Mit voller Wucht

Werbung! Aufgrund der aktuellen Rechtslage ist alles von (unbeauftragter) Namens- bzw. Markennennung bis zu bezahlten Kooperationen als Werbung zu kennzeichnen.

Bisher hatte die Corona-Pandemie nur relativ geringe Auswirkungen auf mein Leben. Ja, zwischendurch war ich mal auf der Suche nach Toilettenpapier und bei Aldi habe ich mal in der Schlange draußen vor der Tür gestanden. Aber bei uns im engsten Kreis war bisher niemand krank, im Bekanntenkreis hatte ich eine ziemlich hohe Quote von mind. 10 bestätigten Fällen, gestorben ist glücklicherweise niemand.

Mein Job ist nicht bedroht, eher mehr als weniger Arbeit. Ok, ich habe mich ziemlich über die Sache mit Paula’s Choice geärgert, aber eher über die Art und Weise als den finanziellen Verlust. Ihr kauft zwar einiges ein, aber wir sprechen hier ja nicht von tausenden Euro, die jetzt nicht mehr über die Affiliate Links bei mir ankommen. So etwas passiert.

Mein Leben war eigentlich wie immer, vielleicht mehr Stress und Hektik durch Home Office und die unzähligen Telkos. Ich lese mehr als früher beim Spiegel, der Zeit und versuche zu verstehen, was da vorgeht. Aber bisher: soweit alles ok. Keep calm.

Bis vorgestern Abend 19 Uhr.

Ich bin Dienstagabend noch nach München geflogen, das Projekt läuft langsam wieder vor Ort los. Also wie immer Koffer gepackt (war etwas seltsam nach fast drei Monaten und prompt habe ich mein Nachthemd vergessen) und auf zum Düsseldorfer Flughafen.

Dort bot sich mir folgendes Bild:

Sogar die Raucherecke war sauber, ordentlich und – verlassen

Ich war schockiert, traurig und es fühlte sich extrem seltsam an. Am besten trifft es ein englisches Wort: scary.

Denn auf einmal war die Krise da, direkt vor mir und ich mittendrin. Der Flughafen wie ein totes Tier. Ein Ort, der normalerweise vibriert und voller Leben ist. Im Koma.

Und jetzt (wenn ihr das lest gestern Abend um 11) sitze ich in meinem üblichen Hotelzimmer in meinem üblichen Hotel. Ich habe immer dasselbe Zimmer, Service für Stammgäste und bin immer noch fassungslos.

Heute Mittag sprach mich ein Kollege an, den ich morgens beim Frühstück getroffen hatte und fragte, ob es mir gut ginge. Meine Stimme hätte sich heute morgen so seltsam angehört. Ja, mir ist auch seltsam.

Das sind keine Nachrichten von irgendwoher. Das betrifft massiv mein Leben, wird Auswirkungen auf meine Kinder, den tollen Mann, meine Freundin, meine Mutter und alle anderen Freunde und Bekannten haben.

Mit voller Wucht ist Corona und die neue Realität bei mir angekommen.

PS: als rheinische Frohnatur und ewige Optimistin habe ich letztes Wochenende zwei Wochen Ferienhaus in der Provence für den Sommer gebucht – ich lasse mich doch nicht unterkriegen. Da muss schon mehr kommen.

PPS: nächste Woche fliege ich wieder.

39 Kommentare

Kommentieren →

Mir fehlen die Worte!!!

Was sagt man da, Alles Gute? ToiToiToi?
Ich hoffe, es wird nicht so schlimm!!!
Arme Irit!
Werde wieder gesund!
Weißt du, wo du es her hast?

nein, kein Corona, keine Panik – ich bin nur immer noch geschockt, weil ich die Folgen der Pandemie dann tatsächlich gesehen habe

Irit, ohje, tut mir leid. Ich habe noch einmal gelesen, ich verstehe den Text immer noch so, dass du es hast. So entstehen Missverständnisse. Aber ich bin froh, dass es dir gut geht!

