(Gesund) alt werden: Krafttraining

Ich bin zu faul für Krafttraining, gibt es Alternativen?

Aber klar!

Rollator, Duschsitz, Treppenlift, Rollstuhl. Oh, Osteoporose nicht vergessen.

Verkürzte Darstellung, hier die ausführliche Fassung.

Wie sieht mein Leben mit 72, 78 oder 85 aus? Tja, keine Ahnung. Aber eins weiß ich sicher: Ich möchte morgens (relativ) mühelos aus dem Bett kommen. Ich will zehn Sekunden auf einem Bein stehen können, fünfmal in 15 Sekunden vom Stuhl aufstehen und wieder hinsetzen, ohne Hände vom Boden hochkommen und, ganz oben auf meiner Wunschliste, Stepptanzen. Stand heute ist das alles kein Problem.

Anmerkung: wenn es das ist, ist das ein SEHR guter Grund, über Kraft- und Mobilitätstraining nicht nur nachzudenken. Außer natürlich bei Erkrankungen, die derlei verhindern.

Und warum passiert das? Normaler Alterungsprozess. Man verliert ab 30 Muskelmasse und mit zunehmendem Alter immer schneller. Bei Frauen kommt die Menopause dazu mit sehr niedrigem Östrogenspiegel. Die möglichen Folgen sind bekannt, mit Blick auf Krafttraining sind hier aber insbesondere Osteoporose, Fettstoffwechsel und Insulinempfindlichkeit zu nennen.

Kurz gesagt: die Treppen werden steiler, Stühle härter und der Boden scheint irgendwie weiter weg zu sein. Und eine gewisse Unsicherheit auf den Beinen macht sich breit, zum Beispiel, wenn man mal stolpert.

Ich kann daher nur eins sagen: wer die Chancen auf ein gesundes Alter erhöhen möchte, kommt um Sport plus Krafttraining nicht drumherum.

Natürlich ist Krafttraining nicht DIE absolute Wunderwaffe gegen alle Alterserscheinungen, aber die positiven Effekte sind schon gut:

  • Muskeln aufbauen und erhalten
  • Stimmung heben (Endorphine!)
  • Grundumsatz steigern und ggf. Fett reduzieren
  • Knochen stärken (Osteoporose)
  • Gelenke stabilisieren
  • Stress abbauen
  • Insulinempfindlichkeit verbessern (Diabetesprävention)
  • Demenzrisiko senken
  • Hautbild verbessern (ja, stimmt wirklich, hier der Link zu einer Studie)

Mittlerweile hat die Forschung da vermutlich noch mehr gefunden, es geistert allwöchentlich durch meine abonnierten Publikationen Spiegel und Zeit. Insbesondere die Rolle der Myokine, die von Muskeln freigesetzt werden wird derzeit erforscht.

Endlich anfangen?

Ich finde es wichtig, dass man kein Training betreibt, dass einem schadet (falsche Ausführung), nichts nützt (irgendeine Influencerin macht die Übungen, die zu ihr passen und erzählt eh nur von der Hälfte des Trainings) oder schlicht nicht effektiv ist (Gerätetraining – geht für den Anfang, aber Hanteln haben handfeste Vorteile). Und am schlimmsten: das keinen Spaß macht.

Daher: warum nicht einfach mal alles mögliche ausprobieren? Im Fitnessstudio gibt es diverse Kurse von Bodypump bis HIIT. Ich finde auch, dass feste Termine und ein paar Leute, die man dann schnell kennenlernt, hilfreich sind. Ich schreibe immer Montagnachmittag mit einem Trainingskollegen und wir starten in die Woche durch.

Wovon ich nur abraten kann: in Eigenregie und am besten noch ohne jeden Erfahrungswert bei Youtubevideos mitturnen. Ich habe mit 15 zum ersten Mal Krafttraining gemacht (und mit 17 mein Eigengewicht von 70 kg beim Bankdrücken gestemmt…) und trotzdem finde ich immer noch kleine Fehler bei meinen Ausführungen. Oder es schleichen sich wieder Schlampereien ein. Ich merke es meist, aber wie gesagt: ich kenne das schon länger.

