(Gesund) Alt werden: die Morbiditätslücke

Die was? Die Morbiditätslücke. Hatte ich bis letzte Woche auch noch nie gehört. Die beschreibt die Differenz zwischen der gesamten Lebenserwartung und der gesunden Lebenserwartung. Statistisch gesehen liegt meine Lebenserwartung (mit 60) bei 85 Jahren, d.h. ich habe noch 25 Jahre vor mir. Die gesunde Lebenserwartung, d.h. Jahre bei guter Gesundheit, ist leider gut 12 Jahre kürzer. Oder andersherum: statistisch gesehen habe ich noch 13 gute Jahre und dann geht es los mit schwerwiegenden Erkrankungen.

Es gibt einen aktuellen Artikel dazu im Lancet (Link) und u.a. auch eine Liste mit „Hauptkrankheiten“ sowie Risikofaktoren. Da finden sich Erkrankungen des Bewegungsapparats („Rücken“), Depressionen und Angststörungen, Hörverlust und Stürze. Die Risikofaktoren sind auch nicht neu: hohe Blutzuckerwerte, hoher Body-Mass-Index und Tabakkonsum.

Das Ganze ist natürlich sehr allgemein, weil es sich um eine weltweite Studie handelte, aber erschreckend fand ich diese zwölf Jahre schon.

Also was tun?

Es ist unser aller gutes Recht, in Ruhe und so wie wir sind zu altern. Ich habe wenig Verständnis für Jugendlichkeitswahn aller Art oder gar „Vorschriften“, was die Äußerlichkeiten betrifft. Die eine hat mehr, die andere weniger Falten, Pigmentflecken, schlabberige Haut, graue Haare oder was weiß ich. Das ist völlig egal. Das trifft ausnahmslos alle, die das Glück haben alt zu werden.

Die Frage ist, ob man sich um eine bessere Gesundheit bemüht und die Falten und die schlabberige Haut noch genießen kann. Mich treibt dieses Thema seit einigen Jahren um und ich habe mich auch aktiv darum gekümmert.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: ich bin keine Longevity-Jüngerin mit strikten Tagesplänen, noch strikteren Ernährungsplänen und so weiter. Dazu bin ich viel zu Spaß-orientiert. Was soll ich mich Jahrzehnte abquälen, um mich im Endeffekt noch ein paar Jahre länger zu quälen? Der Sinn erschließt sich mir nicht. Man lebt nur einmal und ich möchte mich am Leben erfreuen.

Also habe ich meine eigene Strategie entwickelt und an ein paar Stellschrauben gedreht. Das ist alles weit entfernt von perfekt und ich bin u.a. auf verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen, aber was soll es, dafür gibt es die schließlich.

Ich werde mittwochs öfter mal über Gesundheitsthemen schreiben, los geht es nächste Woche mit meinen gesammelten Erkenntnissen zum Thema Wechseljahre aus den letzten zehn Monaten. Ich glaube, das ist der mit Abstand längste Beitrag hier auf dem Blog. Außerdem ist derzeit noch ein Update zu Wegovy geplant und einiges zu Nahrungsergänzungsmitteln und natürlich zum Thema Krafttraining (s. oben Erkrankungen des Bewegungsapparates).

Welche Gesundheitsthemen interessieren euch?


15 Kommentare

  1. Liebe Irit,
    Schön, dass du den Blog weiterführst. Es hat mir sehr gefehlt.
    Die Gesundheitsthemen sind für mich alle interessant, da ich doch mit Riesenschritte auf die 70 zugehen. ( nur noch 6 Monate).
    Vor allem möchte ich aber noch ein wenig abnehmen.
    Liebe Grüße
    Babsy

    1. Ich fürchte zum Thema Abnehmen kann ich nur wenig beitragen, aber es gibt ja viele Leserinnen und vielleicht gibt es da den einen oder anderen Tipp?

  2. Guten Abend,
    ich freue mich auch, dass du dein Blog weiterführst 😃
    Gesundheitsthemen sind wichtig gleichzeitig jedoch schwierig. Oft entsteht der Eindruck dass Gesundheit von „richtigem“ Verhalten abhängt.
    Das ist mitnichten der Fall.
    Ein Mensch kann nämlich keine Risikofaktoren mitbringen und trotzdem schwer erkranken. Oder umgekehrt – „alle Register ziehen“ und lange und gesund leben.
    Statistik halt.
    Es gibt nicht mal eine Hoffnung dass die Morbiditätslücke am Ende des Lebens kurzer ist wenn man sie schon vorher etwas gefüllt hat 😅.
    In Stoizismus üben ist wahrscheinlich am gesündesten…
    Bin gespannt welche Themen hier auftauchen.
    Viele liebe Grüße und danke für deinen Blog

    1. Da hast du einen guten Punkt: man kann alles „richtig“ machen und trotzdem schwer krank werden.

      Oder Bluthochdruck, zu viel Blutfette, ein bisschen Diabetes und untrainierte Muskulatur haben und „gesund“ sterben.