Guten Morgen Irit,
dieses beklemmende Gefühl hatte ich eher am Anfang des Lockdown und dann in Wellen, so als ob sich das Bewusstsein im Schockzustand abschottet. Es kommt einem surreal vor und man kann es nicht begreifen-wie bei anderen Schicksalsschlägen. Mein Schlüsselerlebnis war eine leere Innenstadt beim Spaziergang am ersten schönen Tag des Jahres. Die Menschen trauten sich nicht mehr an die frische Luft zu Anfang und überall gingen die Bilder und die Angst vor Bergamo um. Dann Anfang April musste ich für 2 Arzttermine in eine andere Stadt- leere Shoppingmall, das Durchschleusen beim Termin im Krankenhaus…
Und natürlich die ersten Securities beim Einkaufen, die einfach da waren, so als ob jeden Moment etwas eskalieren könnte, die waren sehr schockierend für mich.
Ich glaube, dass noch niemand sich genau ausmalen kann, wie sehr das unsere Gesellschaft und jeden einzelnen traumatisiert hat und es noch tut. Deshalb ist es gut, dass du deine Gefühle in Worte packst und mit uns teilst – danke dafür.
Im Moment lebe ich nach Möglichkeiten normal und gehe auch essen, damit meine Lieblingslokale durchhalten. Und ich freue mich, dass die Tanzschule wieder öffnen darf.
Liebe Grüße Christine

Bei mir in Virginia war der Pandemie Schock sofort zu sehen. Ich wohne in Amerika. 24/7 Aktion. Auf der anderen Straßenseite befinden sich alle Geschäfte die man sich vorstellen kann (alles für mich zu Fuss erreichbar) von einem Tag auf den nächsten, alles zu! Ich lief zwei Monate mit dem Hund mitten auf der Straße weil Totenstille herrschte. Das hätte kein Netflix Thriller besser gefasst…dieses Gefühlsgemisch…zwischen “Wow, ist das cool!” und “Oh, mein Gott!” Man steht draussen und weis es gibt eine Gefahr. Doch sie lässt sich nicht hören, riechen oder fühlen, bis sie einen packt. Wirklich seltsam! Hier machen die Geschäfte langsam wieder auf. Mein Verhalten jedoch hat sich komplett verändert. Ich gehe alle 14 Tage mit Maske zum einkaufen (muss nur über die Straße und schiebe den Einkaufswagen dann direkt zum ausladen in meine Garage). Ansonsten dreimal die Woche zur Post (mein ebay Geschäft läuft noch so-so). Das wars! Alles andere wird bestellt. Bei Target (kennt vielleicht der ein oder andere) bestelle ich alles für den Haushalt (Putzmittel, Waschpulver, Bodylotion) und vier Stunden später fahre ich hin, parke, und mir werden die Sachen ins Auto geladen (passiert alles über eine App, das ist shoppen im 21 Jahrhundert!!) Essengehen war noch nie unser Ding. Wir laufen sehr, sehr viel, und generell habe ich mich mit dem “New Normal” abgefunden. Die Geschäfte machen nun früher zu, es herrscht etwas weniger Hektik, und darüber bin ich sehr, sehr froh. Sommerurlaub machen wir keinen. Unsere Vorfahren haben sehr viel schlimmeres erlebt. Was jetzt passiert werden wir auch überstehen, irgendwie.

Liebe Irit,
das Reisen ist spooky und die Stimmung teils scary. Wir sind vor zwei Wochen von München auf eine Nordseeinsel gefahren. Der Urlaub war seit einem Jahr geplant und irgendwie waren wir froh, mal rauszukommen. Es hat etwas gedauert, diese neue Stimmung zu verarbeiten. Man muss sich an vieles gewöhnen und von alten Ritualen verabschieden. So verlief das Begrüßen der Verwandten aus der Ferne, ohne Bussi links und rechts. Umso irritierender finde ich dann Gruppen von Menschen, die eindeutig kein Haushalt sind und die Abstandsregeln ignorieren bzw. die Regeln des Bundeslandes. Da fürchte ich ein erneutes Schließen der Restaurants usw. Aber: auch ich hoffe auf den Sommerurlaub in Cornwall. Auch schon vor langem gebucht….
Alles Gute

