Lesegewohnheiten im Lauf der Zeit

Kürzlich habe ich nach gefühlten zehn Jahren wieder einen schönen Roman gelesen – mitgenommen vom Grabbeltisch, die Autorin sagte mir nichts: Maeve Binchy, wie ich dann feststellte, hat die gute Frau Millionenauflagen. Das Buch war nett und ich kam ins Nachdenken über meine Lesegewohnheiten.

Zu den goldenen Studentenzeiten war ich Stammgast in der örtlichen Stadtbücherei, die überaus netten Damen legten mir immer die Neuerscheinungen beiseite und ich hatte unendlich viel Zeit zum Lesen – zwei Bücher in der Woche waren das absolute Minimum. alles quer durch den Garten, Romane, Krimis, Thriller, Gedichte, Science Fiction. Außerdem entdeckte ich zu dieser Zeit Remittenden – Bücher für 1 DM (jawohl, ich habe in den 80ern studiert) und was gab es da für Schätze. Einige habe ich heute noch.

Später fing ich an zu arbeiten, was den Bücherkonsum auf eher ein bis zwei Bücher die Woche reduzierte, irgendwie kollidierten auch meine Arbeitszeiten mit den Öffnungszeiten der Bibliothek.

Schlimmer wurde es dann mit dem Aufkommen des Internet (da gab es ja so viel Interessantes zu lesen) und dann mit den Kindern. In der Zeit habe ich noch meine Science Fiction gesammelt (merke: da gibt es nur kleine Auflagen und wenn weg, dann weg, also schön am Ball bleiben und sammeln) und auch Krimis gelesen. Natürlich Donna Leon (wer liest das eigentlich nicht?) und mehr Mainstreamiges, Kathy Reichs, Lee Child und Co. Und jede Woche den Spiegel – so viel Zeit muss sein.

Mit der Gründung von FabForties ging es dann endgültig mit den Lesegewohnheiten bergab, zeitgleich gab es auch erheblich mehr Arbeit bei meinem „Broterwerb“ und das Ergebnis war desaströs: ich stand vor dem letzten Urlaub vor meinem Bücherregal und wusste nicht mehr, was ich mitnehmen sollte. Die Entwicklungen der letzten Jahre gnadenlos verpasst.

Und schlimmer noch: gehe ich in die örtliche Meyersche Buchhandlung, die ich sehr gerne mag, finde ich mich in Massen von Trivialliteratur wieder. „Freche Frauen“? Ach du lieber Himmel – naja, das wird nochmal ein Thema für einen anderen Artikel.

Und bis dahin werde ich mal wieder gründlicher das Feuilleton meiner Frankfurter Sonntagszeitung lesen und das eine oder andere gute Buch kaufen. Und lesen.

 

  • Die Bezeichnung „Freche Frauen“ finde ich auch unglaublich, bin schon gespannt, was Du darüber schreibst 😉 . Das englische „Chick Lit“ ist eigentlich auch nicht viel besser…

    • Nur das Allerschlimmste 🙂 diese Geschichten sind so elend vorhersagbar und flach und wenig lustig. Und immer kommt der Held als Erlöser aus welcher Situation auch immer – als wären wir noch in den 50er Jahren

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