Der angeblich gefeierte Roman „Ich will schlafen“ oder

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ein Buch, das ihr euch lieber sparen solltet, den neuen Roman von Helen Walsh nämlich. Hochgelobt von Kritik und Presse habe ich ihn auch bestellt, denn angeblich ist „so rührend, knallhart und realistisch“ über „Geburt und Mutterschaft noch nicht geschrieben worden „, so jedenfalls die Meinung von Charlotte Roche.

Also entweder hat man Frau Roche dezent erpresst, dieses Statement abzugeben, damit im Gegenzug auch mal jemand sowas Nettes über ihr nächste Werk sagt, dabei veröffentlicht sie gar nicht bei dem Verlag. Oder Frau Roche hat andere Vorstellungen als ich über eine realistische Darstellung von Mutterschaft und Geburt.

Rachel ist Anfang dreißig, arbeitet als Sozialarbeiterin und hat nie ganz verwunden, dass ihre Mutter früh verstorben ist und ihr Vater sich wieder gebunden hat. Sie wird schwanger, ohne dies dem Vater mitzuteilen, und will das alles alleine durchziehen. Nun, das kann ich als dreifache Mutter sagen, das ist ein ziemlich kurzsichtiger und wenig tragfähiger Beschluss. Sie bringt ihr Kind mehr versehentlich alleine zu Hause zur Welt und damit verabschiedet sie sich aus dem normalen Leben.

Von das an fühlt sie sich von den anderen Müttern im Krankenhaus, den Kinderschwestern, den Hebammen, ihren Bekannten gemobbt, wenn das Kind schreit, denkt sie, er hasse sie, sie hat Halluzinationen und Selbstmord- und Mordgedanken. Soweit, so schlimm.

Nun sollte man doch meinen, dass eine ausgebildete Sozialarbeiterin in der Lage sein sollte, die (zahlreichen!) Hilfsangebote anzunehmen oder zumindest spätestens dann, wenn sie in ihrem nahezu psychotischen Zustand ihre Wohnung verwüstet, ihr Kind im Winter auf der Straße im Kinderwagen schlafen lässt, während sie selbst nicht mehr weiß, wie das passiert ist, um Hilfe bittet. Weit gefehlt, selbst als sie merkt, dass sie ihre verstorbene Mutter als junge Frau getroffen und für real gehalten hat, schweigt sie und bringt dadurch sich selbst und vor allem ihren Sohn in reale Lebensgefahr. Selbst wenn das so passiert wäre, würde ich mich an Stelle der Autorin schämen, mich so eigensinnig (ich!kann!das!alleine!!) verhalten zu haben.

Ich fand das Buch übertrieben, hoffentlich lesen das keine jungen Frauen, die noch überlegen, Kinder zu bekommen, und ich hätte die Protagonistin oft genug gerne geschüttelt und gefragt, ob sie den Schuss nicht gehört hat. Abgesehen von dem flüssigen und durchaus lesbaren Schreibstil: ein furchtbares Buch, bitte nicht lesen, ich war den ganzen Tag deprimiert.

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