Das liebe Geld – sparen oder geizen?

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Beim Thema Geld habe ich schon früh gelernt, dass man nur ausgibt, was man hat und davon bitte auch nicht alles. Außerdem das lebenslange Motto „Finanziell unabhängig sein“ und sich wirklich niemals auf einen Ehemann zu verlassen.

Das war soweit ich das nach fast 55 Lebensjahren sagen kann nicht schlecht – in Kombination mit meinen Talenten, beruflichen Ambitionen, einem protestantischen Mindset (Pflichtbewusstsein und Fleiß) und einem Glücksfall von früherem Arbeitgeber habe ich absehbar keine wirtschaftlichen Sorgen.

Aber natürlich gibt es auch die Kehrseite:

Wo hört die Sparsamkeit auf und fängt der Geiz an? Kann ich mein Geld eigentlich genießen?

Die letzten dreißig Jahre habe ich gearbeitet und in jedem einzelnen Monat gespart. Früher natürlich weniger, seit einigen Jahren mehr als ein Drittel meines Einkommens. Was unter anderen daran lag, dass ich schon seit einigen Jahren den Plan für meinen Vorruhestand gemacht hatte und einfach rechtzeitig vorsorgen wollte. Nun ja, spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Es wird zwar hoffentlich keine Not herrschen, aber sicher ist sicher.

Irgendwann bemerkte ich dann, dass ich sparsam bis geizig lebte und zwar mit deutlicher Tendenz zu letzterem. Ich musste den Umgang mit Geld wieder neu lernen. Angepasst an die jetzige und künftige Situation.

Die derzeitige Lösung: ich habe eine Liste mit all den Ausgaben, die eben da sind, also Nebenkosten Wohnung, Telefon und so weiter. Neu auf der Liste ist ein „Gönnbudget“. Ich habe meist so einige Sachen, die ich anschaffen möchte oder von denen ich glaube, dass ich sie UNBEDINGT brauche. Das ändert sich aber öfter und im Endeffekt sind viele Impulse nicht dauerhaft oder vielleicht einfach nicht so toll.

Und gegen Ende des Monats schaue ich mir dann an, was ich wirklich möchte, brauche, schon immer haben wollte. Und gebe mal mehr, mal weniger Geld mit Freude aus.

Das Thema ist in Coronazeiten vermutlich aktueller geworden – wie geht ihr damit um?

27 Meinungen zu “Das liebe Geld – sparen oder geizen?

  1. Das Thema hab ich auch gerade, aber etwas anders. Ich bin damit aufgewachsen, dass alles Geld mal wertlos wurde, das Eigentum zerstört oder enteignet und man das Geld auf dem Kopp kloppen soll, solange man etwas davon hat. Das Sparen der früheren Generationen, die Entbehrungen, alles war umsonst gewesen, haben die Eltern immer gebetet. Dementsprechend bin ich mit umgekehrten Mindset groß geworden.

    Jetzt hab ich schon länger den gesättigten Zustand und ich stelle fest, dass ich mich bei einigen Sachen frage, ob es unbedingt das Beste sein muss. Ich motiviere mich regelrecht, nicht an der falschen Stelle zu sparen. Ist das preiswerte Sonderabgebot viel schlechter als der gewünschte Artikel in der bevorzugten Farbe? Auch ich habe tiefe Erfahrungen mit Mangel gehabt. Die finanziellen Verrücktheiten habe ich dabei nie bereut, eher die vielen preiswerten Verführungen und dann zweifle ich an der falschen Stelle. Ich muss Großzügigkeit auch für mich wieder in andere Bahnen lenken und immer wieder neu üben.

    Ich habe ehrlicherweise noch nicht erkennen können, welche Impulskäufe genau richtig und welche überflüssig waren. Tendenziell sind die, wo ich wirklich überlege, ob es das sein muss, eher die Richtigen als die, bei denen ich vorher sicher bin. Aber das ist okay, der Preis jeglicher Verbesserung sind auch Fehlgriffe. Neue Zeiten erfordern mitunter auch neue Prioritäten und manchmal ändern sie sich.

