Winterkrieg, ein jahreszeitunpassender Buchtitel, oder

warum das Buch trotzdem gelesen werden sollte: Es ist nämlich richtig gut. Ich mag skandinavische Literatur mit Ausnahme der brutalen Thriller ohnehin sehr gerne, man denke nur an Knausgard, und Philip Teirs Winterkrieg ist auch so ein gutes Buch.

Ein Gesellschaftsroman aus Finnland: ein zeitloses Bild derer, die alles haben und gerade deshalb nicht glücklich sein können. Max Paul ist Soziologe an der Universität von Helsinki und zugleich erfolgreicher Buchautor. Sein akademisches Steckenpferd sind Sexualität und Ehe – während wie so oft seine eigene Ehe ein einziges Minenfeld ist, auf dem sogar der Besuch von einem Abendessen bei Freunden zu unerfreulichen Auseinandersetzungen führt. Während Max und seine Ehefrau Katriina in eine immer tiefere Krise geraten, hadern auch ihre erwachsenen Töchter mit ihrem jeweiligen Lebensmodell: die Lehrerin und zweifache Mutter Helen genauso wie die Kunststudentin Eva, die mit knapp dreißig ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Als Eva eine Affäre mit ihrem Dozenten anfängt und Max eine mit einer jungen Journalistin, spitzt sich in einem kalten Winter in Helsinki die Situation der Familie Paul zu. Ein brillant erzählter, psychologisch raffinierter Gesellschaftsroman über eine globale Mittelschicht auf der Suche nach dem Lebenssinn, hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Unabhängigkeit und der Sehnsucht nach Sicherheit. Und mit einer bemerkenswerten Unfähigkeit zur konstruktiven Auseinandersetzung.

Sehr lesenswert, ich habe mich kaum davon losreißen können.

 

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