Weitergedacht von Iridia: Minimalismus – Haushaltsbuch und Ausgabenplanung

Eine ungeplante Fortsetzung meines Beitrags vom letzten Samstag (Link) – so allmählich schwingen Iridia und ich uns ein :-)

Ich habe nach meiner Scheidung vor vielen Jahren auch wie Irit begonnen und es hat sehr gut geklappt, noch heute hole ich mir nur einmal im Monat Geld. Was ich mit der Zeit machte: mir noch einen Umschlag für im Bewusstsein Unvorhergesehenes anlegen (Waschmaschine geht mal kaputt, Strafzettel, Nachzahlungen für Mietnebenkosten usw.) Wenn dann wirklich was war, war der finanzielle Aufwand nicht so hoch. Es war auch immer ein super Gefühl, diesen Umschlag zu haben, rein psycholgisch.

Grund war, ich bekam im zweiten Jahr in meiner neuen Wohnung eine Nebenkostenabrechnung über 2.000 Euro, die ich damals nicht hatte und damit schlaflose Nächte. Im Nachhinein das Beste, was mir passieren konnte, weil ich begann, mich das erste Mal grundlegend mit Geld zu beschäftigen und mein Verhältnis zum Geld völlig neu zu denken.

Ich las einen Haufen Bücher und stellte fest, dass einige innere Überzeugungen mich daran hinderten, soviel Geld zu behalten, dass auch was übrig blieb, auch ohne Plan dafür. Wenn das Hirn beispielsweise überzeugt ist, dass „Geld nicht glücklich macht“ und Reiche viele Probleme haben, wird es unbewusst verhindern, dass man Geld hat. Damals habe ich begonnen, mir Geld anzusehen, es schön zu finden, es richtig wahrzunehmen, mir auch ein schönes Portemonnaie zu kaufen (!) um ihm ein Heim zu geben, in dem es sich wohlfühlt und bleibt. Das waren auch besonders schöne Umschläge, die ich in einem Papierfachgeschäft kaufte. Das Equipment zum Sparen sollte Stil haben, fand ich plötzlich. Es funktionierte besser, als ich gehofft hatte.

Ein weiterer zweiter guter Tipp war: wenn du etwas kaufst, stell dir in einer Hand vor, was du kaufen willst und das Geld in der anderen Hand. Was hättest du lieber? Genau das ist nämlich die Wahl und hier wird deutlich, welchen Wert Geld für einen haben muss, wenn man diese Hand nimmt. Den kann man aber selbst anheben und das empfehle ich wirklich. Solange es nur Mittel zum Zweck ist, wird man immer die Ware wählen.

Ein interessanter Punkt ist auch das Thema „Geld ablehnen“. Ich lernte, das Geld sich willkommen fühlen muss (man selbst sollte Geld aktiv willkommen heißen). Geldangebote abzulehnen ist psychisch schlecht, für einen selber. Statt sein Selbstbewusstsein damit pimpen zu wollen, ist wesentlich zielführender, das Geld zu nehmen. Denn Geld macht glücklich. Sich keine Sorgen zu machen, weil man ein gutes Polster angelegt hat, steigert definitiv die Lebensfreude. Bei mir gibt eine Ausnahme, deren Erklärung hier zu weit führen würde: Ausmisten.

Es hilft auch sehr, Leute zu fragen, die sehr gut mit dem Geld zurecht kommen, ohne das Gefühl zu verbreiten, auch gute und wichtige Dinge zu verzichten, wie sie das machen. Mir hat damals wirklich jeder gern Auskunft gegeben und jetzt gehöre ich dazu – so lange meine Situation zu bleibt. Falls nicht, werde ich einen neuen Schlachtplan machen. Die meisten von uns haben mal Zeiten, in denen es sehr knapp ist. Das wird nicht so bleiben, aber hier braucht man einen echten Plan.

Bargeldumschläge sind eine Möglichkeit. Ich hab festgestellt, das meine neue Prepaid- Kreditkarte, mit der ich inzwischen kontaktlos bezahle, im Gegensatz dazu, was alle sonst über Kreditkarten erzählen, für mich perfekt ist. In der App dazu wird es nach Geschäft automatisch in Bereiche wie „Lebensmittel“ „Drogerie“ usw. abgelegt. Ich gebe nur aus, was ich dort auflade und sehe automatisch, was wo bleibt. Und ich genieße, wie das Guthaben auf der Karte anwächst. Das funktioniert aber nur, weil ich vorher das Umschlag-Programm gemacht habe und ich Geld mag.