    Sich selbst gegenüber großzügig zu sein ist eine lebenslange Aufgabe, merke ich immer mehr. Je älter man wird, fällt mir bei anderen auf, desto anfälliger wird man dafür, in Richtung Geiz zu gehen. Meiner Mutter, die es sich wirklich leisten konnte, war am Ende der Bäcker zu teuer und sie hat eher was Misslungenes gebastelt und sich dann die ganze Zeit entschuldigt, dasselbe nächstes Jahr.
    Ich merke selbst, hier auch verführbar zu sein. Das ist doch Mist.

    An welcher Stelle ich das merken soll, weiß ich aber auch noch nicht. Ich hoffe, aufmerksam zu bleiben.

    Momentan versuche ich, Plastmüll und Kunststoffgegenstände zu sparen und ersetzen und merke, wie schon das den Konsum einschränkt, ohne das mir was fehlt.

    Wie ist es bei euch anderen?

    1. Da hast du ganz unauffällig etwas wichtiges im Text versteckt: gegenüber sich selbst großzügig sein! Was nicht nur für Einkäufe aller Art gilt, sondern auch in vielen anderen Bereichen. EIn ganz schwieriges Thema…

  2. Leider hatte ich nie so ein prächtiges Gehalt und dann noch ein paar unliebsame Situationen im Leben, um regelmäßig richtig was beiseite legen zu können. Und wenn, kam ganz sicher kurz darauf eine üble Nachforderung vom Energieversorger oder der Urlaub wurde davon bezahlt. Ich spare heute sehr an Wohnkosten, lebe mit Partner auf sehr kleinem Raum, weil in unserer Stadt die Miete sonst zu viel auffressen würde – und weil wir uns so auch mal ein Extra gönnen können. Anfällig bin ich hier und da bei schöner Kleidung, weil das in der Kindheit Mangelware war. Das prägt. Geht vielleicht dem einen oder anderen auch so?

    1. ich glaube schon, dass der Mangel in der Kindheit prägend ist. Selbst wenn er nur gefühlt war. Ich war immer musikbegeistert und hatte auch mal vor Musik zu studieren (ich spielte Querflöte) – Klavier ist da zwingende Voraussetzung. Wir hatten weder Geld für ein Klavier noch für den zugehörigen Unterricht. Aus heutiger Sicht ein Glücksfall, im Zweifel hätte mich ständiges Unterrichten von mäßig begabten Schülern wohl eher nicht glücklich gemacht.

      Heute gönne ich mir meinen Einzeltanzunterricht und ich freue mich jede einzelne Woche darüber. Daran habe ich mehr Freude als an Schuhen, Schmuck und so weiter. Ausnahme: neue Steppschuhe… mittlerweile habe ich drei Paar (eins ist aber uralt und nur als Notfallreserve gedacht).

  3. Früher habe ich auch Anflüge von Geiz gehabt…alleinerziehend mit Kind, da musste immer ein Notgroschen da sein. Heute kann ich mir alles leisten, was ich brauche. Mittlerweile gebe ich gerne Geld für hochwertige handgefärbte Wolle aus, für Naturkosmetik, gutes Essen und guten Wein. Wenn ich etwas haben möchte, schlafe ich immer ein paar Tage drüber und entscheide dann, ob ich es immer noch haben möchte. Und dann gönne ich es mir ohne Bauchweh und schlechtes Gewissen. Dafür habe ich all die Jahre in 3 Schichten gekeult, jetzt genieße ich das auch.

  4. Hallo,

    ich versuche mir auch mehr zu gönnen! Ich bin leider auch immer mit dem Thema „wir müssen sparen “ aufgewachsen. Nur mit 3 Kindern und Haus geht das eben nicht anders.

    Meine Mutter war Hausfrau, der Vater Alleinverdiener. Darum möchte ich zb auch kein eigenes Haus. Ich habe das einfach noch immer zu sehr im Kopf und das war ehrlich gesagt auch nicht so toll. Hässliche, wenige Kleidung , kaum Spielzeug. Ne, das war auch nichts.

    Ich lebe lieber zur Miete und finanziere mir/uns lieber einen Auslands-Urlaub (wenn das wieder möglich ist). Das gibt mir persönlich mehr, als ein Haus.

