Familie und Beruf – die (gefühlt) 3854.te

Das Thema bleibt einfach spannend. Wir haben schon viel dazu geschrieben und oft darüber diskutiert. Machen wir das doch einfach nochmal…

Auslöser für neuerliche Gedankengänge war dieser Artikel. Da wird nämlich explizit darauf hingewiesen, dass Frauenförderung nicht gleich Mütterförderung ist. Dem kann ich nur zustimmen. Die Kitadiskussion ist nett, aber mit der Grundschule wird das Chaos größer und auf der weiterführenden Schule geht es ohne Eltern eigentlich nicht.

Da wird dann Sheryl Sandberg zititert:

„College-Absolventinnen befürchten heutzutage wieder, dass beides nicht zusammengeht: Kinder und Karriere. Das lässt sie zögern.“

Nun ja, seien wir ehrlich: es geht auch nicht. Außer man hat einen Ehegatten, der mehr oder weniger zu Hause bleibt und sich kümmert. Also das Männermodell.

Ich habe lange Zeit gedacht, man könne alles unter einen Hut bringen. Kann man nicht. Eine Woche hat 168 Stunden, egal, was man macht. Zieht man die notwendigen Zeiten für Schlaf, Körperhygiene etc ab, kann man sich halt überlegen, in was man seine Zeit investiert. Karriere geht nur mit mehr oder weniger gewaltigem Einsatz. Jahre und Jahrzehnte mindestens 60 Stunden die Woche zu arbeiten ist an sich schon anstrengend. Kinder sind an sich aber auch anstrengend. Es geht (zumindest für einen allein) einfach nicht zusammen. Und wenn ich so sehe, was Männer heutzutage in Sachen Haushalt und Kinder leisten – ist das nicht weit entfernt von alleinerziehend.

Natürlich gibt es da sehr löbliche Ausnahmen (meine zum Beispiel), aber wenn ich z.B. im Kollegenkreis schaue, gibt es da viele Herren, die die „Kinderarbeit“ nur zu gerne ihrer Frau überlassen – die natürlich max. halbtags arbeitet.

Womit wir beim nächsten Thema wären, das unmittelbar damit verknüpft ist. Das liebe Geld. In der aktuellen Brigitte Woman ist es die Titelstory, die vielen Frauen, die künftig mit sehr wenig Rente leben müssen.

Da kann man sich auf den Standpunkt stellen: selbst schuld. Gilt mit Sicherheit auch zum Teil, insbesondere bei fortgesetzter Blauäugigkeit in Sachen Finanzen.

Aber mich beschleicht der Eindruck, dass die Frauen mal wieder die Verlierer sind. Wir sollen arbeiten (möglichst Vollzeit) und Kinder bekommen (möglichst viele – potentielle Rentenzahler!). Machen wir letzteres nicht, sind wir egoistische Zicken, machen wir ersteres nicht, blöde Hausfrauen (ja, ja, ich gebe es zu, sage ich auch gern, aber mehr, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie man im Haushalt dauernd den Tag rumbringen kann ohne wahnsinnig zu werden vor Langeweile) und machen wir beides, sind wir Rabenmütter.

Ich will kein Depp sein. Ich möchte das auch nicht bei anderen Frauen. Wieso sagte neulich eine Freundin zu mir (beruflich SEHR erfolgreich): ach, weißt du, wenn ich auf Kinder verzichtet hätte, hätte ich beruflich doch noch ganz andere Sachen erreichen können.

Mir passt das alles nicht und derzeit stehe ich in wildem Gedankenwirrwarr vor der Situation.

14 Kommentare

  • Schönen guten Morgen!
    Eigentlich bin ich hier „stummer Gelegenheitsleser“, aber jetzt muss ich doch mal einen Kommentar schreiben:
    Genau so ist es.

    Von außen betrachtet sieht das auch bei uns ganz gut aus – ich arbeite viel und erfolgreich, beim Gatten hatte ich auch Glück (ein Top-Männchen, durchaus willig, sich im Alltag einzubringen – klappt aber leider auch nicht wirklich, weil auch er beruflich sehr stark eingespannt).
    Dilemma: Beiden macht der Job Spaß – und die Option, Vollzeit zu Hause eingespannt zu sein, ist für mich kein bisschen attraktiv. Da geht’s nicht um die Wertigkeit, sondern schlicht um den Inhalt – mein Chef war damals so weitsichtig, mich nach der Geburt des ersten Kindes gar nicht unnötig lang pausieren zu lassen und hat mich damit ganz bestimmt vor einer postnatalen Depression bewahrt.

