Glücksprojekt: Die 1-Minuten-Regel

Das Glücksprojekt verlangte eine Menge Vorarbeit, zunächst natürlich das Buch lesen, einen eigenen Plan aufmachen, über die grundlegenden Dinge nachdenken usw. Ich habe bei mir festgestellt, dass ich mich selbst gerne runterziehe und ich eh ein permanent schlechtes Gefühl habe wegen der Dinge, die ich NICHT mache. Kommt noch der Gedanke an die unüberschaubare ToDo-Liste hinzu, ist es ganz vorbei. Mind. zwei Stunden schlechte Laune plus mind. eine Tafel Schokolade. Oder wahlweise ein Tüte Chips. Ich versuche nun, einige Regeln zu beherzigen und die 1-Minuten-Regel bringt mich schon mal nach vorn.

Es ist ganz einfach:

Alles, was sich in einer Minute erledigen lässt, sofort tun.

Das hört sich blöde an, aber ich bin der Spezialist darin, ungefähr zwanzigmal an „Aufgaben“ vorbeizulaufen (sei es physisch oder eher im Kopf) und insgesamt braucht es dann wesentlich mehr Lebenszeit auf (plus schlechtem Gefühl), als es einfach zu machen.

Beispiel: Schuhe sortiert, vier Paar mag ich nicht mehr, aber sie sind so gut wie ungetragen. Also in eine Tüte gesteckt und dann sollen sie in den Hochschrank (ich habe einen Kleiderschrank bis zur Decke, also 3,70, das ist eine Riesenablagefläche oberhalb des eigentlichen Kleiderschranks). Dazu muss ich die Leiter holen, die Tüte verstauen, Leiter wegräumen.

Mache ich natürlich nicht. Lieber laufe ich andauernd an der Tüte vorbei und denke: oh, das musst du dringend machen.

Wie gut fühlt es sich an, beim nächsten Mal einfach die Leiter zu holen, die Tüte zu verstauen, Leiter wegräumen und nach einer Minute ist alles erledigt plus gute Laune, dass ich doch ein tüchtiges Kerlchen bin.

Ich lege die Regel großzügig aus, drei bis fünf Minuten gehen auch. Die Kinder haben mal wieder Chaos in der Küche hinterlassen? Sofort wegmachen, dann freue ich mich, wenn ich das nächste Mal an der Küche vorbei gehe und alles sauber und ordentlich aussieht. Es sind ja meist nur drei Teile für die Spülmaschine und einmal über den Tisch und die Arbeitsplatte wischen. Blick in die Speisekammer, das Geschenkpapier unordentlich in die Ecke gestopft. Rausholen, eben ordnen, zurückpacken – pures Glück. Rechnung liegt seit Tagen rum und schaut einen vorwurfsvoll an? Überweisung beim Onlinebanking kostet zwei Minuten. Dunkler Nagellack am großen Zeh nach der Steppstunde lädiert? Bei der nächsten Zigarettenpause eben drüberlackieren und schon ist der Blick auf die Füße eine Freude. Usw. Usw.

Das löst natürlich noch nicht alle Probleme im Leben, macht es aber deutlich freundlicher. Demnächst kommt noch mehr zum Thema „Feel Good – Feel Bad“, ToDo-Listen und so weiter.

Wer macht mit bei der „1-Minuten-Regel“ und was erledigt ihr künftig sofort?

13 Kommentare

  • Katharina

    Ja, ich glaube das passt bei jedem. Hab z. B. seit ein paar Tagen einen schmutzigen Fingerabdruck an der Außentür, der mich jedes Mal beim Reingehen ärgert. Und Vogeldreck am Fenster … lauter so kleine Sachen, die man eigentlich sofort erledigen kann, weg ist es und einfach gut. Versuch ich gleich heute, wenn ich nach Hause komme. 🙂
    Das Buch lese ich im Urlaub – Samstag gehts los, yeay. LG Kathi

  • Oh, das sollte ich auch mal anfangen. Dann würden sich keine Stapel an getragener Kleidung mehr auf meinem Gästebett bilden, die immer größer werden und mich nerven, vor allem, wenn ich dann mal Besuch bekomme und alles wegräumen muss. Ist eine gute Idee, schließe mich an!

  • ich mache das jetzt schon seit knapp zwei Wochen und ich bin erstaunt, wie viel das tatsächlich ausmacht. Derzeit bin ich noch dabei, die Familie auch dazu zu bewegen, aber es wird.