    Jeder hat andere Ansprüche und wie heißt es so schön? GÖNN DIR 🙂

    LG

  5. Ich liebe es, hervorragend gearbeitete Dinge zu günstigen Preisen zu erjagen! Das Talent hat mich auch durch die Studienzeit gebracht, und ich konnte mir deswegen schon immer etwas mehr leisten, gepaart mit ausgemachter Freude an hochwertiger Einrichtung und Innenraumgestaltung, die ich selbst auch in die Tat umgesetzt habe, als Gegenpol zum Schreibtisch – Verputzen, Holzbearbeitung, Gardinen, Kissen mit Keder, Polsterungen, Möbel selbst bauen.
    Aber das muss ja mal ein Ende haben 🤪, damit ich mal Zeit für ganz anderes habe und auch die Handwerkerzunft mal zum Zug kommt.

    Wobei man ja schon auch so seine Erfahrungen hat, wie z.B. in der Umsetzung nicht schön gewordene Türanstriche, mies abgeschliffener alter Holzboden. Nachbesserungen sind ein ganz eigenes Kapitel.
    Ein Freund von mir hat sich mal etwas gegönnt (apropos Gönnen…): maßgeschneiderte, irre teure Seidengardinen. Nur ging die Umsetzung der Maße durch die Schneiderin schief. Sprich: die Gardinen waren 20 cm zu kurz. 🙈 Was ab ist ist ab.

    Ich hoffe sehr, das mir so etwas nicht passiert – oder daß es mir egal sein wird -, wenn ich wieder Aufträge vergebe.
    Weil: das wäre mein eigentlicher Luxus – Handwerker zu haben, die ehrlich und echt gut sind und gerne arbeiten. Die gibt es nämlich, z.B. unser Maurer. Der Handwerksberuf an sich ist überhaupt etwas tolles.

    1. Sich etwas gönnen in Sachen Wohnung ist in der Tat auch etwas: wenn bei mir jetzt etwas neu gestrichen wird (wie kürzlich Bad und Toilette und demnächst der Kleiderschrank innen) – nur Little Greene Farbe! Ich habe einen tollen Schreiner – der ist nur leider immer total ausgebucht. Für die Restauration meine Fenster habe ich 8 Monate gewartet… Ich kläre schon alle Formalitäten und reserviere Termine, nächstes Jahr sind meine Türen dran

  6. Geld bedeutet für mich vor allem: Sicherheit.
    „Gönn dir“ verbinde ich jedoch vorrangig mit Zeit. Gönn dir ist: den Wocheneinkauf tanzend zu lauter Lieblingsmusik einzuräumen. Abends vorm Schlafengehen noch einmal am offenen Fenster Stille einzuatmen und den torkelnden Igel im Garten zu beobachten. Mir zu kochen, worauf ich Lust hab. Eine Stunde später zur Arbeit zu fahren, statt mich bis zum Anschlag zusammenzureißen. Löcher in die Luft zu kucken, weil mir grad danach ist. Trödeln, den Tag enttakten. Trödeln — der Inbegriff von „Gönn dir“… 🙂 „Was hast du heut gemacht?“ — „Nichts!“

    In den Urlaub fahren bedeutet mir gar nichts. Neue Klamotten auch nicht, wenn die alten noch gut sind. Essen gehen reizt mich Null. Ich leiste mir eine sehr teure Miete in einem Haus, das für mich allein viel zu groß ist, weil ich Umzüge hasse. Diese Bequemlichkeit lasse ich mir wirklich etwas kosten…

    1. das ist einer der Hauptgründe für den Vorruhestand… Zeit haben. Wenn ich Lust habe, den ganzen Tag zu lesen. Oder auf dem Balkon zu lümmeln (der Sommer MUSS doch irgendwann kommen). Wobei ich auch die eine oder andere Reise plane, aber nichts dolles oder übermäßiges, aber ich will unbedingt nach Angkor Wat und mit dem Cabrio die Westküste USA entlangfahren. Und mit meiner Freundin und Fiat 500 einmal die italienische Küste lang. Hm, und im Herbst nach Djerba. Und im Juni nach Frankreich.