Bei mir ist es genau umgekehrt. Mich hat es am Anfang mit voller Wucht getroffen, weil unser Alltag plötzlich auf Stillstand und unser wuseliger Berliner Kiez wie ausgestorben waren. Dann hatte ich noch mal vor ca. 1,5 Monaten eine care Krise, als ich irgendwo las, dass historisch gesehen Pandemien im Schnitt 2-3 Jahre andauern. Aber inzwischen geht das Kleinkind wieder in die Kita, ich ab und zu auch wieder ins Büro, draußen wuselt das Leben, ich hab die Urlaubsplanung umgestellt und irgendwie haben wir uns in dieser neuen Normalität eingerichtet. Nur dass ich meine Familie in München so lange nicht sehen kann (5 std. mit Mundschutz im Zug und all die Ansteckungsrisiken sind mir dann doch etwas zu beängstigend), das schmerzt mich sehr. Ich wünsche
Die, dass der Schock bald abflaut.

Bin etwas irritiert… Leere Flughäfen waren doch zu erwarten?!
Für mich las sich Dein Post zunächst auch so, als wärst Du ernsthaft erkrankt. An business as usual am Flughafen kannst Du während einer Pandemie nicht wirklich geglaubt haben — oder?

Erschreckend für mich ist, dass wir bis in die Tiefen unserer Existenz vom System Kapitalismus abhängig sind. Das mit eigenen Augen zu sehen, finde ich, ehrlich gesagt, hilfreich. Das Konsumrad dreht sich und dreht sich und dreht sich und alle drehn sich mit. Wenn es anhält –, checken wir erst, wo wir da überhaupt drin stecken. DAS wollen wir? SO wollen wir leben? Ja, diese Fragen können scary sein. Und sie sind verdammt nötig. Ich wünschte mir wirklich, die Leute würden sich nicht nur über ihren nächsten Urlaub Gedanken machen.

Ja, ich glaube ich sehe das auch so. Gut, dass Du einen Realitätscheck hattest – so viele Leute nehmen die Pandemie nicht ernst. Damit werfe ich Dir nicht vor, Dich nicht an die Regeln zu halten oder sonstiges – aber ich finde es schon oft erstaunlich, um welche Sachen (Erhältlichkeit von Kosmetika, der nächste Urlaub) sich momentan Leute Sorgen machen. Uns geht es in Deutschland ehrlich unglaublich gut – sobald man internationale Nachrichten liest, bekommt man mit, wie furchtbar die Auswirkungen der Pandemie in anderen Ländern sind (und uns trifft es wirtschaftlich gesehen ja auch). Schau mal bei der NewYorkTimes rein – die haben alle Corona-Artikel frei zugänglich gemacht, man braucht also kein Abo.

Hello from the other side…. und einen wunderschönen Tag aus Kapstadt!
Bitte glaubt mir, Ihr wollt nirgendwo anders sein als in Deutschland. Wir hatten 65 Tage eine absolute Ausgangssperre. Ja, das gibt´s! Ich habe es prima überlebt … in der Luxusvariante mit Homeoffice, einem Grundstück, auf dem man sich bewegen kann, netten sportlichen Workouts und vielen guten Büchern und einer Sondergenehmigung für tägliche Einkäufe für ältere Menschen in meiner Nachbarschaft. Ich durfte also raus. Der Alltag hier sieht aber für gewöhnlich ganz anders aus, es geht nämlich um das blanke Überleben: die Menschen hockten während des Lockdowns zusammen in klitzekleinen Behausungen, das Einkommen brach von heute auf morgen weg, angeblich versprochene Care-Pakete sind nie bei Bedürftigen angekommen, vor Hunger haben die Menschen Geschäfte geplündert, und, und, und. Zigaretten gibt es bis heute nicht zu kaufen, Alkohol seit wenigen Tagen jedoch schon.
Seit Montag dürfen wir nun wieder raus und teilweise auch zur Arbeit gehen und es haben mehr Geschäfte geöffnet als nur der Supermarkt. Dieses beklemmende Gefühl habe ich auch, wenn ich an inzwischen jeder Straßenkreuzung bettelnde Kinder sehe. Ganz fürchterlich.