Es hilft auch sehr, Orte zu meiden, für die man offensichtlich empfänglich ist. Bei mir sind das u.a. Küchengeschäfte (auch Foren, die was mit Konsum zu tun haben.) Ich fühle mich da wie eine Alkoholikerin in der Bar. Obwohl ich fast nie was bereue, habe ich dann natürlich ein Platzproblem und miste viel aus, was weg fällt, wenn ich diese Geschäfte komplett meide. Nach einiger Zeit hat sich dann wieder anderes Verhalten angezeigt, ich bin aber aufmerksamer als früher. Ein toller Nebeneffekt: man genießt wieder mehr, was man hat. Dort will ich eigentlich wirklich hin.

18 Kommentare

  • Mir hat schon der vorherige Beitrag von Irit sehr gut gefallen. Ich habe früh schon als Gymnasiastin nebenher Geld verdient – und jahrelang komplett auf den Kopf gehauen, hauptsächlich für (teure) Kleider. Sparen ist erst seit ich Kinder habe ein Thema. Sie sind a) teuer und b) will ich für sie gut vorsorgen. Hier musste also Geld abgezweigt werden für Bausparen, Fondsparplan und Ausbildungsversicherung. Das ziehen mein Mann und ich durch. Auch wenn es manchmal hart ist bei drei Kindern. Aber es kann immer was passieren. Und sie sollen etwas haben, wenn sie studieren oder mal ins Ausland wollen. Ich freue mich sehr über unsere mühsam selbst umgebaute und nur ganz minimal bankfinanzierte Wohnung. Es gab harte Zeiten, aber heute freuen wir uns wie Bolle, keine Schulden und keine Miete zu haben! Vor 10 Jahren haben viele den Kopf geschüttelt über unseren Wohnungskauf. Heute sagen dieselben Leute, dass wir damals alles richtig gemacht haben. Wir entscheiden gemeinsam sehr gern nach unserem Bauchgefühl, das uns sehr gut berät, auch in Geldfragen. Das sehe ich im Übrigen als das Wichtigste an: keine, keine und auch bei Niedrigzinsen nochmals keine Konsumkredite! Die verursachen nur schlaflose Nächte. Autos sind nützlich, aber als Statussymbole komplett out. Unser schöner VW Bus bringt uns in den Urlaub. Sonst laufe ich super gern oder fahre Rad. Mein Mann hat meist Firmen- oder Mietwagen. Die Jungs werden nicht mit Spielzeug überhäuft, sondern geben eher noch was ab. Es ist eh schon zuviel da. Bargeld sammle ich immer als Münzen in einer Kassette und am Monatsende kriegt reihum einer der Jungs das auf‘s Sparbuch. Die Sache mit der Bargeldzahlung/ Haushaltsgeld werde ich auch starten. Finde ich eine super Sache.
    Ganz vielen Dank für Eure Denkanstöße zu Minimalismus und Geld!

  • Achja, ich kündige/ wechsle jedes Jahr konsequent alle Strom- / Telefon- und Gasverträge und vergleiche bei den Versicherungen. Das spart pro Jahr bestimmt 2-300 Euro ein. Ich liebe dafür einfache Kalendereinträge, die sich jährlich wiederholen

