Gewohnheiten

Morgens erstmal ein Kaffee. Nach dem Essen gerne noch etwas Süßes. Irgendwo warten? Erstmal ein Blick aufs Handy. Und wie genau bin ich eigentlich mit dem Auto ins Büro gekommen? Interessante Sache, meine Gewohnheiten.

Die entwickelt jeder Mensch natürlich nicht von ungefähr. Das Gehirn ist der größte Energiefresser im menschlichen Körper. Und je mehr es tut, umso mehr Energie wird benötigt. Würden wir also all unsere Handlungen als bewusste, neue Entscheidung handhaben… müssten wir ständig essen. Hm, nicht so schlecht, aber im Endeffekt keine gute Idee.

Denn wer will schon bei jedem Gang ins Meer neu schwimmen lernen, das ist auch eine Gewohnheit, die irgendwann mal erlernt wurde und jederzeit abgerufen werden kann. Womit wir auch schon beim Kern angelangt sind: es gibt immer einen Reiz oder Signal, der die Gewohnheit auslöst. Bin ich von Wasser umgeben, mache ich Schwimmbewegungen. Ohne Nachdenken, ganz automatisch.

Das Gehirn kann alles, was gut genug bekannt ist, einfach automatisch und unbewusst erledigen. Und dann folgt auch schon die „Belohnung“. In dem Fall ertrinke ich nicht und ich mag die Bewegungen, fühle mich wohl.

Man sollte auch nicht den Anteil der Gewohnheiten unterschätzen, vom Zähne putzen bis zum abendlichen Licht ausschalten, 40 Prozent des täglichen Lebens sind Gewohnheiten und laufen unbewusst ab. Das Gehirn erledigt das nebenbei und ohne großen Aufwand, was eine schöne Sache ist. Außer man möchte Angewohnheiten ändern. Zum Beispiel mehr Sport oder anders essen oder ähnliches.

Um neue Gewohnheiten zu etablieren und ggf. alte zu ersetzen, braucht es einen ziemlichen Aufwand. Denn alles, was wir als Kinder gelernt haben, sitzt bombenfest verankert. Zum Beispiel eine Vorliebe für Lakritz und Schokolade und generell Süßigkeiten als Belohnung für mich. Andererseits aber auch meine Schwimmtechnik.

Wie geht man es nun an?

Erstens braucht man eine konkrete und starke Belohnung. Und zweitens muss man neue Dinge sehr sehr oft wiederholen, bis sie sich „eingebrannt“ haben.

Die Belohnungen sind manchmal recht einfach (nach Sport fühlt man sich schon prima!), manchmal schwierig (nach einer Möhre will sich nicht dasselbe Wohlgefühl wie nach einer Tafel Schokolade einstellen). Das ist aber genau der Knackpunkt, ohne eine tolle Belohnung gibt es keinerlei Grund, Gewohnheiten zu ändern.

Und drittens muss man neue Reize setzen oder die vorhandenen abschalten. Also zum Beispiel die Sporttasche abends neben die Tür stellen, damit man sie am Morgen mitnimmt.

Womit natürlich auch erklärt ist, warum man nach größeren Änderungen wie zum Beispiel einer Trennung völlig neue Gewohnheiten entwickelt – die gewohnten Auslöser oder Reize fehlen schlicht.

Ich habe mir meine Gedanken dazu gemacht und nächste Woche gibt es noch mehr zu dem Thema. Hat vielleicht jemand Lust zu einem Mitmachprojekt??

4 Kommentare

  • Anregende Gedanken, interessantes Projekt!
    Interessant auch die Überlegung: was sind die Beweggründe, eine Gewohnheit anzunehmen? Gerade auch die sog. schlechten Gewohnheiten?

  • Liebe Irit, mache mir gerade ähnliche Gedanken. Mit meinen Gewohnheiten komme ich nicht dahin, wohin ich will und muss. Wäre sehr interessiert an einem Mitmachprojekt!
    Liebe Grüße
    Sabine aus Hamburg

  • Ich habe mich sehr kürzlich dazu entschlossen, meine Ernährung auf rein pflanzlich umzustellen. Weil es gesünder ist und ich die würde- und respektlose Milch- und Fleischindustrie und die weltweite Waldrodung für Viehfutteranbau nicht mehr akzeptieren kann.
    Essgewohnheiten umzustellen, kann sehr schwer sein! Vom Käse wegzukommen, für mich besonders… ;-) Ich glaube, die persönliche Entscheidung und die innnere, echte Überzeugung spielen eine große Rolle. „Ich will“ statt „man sollte“…

    • wow, ein sehr großer Schritt. Ich finde das sehr beeindruckend.

      Ich mache die Mischung aus Teilzeitvegetarier (nur 3x Woche Fleisch) und möglichst viel Bio einkaufen. Auf Käse, Steaks, Milchkaffee, Spiegeleier, Lachsbrote und butterige Croissants zu verzichten… ach nein.

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