Wo anfangen mit weniger? Tipps zum Entrümpeln plus Blogtipps

Natürlich gibt es jede Menge Bücher, Videos und Blogartikel zum Thema Entrümpeln. Im Lauf der Jahre und meiner eigenen Aufräumgeschichte haben sich aber einige gute Strategien herausgeschält. Ich habe eine Zeit sehr viel dazu gelesen (s. auch Blogtipps weiter unten) und mein eigenes “Konzept” gestrickt. Das ist weder die bahnbrechende Erfindung noch neu, es funktioniert aber für mich.

Anmerkung: ich bin der festen Überzeugung, dass jede genauso leben soll wie sie möchte. Das hier soll keinen Druck irgendeiner Art erzeugen, sondern eine Hilfestellung für diejenigen, die nicht so recht wissen, wie man einen Anfang macht oder welche Möglichkeiten man bedenken kann (!).

Ein Blick auf die Wohnung (oder das Haus) und eher allgemeines

Es gibt Räume mit eindeutiger Funktion, wie z.B. das Badezimmer. Problematisch wird es immer, wenn man den Zweck aus den Augen verliert. Also z.B. die nie ausgepackten Umzugskisten in der Schlafzimmerecke stapelt. Irgendwann verwischt alles und die Organisation des täglichen Lebens wird immer schwieriger. Es geht ja darum, die Freiheit und Kontrolle wieder zu gewinnen.

Das muss man natürlich flexibel handhaben, je nach verfügbarem oder auch gewolltem Platz. Ich erinnere mich noch prima an meine erste Wohnung, die aus einer kleinen Küche, Bad, Flur und einem Zimmer bestand, insgesamt 36 qm. Da war dann zwangsläufig alles in dem einen Zimmer untergebracht. Außer einer Kommode und meinem Schuhregal in einer passenden Flurecke. Das hatte ich tatsächlich schon mit 19. Ich liebe gut gefüllte Schuhregale.

Dann gibt es noch einen Unterschied zwischen Entrümpeln und Organisieren. Wenn erstmal die Dinge, die man wirklich nicht haben möchte oder braucht verschwunden sind, stellt sich die Organisation deutlich einfacher dar.

Man sollte auch nicht unbedingt beim Räumen mit den Erinnerungsstücken anfangen. Erstmal die leichten Dinge – Kleidung, die nicht mehr passt oder nicht mehr getragen wird oder den vollgestopften Keller entmüllen (was da seit fünf Jahren liegt, wird wirklich nicht mehr gebraucht!). Oder mit einem einfachem Raum starten – z.B. Schlafzimmer?

Man kann nicht ein ganzes Leben in einer Woche umkrempeln, aber man kann damit anfangen und sich an ersten Erfolgen erfreuen. Z.B. putzt es sich auch deutlich schneller und einfacher, wenn man nicht ständig Dinge durch die Gegend räumen muss. Und ganz nebenbei betritt man einen Raum, bei dem man nicht gleich denkt “ich müsste endlich…” – sehr erholsam für Geist und Seele.

Die Einzelheiten

Hier geht es darum, wie man mit einzelnen Dingen umgeht. Sprich: man räumt so munter durch die Gegend und hat einen Gegenstand in der Hand, bei dem man nicht so recht weiß, was man damit machen soll. Beispielsweise eine von x Blumenvasen (beliebig auszutauschen).

Ich habe da vor Jahren mal eine kleine Checkliste gefunden, die ich sehr nützlich finde:

  1. Könnte ich auch ohne diese Vase glücklich leben?
  2. Wenn sie kaputt ginge, würde ich eine neue Vase kaufen?
  3. Habe ich bereits genug andere Vasen?
  4. Macht die Vase mein Leben einfacher?
  5. Könnte ich mir eine Vase leihen, wenn ich genau so eine brauche?

Frage 1 zielt natürlich darauf ab, Dinge los zu werden, die schlicht keinen Mehrwert haben und die man im Zweifel auch nicht vermissen würde.