      Ich weiß es nicht, aber ist beides vermutlich gleich wahrscheinlich. Oder unwahrscheinlich.

      Ich gebe ja offen zu: ich bin eher bei Epikur als bei der Stoa…

  3. Christiane

    Hallo, ich finde das Thema auch wichtig, fühle mich mit 63 angesprochen, möchte auch nicht unbedingt ewig leben, aber nicht krank und eingeschränkt werden. Und leider hat seit mehreren die Wirkung des Ozempic deutlich nachgelassen, die relative Inappetenz der ersten 2Jahre ist leider weg, was sich auch im Gewicht zeigt. Wenn es da Erkenntnisse gibt…

    1. Hallo Christiane,
      das passt jetzt nicht so ganz zu Deiner Frage mit der Steigerung des Appetites, doch gibt es eine Oxford Meta Analyse von Januar 2026.
      Diese besagt, daß man nach Absetzen der Abnehmspritzen das Gewicht wieder schneller zulegt als nach anderen Diätmethoden.
      Also sollte man dauerhaft – lebenslang weiter spritzen um dem JoJo-Effekt zu entgehen. Ab Mitte August soll dann die erste Abnehmpille in D verfügbar sein, täglich einzunehmen.

      Viele Grüße

    2. ich habe kürzlich etwas dazu gelesen, muss ich nochmal suchen. Bei mir ist das glücklicherweise nicht der Fall, nehme dieselbe Dosis seit knapp drei Jahren und unveränderte Wirkung.

  4. Das finde ich sehr interessant und freue mich auf Beiträge zum Thema Gesundheit

  5. Gesundheitsthemen interessieren mich sehr. Im Bekanntenkreis merke ich, dass insbesondere Krafttraining oft unterschätzt wird. Ich merke den Unterschied deutlich. Wenn ich im Urlaub mal mehrere Wochen „nichts“ gemacht habe, fallen mir viele Bewegungen schon schwerer als vorher, und der Rücken meldet sich auch wieder.

    1. da kann ich dir nur zustimmen. Wenn ich mir die „älteren Semester“ in unserem Kurs anschaue, sind die deutlich fitter als andere im gleichen Alter.

  6. Ich halte Bewegung ebenfalls für einen der wichtigsten Bausteine für gesundes Altern. Mein großes Vorbild ist meine Oma, sie war Krankengymnastin und hat ihr ganzes Leben mit ihren Patienten mitgeturnt und später im höheren Alter jeden Tag ihren Spaziergang gemacht. Nach einer Herzkatheter OP mit über 80 saß sie am Tag danach auf der Krankenhaus Bettkante und hat sich selbst mit Übungen mobilisiert (und ihre Zimmernachbarin gleich mit😂).
    Ich bin überzeugt dass die viele körperliche Bewegung wesentlich war, dass sie so lange selbstständig und aktiv gelebt hat.
    Wenn bei mir was „zieht oder ziept“ denke ich immer an sie „den Schmerz wegturnen“…
    Und für die seelische Gesundheit ist Bewegung und Aktivität nachweislich auch das beste!

  7. Bin auch interessiert an gesunder und trotzdem genussvoller Ernährung (auch gerne Rezepte-Austausch)

    1. Oh ja Rezepte Austausch fände ich auch super!

  8. Über diesen Block habe ich über die naturidentische HRT zum ersten mal gelesen. Mich dann weiter informiert und nehme sie nun schon einige Jahre. Ich kann nur allen danken, die hier darüber berichtet haben und vor allem dir, Irit.
    Es hat mein Leben wirklich positiv verändert. Deshalb bin ich gespannt über den regen Austausch hier auf dem Blog.
    LG

  9. Ich habe mich irgendwie noch nicht wieder dran gewöhnt, hier regelmäßig zu lesen und bin deswegen immer hinterher.
    Na ja, den Begriff kannte ich noch nicht, den Wunsch, diese Lücke so klien wie möglich zu halten, beschäftigt mich aber sehr (obwohl ich noch nicht mal 50 bin).
    Einerseits will ich mich da nicht verrückt machen, aber die Befürchtung, krank und gebrechlich zu werden, schreckt mich sehr. Mir leuchtet der Aspekt mit Bewegung und Krafttraining sehr ein und da sehe ich bei mir einen großen Hebel.

    Freue mich also sehr, zu Gesundheitsthemen hier zu lesen.

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Irit Eser
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