Entspannter leben

Wer mich zum ersten Mal trifft, wird mich vermutlich weder für einen Perfektionisten noch für das Organisationstalent an sich halten. Ich bin notorisch gut gelaunt, lache viel und laut und bin auch selten um einen Spruch verlegen. Im Podcast ist mir das sehr aufgefallen, aber das bin ich und ich mag mich. Aber…

… unter all dem schlummert ein analytischer Geist und (sehe ich als meine meiner absoluten Stärken an) ein Organisationstalent.

Das ist einerseits sehr praktisch, weil ich nie Probleme habe, die diversen anstehenden Aufgaben zu priorisieren, zu ordnen und zu erledigen. Andererseits führt das aber dazu, dass ich dann irgendwann nur noch renne (ist ja alles geplant…) und völlig aus meiner Balance gerate. Was dann mit einem minimalistischen Lebensstil (mehr Zeit!) kollidiert.

Also etwas entspannter leben. Eine Sache, die ich vom tollen Mann gelernt habe, der (glaube ich) zwischendurch ziemlich fassungslos vor meinen ToDo-Listen, Zeitplanung und meinem ständigen Pflichtbewusstsein stand. Und meinte, ich könnte doch vielleicht mal eine Stunde oder so nicht verplanen und es würde auch niemand tot umfallen, wenn etwas mal nicht perfekt klappt.

Hach ja. Ganz ganz schwierig.

Aber: so ein paar Dinge kann ich mittlerweile loslassen bzw. auch mal liegen lassen. Oder gar nicht machen. Minimalismus für meine ToDo-Listen und auch bei meinen Lebensumständen.

Ich brauche Ordnung. Ich komme nur zur Ruhe, wenn es um mich drumherum wohlsortiert ist. Ist dieser Zustand erreicht (das war bei mir ein paar Monate nach Auszug meines Exmanns, ein notorischer Jäger und Sammler…), kann ich auch mal mit Kompromissen leben. Oder Dinge später machen. Oder die Geduld aufbringen, auf das Tom Dixon Sofa zu warten.

Ich weiß, das ist ein bisschen scary, aber bei mir ist wirklich immer ALLES aufgeräumt, jede einzelne Schublade, jeder Schrank und ich weiß auch immer, wo was ist. Was aber nicht heißt, dass meine Socken in Reih und Glied liegen, aber sie liegen an der richtigen Stelle.

Spart mir im Endeffekt sehr viel Zeit. Genau wie mein Verzicht auf Zeitungen (ich höre morgens WDR5, dank Internet auch in Riga und Coventry) und auf „normales“ TV (ich schaue höchstens mal gezielt einen Film oder eine Serie, derzeit übrigens „The Crown“, absolut klasse).

Was ich auch für mich entdeckt habe: elektronisch entspannen. Ich habe die Benachrichtigungstöne an meinem Handy ausgeschaltet, Mails kommen nur auf meinem Rechner an und deshalb dauert es auch manchmal etwas länger, bis ich auf Kommentare antworte.

Was sind denn eure Strategien für ein entspannteres Leben?

7 Kommentare

  • Viel absagen und Zeit für mich finden. Mitunter benutze ich dazu Vorwände, weil ich das nicht diskutieren möchte, aber obwohl ich jetzt schon sehr lange meinen zweiten Mann habe, möchte ich am liebsten mit ihm zusammen sein – oder ganz allein. Ich tanke bei ihm auf, aber auch, wenn ich auf mich selbst zurück ziehe. Ich brauche Zeit für mich, um mich zu erden.

    Ordnung ist mir auch immer wichtiger geworden. Ich bin eigentlich als Chaotin aufgewachsen und auch mein erster Mann wollte nichts wegwerfen, übrigens auch ein Grund unserer Trennung. In meiner ersten Wohnung danach lebte ich dann wie in einer schönen, klaren, behaglichen Klosterzelle, minimalistischer als diese Jahre bin ich nie mehr gewesen, aber alleinlebend war das auch einfacher. Ich merkte, wie lebendig ich ohne diese ganzen Besitztümer wieder wurde und welche Sehnsucht ich offenbar schon lange nach Klarheit hatte. Ich resetete damit meine Energien. Mein Minimalismus ist zudem ein vordergründig ästhetischer. Mir geht es nicht um Konsumverzicht oder Umwelt wie vielen anderen Minimalisten. Nicht in diesem Fall. Ich will wenige schöne und zeitgemäße Dinge um mich haben und nichts in der Wohnung, das ich nur für irgendwann aufhebe und nicht benutze, sondern mich an alte Energien bindet, an zu Ende Gegangenes. Mir gefällt viel, aber es gibt nicht viel, das mich nicht gleichzeitig über die Zeit belastet. Viele Dinge sind bei mir nur auf der Durchreise – kennenlernen und die Gemeinschaft genießen, aber nicht festhalten.