      Essen gehen ist auch nicht mein Favorit, ich koche einfach gern

      1. Spannende Bemerkung.

        Auf die Idee, nicht gern essen zu gehen „weil“ man gern kocht, wäre ich nie gekommen.🙂 Bei mir ist das gerade umgekehrt. Ich koche gern und deswegen suche ich gern Sachen, die jenseits meiner eigenen Erfahrungen liegen – und will die nachmachen. Es geht aber auch immer um eine bestimmte Atmosphäre, die man genießen kann, herrlicher Garten, ausgesuchte Gläser, toller Wein usw.

        Ich gehe da sogar weniger des Essens wegen hin, deswegen ist Lieferservice für mich gar keine Alternative. Restaurants zu finden, in denen für einen alles stimmt, ist allerdings wie bei jeder Sache etwas, was auch enttäuschen kann. Aber denk doch mal an den Urlaub, da ist in der Regel der Restaurantbesuch doch auch ein Erlebnis. Man leistet sich das aber, was im Alltag nicht immer so ist. Ich verstehe, wenn man da kein Auge für hat, weil andere Sachen im Blickpunkt liegen. Aber Restaurant hat vermutlich mehr mit Selberverwöhnung zu tun, als man im ersten Moment denkt. Wobei ich mich schon frage, ob es Orte gibt, wo man einfach nichts wirklich Gutes findet oder das auch einfach nur zu Festtagen üblich war. Wir hier in Dresden sind ziemlich italienisch angehaucht und gehen viel essen. Mit Freunden treffen wir uns in Restaurants, ich war schon als Kind zu DDR-Zeiten einmal in der Woche mit meinem Vater in einem und in meinem ersten Leben Kochprofi zu werden, kommt gerade aus dem Schätzen dieser Orte.
        Mein Mann kommt aus Unna im Ruhrgebiet. Der musste das hier erst lernen. 😃 Es war uns dort nicht möglich, uns mit der Verwandschaft einmal regelmäßig im Restaurant zu treffen. Die machen das einfach nicht und es scheint die sogar irgendwie zu stressen.
        Es ist denen zu teuer (selbst wenn wir es bezahlen) und die essen lieber Brote zuhause.
        Vermutlich steckt dahinter ein ganz anderes Mindset, Erziehung, Ortsstimmung und die Angebote waren früher einfach Mist und dafür zu teuer. Ich muss darüber nochvein bisschen nachdenken.

        1. im Urlaub gehe ich total gerne essen! Ich freue mich jetzt schon auf unser Lieblingsrestaurant in der Nähe unseres Ferienhauses in der Provence (wir haben es zum dritten Mal in Folge gebucht). Auf der Liste steht auch noch ein Mexikaner in Bochum… demnächst dann hoffentlich.

          Ich genieße es einfach, am Wochenende neue Rezepte auszuprobieren oder alte Favoriten zu kochen. Es muss eine Mischung sein mit „ab und an“ in ein gutes Restaurant

          1. Nicht nur im Urlaub – ich liebe es, essen zu gehen. Manch Komplizierteres wird man nie nachkochen können, schlicht, weil es zu schwierig sein wird, die Zutaten in dieser Qualität zu bekommen und auch noch so zubereiten zu können. Wichtig ist auch, dass die Zutaten, die das Restaurant verwendet, hochwertig sind – manches versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden, denn es gibt vorgefertigte Formschnitzel, denen merkt man dies kaum an (aber man kann auch da schon erkennen, welche Qualität der Wirt gekauft hat), ebenso die Saucen, die sehr oft bei ganz ordentlich aussehenden Gaststätten auch nicht hausgemacht sind, ganz zu schweigen von Pommes Frites oder Burgerpatties. Und so kommt es, dass man ’seine‘ Restaurants immer wieder und gerne besucht (und andere nur, wenn man sich dort mit Freunden trifft).
            Übrigens koche ich für mein Leben gerne 😍.

