Pierre Martin: Madame le Commisaire und der verschwundene Engländer

Bei Krimis haben sich bei mir ein paar Vorlieben und Abneigungen herauskristallisiert. Was ich überhaupt nicht mag, sind blutrünstige Schlachtergeschichten. Ich bin zu zart besaitet für die sicherlich existierenden Abgründe der menschlichen Psyche, in dem Fall verzichte ich gerne auf genaueres Wissen. Und die versammelten englischen Krimis mit den schrulligen Inspektoren finde ich mittlerweile auch eher etwas nervig. Stattdessen habe ich meine Liebe zu Krimis aus Süddeutschland entdeckt (allen voran natürlich der Eberhofer Franz) und noch weiter südlich: Italien (ich sage nur Brunetti) und Frankreich. Um genau zu sein: Provence.

Die Provence ist einfach die Gegend, die mir von allen Gegenden, die ich bisher gesehen habe, am besten gefällt. Glücklich die, die dort leben können. Oder zumindest ein Ferienhaus haben.

Genau dort spielt dieser Krimi bzw. im Hinterland der Cote d’Azur. Ich habe ihn in Freiburg im Buchladen entdeckt und da ich ein großer Fan von tollen Frauen als Protagonistin bin – wurde er auch gleich gekauft. Isabelle Bonnet hat es auf der Polizei-Karriereleiter bis ganz nach oben gebracht, erholt sich jedoch nur mühsam von einem Sprengstoffattentat, bei dem sie beinahe gestorben wäre.

Dann geht es ein wenig vorhersagbar weiter… kommt in die Provence, natürlich passiert ein Mord, die üblichen Querelen mit den örtlichen Platzhirschen… französischer Lebensstil mit Rosé in allen Lebenslagen – ich fand es schon fast langweilig. Bis dann ein wirklich ungewöhnlicher Assistent auf den Plan tritt und die ganze Story eben nicht mehr vorhersagbar ist. Naja, dann gibt es noch ein bisschen James Bond und so weiter.

Insgesamt: ein schöner Krimi, süffig zu lesen. Einziger Kritikpunkt von mir: es gleitet teilweise doch in „zu viel, zu groß, zu überkandidelt“ ab, erinnert dann mehr an Science Fiction als an Krimi. Wenn der Autor an ein paar Stellen noch ein bisschen mehr in der Realität ankommt – werden die nächsten Krimis aus dieser hoffentlich kommenden Reihe nicht nur gut, sondern supergut.

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4 Kommentare

  • Das habe ich auch gelesen und fand es großartig. Ich hoffe, es wird davon eine Reihe geben.

    Von Sophie Bonnet kann ich aber die Provenzialischen Verwicklungen empfehlen. Auch in der Provence, lässt sich wie ein perlender Wein lesen.

    Sehr gut finde ich aber auch die Krimis von Bannalec, sie spielen in der Bretagne. Der Protagonist heißt Inspektor Dupin. Bisher sind drei davon erschienen.

    Was mich allerdings leserisch nach Frankreich getrieben hat, war Cay Rademacher mit Mörderischer Mistral. Ihre Hauptfigur, Capitaine Roger Blanc, hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, ist sehr charmant, und genau so, wie man sich die Provence eigentlich mit Land und Menschen vorstellt. Es ist Rademachers erster Krimi, der in der Provence spielt. Ich hoffe inständig, hier kommen mehr.

    Gruß

    • :-) die Provenzalischen Verwicklungen kommen nächsten Sonntag (habe ich auch im Urlaub gelesen) und der erste BAnd aus der Bretagne liegt neben meinem Bett, der kommt dran, wenn ich mit dem „Lavendelzimmer“ fertig bin

      Cay Rademacher ist notiert – für den nächsten Besuch in der Buchhandlung

  • Danke für den Tipp!!
    Auch preislich: Für mich als Vielleserin sind 3,99 in der Kindle-Version toll!

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