    Ich hätte auch nie gedacht, dass ausgerechnet ich, dieses luftige Wesen, Ordnung so genießt und unleidlich wird, wenn es mal nicht so ist. Ich brauche Erdung für mein inneres Gleichgewicht. Entweder ist es mit den Jahren gekommen oder ich hab es erst relativ spät erkannt. Ein großes Maß an Zeit für mich und Ordnung und Seele und Phantasie leben wieder auf. Aktives Musikhören baut mich auch auf, es entlastet den Geist von zu viel Affengeschnatter und regeneriert, dazu befriedigt es mich emotional. So krieg ich die Balance zwischen gesuchter Anregung/Entdeckung und Entspannung immer besser hin, aber es ist auch ein ständiger Prozess.

  • Ja, die Ordnung.

    Ich bin kein strukturierter, perfekter, immer alles sauber und clean aufgeräumter Ordnungsmensch. Sachen dürfen herumstehen, Papiere sich stapeln.

    Jedoch dürfen sich die Papiere nur an zwei Stellen stapeln. Für Zeitungen muss ein Stapel (der auch hoch sein kann) reichen.
    Socken sind auch immer an der selben Stelle im Schrank… aber vielleicht nicht immer beide gleichzeitig.

    Auch bei Deko-Elementen gilt, weniger ist mehr und was mir gefällt, darf lange bleiben. Butlers und Co verdient an mir wenig.

    Ich möchte nämlich so wenig Zeit wie möglich mit aufräumen und putzen verschwenden und dennoch soll es sauber und aufgeräumt sein.

    Also… alle Oberflächen relativ frei… Staubwischen geht schneller. Keine unnützen Teppiche, Geräte auf Arbeitsflächen (die Geräte stehen im Keller, wenn ich sie brauche, hole ich sie).
    Alles andere versuche ich in Schränken zu verstauen, die immer geschlossene Oberflächen haben, so dass ich auch dort die Sachen nur an ihren Platz stellen muss, es aber innen ruhig unordentlich aussehen darf. Ich sehe es ja nicht, wenn die Tür zu ist.

    Im Bad einen sehr, sehr großen Unterschrank und Spiegelschrank , draußen steht nur, was gerade gebraucht wird.
    Alle Shampoos und Duschflaschen in einer schönen Schale, wenn ich putze, muss ich also nur die Schale anheben und nicht 10 Flaschen.

    So habe ich mehr Zeit um etwas zu tun, was mir mehr Spaß macht.

    Ich finde auch die zwei Minuten bzw. 5 Minuten Regel ganz wichtig (ohne früher gewusst zu haben, dass es die gibt)

    Also alles an nerviger Arbeit die nicht länger als zwei Minuten dauert…sofort erledigen.
    Bei 5 Minuten so schnell wie möglich, auch gerne sofort. (Zbs. alles an seinen Platz stellen, Spüma ausräumen und alles sofort einräumen)
    Der positive Nebeneffekt: ich fühle mich auch gut, weil ich so viel erledigt bekomme und mir keine doofen Sachen im Kopf sitzen….du musst noch …… Das entspannt sehr. Die To-do-Liste wird hierfür erst garnicht geschrieben.

    In letzter Zeit bemerke ich, dass ich langsam anfangen möchte, die Schränke noch mehr zu leeren. Die sind nämlich gut gefüllt und alles brauche ich nicht. Das ist zur Zeit meine Herausforderung… Dinge zu entsorgen. Macht dass aufräumen der übrigen Sachen noch leichter. Und damit bekomme ich mehr Entspannung und Zeit für meine Lieblingstätigkeiten.

    Liebe Grüsse

    Emails sind nur auf dem Rechner, das Handy liegt ganz oft in einem anderen Zimmer und nur Anrufe sind laut gestellt. (Ich brauche es nur privat)
    Fernseher…sehr selten, wenn mich was interessiert. Oft nehme ich dass dann auf und schaue bei Bedarf.