  7. Hmmm…mein Vater hat immer gespart und sehr viel Geld beiseite gelegt. Meine Mutter hat dazu verdient und weil beide in sehr ärmlichen Umständen aufwuchsen, bekamen meine Schwester fast alles! Kleidung, Schuhe, Urlaub, Spielsachen…aber meistens die günstig Variante. Wir hatten sehr, sehr viel…aber meistens nicht GENAU was wir wollten, weil DAS vielleicht nicht gerade im Angebot war. Das nahm ich mit…viel, aber billig. So lebte ich bis vor ein Paar Jahren bis mir einfiel…eh, ich könnte mir ja eigentlich den YSL Lippenstift kaufen, wenn ich aufhöre ständig die von Essence zu kaufen (die natürlich NIE richtig waren). Wer bitteschön braucht 80 Paar billige Schuhe? Kein Mensch, und nun besitze ich 15 Paar “bessere” (die ich auch alle trage)! Meine Mutter war letzte Woche da. Sie geht 3 mal die Woche schwimmen und sucht einen Baumwoll Bademantel der aber bei $68 VIEL zu teuer ist (meine Eltern HABEN GELD)…tja…Sie hat sich dann 2 für je $24 gekauft (die Sie nicht mag!) aber Sie meint Sie hat gespart!! Wir haben über die Jahre Geld investiert, unseren Kindern gegeben was wir konnten und nun verstehe ich daß ich weniger will, aber was ich wirklich haben möchte sollte (für mich) das allerbeste sein. Nun besitze ich die Seidenhose die ich immer wollte, ein wunderbares Leinen Hemd und ausgefallene Parfums und fühle mich wohler. Ich besitze insgesamt viel weniger, aber dafür die Dinge die ich wirklich liebe. Manchmal dauert es einfach.

    1. das ist aber auch eine ganz schwierige Sache – vom Sparen in den Ausgebmodus zu kommen. Gerade bei Kleidung habe ich auch so meine Probleme… aber ich arbeite daran

      Seidenhose, hm, wäre toll für den Sommer!

    2. Susie, da sprichst Du etwas Großes gelassen aus. Vor allem, wenn man sich angewöhnt hat, in seinem Konsumverhalten kaufmännisch vorzugehen (beim Einkauf den Gewinn zu machen), kann es passieren, dass man über die Jahre schlicht zu viel von letztlich Unmöglichem erworben und dabei unvernünftigerweise zu viel Geld für Kompromisse ausgegeben hat. Ich fürchte, da gibt es in der Schaltzentrale einen Kipppunkt, ab dem nicht mehr genau nachgedacht, sondern nur noch gehandelt wird; Marketingpsychologïnnen wissen da sicher mehr.
      Dagegen hilft nur eiserne Disziplin: sich genau zu überlegen, was man tun möchte und genau das, aber nichts anderes zu machen. Die Pandemiezeit (um ihr ein einziges Gutes abzugewinnen) hat mir da übrigens sehr geholfen, aber ich hatte zuvor schon eine ganze Weile so gehandelt.
      Immerhin fahre ich meinen Wagen seit vierzehn Jahren – und bin immer noch glücklich wie am ersten Tag mit ihm. Den hatte ich gebraucht gekauft und an Wert hat er zwischenzeitlich kaum verloren, und nur eine größere Reparatur vor zwei Jahren. Selbst wenn ich wechseln wollte: Mir fiele derzeit keiner ein, mit dem ich ihn ersetzen wollte.

