Helene Hegemann kann doch schreiben, oder

der erste Eindruck trog nicht. Axolotl roadkill war toll, aber hinterher hieß es ja, das sei alles abgeschrieben aus blogs und Artikeln. Nun, das sei dahingestellt, aber mit  „Jage zwei Tiger“ ist klar, dass die Autorin schreiben kann, und wie.

„Jage zwei Tiger“ erzählt mit ungeheurem Sprachaufwand von ein paar Jugendlichen und ihrem Versuch, eine eigene Haltung zur Welt einzunehmen, allen voran Kai und Cecile. Kai ist Halbwaise, nachdem er mit elf Jahren den Tod seiner Mutter erleben muss, weil Jugendliche von einer Brücke einen Stein auf ihr Auto warfen. Cecile leidet hauptsächlich unter unfassbarer Wohlstandsverwahrlosung, ihre kaum vorhandenen ultrareichen Eltern haben sie stets und ständig abgeschoben, mit viel Geld versorgt, aber kaum je angeschaut (das neue Haus ist so groß, dass die Mutter der Tochter eine sms schickt, wenn sie zum Essen kommen soll, samt Wegbeschreibung).

Kai und Cecile treffen sich abgesehen von vielen anderen Erzählsträngen schließlich, weil sie die Geliebte seines Vaters wird, und werden ein Liebespaar.

Soweit der plot, der zwar irrsinnig im besten Sinne der Erzählkunst ist, aber nicht das Spannende an diesem Buch. Gefesselt hat mich die wütende Darstellung einer Pseudowelt, in der Erwachsene keine Sicherheit geben und keine Vorbilder sind und es den Kindern in aller ihrer zerstörerischen Macht über ihr eigenes Leben überlassen bleibt, einen Sinn darin zu finden. Oder eben auch nicht.

Sehr sehr sehr lesenswert, und nicht von einigen Längen im Mittelteil abschrecken lassen, es lohnt sich!!

Ein Kommentar

  • Die Diskussion um das Erstlingswerk hat bei mir einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Das waren ja , nach all den Lobeshymnen, schon harte Vorwürfe, (deren Berechtigung ich nicht nachprüfen konnte).
    Das neue Buch werde ich mir bestimmt anschauen. Ganz herzlichen Dank für den Hinweis, liebe Janne.

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