Mir steht gerade auch nicht so der Sinn nach Konsum. Trotzdem verschlinge ich jede Produktempfehlung von Irit! Bitte weiter so!
Liebe Grüße
Carola

Nur um das klar zu stellen: Ja, ich lese auch sehr gerne weiterhin Produktempfehlungen und solche Sachen – einfach, um zumindest einen Teil der vertrauten Leichtigkeit beizubehalten. Aber trotzdem finde ich, dass man sich momentan öfter vergegenwärtigen sollte, dass das Leben halt gerade nicht normal ist (was einfach zu manchem Verzicht führt), und dass es uns in Deutschland verhältnismäßig unglaublich gut geht und wir uns über Luxus-Verzicht echt nicht beschweren sollten.

Also, „früher“ (d.h. vor Corona) bin ich ebenfalls beruflich viel gereist – meistens auch ab Düsseldorf. Ich wollte schon mal zum Flughafen hin, um ihn mir einmal in der aktuellen Situation anzuschauen – ich weiß, dass das Blödsinn ist – aber irgendwie wollte ich mir die Situation vor Ort doch einmal selber anschauen.
Mir ist bewusst, dass viele Menschen erkrankt waren oder sind (auch in meinem Bekanntenkreis ist der Skiurlaub in Österreich nicht ohne Folgen geblieben) und dass für viele Menschen die wirtschaftlichen und persönlichen Belastungen immens hoch sind.
Aber dann laufe ich an Pfingsten durch Düsseldorf oder lasse mir von den Holland Touren erzählen – und es ist, als ob nichts vorgefallen wäre.
Ich glaube, dass wir mit diesen Gegensätzen noch länger umgehen müssen – und es uns mehr bewusst wird, in was für einer guten Situation wir uns – im internationalen Vergleich – befinden.

P.S. Das Reisen vermisse ich aber trotzdem

Nüchtern betrachtet hat mich Corona privat „eigentlich“ kaum eingeschränkt.
Wir konnten zum Arbeiten gehen. Wir durften raus zum Joggen und Spazieren, was mir sehr wichtig war, gerade in dieser Zeit. Und anderen Sport habe ich eh schon immer zu Hause gemacht, von daher nix Neues.

Beruflich war es aber bei mir eine Ausnahmesituation, die mich auch privat beeinflusst hat.
Ich arbeitete mit schwerst kranken Covid Patienten.
Alles war sehr gut im Vorfeld organisiert, wir hatten ausreichend Personal, das Team (auch neu dazu gekommene) war wunderbar und die Stimmung war sehr gut. Also perfekte Voraussetzungen (von den üblichen Materialengpässen mal abgesehen), aber es war halt trotzdem sehr belastend.
Physisch und psychisch.
Es war sehr viel zu tun, aber zum Glück nicht so schlimm wie befürchtet (Italien/Frankreich).
Und dann kommt man nach einer 12 h Schicht aus dem Krankenhaus, atmet die frische Luft ein, sieht die wunderschöne Natur und denkt, dass man im falschen Film ist.
Vollkommen surreal. Von 100 auf 0 in einer Sekunde heruntergebremst.

Auf der anderen Seite sah ich die Verschwörungserzähler und Demos im TV und konnte nicht fassen wie unendlich ignorant und doof die Menschen sein können.
Die haben absolut keine Ahnung.
Ich möchte mir auch nicht vorstellen, wie das die Erkrankten im Nachhinein empfanden oder gar die Hinterbliebenen, die einen geliebten Menschen an diesen unheimlichen Virus verloren haben.

Natürlich tut es mir auch sehr leid für all die Menschen, die von heute auf morgen nicht mehr arbeiten durften, weniger/kaum Einkommen hatten, aber trotzdem weiter Ausgaben. Wie geht es mit der Wirtschaft weiter? Erholen sich die Betriebe, Gaststätten, andere Selbstständige?