    Mein großer Gedankenfehler war die Idee: „Die müssen nur größer werden“. Für unsere Situation muss ich leider sagen, dass das nicht zutrifft. Es war rückblickend bedeutend einfacher, zwei kleine Kinder (sprich: Baby und Kindergarten ) „wegzuorganisieren“, als es nun mit Grundschulkindern ist. Wußte ich allerdings damals gar nicht zu würdigen… Zunächst stand eher die Logistik im Vordergrund, da sind familiäres Netz und Support durch die Haushaltshife perfekt. Aber jetzt? Zunehmend wir doch der konkrete Ansprechpartner gewünscht, und das nicht irgendwann, wenn man nach ein paar Tagen reisebedingter Abwesenheit mal wieder mit am Tisch sitzt. Mir graut vor dem jetzt anstehenden Wechsel auf’s Gymnasium, ich erwarte nicht, dass sich das dann erledigt. Und nebenbei bemerkt: Wir haben zwei absolut pflegeleichte Exemplare. Wie soll das denn laufen, wenn mal jemand Schwierigkeiten hat und mehr Unterstützung benötigt? Keine Ahnung.
    Mal abgesehen davon, dass ich als Mutter auch involviert sein MÖCHTE – so wie man den Anspruch hat, im Job gute Leistung zu liefern, gilt das doch auch für zu Hause, oder?

  • Ich habe mir auch schon oft Gedanken über das Thema gemacht. Schon in meiner Diplomarbeit zum Thema Frauen- und Familienpolitik kam ich zu demselben Schluss wie Du: Frauen haben in jedem Fall die A****karte gezogen. Zumindest in Deutschland. In Frankreich sieht das ganz anders aus, da funktioniert die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, einfach, weil die Kultur anders ist. Und auch hier in der Schweiz (ich lebe in Zürich) ist es ganz normal, dass Mütter arbeiten, und man kann auch mit einem Arbeitspensum von 80%, in manchen Fällen sogar 60% eine sehr ordentliche Karriere hinlegen. Ich glaube, vieles beginnt im Kopf. In Deutschland ist eine berufstätige Mutter eine Rabenmutter. In Frankreich gibt es nicht mal einen Begriff dafür…

  • Christiane

    Danke für den ehrlichen Beitrag, bin selbst betroffen, meine Tochter ist zwei Jahre alt und irgendwie schaffe ich die Kurve nicht, bei meinem 1.Sohn vor 14 Jahren, habe ich durchgearbeitet, diesmal fehlt mir der Drive, auch da die kleine ein paar mal krank gewesen ist. Aber dafür darf ich mir dann von meinem Ehemann anhören, dass ich zu teuer (im Monat), bin. Ein schlimmes Gefühl…vor allem, da mir Unabhängigkeit sehr wichtig ist! hoffe bekomme es im Sommer hin, da beginnt der 35Std. Kindergarten!

  • Hier einige Schlaglichter aus meiner Erfahrung (2 erwachsene Söhne, 2 Enkeltöchter – der Hammer!): dieses Vollzeitmodell= 40 Std-Woche ist nicht mehr angesagt – auch von dem was in der Zeit geleistet wird (Verdichtung). 25 -30 Std sind genug (da gehts dann weiter mit der Entlohnung/Mindestlohndebatte). Die Verantwortung für Kinder gehört auf alle verteilt; mit unterschiedlichen Ansätzen, durchaus auch finanziell aber eben auch mit personellem Beitrag. Es gibt einige Menschen ohne Kinder, die gerne viel mehr Anteil nehmen würden. Kinder gehören einfach mit dazu, jedeR profitiert davon (siehe Irits Beitrag), aber als Eltern, Mutter hat mensch die A..-Karte. Da kommen wir schnell zu der Diskussion, was eigentlich überhaupt der Beitrag jeder einzelnen für die Gesellschaft ist, die aktuellen Steuerhinterziehungen stehen ja genauso für absolut unsoziales Verhalten. Deutschland ist ein reiches Land, dieses unselige Verteilen von unten nach oben entsolidarisiert auf der ganzen Linie. Ein Gegensteuern wird Generationen benötigen und betrifft uns alle. Leider sehe ich derzeit auch nicht, von wem und welcher gesellschaftlichen Gruppierung das ausgehen könnte, ich versuche daher konkret bei meinen Enkelinnen präsent zu sein.