  • Tolles Thema und tolle Tipps!
    Ich schließe mich Nice an. Keine Konsumkredite! Wohnungs- o. Hauskauf ist was anderes. Ich habe mir vor 2 Jahren ein neues Auto gekauft, schon eher in der oberen Mittelklasse. Wollte ich halt unbedingt haben. Das habe ich mir alles zusammengespart und bar bezahlt. Es gibt mir ein tolles Gefühl von Freiheit, dass es ganz und gar mir gehört und nicht der Bank. Geldsorgen sind schlimm und ich glaube an einem Punkt im Leben hatte die doch jeder mal, mehr oder weniger.
    Ich überlege mir mittlerweile bei Allem, auch bzw. vor allem bei Kleinzeug: brauche ich das bzw. habe ich nicht schon sowas ähnliches?
    Ich ziehe z.B. kaum Blusen an, aber irgendwie kaufe ich sie gern. Jetzt wird keine mehr gekauft, so lange ich nichtmal die, die ich schon habe, trage.
    Und auch Kleinzeug wie Duschgel, Putzzeug,. bin ich mal konsequent durchgegangen. Wir haben hier extrem weiches Wasser, noch nie habe ich den Wasserkocher entkalken müssen. Wozu also ständig Kalktabs in die Wama tun?
    Wir sagt man so schön: Kleinvieh macht auch Mist. Beim Geld sparen bzw. ausgeben, aber auch beim Anhäufen von Dingen. Irgendwann erschlägt einen der ganze Kruscht zuhause eher, als dass er Freude bereitet.
    Mir hilft auch der Gedanke ungemein, dass einem doch nichts wegrennt. Es gibt auch morgen noch hübsche Klamotten, schöne Einrichtungsgegenstände und tolle Kosmetik. Und auch noch in 1 Jahr. Das verhindert Spontankäufe, ganz besonders, wenn es Rabatte gibt. Mein allergrößtes Problem! Es gibt doch immer Rabatte! Wenn ich bei der Shopping Week nix bei PC kaufe? So what? Kommt garantiert wieder.
    Und Ziele beim Sparen setzen. Da ich keine Kinder habe, denke ich oft: was soll’s? Du kannst es dir doch leisten. Hier Eigenverantwortung zu übernehmen und gut und bewusst mit sich selbst umzugehen: das ist ein sehr weites Feld, das in viele Lebensbereiche, nicht nur Konsum, reicht.
    Ich habe mir jetzt eine bestimmte Summe gesetzt, die ich auf jeden Fall als frei verfügbares Polster haben will, seitdem fühle ich mich irgendwie beruhigter. Und auch ein bisschen stolz, dass ich es geschafft habe. Ein schöneres Gefühl, als es mir die Spontankäufe je geben könnten.

    • Bei mir war der Auslöser ein privat geleaster BMW vor vielen Jahren, den ich damals fahren wollte. Total blöd. Bei der Rückgabe das böse Erwachen, das wohl alle Leasingrückgeber kennen, die nicht eine Klasse höher gleich weiter leasen. Zwei Kratzerchen außen und angeblich die Scheiben vom Winter verkratzt: 4000 Euro Nachzahlung. Beim Auszug aus der letzten Mietwohnung: Kaution wurde einbehalten wegen schmutziger Fensterrahmen. Mein Vorsatz seither: Nie, nie wieder ein geleastes Auto oder eine Mietwohnung ✌🏼

    • An die Glamour-Shopping-Week hab ich auch gedacht :D, überhaupt: Sonderangebote. Vielleicht sollten wir mal ein eigenes Thema daraus machen. Dazu gibt es unheimlich viel zu sagen.

  • Manchmal ist es auch eine Erziehungsfrage, dachte ich gerade bei Nices Beitrag.

    Wie wächst man auf? Wie verhält sich der Partner danach?

    Mein erster Mann hatte, genau wie ich, die ja so aufwuchs und für die das normal war, ebenfalls keinen Plan, außer, dass es irgendwie reichen muss und manchmal nicht reichte. Mir nützten auch so allgemeine Aussagen wie: „spar doch!“ überhaupt nichts. Und ich muss auch sagen, bis 40 hatte ich kein größeres Problem damit – dachte ich wirklich. Erst die Scheidungszeit, in der ich einen neuen Haushalt gründete brachte mich an die Grenze. Dann eine oder zwei unvorhergesehene Sachen – wupp, Sorgen ohne Ende. Aber danach ein Plan zur Sorgenfreiheit.

    Wenn ich genau darüber nachdenke, hatte ich in den Jahren davor immer unterschwellige Geldsorgen, da ich aber so aufwuchs, hab ich die nie gemerkt, außerdem war ich in guter Gesellschaft. Erst mit der intensiven Beschäftigung hat sich mein Blickwinkel völlig verändert und obwohl ich heute wieder in bestimmten Zeitabschnitten recht großzügig kaufe, wird das Geld nicht weniger. Erstaunlicherweise.

