Alles, was ist, heißt das neue Buch von James Salter, und

es ist lesenswert  – naja, sonst hätte ich es weder zuende gelesen noch es euch vorgestellt, da habt ihr schon recht. Aber es ist eins der Bücher der letzten Monate, was mir besonders gut gefallen hat. Warum? Nun, erstens ist es in einer wunderbar lakonischen, konzentrierten Sprache geschrieben. Zweitens enthält es allgemeingültige Wahrheiten und drittens ist es spannend, ohne dass es einen Plot im eigentlichen Sinne gäbe.

James Salter ist einer der großen amerikanischen Erzähler unserer Zeit, geboren 1925 in Washington, und »Alles, was ist« ist eine Huldigung an das New York der fünfziger und sechziger Jahre, an ein freies, ungezügeltes Leben und die einst so glamouröse Welt der Bücher und der Literatur. Als Lieutenant Philip Bowman aus dem Pazifischen Krieg zurückkehrt, der Schlacht von Okinawa knapp entronnen, liegt das Leben endlich vor ihm. Er studiert, heuert bei einer Theaterzeitschrift an, beginnt für einen Verlag Manuskripte zu lesen. Alles scheint möglich in dem noch ungebändigten New York. Er wird Lektor in einem angesehenen Verlag, diniert mit Schriftstellern, und er lernt Vivian kennen, Vivian Amussen, das schöne unnahbare Mädchen aus dem Süden. Bowman heiratet und wird geschieden, er betrügt und wird betrogen. Seine Arbeit, seine Liebschaften, seine Träume, wie alles ihn berührt und über ihn hinweggeht. Nur ein kurzes Flackern zwischen Erinnerung und Vergessen – und doch: alles, was ist.

Es plätschert so dahin, könnte man meinen, aber so ist es nicht, denn plötzlich denkt man an einen Satz und blättert solange hin und her, bis man ihn gefunden hat. Um ihn noch mehrmals zu lesen. Das ist für mich ein sicheres Anzeichen, dass ich große Literatur in der Hand habe, denn ansonsten finde ich meine Sätze auch immer ganz in Ordnung.

 

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