Und damit wären wir an der passenden Stelle für zwei schöne alte Sprichwörter:

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Ich mache jetzt seit fast drei Jahren mein Training (2x pro Woche Les Mills Bodypump und seit neuestem auch noch 1x Body Balance). Ich sehe immer wieder Anfänger, die wirklich jede Übung falsch machen. Macht nichts, das lernt man und das dauert. Man muss nur aufmerksam bleiben und der Trainerin zuhören. Oder diese um Rat fragen. Oder Mittrainierende. Ich habe zugegeben die unangenehme Eigenschaft, ungefragt Ratschläge loszulassen. Aber mir tut manchmal wirklich weh, was ich da sehe.

Steter Tropfen höhlt den Stein.

Am Anfang lieber wenig Gewicht. Muskeln passen sich schnell an, Sehnen und Gelenke nicht. Wenn etwas wehtut, stimmt etwas nicht. Kann das Gewicht sein, kann aber auch falsche Ausführung sein. Nicht einfach weitermachen. Rat holen.

Wenn man sich sicher und gut fühlt, kann man das Gewicht erhöhen. Das sollte man auch unbedingt tun, die Muskeln brauchen einen Anreiz. Wer nach dem Training nicht erschöpft ist (zumindest für ein paar Minuten), macht es nicht effektiv.

Und jetzt will ich keine Ausreden mehr hören. Und nein, Yoga zählt nicht. Pilates eventuell.

PS: das Foto oben ist aus der Umkleidekabine, als ich diesen Sommer leichte Sportsachen gekauft habe. Ich trainiere wirklich nicht in Sandalen…


16 Kommentare

  1. Also, wenn das keine Argumente für Krafttraining sind ☺️
    Leider gibt es immer weniger Studios, in denen gute Trainer arbeiten, die auf der Fläche anwesend sind und Trainierende anleiten und korrigieren.
    Man sollte auf solche Dinge wirklich achten und lieber etwas mehr Beitrag zahlen.
    Man muss das mittlerweile suchen.
    Es scheint nur noch Billigstudios zu geben.

    1. ja, da hast du völlig recht!

  2. Guten Morgen und Gruß aus dem Gym, liebe Irit. Seit meinen 30ern – ich bin heute 69 – bewege ich mich regelmäßig: zuerst Bauch, Beine, Po und Yoga, später auch Pilates.Seit gut drei Jahren jetzt Krafttraining. Zu Beginn den Milon-Zirkel, dann mit Langhanteln, angeleitet auch von einem Personal Trainer, was auf Dauer aber zu teuer für mich wurde. Mein Problem: Die schweren Gewichtscheiben herumzuwuchten und auch Unsicherheit bei der Ausführung mit höheren Gewichten, es hat keinen Spaß mehr gemacht. Bin inzwischen zu den Maschinen zurückgekehrt, auch da steigere ich die Belastung fast jedes Mal. Bin 2-3mal die Woche im Studio, dazu noch Cardio auf dem Bike und am Crosstrainer. Ich komme mir – gerade auch im Vergleich mit meinen Altersgenossinen – eigentlich ganz fit vor. Ist dieses Training tatsächlich ineffektiv in Bezug auf Prophylaxe gegen Altersverfall? Danke für deinen interessanten Content hier und herzliche Grüße an alle, die hier mitlesen.

    1. nein, natürlich nicht! Die Hauptsache ist, dass man etwas tut und wenn du lieber an den Maschinen bist und regelmäßig Gewicht steigerst, ist doch alles prima. Das kannst du nämlich nur, wenn du Muskeln / Kraft aufbaust.

