Regine Schneider: Paul ist tot

Der Verlag hatte mich angeschrieben, ob mich das Buch interessiert – und ich fand das Thema gut. Witwen sind bei uns ein unsichtbares Ding, natürlich gehen wir alle zu Beerdigungen, versichern unser Mitgefühl – ist auch meistenteils eine schreckliche Sache – aber wie leben die Frauen danach eigentlich weiter?

Ich muss da immer an eine Geschichte meiner Mutter denken (Link), ähnliches findet sich auch im Buch. Aber auch ganz andere.

Klappentext:

Für die meisten Frauen ist der Tod des Ehemanns ein Schock. Er erschüttert ihre Existenz. Daneben wirft er aber auch ganz alltägliche profane Fragen auf: Der alternative Bestatter will den Leichnam zum Abschied noch einmal nach Hause bringen. Aber wo soll er liegen? Im Ehebett?? Was gebe ich ihm mit in den Sarg? Die Reizwäsche, die er so mochte, oder den Auspuff seiner Harley? Auf die Bestattung folgt Leere. Für die anderen geht das Leben weiter, der Alltag der Witwe hingegen verändert sich schlagartig: allein einschlafen, allein wach werden, allein joggen, allein zum Elternabend gehen, als Single auf Paar-Events, einsame Weihnachtstage, an denen der Schmerz aufflammt. Aber es gibt auch neue Freiheiten: laut fluchen, den Hund mit ins Bett nehmen, die Fingernägel grün lackieren, `Bauer sucht Frau´ gucken. Manche stürzen sich in Abenteuer, andere suchen klösterliche Einsamkeit. Sie nehmen per Medium Kontakt mit ihm auf und erklären sein Arbeitszimmer zum Museum. Oder danken dem Universum, dass es ihn geholt hat. Sie betreten eine neue Welt. Regine Schneider lässt Frauen aller Altersschichten zu Wort kommen. Sie schreibt erfrischend ehrlich, manchmal komisch, immer ungeniert. Das etwas andere Trostbuch zum Lachen und Weinen.

Ich habe ganz unbedarft angefangen, dieses Buch zu lesen. Der Tod ist in meiner Familie ein guter Bekannter, mein Vater starb, als ich vier war und manchmal denke ich, dass meine Mutter noch heute trauert. Ich kann bis heute nicht darüber sprechen.

Wie gehen die anderen damit um? Ganz unterschiedlich und nach ein bisschen Nachdenken auch nicht unerwartet. Der Umgang mit dem Tod des Partners spiegelt 1:1 die Beziehung wieder und natürlich auch das eigene Lebensalter. Wer glücklich verheiratet war, fällt in ein tiefes Loch und hat Mühe, wieder an die Oberfläche zu kommen. Es gab da sehr berührende Geschichten, ich konnte teilweise erstmal nicht weiterlesen. Und dann gab es natürlich die Ekelpakete von Ehemännern. Da hält sich die Trauer in engen Grenzen.

Gut gefallen haben mir die Infokapitel, die sich jeweils thematisch an eine der Witwengeschichten anschließen. Dort gibt es ganz handfeste Informationen.

9 Kommentare

Das hört sich wirklich toll an – erinnerte mich an das wunderbare Buch von Beatrix Gerstberger, der Brigitte-Autorin, die hochschwanger ihren Mann/Verlobten/Freund, einen Kriegskorrespondenten, verlor: “Keine Zeit zum Abschiednehmen” – sie erzählt nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch die anderer Frauen, und mich hat das sehr berührt.

Ich glaube, wenn man frühzeitig Verluste geliebter Menschen erlebt hat, bleibt der Tod ständiger Begleiter. Positiv finde ich, dass er relativiert, z. B. Angst vor Veränderungen nimmt. Danke für den Tipp, werde das Buch lesen.

Tod und Trauer sind so eine Sache, die ich leider schon zu oft erleben musste und ich glaube inzwischen, Trauer hört in einem gewissen Maß nie auf. Interessiert mich das Thema? Ja. Möchte ich das Buch lesen? Nein, lieber nicht.

ich musste zwischendrin auch heulen. Aber auch lachen. Das ist so ein Buch mit “Nachbrenner”, ich denke oft darüber nach

Mir geht es wie Tromsi. Ich möchte das nicht lesen, der Klappentext spricht mich nicht an. Mein Mann ist gestorben, als meine Tochter vier war ( sie ist jetzt sieben). Das Leben danach ist ein anderes.

das war nicht respektlos gemeint und ein bisschen unglücklich ausgedrückt. Damit ist nicht die Person, sondern der Zustand gemeint.

Ich habe das kürzlich erst wieder gemerkt. Unsere Nachbarn haben ihr Kind kurz nach der Geburt verloren und ich fand es grauenhaft. Aber solche Schicksalsschläge blendet man halt selbst gerne aus – außer man ist mit den Betroffenen wirklich eng befreundet. Mir fällt aber auch kein besseres Wort ein.

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