  8. Ich habe leider von meinen Eltern überhaupt keine finanzielle Bildung erhalten. Mit 18 bin ich dann daheim ausgezogen und habe mich selbst irgendwie finanziert und zum Glück außer den Dispo ausreizen keine nennenswerten Schulden gemacht, aber hatte auch keine Ahnung und nie Geld – trotz kaufmännischer Ausbildung.
    Dann später habe ich meinen Partner kennen gelernt und mit das erste, was er mir gezeigt hat, war: wenn man im Monat 50€ zurücklegt kann man davon locker am Jahresende die KFZ-Versicherung bezahlen. Das ist mein voller Ernst!
    Mir hat sich eine völlig neue Welt aufgetan. Ich habe viel über Finanzen auf Blogs und in Büchern gelesen und habe nun ein Budget. Das kann jeder für sich halten wie er will, aber ich liebe mein Budget, weil es mir Sicherheit gibt, aber auch die Freiheit mir mal etwas „zu gönnen“ ohne schlechtes Gewissen. Es ist ein völlig anderes Leben ohne ständige Geldsorgen…
    Hierbei halte ich mich an ganz einfache Rahmenbedingungen, die es mir leicht machen „auf der Spur“ zu bleiben:
    60% des Nettos gehen für Miete, Essen (= daheim kochen) und das Auto (Benzin, Steuer, Versicherung, Inspektion…) drauf,
    10% „verjuxe“ ich, da gönne ich mir alltägliche Ausgaben wie den Handyvertrag, den Friseur, gelegentliches Essen gehen oder bestellen (oder zu Bürozeiten mal die Kantine), Kleidung, Hautpflege, Schminke etc…
    10% sind für kurzfristige Sparziele wie ein Urlaub (wir fahren auch ohne Corona nicht jedes Jahr in den Urlaub und wenn dann günstig für ca 500€), Gesundheitskosten (z.B. Arztrechnungen), Weihnachtsgeschenke oder kleinere Haushaltsanschaffungen,
    10% sind für langfristige Ziele wie Möbel, eine Autoreparatur, irgendwann ein neues gebrauchtes Auto oder irgendein Notfall, der eintreten könnte, oder etwas, was ich nicht berücksichtigt habe,
    und 10% spare ich für die Rente (Riester!), denn ich fürchte meine Generation zahlt zwar in die Rentenkasse ein, wird aber nichts mehr raus bekommen…

    1. ich weiß noch genau, wie ich vor fast vierzig Jahren mit meiner Mutter den Plan fürs Studentenleben gemacht habe. Ich hatte mit Kindergeld etc 900 DM, davon waren 300DM für meine kleine Wohnung (Dortmund in den 80er war billig), 200 DM Haushaltsgeld (50 pro Woche), Taschengeld etc. Wollte ich etwas extra… arbeiten gehen. Daran habe ich mich mein Leben lang orientiert. Oh, und 30 DM in die Lebensversicherung. Die habe ich immer noch und in ein paar Jahren gibt es eine stattliche Summe!

      Riesterrente mache ich auch noch, der wird dann nächstes Jahr aufs Eis gelegt, weil ich nicht mehr versicherungspflichtig beschäftigt bin.

      1. Ich wünschte, meine Mutter hätte das mit mir auch gemacht 😉
        Aber ich denke mir: Besser spät als nie…
        Eins weiß ich jedenfalls sicher: Sollte ich mal Kinder haben, werde ich das mit Ihnen machen und auch vorher mal ein paar grundlegende Dinge besprechen!

    2. Ich hab da auch nichts mitbekommen. Wenn Geld da war, wurde es ausgegeben, wenn keins da war, wurde gespart. Das war die Philosophie. 😀

      Ich habe mich zwischenzeitlich, als es mir finanziell wirklich schlecht ging, auch das Budgetsystem angeeignet und bin sehr gut damit gefahren. Ich habe damals viele Bücher über Geld gelesen und mir wurde klar, dass Menschen, die anders über Geld denken als ich, auch ganz anders damit klarkommen. Damit meine ich nicht rechnen, sondern auch gut klarkommen und sparen, ohne zu rechnen, so wie ein natürlicher Fluss. Danach habe ich das erste Mal Rücklagen aufbauen können, ohne dass es mir schwer fiel. Manchmal ist es irgendeine anerzogene Einstellung, die es topediert, gut auch mit weniger Geld auszukommen (natürlich gibt es da Grenzen). Ich hatte gar nicht so wenig und trotzdem war am Monatesende immer alles alle. Mir hat einfach komplett anderes Denken über Geld richtig gut geholfen und es ist instinktiv wie vorher, nur dass ich plötzlich sehr gut klar komme, ohne dass sich finanziell was geändert hätte.