  3. Wir haben das Glück, dass wir seit vielen Jahren in einem Gym trainieren, welches Wert auf gut ausgebildetes Personal legt. Physiotherapeuten und Sportlehrer beaufsichtigen ihre Kundschaft und bemühen sich wirklich sehr. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre und so gibt es keine Ausrede, sich vor dem Training zu drücken.
    Body Pump und Milon Zirkel sind immer mindestens 3x wöchentlich an der Reihe. Zusätzlich Cycling oder ein anderer Kurs, je nach dem, auf was man gerade Lust hat.
    Uns hat vor vielen Jahren ein befreundeter Orthopäde gesagt, dass viele seiner Patienten wesentlich weniger Probleme hätten, wenn sie sich rechtzeitig um ihren Bewegungsapperat gekümmert hätten.
    Ich habe Spaß an Bewegung und es tut mir psychisch und physisch einfach gut.

    1. Das Gym hört sich richtig toll an

  4. Kulturpur

    Das klingt gesund und Fit, optmiert für das Älter werden.
    Nur Ich frage mich, wie das neben der Arbeit geht? Wann dafür Zeit bleibt?
    Ich schaffe es nicht einmal 1 mal pro Woche regelmäßig. Wenn nur am WE.
    Nach 17, 18h bin ich dafür einfach zu müde, vormittags geht nicht.
    Der Haushalt macht sich auch nicht von allene…

    1. es ist wie bei allem, was man machen MÖCHTE: man findet die Zeit dafür. Ich bin früher zweimal in der Woche in der Mittagspause gegangen. Zu der Zeit habe ich voll gearbeitet (=um die 50h), hatte zwei kleine Kinder und jeden Tag mind. anderthalb Stunden Fahrt zur Arbeit. Ich denke, ein fester Termin im Kalender wäre ein Anfang?

  5. Mich hatte Irit letztes Jahr auch angefixt: mir war mein Kieser zu langweilig geworden (und nach knapp 20 Jahren war das immer noch nix mit den definierten Oberarmen trotz fleissigem Training mit nicht ganz wenig Gewicht). Ich wollte mit einem Personal Trainer anfangen, um dann in die Body Pump Kurse reinzukommen. Nun ja, in den Kursen bin ich nie angekommen 😂. Ich hab für mich festgestellt, dass mir das individuelle Training mit Hanteln und Kabelzug deutlich mehr liegt – ich bin nicht so der Gruppendynamiker, und ich mag mein eigenes Tempo….. Ich trainiere jetzt 3x Woche Krafttraining (davon 1x mit meiner ganz tollen Trainerin) und 1x Woche Ausdauer. Ich hab mir zu Hause ein Heimstudio aufgebaut, so dass ich unabhängig von einem Gym bin – beste Investition ever! Da es mir so viel Spass macht, trainiere ich auch spät abends noch, selbst in stressigsten Zeiten gibts da keine Ausrede mehr. Zudem ist nach einer Stunde selbst der grösste Stress abgebaut. Und es wird so langsam was mit den definierten Oberarmen!!!
    Aber wie Irit schon sagt: es muss Spass machen. Sonst muss man sich anderen Sport suchen. Und ich finde ja, dass auch Yoga zählt 😂 das kann auch seeeehr anstrengend sein (finde ich…)

    1. ich bin sehr sicher, dass man bei Ashtanga auch gut Muskeln aufbaut. Ich kenne allerdings niemanden persönlich, der dazu in der Lage ist… ich bin überhaupt erstaunt, dass das jemand kann
      https://youtu.be/SZCxKjgReQ4?si=wau60Mh_dq9R-Mqo

  6. zusätzlich zu meinem Training das ich wieder angefangen habe, weil das neue Studio in Wien echt Spaß macht, mache ich seit einem Jahr Boundless Movement. Das sind sanfte Übungen die aber wenn regelmäßig angewendet den ganzen Körper mobilisieren und beweglicher machen. Der Beweis dass das ordentlich was bringt, war dann ganz unerwartet bei unserer Arbeitsmedizinerin. Ich möchte auch gesund altern, und wie du sagst Irit, gerade für uns Frauen ist Kraftsport enorm wichtig. Momentan macht es mir auch richtig Spaß in mich zu investieren, und das zahlt sich gerade total aus.

