Das Ehrenamt kennen wir alle, vom Übungsleiter im Sportverein über die Tafeln bis zur Freiwilligen Feuerwehr. Also warum nicht auch ein Ehrenamt übernehmen?
Wir sind ein Land der Ehrenamtlichen: sage und schreibe knapp 29 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Deutschland. Wer bisher nur an Übungsleiterinnen im Sportverein oder die Mitarbeiterinnen in den Tafeln gedacht hat: deutlich zu kurz gesprungen. Es gibt noch viel viel mehr.
Grundsätzlich gibt es fünf Bereiche, in denen man sich engagieren kann:
- Soziales & Gesundheit: Mitarbeit bei Tafeln, kirchlicher Bereich (Kinder- und Jugendarbeit, Gemeinde), Besuchsdienste für Senioren, Hospizbegleitung, Arbeit in Obdachlosenunterkünften, Geflüchtetenhilfe, Sanitätsdienst
- Sport & Kultur: Trainer oder Übungsleiter im Sportverein, Vorstandsarbeit im Verein, Organisation von Kulturfestivals oder Konzerten
- Blaulicht & Katastrophenschutz: Freiwillige Feuerwehr, THW (Technisches Hilfswerk), Bergwacht, Wasserwacht, Rettungsdienste, Seenotrettung
- Bildung & Umwelt: Nachhilfe für Kinder, Engagement im Naturschutz (NABU, BUND), Betreuung im Jugendzentrum
- Politik & Justiz: Kommunalpolitik (Gemeinderat), Ehrenämter an Gerichten
Ich hatte lange schlicht keine Zeit neben Kindern und Beruf noch etwas zu machen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert und ich hatte immer mal wieder Möglichkeiten erwogen. Und fand es schwierig: meine Neigung zu sozialen Tätigkeiten ist nicht sehr ausgeprägt und auch nicht meine Stärke. Ich denke, wenn man sich engagiert, sollte man etwas tun, was man gerne und möglichst gut macht. Meine Sportarten Krafttraining und Stepptanzen sind nicht sehr vereinskompatibel und bei der Freiwilligen Feuerwehr habe ich mich auch nicht gesehen, ist ja auch eine Altersfrage.
Ich überlegte also immer mal wieder und dann stolperte ich Anfang des Jahres in der IHK-Zeitung über diese Anzeige:

Um es offen zu sagen: dieses Bild mit fünf Männern und Null Frauen hat mich getriggert. Wie kann das denn heutzutage noch sein? Oben drüber war noch eine Liste der neu ernannten Handelsrichter: 13 von 14 männlich. Also fing ich an mich zu informieren, habe lange mit einer guten Freundin telefoniert, die als Vorsitzende Richterin am Landgericht auch mit Handelsrichtern arbeitet.
Das passende Ehrenamt war gefunden. Also meine Bewerbung losgeschickt und im Mai war es soweit: ich wurde zur Handelsrichterin ernannt und dann auch bei der ersten Verhandlung vereidigt.
Was soll ich sagen? Superentscheidung. Meine ersten Verhandlungen waren so richtig interessant. Ich habe etwas geschluckt, als ich am Tag vorher knapp fünfzig Seiten Erläuterung dazu bekam, aber alles gut machbar.
Es kommt bei den Ehrenämtern am Gericht auch nicht auf die juristische Vorbildung an (die ich nicht habe), sondern in den Verhandlungen sollen „lebensnahe“ Perspektiven einbezogen werden. Bei den Handelsrichtern ist das der Erfahrungswert in der Wirtschaft.
Es gibt noch mehr Ehrenämter an Gerichten, von Schöffen (Strafgerichtsbarkeit) bzw. Jugendschöffen über ehrenamtliche Richter in der Sozial-, Arbeits-, Verwaltungs- und Finanzgerichtsbarkeit bis zu ehrenamtlichen Richtern in Landwirtschaftssachen und Berufsgerichten. Ich kann ein Ehrenamt an Gerichten nur wärmstens empfehlen, es erweitert den eigenen Horizont sehr. Ich finde auch die mir eher fremde juristische Denkweise sehr spannend, da lernt man ständig dazu und mein Kopf braucht immer neues Futter.
Wenn man sich dann umhört, engagieren sich viele Menschen im Ehrenamt. Susi aka Texterella ist Gemeinderätin, Meike (ihr kennt sie von den Bücherreviews) ist Seenotretterin, mein Nachbar arbeitet bei der Tafel und macht Sportkurse für Herzpatienten und so weiter und so weiter.
Ich überlege auch, ob ich noch etwas mehr mache, mal sehen.
Wie sieht es bei euch aus?

Antworten