Bücher lesen – oder?

Ich bin gerade dabei, wieder ein entspanntes Verhältnis zu Büchern zu bekommen. Oder genauer gesagt: zum Lesen von Büchern. Da hat sich im Lauf der Jahre doch so einiges geändert. 

Früher habe ich sehr viel Zeit in der Leihbücherei verbracht, das ging bis Ende der Studienzeit. Acht Stunden Arbeit pro Tag hatten Nachteile (weniger Zeit zum Lesen), aber auch Vorteile (genug Geld für alle Bücher, die ich kaufen wollte). Insgesamt war ich bis 2003 eine Vielleserin, eine 50-Bücher-Challenge wie in 2015 hätte mich damals nicht aus der Ruhe gebracht.

Tja, und dann kamen die Kinder. Eine Stunde am Stück lesen wurde unmöglich, eine halbe Stunde war schon ein Ereignis. Und gleichzeitig wurde das Internet immer gegenwärtiger. Habe ich früher noch Stapel von Zeitschriften gekauft und verschlungen, lese ich heute neben dem Spiegel hauptsächlich Blogs. Kann man immer mal gut einschieben und auch nur zehn Minuten lesen.

Aber mir fehlte etwas. Letztes Jahr war ja eher turbulent zwecks Neusortierung meiner privaten Situation und irgendwann habe ich dann gedacht, ich brauche wieder mehr fremde (Gedanken-)Welten, in die ich eintauchen kann.

Und dann entdeckte ich die Hörbücher auf Spotify. Es sind über 5.000. Also habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Hörbuch gehört. Zu Hause auf dem Sofa beim Stricken. Das ging gar nicht. Ich habe mich immer unwohler gefühlt, konnte nicht richtig zuhören und fand das alles schrecklich.

Nun war da aber immer noch der Riesenstapel ungelesener Bücher, die zu einem guten Teil auch als Hörbuch verfügbar waren. Nächste Versuch: beim Autofahren (ansonsten verschwendete Lebenszeit). Und das war die Lösung! Die Kombination ist einfach gut. Ich mag das nicht immer, aber bei längeren Fahrten (mehr als eine halbe Stunde) liebe ich es sehr.

Hörbücher finde ich sehr speziell. Es gibt Bücher, die mag ich als Hörbuch nicht, es funktioniert für mich nicht. Das ist sehr persönlich, manchmal finde ich z.B. die Stimme unpassend zum Buchinhalt, warum auch immer.

Womit ich bei meinem Tipp für Hörbucheinsteiger bin: „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Ich habe das Buch seinerzeit nicht gelesen, ich fand die Story sehr witzig, aber, nun ja, ich kam irgendwie nicht dazu. Dann habe ich das Hörbuch bei Spotify gesehen, kurz reingehört und ich war hin und weg: Christoph Maria Herbst macht das phantastisch. Da ist das Hörbuch die kongeniale Erweiterung des geschriebenen Worts. Wer es noch nicht kennt – unbedingt reinhören!!!

Wie sieht es denn bei euch aus? Klassisches Buch? Hörbuch? Beides?

15 Kommentare

  • Guten Morgen Irit

    Christoph Maria Herbst ist großartig! Beim besagten Hörbuch hatte ich so meine Probleme ich fand es schwierig der frenetischen Stimme von Christoph zu lauschen, habe dann das Buch gelesen.
    Hörbücher beim Autofahren sind klasse, meine Empfehlung die Känguru Chroniken von Marc-Uwe Kling.

    Wünsche dir einen guten Start ins Wochenende

    viel Grüße
    Silvia

  • Christoph Maria Herbst ist wirklich toll in Hörbüchern! Es stimmt, beim Hörbuch ist die Stimme und die Art des Vorlesens sehr wichtig, sie können gewinnen, aber auch richtig nerven.

    Wir hören seit einiger Zeit auch wöchentliche Podcasts wie „Die Wochendämmerung“ über audible, (was die Woche politisch passierte) regen uns mörderisch auf, stimmen aber eben so oft zu, wirklich einige aha-Momente. Die beiden sind sich sowohl einig als auch oft uneinig und aus dieser Spannung entstehen neue eigene Gedanken.

    Von 20 – 40 hab ich eigentlich nur Sachbücher gelesen, mein Wissenshunger war unermesslich und der Hunger nach neuen Gedanken auch. Seit ich mit meinem zweiten Mann zusammen bin, lese ich oft wieder Romane, aber immer noch weiter Sachbücher. Nachteil bei der Sache, kriegt ziemlich viel Spezialwissen, probiert viel und wird schnell nervig, weil man fast überall eigene Erfahrungen hat und was dazu sagt. Andererseits hab ich unheimlich viele Baustellen selbst bewältigt: mangelnde Ordnung, Geld, Sport, andere so akzeptieten, wie sie sind, aktiv Gelassenheit lernen z.B.ich bin sicher, ich hätte alle Probleme noch, wäre ich nie mit immer neuen Gedanken und Zusammenhängen konfrontiert worden, denn oft lag die Lösung in einem überraschenden Gedanken, den ich nie zuvor damit in Verbindung gebracht habe.