Wie sehr alles miteinander verflochten ist, sollte nun klar sein. Unglaublich welche Macht dieser kleine Virus hat.
Ich hoffe sehr, dass die richtigen Lehren daraus gezogen werden und alles von der Wirtschaft, über die Gesundheit bis hin zur Umwelt berücksichtigt wird.
Im deutschsprachigen Raum bin ich zuversichtlich, andere Länder mit hohen Infektionsraten haben da sicher mehr zu kämpfen.
Und dann gibt es halt noch Länder deren Regierungschefs sich am liebsten selber reden hören, als anderen zuzuhören. Das ist fast genauso gefährlich wie Corona.

Samoa, danke für das genial treffende neue Wort „Verschwörungserzähler“! Stimmt ganz genau: Es handelt sich bei diesen seltsamen Geschichten um nichts anderes als Erzählungen… 🙂

Wir Menschen sind sehr resistent wenn wir sein müssen, ich hatte Corona und wochenlang Quarantäne, zwischendurch ging es mir seelisch und körperlich sehr schlecht. Danach sieht man vieles mit anderen Augen und sortiert die Prios neu.

Liebe Irit und liebe Hasi0815, lieben Dank. Ich war infiziert Mitte März und bin seit Mitte April für gesund erklärt. Warum schreibe ich nicht gesund? Corona hat heftige Nebenwirkungen (Herz, Lunge, Leber) und diese werden mich noch eine Weile beschäftigen.

ja, deswegen hatte ich nachgefragt. Wenn es einen blöd erwischt, dauert das sehr lange. Ich drücke dir die Daumen, dass über die Zeit alles wieder in Ordnung kommt.

Ja, und ich war keine Risikopatientin. Gesund, top fit – mehrmals die Woche Sport und sehr aktiv, unter 45, gesunde Ernährung. Damit will ich sagen, dieses Gelabber über Risikopatienten ist für die Katz. Jeder kann infiziert werden!
Liebe Hasi, ich bin schon froh, dass mein Arbeitgeber meinen jetzt vielen Ganztagsuntersuchungen verstädnisvoll gegenüber steht. Und gewiss ist nur die Ungewissheit. Meine Katze habe ich auch infiziert, damals hieß es noch, das wäre nicht möglich?! Euch alles Gute und bleib gesund!

Das hört sich gar nicht gut an, liebe ombia! Zeit, Geduld, guter medizinischer Rat, Zuversicht, liebevolle Zuwendung und Verständnis werden jetzt ganz wichtig.

Ja, das ist schon erstaunlich, was sich alles zeigen darf in dieser Zeit. Ich sortiere mich auch neu – ich habe schon lange gedacht, dass es so nicht weitergehen kann mit diesem Planeten und uns und dass sich etwas ändern muss, hätte aber nie gedacht, dass es eine Pandemie sein würde. Nun, so unlogisch ist es ja dann doch nicht – die Erde hat Fieber und bekommt keine Luft, wir sehen jetzt, wie das ist. Und wir erleben live, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wie sehr, haben wir wohl auch vorher verdrängt – es gibt keine Gefahren mehr, die uns nichts angehen, denn sie kommen auch alle zu uns. Das ist die Schattenseite der Globalisierung. Und es ist eine noch nie dagewesene Situation – wir können nirgendwo hin, um ihr zu entgehen, das unterscheidet sie vom Dritten Reich und Kriegen. Wenn wir jetzt nicht verstehen, dass jeder Mensch auf der Welt persönliche Freiheit, sauberes Wasser, genug zu essen, Bildung und Gesundheitsversorgung braucht, dann kommen noch ganz andere Erscheinungen auf uns zu. Diese Pandemie war freundlich – es gibt auch Viren, an denen innerhalb der ersten Stunden der Infektion 90 % der Infizierten sterben. Lasst uns an die Veränderung beginnen.

Ich verstehe und unterstütze den guten Willen, von nun an alles besser zu machen.

Und möchte zudem gerne ergänzen, weil mir das wichtig ist:
leider ist das Virus ’so freundlich‘, sich nicht zu erkennen zu geben und sich auf diese hinterhältige Weise weiterzuverbreiten. Denn zeigt der Wirt früh Symptome oder stirbt er früh, kann sich ein Erreger nicht dermaßen weiterverbreiten – weil er auffällt. Zum Beispiel die ganz grässliche Vogelgrippe.

