Nachgedacht: Death Cleaning

Wie ihr wisst, bin ich schon länger mit dem Thema Aufräumen, Ausräumen und Wegwerfen beschäftigt. Das firmiert unter verschiedenen Titeln, für mich ist es ein Teil einer minimalistischen Lebensweise. Letzten Herbst bin ich dann über den „ultimativen“ Ansatz gestolpert: Death Cleaning.

Ich lese eine Menge Blogs und stöbere regelmäßig bei Bloglovin. Auf einem US-Blog mit Thema Minimalismus las ich dann das erste Mal davon.

Grundsätzlich geht es darum, die eigenen Besitztümer in Ordnung zu halten. Was ich durchaus schon länger mache. Man unterschätzt einen Umzug zwar immer, aber ich glaube, ich hätte im Zweifel innerhalb eines Tages alles in Kisten verpackt (und vielleicht noch einige Überbleibsel entsorgt). Mein Antrieb dabei war aber, in einer aufgeräumten, klaren Umgebung zu leben, die mich nicht belastet. Ich möchte mit Dingen umgeben sein, die ich brauche und mag. Klassischer Ansatz von Marie Kondo und ihrem Magic Cleaning.

„Death Cleaning“ geht da noch einen Schritt weiter: wie organisiert man sein Leben so (einschließlich entrümpeln natürlich), dass z.B. für den Fall eines Unfalls bei den werten Nachkommen nicht das völlige Chaos ausbricht? Oder andersherum: selbst sein Leben in Ordnung bringen und das nicht den Hinterbliebenen überlassen.

Das Konzept bei den Aufräumbüchern ist immer dasselbe – keine Sachen sammeln und horten, die man eigentlich nicht möchte. Es ist ein schwieriger Prozess sich zu überlegen, womit man wirklich leben möchte. Ich bin noch lange nicht fertig damit, es gibt immer noch Kram in meiner Wohnung, von dem ich mich nicht trennen kann. Aber nicht mehr viel.

Zwei (angefangene) Aktionen stehen noch auf meiner ToDo-Liste:

  • Wegwerfkiste
  • Ordnung Formalkram

Habt ihr auch eine Sammlung von Briefen, Champagnerkorken etc mit sentimentalem Wert? Ich habe so eine Kiste (u.a. ist mein langer Zopf darin, der mit 16 dran glauben musste – ich hatte die Nase voll von langen blonden Haaren), aber da werde ich mir noch ein hübsches Modell zulegen und noch ein bisschen anderes Zeugs dazupacken.

Das zweite sind die Formalien. Ich habe ein Bankschließfach mit den wichtigen Dokumenten (und für den Schmuck, wenn ich nicht da bin), aber ich werde noch eine Anleitung schreiben, an was gedacht werden muss.

Und ich habe den ersten Entwurf eines Testaments geschrieben. Es ist noch nicht ganz fertig, aber fast. In dem Zuge habe ich mal in Sachen Erbschaftsrecht schlau gemacht und hoffentlich eine gute Lösung für alle Beteiligten gefunden.

Ist das jetzt morbid oder vernünftig???

12 Kommentare

  • Liebe Irit,
    ich finde das sehr vernünftig. Es geht nur darum, seine Dinge selbst zu regeln. Mich beschäftigt es gerade auch: da ist die Vorsorgevollmacht, die ich endlich fertigstellen möchte, das sinnvolle Sortieren der wichtigen Dokumente und das Entsorgen von Überflüssigem, um fortan mit leichterem Gepäck durchs Leben zu gehen.

    Dazu passend habe ich gerade das Buch „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ gelesen. Sehr schön geschrieben!

    Es ist ein schwieriges Thema, sich mit der Endlichkeit zu beschäftigen, aber letzlich finde ich es befreiend.

    Schönes Wochenende für Dich und alle Leserinnen :-)

  • Liebe Irit,

    ich schließe mich Gabriele (Danke auch für diesen Buchtipp!) an! Es ist ein notwendiger Schritt – auch „schon“ in unserem Alter, denn wir wissen alle nicht, wann das Aufschieben auf „später“ ZU spät ist. Bei mir sind in den letzten vier Jahren sechs enge Freunde und Familienmitglieder durch Krebs, Hirnblutung, Herzinfarkt und Unfall gestorben, fast alle waren zwischen 48 und 51 Jahren alt, nur der „Älteste“ 61. Ein Testament hinterlassen haben nur die beiden, die krebserkrankt waren.

    An meinem „letzten Willen“ arbeite ich noch, um ein möglichst friktionsfreies „Nach mir“ zu erleichtern, was in HInblick darauf, dass meine Familie und mein Partner leider kein besonders inniges Verhältnis zueinander haben, nicht leicht ist – und mir das damit-Befassen großes Unbehagen bereitet. Auch wenn es bei mir – Gott sei Dank? ;-) – ohnehin keine Reichtümer, versteckte Goldschätze oder Grundbesitz zu vererben gibt …

  • Es ist beides aber wenn man seinen Kindern das Ausräumen von übervollen Kramkisten ersparen kann, schlägt der Zeiger an der Waage doch eher in Richtung vernünftig aus.

