Honig, ein Buch, so zartschmelzend wie sein Titel, oder

Ian McEwan ist einer der Besten und er bleibt es auch, bislang hat er mich noch nie enttäuscht, und ebenso gut wie Saturday ist auch sein neues Werk Honig.

Das Buch ist verwirrend, und es beginnt im Rückblick, ohne jedoch den Clou (über den ich mich hier natürlich auch ausschweige) zu verraten. Es enthält alle Zutaten eines Thrillers, nämlich ein wunderschönes Mädchen, literaturinteressiert und belesen, mathemathisch begabt, gebildet und ein bisschen verwöhnt, die durch eine Affäre mit einem älteren verheirateten Mann schließlich in eine Anstellung beim britischen Geheimdienst gerät. In Unkenntnis relevanter Fakten, ein bisschen naiv und vor allem auch recht egozentrisch, lebt sie so vor sich hin und versucht ihr Bestes – sehr interessant ist die Darstellung der Lebensverhältnisse von alleinstehenden Frauen in England in den siebziger Jahren im öffentlichen Dienst! – bis sie unter anderem aufgrund ihres Aussehens und ihrer literarischen Beschlagenheit damit beauftragt wird, einen vielversprechenden Schriftsteller mehr oder weniger zu rekrutieren.

Nun, es kommt, wie es kommen muss, sie verlieben sich. Und es kommt weiter, wie es kommen muss, alles kommt irgendwie heraus. Aber der Weg dahin, die Seelenqualen der jungen Hauptfigur, ihre Bemühungen um die Erfindung ihrer eigenen Person, dazu die Motive und Handlungen der weiteren Beteiligten sind spannender als die eigentliche Handlung. Und wie gesagt, das Ende ist von epischer Überraschung. Ich bin begeistert und kann dieses Buch sowohl als Weihnachtsgeschenk in letzter Minute oder zur eigenen Lektüre nachdrücklich empfehlen.

Ein Kommentar

  • Hihi, ein so kurzfristiges Weihnachtsgeschenk wird’s dann wohl nicht mehr ;-).
    Ich komme irgendwie überhaupt nicht mehr bzw. nur selten zum lesen, aber das hört sich wirklich gut an und könnte auf meine Wunschliste landen.

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