  9. Liebe Iridia,
    Danke für Deine Antwort. Das hast Du schön formuliert – das meine ich mit eine völlig andere Welt. Es ist ein völlig anderes Denken.
    Ich merke auch, dass ich mich am Anfang ganz strikt an meinem Budget entlang gehangelt habe a la „Was darf ich ausgeben“ und ich inzwischen ganz anders denke.
    Mein neues normal ist: Die laufenden Kosten gehen eh vom Konto ab, der Riester und die Sparrate für langfristige Ziele (auf ein Tagesgeld) auch und der Rest sind meine „neuen 100%“. Die 100% mir zur Verfügung stehendes Geld, dass ich früher -mindestens- komplett ausgegeben habe. Heute gucke ich zwischen den Gehaltseingängen auch nicht mehr aufs Konto wie viel ich noch habe, weil ich ein Gefühl dafür habe, ob ich viel ausgebe weil ich in Urlaub war, Geschenke gekauft habe, neue Kleidung gekauft habe etc und dann weiß, dass ich jetzt einen Gang zurückschalten muss…

  10. Nichts gegen Sparsamkeit, gegen Geiz allerdings alles. Geiz ist traurig und grau und trist.
    Und die Grenze ist zwar schmal, aber glas klar. Sparsam wäre es, nicht jeden Morgen einen Kaffee von Starbucks zu kaufen. Geizig ist es, Starbucks nie wieder zu besuchen, auch wenn dir der Kaffee dort ausgezeichnet schmeckt. Sparsam ist, nicht die teuerste Pflege under die teurste Reise zu kaufen, geizig ist es – sich nicht mal gelegentlich Schnittblumen zu gönnen, obwohl man sie mag und nur noch Balea Pflege zu nutzen und Urlaub immer zu Hause zu verbringen.
    Aber in der Lage sich und lieben Menschen Freude zu machen und sich und sie zu beschenken wenn ich Lust habe ich etwas tolles. Groß geworden bin ich damit, dass die Lebensmitteln hochwertig sein müssen (ist leider nicht so verbreitet in Deutschland, in Italien und Frankreich dagegen sehr). Also nicht die Gerichte kompliziert kochen, aber die Zutaten der besten Qualität haben. Habe ein einziges Mal Fleisch im Supermarket – aus Not – gekauft und nie weider.

    Leider können viele Single Haushalte nicht 1/3 des Einkommens sparen, ohne das Leben sehr traurig und eingeschränkt zu verbringen. Dafür muss man gut verdienen, vor allem bei dem aktuellen Mietspiegel in Großstädten.

    Wie Carina schreibt, unsere Generation wird die Rente nicht sehen, auch wenn wir 35-40 Jahre einzahlen. Oder alle, ausnahmslos ale Rentner bekommen Summe x. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die alten Retner weiterhin hohe Renten beziehen und die neuen auf Hartz IV Level leben, da siwrd sich vieles und hoffentlich friedlich, hier verändern.

    Ich lebe mit monatlichen Budget seit dem ich studiert habe. Darin enthalten – Spaßgeld.
    Spaßgeld ist für Reisen – fester Bestandteil meines Lebens vor Corona, für Beauty, frische Blumen, Düfte, Mani und Pedi, essen gehen. Denn ich koche gerne und liebe es in einem schönen Ambiente bedient zu werden, zurecht gemacht zu werden und die größte Sorge zu haben, was ich von der Speisekarte aussuche. Ein schöner Abend in besonderem Restaurant ist für mich wie Mini-Urlaub.
    Miss Moneypenny schreibt auf ihrem Blog viel wissenswertes über Umgang mit Geld.
    Leider ist unsere heutige Gesellschaft aufs Konsum erzogen und links und rechts gibt es künstliche Bedürfnisse und zack, gleich das passende Produkt dazu. Dinge die uns weder fehlen noch das Geld wert sind.
    Frugalist werde ich nie, aber genauso verwundert bin ich wenn ich in Freundeskreis höre, eine Tasche auf 48 Raten zu kaufen, weil geil und bekannter Name und Investition. Investition sind ETFs. Tasche ist halt Tasche.
    Zu Hause aber verschmutze Wände und alte, kaputte Waschamschine. Wenn die endgültig stirbt, kann man nicht in der Tasche die Waäsche waschen. Vor allem wundere ich mich über Kredit für eine Tasche, das will gar nicht in meinen Kopf hinein. Ich kaufe nur das wofür ich Geld habe und warte bis ich das Geld habe. Ganz egal ob Tasche, Wintermantel, neue Küche oder neues Bett.

