Ein Bildungsroman im besten Sinne, oder

wie man Spannung und Information verbindet, wusste Yalom schon immer – er zeigt es uns mit dem Spinoza-Problem erneut und wieder anders, indem er abweichend von seinen früheren Büchern eine historische Dimension hinzufügt.

Yalom verknüpft das Leben des Philosophen Spinoza mit dem Leben Alfred Rosenbergs, des NS-Ideologen, der zeitlebens von Spinoza fasziniert war. Jahrhunderte liegen zwischen den beiden, und auch von der Persönlichkeit könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Spinoza, der eher seinen Cherem (Ausschluss aus der jüdischen Gemeinschaft aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber den Rabbinern, ihren Lehren und dem Inhalt der Thora) auf sich nimmt, als seine freigeistigen Ansichten zu verleugnen und zeit seines Lebens zurückgezogen forscht, denkt und schreibt, wird Rosenberg gegenüber gestellt, dem kleingeistigen, aufgrund seines unterentwickelten Selbstbewusstseins von Antisemitismus zerfressenen Chefideologen der Nationalsozialisten alleine von Hitlers Gnaden, angefeindet und verachtet von der sonstigen Führungsclique wegen seiner persönlichen Mängel.

Yalom gelingt es mit leichter Hand, grundlegende Bibelkritik und fundamentale philosophische Fragen in fiktiven Gesprächen darzustellen, (ohne zu verschweigen, dass Spinoza als Kind seiner Zeit fest davon überzeugt war, dass Frauen nicht so denken können wie Männer). Ebenso vermag er zumindest einen Ansatz von Verstehen für die Entstehung der kruden und menschenverachtenden Weltanschauung von Rosenberg zu wecken, ohne seine unangenehmen und erschreckenden Seiten zu beschönigen.

Ein lesenswertes Buch und vielleicht auch noch ein Weihnachtsgeschenk für anspruchsvolle Leser!

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