Klima und SARS-Cov-2 sind wie Läuse und Flöhe – man kann beides zugleich haben, und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Kriegen und dem sogenannten Dritten Reich kann bzw. konnte auch nicht einfach jeder so entgehen.

Ich war zunächst verwirrt und dachte ich lese einen alten Beitrag von Mitte März/Anfang April. Aber wie Irit kurz erwähnte, es ist ein Unterschied zwischen rationalen Wissen und dem persönlichen erleben und natürlich dem eigenen Lebenskontext. Mich würden leere Flughäfen nicht interessieren, aber ich bin das letzte Mal vor Jahren geflogen, das pralle Leben dort ist also nicht Teil meiner Lebenswirklichkeit. Mein Aha-Moment war Anfang April, als ich meine ü80 Mutter zu mir holte. Als ich losfuhr kamen mir plötzlich Gedanken, ob die Fahrt überhaupt erlaubt wäre, würde man mich nicht auf der leeren Autobahn anhalten? Oder am Zielort aufgrund des fremden Kennzeichens? Mir hat dies vor Augen geführt, wie fragil diese Selbstverständlichkeiten sind auf die unser Leben beruht.

Wer sich kleinlich darüber beschwert, dass Gedanken über Kosmetik oder Urlaub fehl in einer solchen Lage seien, hat wohl die letzten Jahrzehnte die Berichte über Krieg, Hunger und Katastrophen ausgeblendet. Und ja, auch das ist Leben. Ich weiß über Hunger und Krieg auf der Welt und mache mir Gedanken über meine Gesichtspflege oder die Gartengestaltung und nein, ich bin deswegen nicht oberflächlich oder ignorant. Und auch ich bin nicht frei von Vorurteilen und schüttel den Kopf über das Urlaubsgeheule…mein letzter Urlaub, im Sinne von wegfahren, war vor 5 Jahren und ich lebe noch…

Ich denke, dass wir hier relativ gut wegkommen, zumindest sieht es bisher so aus.

In der Tat ist das Thema Globalisierung/Kapitalismus/Umwelt nicht voneinander zu trennen. Und natürlich wäre es sehr schön, wenn alle Menschen einen minimalen Lebensstandard hätten. Und wir ein schönes Leben führen könnten.

Dummerweise ist dieses Thema aber extrem komplex und wie immer gibt es bei komplexen Themen keine einfache Lösung. Denn seien wir mal ehrlich: auf das Internet verzichten (oder gar dafür bezahlen), weil ein irrsinniger Stromverbrauch, globale Konzerne mit Gewinnerzielungsabsicht und Verlust der Privatsphäre dahinter stehen? Nicht wirklich, oder? Und diese Liste kann man endlos fortsetzen.

Es geht nicht nur um Konsum, es geht um Lebensgewohnheiten.

Beispiel meine Fliegerei: ich arbeite in einem IT-Projekt. Ziel ist das reibungslose Handling von 10 Mio Kunden. Mag irgendjemand zehn Minuten in der Warteschleife hängen, wenn etwas mit der Stromrechnung nicht stimmt? Nein. Mag jemand 10% mehr für Strom bezahlen, damit der Service stimmt? Vermutlich auch nicht (sind ja dann die gierigen Stromkonzerne).

Im Endeffekt wird immer irgendwohin gezeigt ohne Kenntnis der komplexen Zusammenhänge – und die sieht man gerade.

Noch was von vorgestern Abend: mein erster Gedanke bei der Mehrwertsteuerabsenkung war nicht „oh prima, ich spare Geld/kann mehr kaufen“, sondern: „oh Scheiße, wie bekommen wir das so schnell ins System“. Und das wird ALLE Unternehmen betreffen.