    Ich hatte als zweiten Programmpunkt noch abends immer 10 oder 15 Minuten aufräumen, das ist eigentlich überhaupt nicht mehr notwendig.

  • Du bist ich! 🙂

    Ich mach mit!

  • Danke für die Erinnerung! Diese Regel kannte ich schon (Zeitmanagement im Büro, als 3-Minuten-Regel) und hatte sie auch schon mal für mich eingeführt, dann ist sie jedoch, wie so vieles, vom inneren Schweinehund geschluckt worden.
    Ich werde sie gleich wieder im Gedächtnis bzw. Verhaltenstraining ganz nach vorne rücken, aufpolieren und wieder konsequent nutzen. Es hat wirklich Sinn, sich daran zu halten!

    Familienbewegung ist die Stufe für Fortgeschrittene – da bin ich noch sehr am Anfang… 🙂

  • ich versuche gerade,meinen Mann von der brillanten Idee zu überzeugen.. mal sehen

  • Katharina

    Ich auch, aber das kann noch dauern (das mit der Überzeugung des Mannes). Aber stell dir mal vor: Heute früh hat der Mann (mal wieder) die Zahnbürste liegen gelassen und anstatt zu meckern, hab ich sie weggeräumt und kein Wort drüber verloren. War nicht nur schöner am Frühstückstisch, hat auch meine Stimmung gehoben (weil ichs einfach besser kann!)

  • ist erstaunlich, was passiert, wenn man so kleine Dinge anders macht

  • Katharina

    Komisch, was sich so für Macken bilden. Gut, dass man manchmal mit der Nase drauf gestoßen wird und auf diese Weise merkt, dass es besser geht. Meine Devise „Schlimmer geht immer“ sollte vielleicht durch “ – besser aber auch“ ergänzt werden. – Samstag gehts in den Urlaub, Buch liegt bereit 🙂 .

  • Hallo, ich bin seit einiger Zeit eine stille, aber begeisterte Leserin dieses Blogs. Beim Glücksprojekt konnten meine Finger allerdings nicht still halten. Seit Jahren sind meine To Do Listen wie ein Assessment Center – es ist schier unmöglich, dass ich diese Liste in dem mir gesteckten Zeitrahmen schaffe…. Deswegen habe ich dieses Jahr ein Buch angefangen: Die ersten 20 Seiten sind für alle To Dos – ansonsten schreibe ich jeden Tag auf, was ich bereits erledigt habe. Natürlich hab ich meine Liste wiedermal nicht abgearbeitet, aber trotzdem steht am Ende des Tages doch total viel drauf, worauf ich stolz sein kann. Übrigens schreib ich da auch drauf, wenn ich endlich mal wieder ein Buch gelesen hab- das würde bei mir nie auf einer To Liste stehen, aber das wollte ich schon sooooo lange mal wieder machen….. Mit der 1 Min Nr fang ich morgen an….

    • ich habe zumindest mal angefangen, alles ordentlich aufzuschreiben bzw. habe ich mir eine Exceltabelle gemacht. Das richtige Format habe ich auch noch nicht gefunden…

      Die 1-Minuten-Regel befolge ich nach wie vor, der Effekt ist wirklich erstaunlich. Es ist deutlich aufgeräumter, alle sind irgendwie besser gelaunt, weil man nicht ständig auf unerledigte Arbeit schaut und erstaunlicherweise macht der Rest der Familie jetzt auch etwas „mal eben“ (zumindest manchmal)

  • „1 min Regel“ funktioniert perfekt!! Den Schulmüll meines Sohnes habe ich heute schon komplett verstaut/entsorgt (Ferien seit gestern!). Letztes Jahr habe ich mich sechs Wochen über den Saustall im Flur geärgert und am letzten Ferientag eine vollkommen vergammelte Käsestange aus dem Schulranzen entfernt.

  • Gestern habe ich deinen letzten Artikel zu diesem Projekt gelesen und wurde direkt neugierig auf die 1 Minute Regel. Ich werde das auf jeden Fall mal ausprobieren, ich bin nämlich auch so eine Aufschiebern von allem möglichen, dann aber doch genervt von all den Dingen die sich stapeln, ansammeln oder mich eben an das unerledigte erinnern. Das Buch werde ich mir auch mal angucken. Schön dass wir an deinem Projekt teilhaben können 🙂

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