  • Ich glaube auch, dass diese Vereinsamung der Kleinfamilie ein großer Teil des Problems ist. Es gibt keine selbstverständliche Gemeinschaft mehr, in der Kinder eben auch aufgefangen werden, auch wenn es um Hausaufgaben oder Ansprache geht. Aber so ist es nun mal geworden, da können wir nichts dran ändern. Ich erlebe auch immer noch sehr viel, dass Männer nicht das mindeste Interesse an einem Systemwechsel haben, warum auch, schließlich geht es ihnen mit dem bestehenden Zustand doch sehr gut. Ich kann meinen Töchtern und ihren Freundinnen nur anraten, einen Beruf zu wählen, der erstens familienfreundlich ist und zweitens notfalls ermöglicht, auch alleine über die Runden zu kommen. Auf die Gesellschaft kann frau sich nicht verlassen. Und wir leben hier schon auf der Insel der Seligen in Berlin, weil die Betreuungsangebote erstens vorhanden und zweitens bezahlbar sind…

  • Ach, ich könnte auch Bücher schreiben zu diesem Thema. Ich habe drei Kinder allein aufgezogen (heute sind sie 25, 25 und 23 Jahre alt). Dabei hab ich immer gearbeitet, zunächst Teilzeit – auch weil „damals“ die Betreuungsangebote noch nicht so vielfältig waren wie heute. Der wichtigste Grund war aber, dass ich meine Kinder nicht ständig wegorganisieren wollte sondern an ihrem Leben teilhaben wollte. In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich damals gedacht, dass ich beruflich durchstarten kann wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind. Grosser Fehler! Ich arbeite zwar seit 7 Jahren Vollzeit aber karrieretechnisch tut sich, trotz grossem Einsatz meinerseits nicht viel.
    Man kann eben nicht alles haben, das ist klar. Aber warum kann man nicht erst das eine und dann das andere haben? Wieso wird man so ausgebremst, nur weil man den Karriereteil ein bisschen nach hinten verschiebt?
    Ich bereue meine damalige Entscheidung nicht, hätte allerdings nicht gedacht, dass sie so endgültig ist.

  • ich finde es immer wieder erstaunlich, wieviele unterschiedliche Facetten zu einem Thema hier in den Kommentaren kommen – DANKE

    Ich habe ein ähnliches Problem wie Michaela, ich habe die Kinder aus heutiger Sicht zum denkbar blödesten Zeitpunkt bekommen und aller Einsatz der letzten Jahre konnte diese „Scharte“ nicht auswetzen.

  • Im Einzelhandel war das ganz furchtbar einfach
    a) bis 30, oh Gott, die wird ja wohl bald schwanger und geht
    b) über 30, morgen fällt sie aus Altersschwäche tot um oder kriegt Rheuma
    c) Teilzeit ist per se des Teufels
    d) sagen wir aber alles nicht, sollen sie sich doch ein Bein ausreissen, Hauptsache, dem Vorstand gehts gut.
    Meine damaligen Kollegen haben mit ihren Kinderjahren größte finanzielle Probleme, es tut mir einfach weh, wenn Frauen so viel Energie, Disziplin und Liebe aufbringen und dann förmlich im Alter verrecken!
    Inzwischen bin ich kinderlos selbstständig und geniesse ganz entspannt mein Leben, aber die Jahre bis 30 haben mir rentenmäßig rein garnichts gebracht, lege jeden Groschen für später beiseite.

  • Leider hat sich nicht viel in den letzten Jahren vezüglich Frauen-, Familienförderung getan.
    Mein Sohn wurde 1987 geboren, kam mit drei in den Kindergarten und danach in die Schule.
    Bis heute hat sich positiv geändert, Grundschule mit Betreuung am Nachmittag und ach ja das Recht eines jeden Kindes auf ein Kindergartenplatz. Soweit so gut. Ich für mich habe festgestellt, dass ich hätte gut an meiner Kariere basteln können als unser Sohn 13, 14, 15 Jahre alt war. Leider gab es keine Betreuung am Nachmittag. Und das ist bis heute so geblieben.
    Mich beschleicht das Gefühl dass das so gewollt ist. In der letzten prägenden Jugendphase unserer Kinder, Pupertät, gibt es keine Betreuung bzw Ganztagsschule. Nur im europäischen Ausland zu finden und da ist bekanntermaßen die Frauen sowie die Männer am basteln ihrer Kariere.
    Aus diesem Grund bin ich mittlerweile für die Frauenquote. Wenn sie kommt, muss die Politik handeln und die Rahmenvedingungen neu definieren im Hinblick auf Kinder und Jugendliche der Beruftstätigen.

    Es bleibt gespannt.
    Und JA die Frau hat die A****Karte gezogen. In den Medien wird uns leider viel zu oft vorgegaukelt dass wir gaaaaaanz alleine für unsere Misere verantwortlich sind.