    Ich lasse unheimlich vieles weg, was anderen wichtig ist, hab ganz andere Prioritäten. Was jemand spart und sich leistet, ist wohl in der Persönlichkeit angelegt. Ich würde nie bei jemanden sagen: das kannst du sparen. Anregungen, es ohne was zu probieren, sind aber immer gut. Oft merkt man, außer der fehlenden Gewohnheit ist es kein Unterschied, aber manchmal auch: ich kann auf einiges verzichten, darauf will ich nicht, weil es mir viel gibt. Aber dazu muss man erst mal verzichtet haben. Ich hatte jede Menge Geldfresser ausgemacht, von denen ich nie gehört habe und die aber bei laufenden Ausgaben sehr auffallen. Und ich entdecke immer wieder neue.

    Wer noch nie Geldprobleme hatte, außer das man nie genug zu haben scheint, der versteht nicht, dass das Problem der anderen nicht nur im Management, sondern an der Sicht zum Geld generell liegt, mit der man aufwuchs oder gegen die man grundsätzlich rebelliert (!). Das ist aber unbewusst. Solange man das nicht infrage stellt, ist Sparen ein Kraftakt. Es kann auch Vergnügen sein.

    Richtig hilfreich von vielen Büchern damals und mit vor allem guten Tipps fand ich das kleine und preiswerte Buch von Hedwig Keller „Die Kunst, mit meinem Geld auszukommen“.
    Ich hab aus vielen Büchern gute Gedanken mitgenommen und bin damals übrigens wieder in die Bibliothek gegangen. Auch heute kaufe ich nur, was dort nicht ist. Ist immer noch genug, aber wenigstens bringe ich es hinterher in die Bibliothek, damit das nicht so bleibt. ;)

    • Sorry Schreibfehler: Hedwig Kellner heißt die Autorin

      • Da hast Du wirklich recht. Worauf jemand verzichten möchte, ist etwas ganz Persönliches. Die Sache mit den Autos sehen wir erst seit Kind Nr. 2 nur noch pragmatisch und das Auto überwiegend als Geldfresser. Mit drei Kindern fallen eh 99% aller Autos aus Platzmangel aus und mit den heutigen Diskussionen um Dieselskandal und Betrugssoftware, außerdem Parkplatzmangel in der Stadt haben wir uns für eine Familienkarre (T5) entschieden, die im Alltag aber keine Rolle mehr spielt. Ich hole damit meinen Mann vom Flughafen ab, wir machen Ausflüge oder Urlaub damit und für den Notfall (Kind, Oma usw.) hab ich das Ding dastehen. Die Größeren radeln / laufen zur Schule. Der Kleinste wird von mir zu Fuß in den Kindergarten gebracht. Ich flitze dann weiter ins Büro oder nehme den Bus. Später könnte ich mir durchaus vorstellen, nur noch bei Bedarf ein Auto zu mieten. Geht es noch jemandem mit dem Auto so?

        • Ich mag ja schöne, schnelle Autos.;) Als ich noch täglich 2x 50 km Autobahn zur Arbeit fahren musste, wollte ich eins, das schnell ist und genug Blech hat, das es mir im Ernstfall einigermaßen Schutz bieten kann. Deshalb bin ich Herrin der Ringe geworden. Inzwischen fahre ich mit der Straßenbahn zu meiner jetzigen Arbeit und genieße diese Entspanntheit sehr. Das Auto ist jetzt 12 Jahre alt und immer noch schön und schnell, wird aber nur noch zu einzelnen, weiteren Fahrten (Ausflüge, Großeinkauf) genutzt. Ich habe kein Bedürfnis nach einem neuen, solange es mich fährt. Insofern hat sich dieser einmalige Kauf eines „Status“autos für mich gelohnt. Wenn mein Lebensumfeld so bleibt, würde ich das nächste auch nur bei Bedarf mieten.

