Beeindruckende türkische Literatur, oder

echt hardcore, diese Frau. Hakan Günday erzählt in ihrem Roman „Extrem“ aus einer mir größtenteils unbekannten Welt.

Dies ist die Geschichte der elfjährigen Derdâ, Schülerin auf einem ostanatolischen Internat, in dem eines Nachts ein Mädchen ums Leben kommt. Dies ist die Geschichte des elfjährigen Friedhofsjungen Derda, der in einer Behausung an der Istanbuler Friedhofsmauer lebt und den Tod seiner Mutter geheimhalten muss.
Dies ist die Geschichte von Derdâ, die mit dem Anführer eines islamistischen Ordens verheiratet und nach London geschickt wird. Die zum Opfer männlicher Fantasien wird. Und die nur überlebt, weil sie sich die ihr fremde Sprache aneignet, während ihr alles andere genommen wird. Und von Derda, der sich mit Sechzehn mit dem Verkauf von Raubkopien an Straßenbuchhändler über Wasser hält. Und der ein glühender Verehrer eines türkischen Kultautors wird.
Es ist die Geschichte zweier Menschen, deren Wege sich über die Literatur immer wieder kreuzen – und am Ende auch eine ganz besondere, weil außergewöhnliche Liebesgeschichte.
Und es ist ein sprachlich besonders beeindruckendes Buch – roh und geradezu brutal schildert die Autorin die gräßlichen Erlebnisse zweier Kinder, die mir nicht nachvollziehbaren Reaktionen der Umwelt auf unglaubliche Grausamkeiten und das Auftauchen zweier Seelen aus all dem wie Phönix aus der Asche.

Sehr lesenswert, aber nichts für schwache Nerven.

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