    Da ich gerade wieder mal taschenweise Bücher entsorgt habe, neuerdings regelmäßiges Staubwischem im Bücherregal erzeugt schnell die Frage, ob man das Buch wirklich noch mal liest, ist mir aufgefallen, dass die Bücher von Robert Galbraith über Comoran Strike mag.
    Es hat irgendwas Altmodisches und liest sich einfach gut, finde ich.

    Ich lese, was geht, in der Bibliothek, einerseits, weil ich das Buch nur einmal lesen will, aber nicht besitzen muss (oder aber ich kauf es mir danach selber), zweitens wegen des vollen Bücherregals. Ich geb auch selber die meisten ausgelesenen Bücher in die Stadtbibiothek, damit andere sie auch lesen können, wenn sie wollen und auch, um mich davon zu entlasten.

    Ich mochte früher gern Hörspiele (also mit wirklich verschiedenen Sprechern), bin mal unterwegs darauf gestoßen und fragte mich, warum ich das nicht öfter höre. Find ich aber kaum noch.

  • Hallo Irit,
    die Ebenhofer-Krimis von Rita Falk sind gelesen von Christian Tramitz der Knaller! Hören wir ebenfalls auf langen Aurofahrten.

    Grüße
    Sabine

  • Ich schlafe bei Hörbüchern entweder immer ein oder lasse mich irgendwie ablenken, dass ich immer von vorne anfangen muss.
    Also: nix für mich. Ich bin der Klassiker. Außer im Urlaub (E-Reader) halte ich gerne ein Buch in der Hand.

    Eigentlich bin ich nicht so der Krimileser, aber die Bücher von Charlotte Link finde ich zur Zeit genial.

  • Ich habe als Kind und Jugendliche alles verschlungen, was die Stadtbücherei so her gab und noch einiges Gekauftes oben drauf. Jetzt bin ich 49 und es gab in der Zwischenzeit ganz unterschiedliche Lesephasen. Im Moment liegt immer ein Buch auf dem Nachttisch (meist Krimis), da ich nur vor dem Schlafen zum Lesen komme. Anders im Urlaub, da verschlinge ich wieder. Mit Hörbüchern konnte ich mich nie anfreunden. Ich bin immer sofort eingeschlafen oder schaltete irgendwann im Auto die Ohren auf Durchzug und habe nichts mehr mitgekriegt. Und dann entdeckte ich Hörbuch hören für das Fitnessstudio! Optimal für mich, ich liebe es, eine gute Stunde Hörbuch zu hören und es ist eine Zusatzmotivation für mich zum Hingehen. 😉 Also immer zwei Geschichten gleichzeitig und im Jahr komme so locker auf 25 – 30 Bücher.

    • Das mit dem Fitnessstudio ist für mich eine ganz neue Idee. Ich gehe da zwar nicht hin, sondern laufe, aber höre immer Musik. Das werde ich auch mal probieren und sehen, ob es funktioniert. Toller Tipp, danke. 🙂
      Ich spare gerade für ein Rudergerät und könnte es mir super vorstellen, dabei sowas zu hören.

      Irit, diese Bücherthemen haben bei mir auch wieder viel angeschoben und das hat mich glücklicher gemacht, danke für diese Themen. 🙂

      • Fitnessstudio ist in der Tat gut, ich hasse es , sinnentleert auf dem Fahrrad zu radeln…

        Und schön, dass die Bücher wieder in dein Leben zurückgekehrt sind

  • Hörspiele kannst du dir haufenweise beim Deutschlandradio runterlasen, die machen ja auch immer noch welche. Ich liebe das. Ansonsten lese ich viel, aber mittlerweile nur noch ebooks.

  • Mir geht es wie Dir. Früher wusste ich immer was die Bestsellerlisten gerade hergaben und ich hatte immer ein Buch in der Tasche. Nach der Geburt des ersten Kindes 2004 brach es sein und ich beschränkte mich aufs Durchblättern diverser Zeitschriften. Seit einigen Monaten nähere ich mich wieder den Büchern (leichte Krimis). Mit Hörbüchern stehe ich noch etwas auf Kriegsfuß, werde mir aber mal etwas mit Chr. M. Herbst besorgen.

  • Immer analog, nie digital. Buch auf dem Nachttisch, jeden Abend. Schon immer. Im Urlaub werden dann drei dicke Wälzer mitgenommen und verschlungen. Hörbucher konnten mich nich begeistern – ich brauche meine „eigene“ Lesestimme. Früher hauptsächlich viele Krimis, rauf und runter,besonders Mankell und Konsorten. Heute nur noch Romane, dramatisch und vielschichtig müssen sie sein. Bei der aktuellen Krimikost habe ich das Gefühl: es gibt sehr, sehr viel Mittelmäßiges, viel Langweiliges und sehr, sehr, seeeeehr viel Trashiges, das nur noch auf Blutrünstigkeit und Schockeffekte aus ist. Eine verstümmelte Leiche reicht anscheinend schon aus, um heute einen Bestseller zu landen – die Geschichte ist dann nur noch Nebensache. Vielleicht bin ich da aber auch zu konservativ oder es trifft meinen Geschmack nicht mehr.

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