Ach ja, ich könnte noch endlos weiterschreiben, aber ganz so einfach wie „weniger Konsum“ ist es eben nicht

Da kann ich Irit nur zustimmen, die Themen sind komplex und nicht von einander getrennt zu betrachten. Wenn wir wirklich alle mal eben so weniger konsumieren, bricht das komplette Wirtschaftssystem zusammen, da werden in nächster Zeit die Auswirkungen von weniger-Konsum-in-Corona-Zeiten live zu betrachten sein, den Anfang macht vermutlich die Autoindustrie. Und die Umsatzsteuersenkung wird ihrerseits wieder hohe Kosten für den bürokratischen Aufwand der Umsetzung verursachen, das schafft bzw. sichert allerdings auch wieder Arbeitsplätze. Ein erschöpfendes Thema…
Viele Grüße
rosalili

Das ist richtig – man kann nicht die Last der Welt auf seinen Schultern tragen, ohne sich ‚leichteren‘ Unterhaltungen zuzuwenden, und es ist nicht verwerflich.
Vieles kann man selbst auch gar nicht verändern, weil dies im Großen, der Politik, geschehen muss. Was habe ich mich früher für Umweltschutz eingesetzt, und nur Erstaunen und Kopfschütteln ausgelöst. Daraus habe ich Lehren gezogen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus – man wendet sich den angenehmen Dingen zu – und weiß um Ungerechtigkeiten etc. und tut das, was man im eigenen Rahmen vernünftig tun kann.

Genau, liebe Irit, das war auch mein erster Gedanke, wie viel Arbeit die Mwst.-Senkung im einzelnen Unternehmen bedeutet. (Der zweite war, dass dies natürlich nicht in vollem Umfang an den Verbraucher weitergegeben werden wird.)

Insgesamt glaube ich, dass man einfach an die eigene Nase packen muss anstatt die große Keule zu schwingen. Ich bin (außer bei schönem Schmuck) ein sehr sparsamer Konsument, denke ich zumindest. Ich fahre ein sehr kleines Auto, habe wenig Kleidung und neige generell zur Sparsamkeit und Minimalismus. Aber das ist mein Lebensstil und nicht der von anderen. Andererseits bin ich halt berufsbedingt zu vielen Flügen gezwungen.

Es ist schwierig.

Mmh, ich verstehe nicht so ganz, wie die letzten Kommentare zu Konsum zustande gekommen sind. Mir (und ich glaube auch Beate und Lisbeth) ging es nicht darum, Konsum zu verteufeln. Das ist nochmal ein anderes Thema. Mir ging es darum, sich jetzt in dieser Zeit vl. nicht darüber zu ärgern, dass mancher Luxus wie Urlaub und Kosmetik-Shoppen wegfällt, denn es könnte einfach so viel schlimmer sein bei uns – wie man im Ausland sieht. Das ist ein ganz anderes Thema. Ich sehe nicht so recht einen generellen Zusammenhang zwischen Corona und Konsum.

der ist relativ einfach herzustellen: es gibt immer mehr Menschen, die sich ausbreiten. Lebensräume von Tieren schrumpfen bzw. engerer Kontakt -> Viren überwinden die Grenze von Gattungen. Und da wir global unterwegs sind (wegen des Konsums und weniger Sightseeing), verbreitet es sich entsprechend.

Aber abgesehen davon: ja, es gibt deutlich schlimmeres als ein Urlaub weniger oder weniger Nachschub an K-Beauty. Da können wir alle nicht jammern.

Aaah! (handvordiestirnklatsch) 🙂 Ok, die Vermutung war mir eigentlich bekannt – aber ich hab nicht gesehen, dass das hier im Hintergrund war.

Bei diesem Virus ist es wohl so, dass man den Konsum von bestimmten Wildtieren nicht lassen konnte… 😉

Was man jetzt sehr deutlich sieht, wie die Pandemie eine Krise einer Wirtschaft auslöst, die selbst vom Konsum lebt und auch Konsum ermöglicht. Das bittere Ende kommt erst noch, denn:
Mir – und so geht es vielen im meinem Umfeld – fällt das Weglassen alter Gewohnheiten wie Urlaub, Essen gehen, Theater, Konzerte und Shoppen in solchen Zeiten auch äußerst leicht , und man sieht nach den vielen Wochen bereits, worauf es bei einem persönlich tatsächlich ankommt, doch recht deutlich (Essen gehen!). Mir fällt aber auch auf, dass viele Aktivitäten kleine Fluchten vor der Auseinandersetzung mit sich selbst sind – das ist nicht verwerflich, aber kann ein Grund sein, wieso man irgendwann deren Sinn nicht mehr erkennt. Es kann daher gut sein, dass sich durch die Umgewöhnung des Konsumverhaltens, aber auch schlicht durch das mangelnde Geld dafür die Lebensform vieler, nicht aller, etwas ändert; und das hat dann wieder wirtschaftliche Auswirkungen.