  • Ich denke, dass das mit der hier vielbeschworenen miesen Karte auch nicht ganz so stimmt. Ich kenne auch eine Menge Frauen, die es sich gutgehen lassen und ihre Familienjahre genießen. Nur leider, leider kommt dann irgendwann der Tag der Wahrheit. Entweder, weil der Mann geht und die Kohle natürlich mitnimmt, ist ja schließlich auch seine. Oder weil die Kinder aus dem Haus gehen und das Leben dann doch ziemlich leer ist. Oder weil irgendwas anderes unrund läuft. Als ich jung war, dachte ich, ich kann alles. Bis ich Mutter wurde, da war es vorbei mit der Autonomie und Frechheit. Naja, nicht ganz, aber doch erschreckend. Heute würde ich sagen, Emanzipation geht super ohne Kinder. Mit Kindern sitzt frau dann in der oben beschriebenen Zwickmühle. Ich habe auch keine Lösung, schlage aber für den Anfang vor, dass wir Frauen wenigstens zusammenhalten und den Männern und der Gesellschaft nicht immer die Arbeit abnehmen, uns (selbst oder gegenseitig) fertig zu machen. In diesem Sinne, einen schönen Abend bei GNTM, das ich gleich mit meiner Tochter schaue…

  • Hallo die Damen,

    bei mir ist es erst in ein paar Monaten so weit, aber da selbst in Leipzig Krippenplätze rar sind, mache ich mir natürlich auch Gedanken. Was mich vor allem beschäftigt ist, dass viele Dinge, die für mich als Kind selbstverständlich waren, heute absolut undenkbar scheinen. Meine Eltern sind beide zur See gefahren und überließen mich mit drei meiner Tante für ein paar Monate, damit sie einen letzen Turn machen können. Hat niemanden gejuckt. Ab der 4. Klasse war ich Schlüsselkind, so wie der Rest der Klasse. Bei den Hausaufgaben haben meine Eltern nie geholfen, stattdessen bekam ich beigebracht es alleine zu versuchen oder ein Lexikon zu befragen. Ich hatte jedoch nie nie nie, wirklich nie das Gefühl, das mich meine Eltern vernachlässigen. Auch nicht mein Papa, der bis zu meinem 6. Lebensjahr weiterhin zur See fuhr.

    Ist das alles heutzutage in der GANZEN Republik so anders, oder kann ich darauf hoffen im Osten der Republik einen Vorteil zu genießen, da es hier total normal ist, das alle Frauen arbeiten gehen? Ost-West-Debatten möchte ich dabei nicht los treten, ich hoffe es denkt jeder soweit mit, das es aufgrund der unterschiedlichen Politik in beiden Landeshälften natürlich auch unterschiedliche Erziehungsansätze gab.

  • Ich bin sehr froh, dass mich eigentlich ein Zufall zur Freiberuflichkeit gebracht hat. Denn hier hat man doch mehr Freiräume als als Angestellte (war ich bei Kind 1 von dreien nämlich noch). Klar ist es auch stressig, aber ich muss zumindest keine Männer an mir vorbeiziehen sehen, die die Erziehung ihren Ehefrauen überlassen haben. Oder Kolleginnen, die eben keine Kinder haben. Und ich kann mir meine Zeit doch besser einteilen. Ist einfach so. Ich bin selbstbestimmt, nicht fremd- durch einen Chef bestimmt.

    Natürlich eignet sich nicht jeder Beruf für eine selbstständige Tätigkeit. Aber ich hatte Glück – und biete das, was ich als Angestellte gemacht habe (nämlich Geschäftsberichte schreiben) nun als Freie an.

  • Einfach nur arbeiten zu gehen, ab ca. 1 Jahr nach der Geburt ist nicht das Problem. Ich fand auch, dass es nach ein paar Jahren zurück im Job (ca. ab Schulanfang) extrem schwierig und frustrierend wurde, weiter „voran“ zu kommen. Man hat unheimlich viel Energie in den Job gesteckt und sieht wie andere (Männer oder Kinderlose) vorbei ziehen. Man probiert Strategien aus, um mitzuhalten, bewirbt sich intern usw. Mein größter Fehler in der Karriere war damals im Konzern z.B., dass ich karrieretechnisch planlos vorgegangen bin. Ich war einfach extrem fleißig im Projekt. Böse Falle, weil ein guter Projekti nicht in eine der schönen Managementebenen weggelobt wird. (Wer soll dann die Arbeit machen?) Man kommt bis zum Projektleiter, strampelt sich ab, steht unter enormem Druck und die schönen, noch viel besser bezahlten Jobs haben andere. Nicht falsch verstehen: Projekte machen Spaß, aber sie strengen eben enorm an. Den Fehler, sich in Arbeit zu verlieren, machen aber auch Kinderlose. Karriere (und damit meine ich das höhere Management) machen ist ein besonderes Thema, an dem man schon scheitern kann, wenn man keine Kinder hat. Karrieren mit Kindern wie bei IWF-Chefin Christine Lagarde sind hierzulande für meine Begriffe zur Zeit leider nur schwer vorstellbar.

  • tja, insgesamt alles ernüchternd

Deine Meinung?