklich macht…“

    Hihi :-)

  • @Iridia: das hast du sehr schön beschrieben. Und ich kann dir aus meiner ganz persönlichen Erfahrung nur zustimmen. Aber das erfordert den eigenen Willen, Verantwortung aktiv zu übernehmen, und zwar auch dann, falls es für einen selbst unbequem werden könnte, raus aus der Komfortwohnung bedeutet und ggf. Alleine weiter zu gehen. Es erfordert sehr viel Bewusstsein. Ich habe mich, weil ich alleine nicht weiterkomme mit meinen Gedanken für ein Coaching entschieden, mein Partner will nicht mit. Es koste nur Geld, bringe nichts was man(n?) nicht ohnehin schon wisse… ich bin sehr gespannt, aufgeregt und ja, ein bisschen wie vor einem Neuanfang… alleine die Aussicht weckt bei mir täglich neue Energien.. ich bin sehr gespannt, wann und wohin mich das trägt…

    • Das ist eine gute Idee. Wenn man davon ausgeht, dass man alles selbst am besten weiß, bräuchte man nie Gespräche – es stimmt einfach nicht. Manchmal weiten Gespräche den eigenen Horizont so aus, dass sich der Blickwinkel auf dieselbe Sache ändert. Wäre mein Partner unzufrieden, ich würde nie nur ausharren. Ich will ihn doch ebenfalls glücklich machen.

      Mich beschäftigt auch der Widerspruch, das sterbende Menschen in der Regel nur bereuen, was sie nicht getan haben, aber eine Midlife-Krise, in der er darum geht „was man nicht alles verpasst und das kann doch nicht alles gewesen sein“ oft so gering schätzt. Hier schlägt die Seele Alarm, das man sein Leben verplempert. Aber fast alles kann man in der Beziehung nachholen, wenn der Partner Nähe und Verständnis für den anderen hat und auch das als neue Phase der Partnerschaft sieht und nicht nur das Ende des Gewohnten und Starren. Für neue Partner wird sich nur dann entschieden, wenn das nicht möglich ist. Jüngere sind oft nicht in erster Linie das Zeichen von neuer Sexualität, wie das meist gesehen wird, sondern auch von Unvoreingenommenheit, etwas Naivität, Leichtigkeit und Begeisterungsfähigkeit. Das ist zwar nicht immer eine Altersfrage, tendenziell aber schon und liegt deswegen nahe.
      Für uns Frauen ist wichtig, sich auch in der Ehe um uns selbst zu kümmern und die Servicearbeiten dahinter zu stellen. Haushaltspflege beispielsweise ist gut und richtig, wenn sie einen selbst erfüllt. Aber wenn man sich überlegt, in welche Bereiche sich jemand verliebt, dann vermutlich nicht in den. Als Frau vermutlich selten in das ständige Fußballgucken auf der Couch. Es ist völlig okay, sich mal eine Zeit lang in einer Gewohnheitsschleife aufzuhängen, aber spätestens wenn der Partner anmerkt, sich eigentlich ein anderes Leben zu wünschen, ist es eine gute Frage an sich selbst, ob man sich selbst in sich verlieben würde, wenn man sich jetzt kennenlernen wurde. Es gibt jede Menge Menschen, die immer wieder zu ihrer Essenz finden und mit denen es vermutlich immer wieder spannend ist. Die haben gute Chancen, das Krisen der Beginn einer schönen neuen Partnerzeit ist. Die Balance aus Entspannung und Anregung ist ein tiefes seelisches Bedürfnis, nicht immer zeitgleich, aber generell, aber es ist gut, auf inneren Unfrieden wirklich zu hören, finde ich.

  • In meinem nächsten Umfeld gibt es zwei langjährige Ehepaare, die sich in einer Zeit der Krise getrennt hatten und inzwischen, seit ein paar Jahren schon, wieder zusammen sind (sind alle um die 60).
    Und es ist eine Freude, sie zusammen zu erleben!
    Die Trennung hat bei beiden Paaren bewirkt, dass sie erkannten, wie viel sie sich eigentlich bedeuten, was sie durch die Trennung verloren hatten, auch wenn das ’neue Leben‘ durchaus spannend und beglückend war.
    In beiden Fällen gab es sogar eine neue Verliebtheit, die letztendlich zur Trennung geführt hatte.
    Und trotz alledem – sie blieben in Verbindung, es gab Gespräche, Austausch und schliesslich einen Neuanfang.
    Manchmal lohnt es sich, dranzubleiben und es gibt einen gemeinsamen Neuanfang.
    Manchmal trennen sich Wege definitiv, man kann es im Voraus nicht wissen.
    Krise als Chance, das trifft es wohl in beiden Fällen.

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