Manchmal sind Dinge auch einfach da. Wie z.B. die alte Weihnachtsdeko von vor zwanzig Jahren (die man eigentlich nicht mehr mag, aber naja), Bücher, die seit zwanzig Jahren im Regal verstauben und garantiert nie wieder gelesen werden (Zeitgeist, Literaturgeschmack etc), alte Spiele, eher nicht so gebrauchte Erbstücke und so weiter und so weiter. Frage: falls sie nach einem Einbruch oder Brand weg wären… genau.

Bei Frage 3 geht es um nützliche Dinge, die man aber in mehrfacher Ausführung besitzt. Angefangen bei der Küchenausstattung (fünf Sparschäler, sieben Schneidebretter und natürlich die unvermeidlichen Kaffeebecher), weiter über Bettecken und Kopfkissen, die berühmten alten T-Shirts für die Gartenarbeit (Liste beliebig fortsetzen).

Um bei der Vase zu bleiben: macht sie das Leben einfacher? Ohne Zweifel ja, wenn man (so wie ich) genau die passende Vase für zwei Bund Tulpen hat, die ich wann immer verfügbar jede Woche kaufe. Dann war da aber noch die Vase, die nur rumsteht und nie genutzt wird, weil ich eigentlich keine Blumensträuße mag und mir außer den Tulpen auch so gut wie nie andere Blumen kaufe. Ja, war ein Geschenk meiner Mutter. Ich habe sie trotzdem verschenkt. Selbiges gilt natürlich auch für noch zu sichtende Zeitschriftenstapel, ungenutzte Möbel im Keller (oder in der Garage) und so weiter. Es ist schlicht Ballast im Leben.

Zu Frage 5 habe ich ein ganz wunderbares Beispiel: einige meiner Nachbarn wohnen genau wie ich schon ewig hier. Mein ererbter Fleischwolf für Spritzgebäck ist jetzt beim backbegeisterten Nachbarn und ich kann ihn mir halt leihen. Genau wie ich auch Muffinförmchen ausleihe. Oder eine spezielle Backform. Die Frage ist, wie oft man etwas wirklich benötigt und ob es dann nicht auch anders geht – vor allem im Austausch mit anderen Menschen. Ich habe z.B. eine nagelneue Akku-Bohrmaschine. Ein völliger Fehlkauf, im Zweifel bohrt der tolle Mann die Löcher mit seiner Profimaschine. Gerade wird meine Speise-/Abstellkammer neu verputzt, beim Wiedereinräumen werde ich nochmal genau überlegen, was benötigt wird. Oder womit ich vielleicht anderen eine Freude machen kann. Nur meinen Akkuschrauber, den würde ich NIEMALS hergeben.

Zum Weiterlesen: ein paar Blogs

Leider gibt es kaum deutschsprachige Blogs, die sich dem Thema widmen. Ganz anders in den USA, ich vermute, weil dort das Leben (und natürlich auch der Konsum) ganz anders aussieht. Tipp für alle, die es lieber auf deutsch lesen: in den meisten Browsern wird eine Übersetzung angeboten, einfach auf die rechte Maustaste klicken bzw. beim MAC über die Control-Taste, die Übersetzungmöglichkeit erscheint dann im Kontextmenü.

Meine Lieblingsblogs mit vielen Tipps, Denkanstößen:

  • Abundant Life with Less (Link)
  • Be more with less (Link)
  • Maximum Gratitude, Minimal Stuff (Link)
  • No Sidebar (Link)
  • Becoming Minimalist (Link) – der Klassiker

Einen Blog mit sehr persönlichen Eindrücken habe ich noch: Wo ist Philipp? (Link). Der Autor schreibt über sein Leben und seine persönlichen Herausforderungen und Erfolge.

Das war jetzt die Kurzanleitung in Sachen aufräumen. Gedanken?

12 Kommentare

Vasen hab ich das ganze Jahr zuviel, aber zweimal im Jahr reichen sie trotzdem nicht. Ich mache mir gerade Gedanken über den Brauch des Blumenschenkens.

