Die stille Frau, oder

warum Männer sich Sorgen machen sollten, wenn ihre Frauen ihr teils unglaubliches Benehmen wortlos hinnehmen, zeigt dieser neue Roman von A.S.A. Harrison, der Überraschungserfolg aus den USA.

Ich war so gefesselt von dem Buch, dass ich bis 00.30 Uhr auf der Terrasse gesessen und gelesen habe, ich musste wissen, wie das ausgeht. Was mich daran gefesselt hat? Es ist nicht der erste Beziehungsroman, den ich lese, das ist richtig. Es ist auch nicht der erste Beziehungsroman, der abwechselnd aus seiner und aus ihrer Sicht erzählt – obwohl das schon jedes Mal einen sehr interessanten Perspektivenwechsel zeitigt. Nein, dieser Roman ist unglaublich dicht erzählt, mit einer Sprache, die teils noch ein bisschen schwächelt, aber es ist auch der erste Roman,  das wird bestimmt noch. An der Dramaturgie ist nichts zu meckern und auch nicht an der wirklich unglaublich differenzierten und in die Tiefe gehenden Darstellung der weiblichen Hauptperson. Der Mann bleibt für mich blasser und weniger erklärlich, aber vielleicht sind Männer für Frauen so?

Ach so, warum es geht, klar, das auch noch: Todd und Jodi leben seit dem College zusammen, mehr als zwanzig Jahre. Todd ist Unternehmer, Jodi arbeitet ein paar Stunden am Tag als Therapeutin, sie lieben komfortabel und zufrieden, Jodi bereitet Todd ein mehr als angenehmes Zuhause. Ja, sie toleriert seine permanenten Seitensprünge mit welchselnden, auch durchaus mal professionellen Partnerinnen. Allerdings nicht folgenlos, sie rächt sich für diese Demütigungen durch kleine Gemeinheiten. Das ist das erste Mal, wo der Leser stockt und ein ungutes Gefühl bei den ganzen unterdrückten Gefühlen dieser Jodi bekommt. Nun, es geht weiter, wie es weitergehen muss, Todd verliebt sich richtig in eine junge Frau, macht ihr ein Kind und verlässt Jodi rücksichtslos. Zudem zieht er ihr noch in weiterer Hinsicht den Boden unter den Füßen weg, indem er ihr einen Räumungsbefehl für die alleine in seinem Eigentum stehende Luxuswohnung schickt und Unterhalt verweigert. Dann stirbt Todd.

Mehr Inhaltsangabe gibt es nicht, ihr solltet dieses Buch wirklich lesen. Soweit es billig als atemberaubender Thriller gehypt wird, solltet ihr das nicht glauben, das wird diesem Buch in keiner Weise gerecht.

3 Kommentare

  • Danke, Janne, für den Buchtipp! Du machst es ja echt spannend und ich will das Buch unbedingt lesen, habe es mir in der Stadtbibliothek schon reservieren lassen. Danke überhaupt für Deine Buchvorschläge – die haben mir bisher immer sehr gut gefallen. Neulich habe ich erst Americanah von Chimamanda Ngozi Adichie verschlungen.
    Sonnige Grüße,
    Juliane

  • Das macht sehr neugierig. Es steht auch schon auf meiner Wunschliste.

  • Leseprobe für meinen Kindle bereits angefordert. Klingt toll.

    ABER: die Autorin ist Anfang 2013 verstorben, da wird leider kein weiterer Spannungsroman von ihr mehr folgen.

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