  • Oh wow, das klingt wie bei mir! Wer mich trifft, denkt das vllt. auch nicht gleich von mir. Ich bin quirlig und rede oft ein bisschen zu viel 😁 Ich bin aber auch ein sehr ordentlicher Mensch, es ist immer aufgeräumt, man würde bei mir nie Unordnung vorfinden, auch nicht unterm Bett oder in Schubladen. Ich weiß genau, wo was aufbewahrt ist und muss selten etwas suchen. Alles hat seinen Platz. Ich bin auch die Organisatorin im Freundeskreis. Wenn es darum geht, wie etwas zu machen ist, bin eigtl. immer ich es, die einen logischen Zeitplan entwirft, da ich die umsichtigste von uns bin. Das liegt mir einfach. Sowohl eine grobe Struktur entwerfen, als auch an Kleinigkeiten und Dinge zu denken, die anderen vllt. nicht einfallen würden. Früher hätte ich dann als Perfektionistin alle Aufgaben schlussendlich selbst erledigt. Ich hab aber zum Glück in den letzten Jahren gelernt, Aufgaben zu deligieren. Heute entwerfe ich den Plan und überlege, welche Aufgabe von wem am besten erledigt werden kann. Das klappt, da ich wirklich gute Freunde habe, die man auch zur Verantwortung ziehen kann.
    Was ich sehr interessant fand, dass ich das kürzlich jmd. erzählt habe, dass ich sehr ordentlich bin und auch sehr sauber (früher war ich mit dem Putzen fanatischer, heute eigtl. nur noch 2x/Jahr richtig gründlich, ansonsten halt das Übliche) und die Person meinte: oh, da hast du wahrsch. zwischen deinem 2. und 3. Lebensjahr einen Vertrauensverlust zu einer nahestehenden Person erlitten. Und das krasse ist: ich bin mit 2 1/2 Jahren zu meinen Pflegeeltern gekommen! Das konnte die Person nicht wissen und ich erinnere mich da natürlich auch überhaupt nicht mehr dran. Aber da könnte vllt. was dran sein, wer weiß?

  • Ach, ich hätte es auch gern ordentlich… Aber mein Mann ist (Jäger &) Sammler, es ist immer alles zugestellt mit Krempel, den man ja doch noch mal brauchen könnte. Mein Ziel ist ein eigenes Zimmer, das dann vermutlich ziemlich minimalistisch eingerichtet und immer aufgeräumt ist. Ich arbeite daran…
    Viele Grüße
    rosalili

  • Mich frisst beim Lesen gerade der Neid :-) ! Ich wäre bzw. hätte es sehr gerne so, auch weil ich fühle, dass mir manches tatsächlich Energie raubt – und kann trotzdem extrem schwer „loslassen“. Dass ich grundsätzlich kein superordentlicher Mensch bin und auch nicht leidenschaftlich gerne putze (das liest sich jetzt fast so, als würde es bei mir vor Schmutz starren – dem ist natürlich nicht so) erschwert mir den gewünschten Minimalismus und das entspanntere, buchstäblich befreitere Lebensgefühl beträchtlich.

    Mein Partner ist ein (sehr ordentlicher!) Sammler, als leidenschaftlicher Koch auch, was unsere Lebensmittelvorräte anbelangt ;-) … ich bin weniger ordentlich, hätte (und hatte in der Zeit, als wir beruflich noch getrennte Wohnsitze hatten) aber sehr viel weniger Zeug in der Wohnung – nicht nur im Kühlschrank ;-)), und habe mich so deutlich wohler gefühlt!

    Paradox.

    P.S.: Die hier mal gelesene „2 Minuten-Regel“ = alles, was man in dieser Zeit erledigen kann, macht man sofort – finde ich immer noch gut. Wahrscheinlich hält mich die sogar über Wasser ;-) …

  • Spannend zu lesen wie unterschiedlich wir leben. Und dass man eben nicht allein auf der Welt ist. Ich habe jeden Tag die Ermahnung an meine Töchter, ihren Kram wegzuräumen und Ordnung zu halten. DAs ist wohl noch ein etwas längeres Projekt.

    @Rosalili: ich drücke dir die Daumen, das wird mit deinem Zimmer!

  • ja es liest sich tats. sehr interessant und man denkst sich, wow, warum bin ich nicht wie die Person X oder Y. Aber hey, ich bin mir sicher, Leute, die nicht so ein tolles Verhältnis zur Ordnung haben, so wie ich zum Beispiel, sind sofort, wenn sie ihre gewohnte Umgebung – die Unordnung eben – haben, einfach am produktivsten, sie sind unheimlich schnell und wenn sie fertig sind, was bedeutet, sie müssen gehen, dann gehen sie, und wenn dann der Tisch voller Akten ist, dann ist morgen auch noch ein Tag (wtf!) Die gute Scarlett eben und ihr Ich will nie wieder hungern eigener Boden ist das Einzige, was zählt …..nun da kann ich mich nicht beklagen. Grund und Boden ist mir wichtig, Geld auch, ich trenne mich schwerer, als ich es verdiene. Habe mir vorhin bei verschiedenen Möblern mal sofort Schränke ausgesucht, drei an der Zahl, muss noch entscheiden, alle drei werde ich nicht unterbringen können, obwohl schaun wa mal …..

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