Das mit den Büchern ist bei uns generell so. Mein Mann und ich lesen so viel, dass wir fast nie ein Buch zweimal lesen. Das ist auch ein Grund für das regelmäßige Bücher ausmisten. Ich lösche selbst auf dem Kindle, was ich garantiert nicht noch mal lese. Und dann war da auch noch das Abstauben der Bücher, die zwar gut aussehen, ich aber nicht wieder gelesen habe.

Dabei erinnere mich noch, dass Bücherregale mit einem veralten können. Bei meiner Mutter war das Regal praktisch noch wie in ihren 40ern, es wirkte, als wäre die Umgebung starr und unbeweglich, schon lange tot. Das macht was mit einem, selbst als Besuch ist mir das innerlich unangenehm gewesen.
Es gibt Räume, in denen Traditionen lebendig gepflegt werden und welche, die den Eindruck machen, dass die Bewohner darin regelrecht mumifizieren. Bekomme ich sowas noch selber mit?

ah, das ist auch noch ein guter Punkt, dieses Einfrieren. Das sieht man in der Tat oft bei alten Menschen, irgendwie geht da das Leben nicht mehr weiter. Ich denke, wenn man sich mit seiner Umgebung beschäftigt und “lebt”, passiert das nicht. In meiner Wohnung ändert sich andauernd etwas, oft nur Kleinigkeiten, aber es ändert sich.

Guten Morgen,
spannendes Thema! Ich glaube, unsere Elterngenerationen und auch Großeltern waren noch sehr von dem Mangel der Kriegs- und Nachkriegsjahre geprägt. Wenn man das erlebt hat, hat Besitz noch mal eine andere Bedeutung und man kann sich schwerer trennen, denke ich. Verständlicherweise.
Ich plane gerade eine Renovierung unserer Wohnung und habe auch sehr das Bedürfnis, uns einmal durch zu sortieren. Aber mir wird auch Angst und Bange, wenn ich daran denke. Ende November geht es los – puh!
Hat noch jmd. Tipps, wo ich schöne Vorhang(Stoffe) für das Kinderzimmer kaufen kann? Gerne in bunten Farben, aber ohne Bärchenmuster und Tüddelütt . Und schöne Verstaumöglichkeiten für Kinderzimmer. Darf ich das hier fragen, Irit? Liebe Grüße!

Bei uns funktionieren tatsächlich die Kallax Regale in 1×4 und kürzer super zum Verstauen. Haben die lang auf dem Boden an den Wänden abgelegt und so kann unser Sohn alles selbstbestimmt daraus spielen. Nutze darin die passenden Ikea Boxen aus der Kinderabteilung. Das hat für ihn den Vorteil, dass er quasi eine riesige Ablagefläche hat und da auch ganz viel davor stehend spielt. Und Sachen, die er gerade nicht braucht oder Kleidung etc. ist in einem Kleiderschrank hinter der Tür verstaut.
Muss man das schon als Werbung kennzeichnen?! Gibt es bestimmt auch vergleichbar bei anderen Möbelhäuserrn 😄

Hallo Nine,
gestern Abend gab es auf WDR-Fernsehen Der Haushalts-Check mit Yvonne Willicks, vielleicht gibt es das noch in der Mediathek.

Ich würde Vorhangstoffe zwar farbig, aber nicht gemustert wählen, das würde Unruhe in den bestimmt bunten Kinderraum bringen. Was ich meine, kannst du sehr gut in der Sendung mit Thema Schlafzimmer finden.

Wo anfangen beim Entrümpeln: sich dafür Zeit nehmen und geben. Es hat meist 15, 20, 25 Jahre gebraucht, Zeugs in die Höhle zu schleppen. Es dauert dies wieder aus der Höhle hinaus zu tragen.
Kulturpur

Die Ehe ist ein Vertrag, bei dem der Mann auf die Hälfte seiner Lebensmittel verzichtet, damit sie ihm die andere Hälfte kocht.
Fred Feuerstein in Flintstones – Die Familie Feuerstein

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