Eine Ausnahme: Ein harter Frauen-Krimi, oder

auch ich werde meinen sonstigen Vorlieben (seit längerem kaum noch Krimis, außer Donna Leon und Martin Suter und John Grisham) ab und zu untreu, und diesmal hat es sich richtig gelohnt. Kishwar Desai beschreibt in ihrem Buch „Die Überlebende“ nicht nur einen Kriminalfall, sondern die indische Realität für Frauen.

Die Ermittlerin ist eine Frau (schon ungewöhnlich), und dann auch noch eine unverheiratete Mittvierzigerin, die raucht und trinkt und sich überhaupt absonderlich benimmt. Insbesondere indem sie sich tatsächlich für ein junges Mädchen einsetzt, dem vorgeworfen wird, ihre gesamte Familie vergiftet zu haben. Das alleine ist schon bedrückend, aber was mich wirklich geschockt hat, sind die beiläufig eingestreuten Fakten zu dem Umgang der indischen Familien und der gesamten Gesellschaft mit ihren Töchtern. Diese werden trotz aller gesetzlichen Verbote (und mit Billigung der Behörden) abgetrieben, nach der Geburt umgebracht, als Dienstmädchen ausgebeutet, von ihren Hauslehrern missbraucht und in dem Fall, dass sie dies nicht klag- und vor allem lautlos hinnehmen, auch gerne in die unhaltbaren Zustände der indischen Psychatrie abgeschoben.

Ich war geschockt, aber auch begeistert von diesem Buch. Ich warne vor, es ist nicht so besonders gewandt geschrieben, und auch der Plot hat Längen, aber die Einblicke in die gesellschaftlichen Probleme Indiens machen das mehr als wett.

 

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