  • Liebe Irit,

    ein wahnsinnig wichtiges Thema, auch oder gerade in „jüngeren“ Jahren. Bei uns in der Familie sind die Verhältnisse etwas unorthodox, von daher hatten meine Eltern sehr früh an ihr Testament gedacht (waren nicht verheiratet und ich bin nicht ihr leibliches Kind).
    Nach dem Tod meines Vaters haben meine Mutter und ich uns auch Patientenverfügungen zugelegt, die wir bei Bedarf updaten und jedes Jahr vom Hausarzt neu unterschreiben lassen. Das finde ich nämlich auch sehr wichtig. Ich möchte nicht, dass wenn mir etwas passieren sollte, dass sich meine Familie mit so schweren Entscheidungen befassen muss, was ich denn wohl gewollt hätte. Soll man mich künstlich ernähren, will ich zig Mal reanimiert werden, wenn’s keinen Sinn mehr macht,…?
    Auch wenn ich erst 39 bin und das Thema hoffentlich noch ein gutes Stück weit weg ist, hat mir das Beschäftigen mit der Materie auch ein wenig klar gemacht, was für ein Leben (zu dem eben auch der Tod gehört) ich mir für mich wünsche.

  • Sonja mit V

    Ein schwieriges aber wichtiges Thema!
    Ich würde persönlich kein Death Cleaning betreiben wollen, denn mein Leben mit dem Hintergedanken des ständig möglichen Ablebens zu führen empfände ich als belastend. Dennoch finde ich es gut mich mit dem Thema Minimalismus usw zu beschäftigen, um für mich eine perfekte Balance zu finden.

    Wie schwierig loslassen ist erlebe ich mit meiner Mutter, die in einer perfekt eingerichteten Wohnung lebt und völlig vereinsamt. Den Schritt zu machen sich von viel nie genutzten Ballast zu befreien, um dann in kleiner Wohnung in Gemeinschaft zu leben, fällt ihr schwer. Mich schmerzt es ihr dabei zuzusehen und ich verstehe die Ängste, wenn man erkennen muss, dass vieles nicht mehr geht (die zig hochhackigen Schuhe, die sie nie mehr wird tragen können usw). Sie redet oft von der Belastung für mich, wenn ich nach ihrem Tod alles entrümpeln muss. Ich habe meiner Mutter gesagt, dass sie nicht für mich reduzieren soll sondern für sich selbst, um befreiter und glücklich zu leben. Denn wenn man ehrlich ist: nach dem Tod würde bis auf einige Erinnerungsstücke alles per Firma entsorgt. Ich sehe da keine Belastung für mich.

    Für mich wichtig war es eine Vorsorgevollmacht mit meinen Partner zu erstellen. Der nächste Schritt wird ein Testament sein, da wir jetzt gemeinsamen Besitz haben. Und natürlich hat mein Partner eine Liste meiner online Konten und Passwörter.

  • Hallo Irit,
    ich finde es sehr vernünftig, so erspart man seinen Nachkommen doch einiges. Allerdings finde ich, sollte man sich auch eingestehen, daß man (vor allem nach dem Tode) nicht alles kontrollieren kann.
    LG Tina

  • Ich glaube auch, eine Vorsorge-/Patientenverfügung ist wichtiger…

    Was nach meinem Ableben mit meinen wenigen Kröten passiert, ist mir egal.

  • Liebe Irit, ich finde es einfach sinnvoll. In den letzten zwei Jahren habe ich es zweimal erlebt, ein Bekannter und ein Verwandter, die beide relativ unerwartet verstorben sind und nichts geregelt haben. Für den Bekannten haben wir das noch gemacht. Aber seine Wohnung hat dann ein Unternehmen aufgeräumt. Letztlich habe ich noch ein paar Bilder, die ich nicht gleich wegschmeißen wollte, aber es gibt keinen mehr, der sie haben will. Ein paar Sachen haben wir verschenkt.
    Alles regeln kann man sicher nicht, aber ein paar wichtige Dinge.
    LG Alexandra

  • Liebe Irit,

    schon ein skuriler Gedanke. Ich bin sehr ordentlich und habe mich mit meinem Mann (nicht soooo ordentlich) vor Ewigkeiten darauf verständigt, dass das Heim immer so ordentlich ist, dass man jederzeit Besuch reinlassen kann. Ich überlege gerade, wie er reagieren würde, wenn ich ihm nun mitteilte, dass es stets so ordentlich sein muss, dass wir unbesorgt sterben können ohne dass die Kinder Ärger mit uns haben 😂

    Also, für mich wäre dass keine Motivation. Wofür gibt es Entrüplungsdienste?

    Die Formalien finde ich aber wichtig: Testament haben wir. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung schiebe ich auch schon zu lange vor mir her.

    Bin also lieber für mich selber ordentlich😜

    LG Mieke

  • oha, die Patientenverfügung

    die habe ich total vergessen – danke fürs Erinnern!

  • Ich habe ein Testament, eine Patientenverfügung und mein Mann weiß, dass ich verbrannt werden möchte..und ich bin 35. Ich finde das in jedem Alter wichtig, jeder könnte morgen vor ein Auto laufen und dann müssen sich nicht die Hinterbliebenen mit solchen Dingen zusätzlich belasten.

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