Der Herr Brüderle

Die Aufregung will diese Woche aber auch kein Ende nehmen. Erst die katholischen Hardliner in Köln, nun unser liberaler Spitzenkandidat. Ich finde es zwar etwas seltsam, dass der Stern diese Geschichte verkündet, nachdem Herr Brüderle Spitzenkandidat geworden ist, aber andererseits: besser spät als nie.

Wenn es nicht traurige Realität in Deutschland wäre, wäre ich vermutlich vor Lachen vom Sofa gefallen. Dieser alte, widerliche und unattraktive Kerl versucht allen Ernstes eine Frau anzugraben, die 40 Jahre jünger ist als er?? Ich bekomme gerade schon wieder einen Lachanfall und stelle mir die berühmten blauen Pillen vor. Wenn sie denn dann mal noch nützen. Bei der Gelegenheit fällt mir einer dieser unnachahmlichen Ausdrücke des rheinischen Idioms ein, meine Mutter nannte solche Typen immer „alter Specklecker“. Trifft es irgendwie, muss man mal laut sagen…

Aber mal abgesehen davon ist es einfach nur traurig, was man die Tage so alles im Internet lesen kann. Bei Twitter (ich bin da nicht vertreten) gibt es wohl diverse Zuschriften mit Beispielen aus dem täglichen Leben, s. auch Link beim SPON. Am interessantesten finde ich die Kommentare auf Stammtischniveau untendrunter.

Klar, das haben sich die Frauen alles aus den Fingern gesogen, um auch mal interessant zu sein. Wahrscheinlich sind die eh alle ganz alt und hässlich und wer würde die schon sexuell belästigen. Und wenn doch, hatten sie vermutlich aufreizende Kleidung an oder hatten einfach einen Busen und waren ganz einfach selbst schuld. Kennt man ja.

Ich persönlich kann mich an keinen konkreten Fall einer derartigen Belästigung erinnern. Womöglich bin ich alt und häßlich. Busen habe ich definitiv. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich selbstbewusst bin und auftrete und dass jeder genau weiß, dass die passende Retourkutsche 100% kommt.

Und um so widerlicher ist es, wenn Frauen, die eben nicht so sind oder einfach jünger und unerfahrener, von Männern in einer wie auch immer ausgeprägten Machtposition so behandelt werden. Ich finde viele Dinge in den USA, hm, sagen wir mal : merkwürdig, aber eins muss man sagen. Der Herr Brüderle hätte verdientermaßen das Ende seiner Karriere erreicht.

Was ist das eigentlich für ein Land? Wild gewordene selbsternannte Moralhüter, grabschende Politiker, was kommt als nächstes?

  • Hallo,

    ich hatte in jungen Jahren auch mal so eine unangenehme Erfahrung..wahrscheinlich weil ich einen Busen hatte..haha! Das Schlimme ist ja, daß man sich selbst dabei so gedemütigt fühlt! Heute habe ich eine gesunde Wut im Bauch, damals war ich einfach nur fertig, obwohl ich mich nach einiger Zeit erfolgreich gewehrt habe.
    Die Art von Grabscher meinen irgendwie, daß sie wohl unantastbar sind…aufgrund ihrer Stellung oder Machtposition. Was mich aber immer wieder wundert ist, daß z.B. so ein Politiker wie der Herr Brüderle so doof ist und
    sich nicht vorstellen kann, daß so ein Übergriff Folgen haben kann. Heutzutage wo die Medien geradezu auf so eine Story warten…und in letzter Zeit wirklich vieles (zu Recht) aufgedeckt wurde! Einfach nur überheblich!!!
    Da sieht man dann, wie viele Menschen (hier Männer) von sich überzeugt sind. Seltsam ist der Zeitpunkt der Aufdeckung natürlich schon, aber andererseits, hat unser so biederer Herr Brüderle irgendwie Rücksicht auf die Journalistin genommen? Ach so, nätürlich..sie hat es ja provoziert…und eine Busen hat sie auch…

    Einfach nur widerlich…Herr Brüderle..und so etwas finanziere ich mit meinen Steuern mit…grrr

  • Ich habe neulich mal eine jüngere Frau „gerettet“, die auf einem medizinischen Kongress zunächst mehr als angetan war, dass einer der älteren Herren, den sie als Wissenschaftler ob seiner Veröffentlichungen immer bewundert hatte, sich mit ihr unterhalten wollte. Weniger begeisterte es sie, dass er sie binnen kurzer Zeit körperlich bedrängte, bis sie schließlich „eingeklemmt“ zwischen ihm und der Bar stand und sich ersichtlich unwohl fühlte. Ich bin hin und hab sie am Arm mitgenommen „Komm, E., wir wollten doch noch den K. begrüßen, und Sie, Herr N., ich hab gesehen, dass Ihre Frau Sie sucht!“. Sie war sehr dankbar und ernsthaft erschüttert, dass jemand ihr echtes Interesse an seiner Arbeit mit einem unangemessenen Interesse an seiner Person verwechseln kontte…

  • Bezeichnend finde ich auch, dass andere Koalitionspolitiker der Meinung sind, das, was Brüderlein gemacht/gesagt habe, könne man nicht Belästigung nennen, und dass einige Männer mal wieder herumzetern, jetzt dürfe man nicht einmal mehr harmlos flirten. Es sind ganz schön viele im Jahr 2012, die den Unterschied zwischen nettem Flirt(Versuch) und ekliger Zudringlichkeit nicht verstehen. Aber ich finde es gut, dass es endlich mal ein heftig diskutiertes Thema ist (gute Beiträge auch in der Presse, von Spiegel bis FAZ) und nicht, wie sonst, nach 1 Tag in der Versenkung verschwindet. Ich finde es auch nicht weiter verwerflich, dass die Journalistin das nach 1 Jahr erst veröffentlicht. Es scheint, als sei erst jetzt die Zeit reif.

  • Na der Herr Brüderle ist doch wirklich mal ein toller Hecht im besten Mannesalter *hahaha* – iiiiiiihgitt. Ich stell mir im Gegenzug vor, wie Angela Merkel einen jungen Journalisten obszön anmacht. Nach vielen Jahren Berufsleben in Männerdomänen hab ich auch schon Interessantes erlebt. Auf Dienstreisen meide ich den Saunabereich. Merkwürdigerweise sinkt wohl die Selbstbeherrschung bei einigen Herren, je mehr sich das Haar lichtet und die Plautze hängt.

  • Hahaha, der Kubicki hat gesagt, er würde sich abends nicht mehr mit Journalistinnen an der Bar unterhalten. Warum wohl nicht? Traut er sich selbst kein angemessenes Verhalten zu?

  • Muahahaha! Der arme Herr Kubicki ist ja auch einer der gerne viel redet. Na und bei diesen Journalistinnen weiß man ja nie: statt einfach mal einen netten Abend mit ihm zu verbringen und über dies und das zu schwadronieren (was sollten die denn auch besseres vorhaben?) – Nein, die schreiben das dann auch noch auf. Wohin sind wir nur gekommen? Daher auch die bewährte FDP-Strategie, so wenig wie möglich Wählerstimmen zu sammeln, damit man diesen Druck der Regierungsverantwortung endlich wieder los wird und in Ruhe mal wieder sein Bier an der Bar trinken kann. Prost!

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