Aber der ‚alte‘ Alltag mit seinen kleinen Ablenkungen war ja keineswegs langweilig. Die jetzige Zeit ist von Arbeit geprägt, aber letztlich auch von der Langeweile, weil es wenig Variation gibt. Bei mir ist es derzeit eher eine Langeweile mit Blick auf die Qualität der Tätigkeiten neben dem Beruf, gar nicht mal die Quantität – sprich: zu tun gibt (gäbe 🙄) es genug.

Langeweile kann andererseits auch etwas sehr Inspirierendes sein. Darauf, dass sich diese Erkenntnis setzt, warte ich noch.😁

Eigene Nase vs. große Keule — hier ein interessantes Interview mit R.D. Precht zu diesem Thema: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-das-philosophische-radio/audio-welche-normalitaet-wir-wollen-100.html

Das Vertrauen in die eigenen Nasen hat in den letzten vierzig Jahren dies gebracht: nichts. Unser Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, w i r d sowieso zusammenbrechen. Erste Bereiche tun es bereits, Beispiel: Forstwirtschaft. Corona war doch nur ein kleiner (!) Warnschuss. Wollen wir aufwachen? Genauer hinsehen? Unsere Werte prüfen?

Wirkliche Veränderung tut immer weh. Ich für meinen Teil ziehe bewusste Entscheidungen dem Hineingeworfen-Werden in den Schlamassel vor. Aber wir können natürlich (wieder) warten, bis wir überhaupt keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr haben.

Ja, es ist wahnsinnig, beinahe unvorstellbar komplex. Alles. Weil es um die Welt geht! Ist das ein Verhinderungsgrund? Unsere Ausrede? Das wollen wir unseren Enkelkindern sagen: „Es war einfach zu schwierig, den Planeten nicht kaputt zu machen.“??!

Warum macht das hier niemanden wütend.

Tja, ich würde sagen, darauf gibt es sehr viele Antworten. Weil man die Lage nicht versteht (würde ich von mir auch nicht unbedingt behaupten), weil es sehr schwer ist Gewohnheiten zu ändern (hatten wir schon), weil wir unseren Wohlstand nicht aufgeben wollen (trifft bei mir definitiv zu), weil weil weil.

Ich stimme auch nicht mit deiner Analyse überein. Forstwirtschaft ist mit Sicherheit schwieriger, aber Kohle und Stahl waren auch schwierig oder sind es noch. Ich glaube auch nicht, dass unser Wirtschaftssystem zusammenbricht – warum sollte es? Es wird sich ändern, so wie es sich seit den frühen Tagen des Manchester Kapitalismus immer wieder geändert hat. Vermutlich auch massiv ändern. Aber vor dem Zusammenbruch kommt immer noch die Findigkeit der Menschen. Funktioniert seit tausenden von Jahren in allen Situationen. Und Sozialismus ist offensichtlich keine Alternative – hat noch nie funktioniert und tut es bis heute nicht (s. Nordkorea und Venezuela).
Aber apropos Menschen: von denen gibt es eindeutig zu viele – aber daran etwas zu ändern hat noch nie funktioniert. Religiöse Eiferer, archaisch-chauvinistische Systeme und so weiter. Selbst China hat es mit der brutalen Ein-Kind-Politik nicht geschafft, die Bevölkerung konstant zu halten.

Ein Haufen Probleme und es gibt keine Lösung. Nur stetigen Wandel. Und der ist da: vor einem Jahr hätte es definitiv eine Abwrackprämie für Verbrennungsmotoren gegeben. Es HAT sich etwas geändert.

Schreibe einen Kommentar