  • Interessanter Ansatz, das Geld zu lieben, damit es zu einem kommt bzw. bleibt. Da macht der gute alte Dagobert Duck ja alles richtig mit seinem täglichen Bad im Geldspeicher. :)
    Ich denke, da ist was dran. Den Gedanken hatte ich zwar nie, aber rückblickend hatte ich schon immer was von Dagobert, d.h. ich kann mich über den Besitz von Geld richtig freuen, sei es sichtbar im Portemonnaie oder als Zahl auf dem Kontoauszug. Ich hatte auch nie das Gefühl, real zu wenig zum Leben zu haben – haushalten zu wollen und zu sparen, schon. Im Studium führte ich unregelmäßig Haushaltsbücher und fand den Überblick sehr angenehm. Mitgenommen aus der Zeit habe ich ein recht gutes Bauchgefühl für das Verfügbare und den Umgang damit sowie die Erkenntnis, dass man vieles doch nicht braucht.
    Als „DDR-Kind“ arbeite ich allerdings immer noch gegen das Bedürfnis des Sofortkaufens und des Hortens an – ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass es im Grunde alles immer gibt, evtl. eben in anderer Form. Sonderangebote, Limited Editions etc. sind meine Schwachstelle. In letzter Zeit versuche ich aber auch hier, erst zu überlegen, durchzuatmen und vor allem meine bereits vorhandenen Sachen geistig zu rekapitulieren, bevor der Jagdinstinkt mit mir durchgeht. Klappt immer besser.
    Hier ist auch noch eine Stimme gegen Konsumkredite! Wenn ich etwas nicht bezahlen kann, muss ich mich fragen, ob ich es wirklich brauche und wenn ja, oder ob es einen Ersatz dafür gibt, den ich mir leisten kann. Mancher Wunsch verschwindet auch unerwartet schnell und schmerzlos, wenn man ihm nicht gleich nachgibt und nach einer Weile fragt man sich, wie man das Zeug überhaupt jemals wollen konnte.
    Viele liebe Grüße!

    • Ich finde ja auch, ein Auto ist Ausdruck individueller Freiheit. Man könnte morgen nach Paris düsen… Ich hoffe mal, da kommt irgendwann eine coole Alternative, die sich deutlich vom derzeitigen Angebot der Bahn hier unterscheidet. Und eine Schwäche für schöne Sachen habe ich auch. Limited Editions, schöne Kleider… Aber nach vielen Jahren lässt es doch langsam nach. Was gut läuft, gibt es morgen auch noch so oder ähnlich. Kein Grund zur Panik 😄

    • Die DDR-Sozialisierung mit dem Horten einfacher Lebenskonsumartikel ist wirklich ein zusätzliches Ding, bei dem es um nicht um Geld geht, sondern der erlebten Situation, das einfach nicht zu kriegen. Ich hab das Gefühl, ich muss da auch immer noch gegen einen Instinkt ankämpfen, das nicht zu lagern, so ähnlich wie es der Körper mit Gewicht macht, obwohl ja jetzt jederzeit alles verfügbar ist und auch die Läden fast immer offen haben.

      Zur Metaebene: Die Frage, wenn du selber Geld wärst, würdest du gern zu dir kommen? Ist auch ein Gedanke, wie man Geld schätzt. Ich denke, das Geringsschätzen stört die Balance von Geldhaben und Ausgeben. Es geht mir nicht um einen Sport, jetzt gleich geizig zu werden, hier sehe ich sogar eine Gefahr, sondern zu erkennen, woran wirklich mein Herz hängt oder was nett wäre.

  • Ja, Geld und sparen ist ein schwieriges Thema. Im Hinterkopf (auch durch die Werbung) hat man oft das Gefühl, wer spart ist geizig und gönnt sich nichts. Und geizig will doch keiner sein.
    Sparen für ein konkretes Ziel wird besser akzeptiert, jedoch wird hier auch hier suggeriert, warum sparst du? Die Kredite sind so günstig, kauf es dir doch gleich, gönn es dir doch.

    Nur… gönne ich mir was? Oder habe ich mir Schulden gegönnt?

    Konsumkredite habe ich noch nie genutzt. Mein zweites Auto hatte ich teilfinanziert, jedoch wusste ich genau, dass ich die Raten für den uberschaubaren Zeitraum problemlos zahlen kann. (erstes Auto musste früher in Rente geschickt werden als gedacht). Denn ich hatte diesen Betrag bereits jeden Monat gespart.

    Um mich selber zu überlisten, habe ich einen Dauerauftrag (damals noch Sparbuch) eingerichtet, mit ich jeden 1. des Monats einen festen Betrag direkt vom Konto aufs Sparbuch überwies. Der war weg, den konnte ich nicht mehr ausgeben. Dadurch war er für mich auch innerlich gesperrt, dieses Geld habe ich nie für den normalen Lebensunterhalt benutzt.