  7. Leider habe ich mich in meinem Fitnessstudio nicht wohlgefühlt und deshalb ist der Spassfaktor ausgeblieben. So wurde das Abo jetzt gekündigt.

    Aber ich habe weiterhin den festen Willen Beweglichkeit, Muskeln und Ausdauer zu trainieren.

    Diese Woche war ich beim Orthopäden.

    Mich hat ein Umweg dahin geführt. Ich habe, was ganz viele haben, eine familiäre Fettstoffwechselstörung. Und weil ich einige weitere Risikofaktoren mit mir rumtrage war meine Ärztin der Meinung, dass es gut wäre ein Herz-CT zu machen.
    Welches bezüglich Arteriosklerose völlig unauffällig war, aber einen Nebenbefund an der Wirbelsäule gezeigt hat. Der Befund passt zu den schmerzhaften Beschwerden, die ich in diesem Bereich nach einem langen Arbeitstag habe. Fühlt sich an wie eine verkantete Rippe.

    Also, deshalb war ich beim Wirbelsäulen-Orthopäden.
    Netterweise habe ich eine schöne gerade Wirbelsäule, meint er. Aber meine Brustwirbelkörper verknöchern sich mit den Bändern und Sehnen.
    Dies ist vermutlich eine Folge von (meinem) Übergewicht und der o.g. Fettstoffwechselstörung.

    Akute Massnahme besteht aus Physiotherapie sowie manueller Therapie.

    Der Orthopäde hat aber abschliessend gemeint: Ellen, fang mit Yoga oder Pilates an!
    Das sind die Leute, die ich ganz selten bei mir in der Sprechstunde sehe!

    Also, suche ich mir jetzt ein anderes Studio und mache dann neben Krafttraining auch noch Yoga oder Pilates. 🙂

    1. Ich staune immer wieder, was es so alles gibt. Ich denke, Pilates und Yoga sind super für Beweglichkeit und Körpergefühl. Ich mache jetzt ja auch dieses BOdy Balance, das ist so eine TaiChi-Yoga-Pilates-Balance-Mischung und bin erstaunt, wie schnell so einiges wieder besser geworden ist, tut richtig gut!

  8. rosalili

    Ich kann das alles auch nur unterschreiben. ich mache jetzt seit 2,5 Jahren Krafttraining, am Anfang mit Personal Trainer und jetzt nehme ich ab und zu auch noch eine Trainerstunde um die Haltung zu korrigieren und meine Fortschritte objektiv beurteilen zu lassen. Mein Langzeitziel ist ja immer noch ein Klimmzug, aber da geht es kaum voran.
    Meinen Hyrox Wettkampf habe ich übrigens geschafft, das war eine super Quälerei und das mache ich ganz bestimmt nicht noch mal, deutlich härter als ein Marathon, fand ich zumindest.
    Jetzt habe ich mit Fitness Boxen angefangen, an meinem Studio gibt’s jetzt Kurse, das macht mir richtig Spaß. Ich versuche so insgesamt fünf Mal die Woche zum Sport zu gehen, das klappt nicht immer, aber wenn nicht mal zwei Tage nicht gehe, dann fehlt mir was.
    Du siehst super fit aus Irit, richtig klasse! Dein Sporttop, das du da anhast, hat das zufällig einen eingearbeiteten BH? Ich bin immer auf der Suche nach sowas, meist gibt es aber nur so kurze Sport-BHs und ich habe doch schon gern was über den Bauch.

    1. Das Sporttop ist von H&M, aber richtiger BH ist das nicht. Für Pump geht das, aber hüpfen möchte ich damit nicht. Es ist das hier: https://www2.hm.com/de_de/productpage.1336928001.html

      Ich habe mir gleich fünf davon gekauft, die waren im Sommer auch angenehm als ganz normales Oberteil

      1. rosalili

        Danke dir, das sieht gut aus mir reicht das fürs normale Training auch.

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Irit Eser
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