  11. Das ist wirklich ein spannendes Thema. Meine Devise ist schon immer, ich kann nur das kaufen, was ich mir leisten kann. Sei es Klamotten, Urlaub, Kosmetik etc. Ausnahmen waren logischerweise nur unser Hauskauf und der Autokauf für meinen Mann, da er auswärts arbeitet. Seit ich 14 bin habe ich mir mein eigenes Geld dazuverdient. So handhaben wir das auch bei unseren Kindern. Die Große hatte sich ein neues Handy gewünscht. Es musste unbedingt ein IPhone sein. 2/3 hat sie selber gezahlt, obwohl wir uns das sicher hätten leisten können. Aber so wertschätzt sie es ganz anders, finde ich.
    Ich habe beruflich mit überschuldeten Menschen in der Privatinsolvenz zu tun. Die meisten Menschen sind einfach Opfer des Konsumverhaltens, die wenigsten unverschuldet in dieser Sitation.
    LG Denise

  12. Hm das Thema Geld war fast immer in meinem Leben eines der wenigen Themen was einfach lief und bei dem ich mir bis auf eine Ausnahme keine großen Gedanken machen musste. Ich komme aus einem wohlhabenden Elternhaus, meine Eltern haben sehr viel Geld und uns fehlte es finanziell gesehen an nichts. Da beide aus sehr einfachen Verhältnissen kamen, waren sie jedoch auch immer darauf bedacht dennoch genug zur Seite zu legen. So lernte ich von klein auf automatisch die Mischung zwischen sich etwas gönnen/ gut leben und sparen. Uns Kindern ggü waren sie dennoch immer gemessen an ihrem
    Wohlstand nicht wirklich großzügig. Unser Studium wurde finanziert aber das war es auch. Mein Umgang mit Geld war als Studentin sorglos , obwohl mir meine Eltern nicht besonders viel Geld gaben, aber ich habe mir immer genug schöne Sachen gegönnt ( Urlaube, essen gehen etc). Als ich mein erstes Kind bekam gerieten mein Mann und ich in eine finanzielle Notlage – und wir haben ein Jahr lang unter hartz4 Niveau gelebt. Das war eine sehr einschneidende Erfahrung und das erste mal, dass ich geiz an mir erlebte. Aber iwie war dennoch tief in mir immer so einGrundvertrauen bei dem Thema, ich hatte immer das Vertrauen das ich genug Geld haben werde. Und so kam es dann auch. Ich bin sehr dankbar, dass wir keinerlei finanzielle Sorgen haben und ich trotz sehr hohem
    Lebensstandard dennoch genug zur Seite legen kann. Ich habe genug Schwierigkeiten und andere Probleme bislang gehabt und bin dankbar , dass dieser Punkt gut läuft.

  13. Sehr spannendes Thema. Ich habe ein eher laxes Verhältnis zum Geld. Früher hatte ich extrem wenig, heute würde man einfach sagen, ich war arm. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, ich habe ein sehr gutes Einkommen, aber meine Beziehung dazu ist gleich geblieben, ich hänge einfach nicht dran. Für mich ist Geld an sich kein Selbstzweck, es einfach nur zu haben macht mich nicht froh. Erst das, was man damit macht, bestimmt bei mir den Grad der Zufriedenheit.

  14. Gutes Thema,

    bei mir ändert sich gerade so einiges, Trennung usw da wird der finanzielle Rahmen auch anders werden. Aber ich bin zuversichtlich, Wohnung, Sparbuch usw werden wir teilen und damit müssten die nächsten Jahre gesichert sein, hoff ich 🙂
    Aber ich gebe schon gerne Geld aus, meine Eltern sind leider beide früh gestorben und hatten nix von ihrer Rente… Schwester ist an Krebs erkrankt und kann ihren Ruhestand auch nicht mehr genießen…. so versuche ich den Moment gut zu leben und besonderes (Reisen ) nicht auf die lange Bank zu schieben. Und nur zu sparen um den Kindern möglichst viel zu hinterlassen…. nö 😉

    Gruß sabine

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