    Am Monatsende hatte ich den nächsten Dauerauftrag. Alles was am letzten über 150,00EUR auf dem Konto ist, geht auch per Dauerauftrag aufs Sparbuch. Das wurde notwendig, denn ich merkte, dass wenn ich auf dem Girokonto einen Überschuss hatte, ich diesen ausgab. So nach dem Motto… auf dem Konto ist ja Geld, dass übrig ist. Nur ich habe dann Sachen gekauft, die ich nicht brauchte.

    Mit dem Trick habe ich mich gebremst. Wurden größere Beträge fällig, (Waschmaschine, Autoreperatur o.ä.) konnte ich dies ja vom Sparkonto bezahlen. Spontankäufe mit EC-Karte waren halt nicht drin, wenn das Konto es nicht hergab. Und extra zur Bank zu gehen, um für das 3. Paar Stiefel Geld zu holen, naja das entfällt dann zum Glück.

    Positiver Nebeneffekt… wurde zum Beispiel eine größe Summe (Jahresbeitrag Versicherung) fällig, wusste ich ja, das dies kommt. Dann war mein Sport… kann ich es vom laufenden Konto bezahlen, ohne ans Sparbuch zugehen?

    Und es hat mir gefallen, das Sparbuch zu sehen, wie es jeden Monat dicker wird. Auch die Sicherheit, Auto geht kaputt, unvorhergesehene andere Ausgaben….. sind von mir bezahlbar, tat gut. Ausgegeben wurde es dann beim Hauskauf.

    Ach ja, und ich hatte keinen Dispo vereinbart. Ich wusste also, ich muss aufpassen nicht in die Miesen zu kommen (daher der Puffer von 150,00EUR am Monatsende falls irgendwas abgebucht wird) denn dass wird richtig teuer. Dadurch war ich auch gezwungen, meinen Kontostand immer zu wissen (auch vor Online-banking) und zu wissen, was geht davon noch weg.

  • Sehr interessant!

    Ich hab auch den Dispo sofort gekündigt, als ich das erste Mal draußen war, lange her. Ein Grund war auch, dass ich damals mehr Angst vor Online-Betrug hatte und die Bank letztlich nur rausgeben konnte, was sie hatte, aber eben auch nicht mehr, schon gar nicht paar Tausend.

    Ich finde spannend, dass du auch das Gefühl hast, alles über dem Soll incl. Rücklagen ist halt Spielgeld. Das geht mir auch so und darüber sollte ich auch mal weiter nachdenken. Der Gedanke kam mir noch nie, aber da ist was dran.

    Mir hilft da gerade diese Prepaid-Kreditkarte sehr, auf der nur die Überschüsse sind und mir gefällt, wie das dort wächst. Das hatte ich merkwürdigerweise bei Bargeld nicht, sondern brannte mir irgendwie in der Tasche, aber nur dieser Betrag. Vielleicht ist es auch nur die Aufmerksamkeit bei einem relativ neuem System.

    Was mir zusätzlich hilft: Scheine zurücklegen für bestimmte Wünsche, außerhalb der Routinen. Ich wollte mir zum Beispiel, seit ich das mal probiert hatte, ein bestimmtes Rudergerät kaufen, einen Water-Rower, vor allem für Sport im Winter oder bei Regen und Matsch (ich laufe ja sonst gern) Es kostet 1.500 Euro und ich hab dafür in eine Dose immer was, wenn ich was gekriegt oder wieder gekriegt oder was übrig war, rein gelegt. Als ich es zusammen hatte, hab ich gemerkt, der Platz, den ich dafür vorgesehen hatte, geht nicht, obwohl man es wie eine Holzskulptur hoch an die Wand klappen kann. Jetzt hab ich das sogar zusätzlich und es sieht nicht so aus, als würde ich das Platzproblem gleich lösen können. Hätte ich aber ohne diesen Plan nicht gehabt.

  • Hallo, kennt ihr den Blog madame money Penner, wirklich gut. Und äußerst wichtig, dass wir Frauen auch beim Thema Geld, Vorsorge wie auch immer gut für uns sorgen. Leider gibt es immernoch unglaublich viele Frauen die sich auf ihre Männer verlassen. Das muss sich unbedingt ändern!

  • Sorry, Madame Moneypenny, ts ts diese Worterkennung

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