Minimalismus: wo kommt der Krempel her?

Eine sehr berechtigte Frage, die ich mir mittlerweile mit abnehmender Häufigkeit – aber immer wieder stelle. Und ich finde auch immer noch „Schmuddelecken“ wie kürzlich meine Messersammlung. Die ruhte in der Riesenküchenschublade, teilweise habe ich die Messer seit dem Kauf nie wieder angefasst. Ein paar Tipps zu Krempelkram.

Die Krempelschublade

Erwischt, oder? Die Krempelschublade (oder gleich mehrere oder Schränke oder was auch immer) ist der Ablageort für Dinge, die man nicht braucht, aber vielleicht einmal brauchen könnte. In fünf oder zehn Jahren oder nie.

Was tun? Falls es fünf Jahre sind, einen ordentlichen Platz dafür suchen, ansonsten weg damit. Man ärgert sich nämlich jedes einzelne Mal, wenn man die Schublade öffnet und die „Sammlung“ sieht.

Wegräumen

Das war für mich der entscheidende Tipp bei Marie Kondos „Magic Cleaning“ – wenn alle Dinge einen Platz haben, ist es sehr einfach, sie an genau diesem Platz aufzubewahren. Sprich: nach Benutzung wegräumen. Macht man das immer, ist insgesamt deutlich weniger zu tun. Für den Anfang empfehle ich die 2-Minuten-Regel (alles, was in zwei Minuten erledigt werden kann, sofort machen) oder einfach jeden Tag zehn Minuten damit verbringen.

Verschenken und Wegwerfen

Man hat sich endlich ein Herz gefasst, Sachen aussortiert, in zwei Haufen geteilt (verschenkbar und wegwerfen). Wunderbar.

Und dann liegen die Haufen, Stapel, Kisten, Mülltüten da. Tage, Wochen.

Ich kann verraten: längere Lagerung macht es nicht besser. Vor allem ist der schöne Aufräumeffekt nicht mehr da.

Also auch wirklich weg damit.

Geschenke

Es gibt Dinge, an denen man hängt. Diverse handgemalte Bilder von den Kindern, der Kerzenständer von einer Freundin und so weiter.

Die Frage ist: braucht man das alles tatsächlich, um sich an schöne Momente mit den Kindern oder der Freundin zu erinnern? Natürlich nicht. Ich bin an der Stelle nicht ganz so radikal und habe eine Kiste mit Erinnerungsstücken. Eine wohlgemerkt.

Ok, plus eine flache große für die Kinderbilder.

Und ich freue mich jedesmal, wenn ich dort rein schaue. Es ist nämlich kein Krempel mehr, der in Massen vorhanden ist, sondern Dinge, an denen mein Herz wirklich hängt. Ich mag das.

Nur ungeliebte Dinge entsorgen

Das ist wirklich ganz einfach. Was mir persönlich eh nicht gefällt, davon trenne ich mich schneller, als man gucken kann.

Tja, aber die Sachen, die ich mag und die ich eigentlich noch brauchen könnte. Wenn ich über die letzten zwanzig Jahre nachdenke, ist „eigentlich“ gleichbedeutend mit „nie“. Ich überlege mittlerweile bei allen Dingen, wann ich sie das letzte Mal benutzt habe. Und wann ich sie voraussichtlich das nächste Mal benutze. Das hilft sehr.

Eins rein, eins raus

Der ultimative Tipp: bei jeder Neuanschaffung muss etwas gehen. Aber jetzt keine Wattepads wegwerfen, sondern etwas Gleichartiges. Neuer Topf? Ein alter muss raus (Ausnahme: es sind maximal drei vorhanden). Neues T-Shirt? Die beste Gelegenheit, das schon unansehnliche Teil von vor zehn Jahren endlich in die Kleidersammlung zu geben. Nein, das braucht man nicht als Putzlappen,

Jeden Tag zehn Minuten aufräumen

Hier eine Rechnung, da eine Zeitung, Spülmaschine nicht ausgeräumt und so weiter. Im Ergebnis betritt man keinen aufgeräumten Ort, sondern etwas mehr oder weniger chaotisches. Und entschuldigt sich gerne mal vor Nachbarn, Freunden etc wegen der Unordnung.

Einfach mal ausprobieren, in zehn Minuten bekommt man viel geschafft. Und je mehr geschafft ist, desto einfacher wird es.

Und wie immer gilt: jeder nach seinen persönlichen Maßstäben. Das hier ist kein Dogma, sondern soll eine Hilfestellung sein, das eigene Leben zu überdenken und einfach ein bisschen glücklicher zu werden.

4 Kommentare

  • Anscheinend hat etwas mit der Kommentarfunktion nicht funktioniert, zumindest bekam ich eine Mail. Falls also jemadn noch etwas sagen möchte, ich poste es dann

  • Mich wundert gerade dass es zu dem Beitrag – zu dem ich ein de ja vu nach dem anderen hatte und auch herzlich gelacht habe / keine Kommentare gibt. Ich praktiziere einiges davon schon und habe das Glück dass mein Mann wenn ein Sack für die Kleidersammlung rum steht kurzen Prozess macht. „Schatz kann das weg?“ Äh ja eigentlich schon druckse ich dann rum… und Zack weg ist er. Die Schublade kenne ich auch- letztlich benutzen wir nur die Messer im Block und was an den Leisten hängt- obwohl noch „gut“ konnte ich mich da bessere überwinden als bei Klamotten. Die 10 Minuten Regel brauche ich nicht hab bisschen einen Putzfimmel es ist IMMER aufgeräumt und sauber- aber stimmt, wenn man es regelmäßig macht reichen 10 Minuten. Ich fand den Beitrag toll, Danke LG Alexa

  • Ich tue mich hart mit Entrümpeln .. obwohl es definitiv etwas sehr Erleichterndes und Befreiendes hat! In den belastenden letzten Jahren habe ich bemerkt, dass ich – je schlechter ich mich fühle, mich umso weniger zum Ordnen und/oder Wegwerfen aufraffen kann … und mich genau das wiederum zusätzlich buchstäblich „beschwert“. Ein Teufelskreis.

    Mir half und hilft in diesen Phasen eine Zwangs-Selbstdisziplinierung, die mir ähnlich erst vor kurzem wieder (ich glaube, eh bei Dir?) so treffend als „2 Minuten-Regel“ untergekommen ist. Alles, was in dieser Zeit weggeräumt/erledigt werden kann, wird gleich gemacht. Wenn daraus dann mehr wird, umso besser 🙂 … und so ist zumindest der Anfang, wenn jede Kleinigkeit psychologisch ein kaum bewältigbarer Kraftakt zu sein scheint, leichter!

    Ich finde den Zusammenhang zwischen äußerer und innerer „Ordnung“ (für mich!) erstaunlich … manchmal sogar ein bisschen erschreckend.

    • Natürlich gibt es diesen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Ordnung. Ich denke, dass sich bei vielen Menschen ein „angekommen“-Zustand im Inneren auch in einem „hier komme ich gerne rein“-Zustand der Wohnung wieder spiegelt. Wobei es mit Sicherheit auch welche gibt, die ein „kreatives Chaos“ brauchen, um glücklich zu sein. Da gilt der gute alte Spruch: Jeder Jeck ist anders.

      Blöd ist es halt, wenn man sich nicht wohl fühlt – und da klappt das dann auch umgekehrt. Rafft man sich auf, die Umgebung für einen selbst passend zu machen… wirkt das sehr positiv auf den Gemütszustand. Und mit den 10 MInuten kommt man wirklich erstaunlich weit!

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