Und alle so still
Das ist mein feministisches Highlight 2025!
An einem Sonntag im Juni gerät die Welt aus dem Takt: Frauen liegen auf der Straße. Reglos, in stillem Protest. Hier kreuzen sich die Wege von Elin, Nuri und Ruth.
Elin, Anfang zwanzig, eine erfolgreiche Influencerin, der etwas zugestoßen ist, von dem sie nicht weiß, ob es Gewalt war. Nuri, neunzehn Jahre, der die Schule abgebrochen hat und versucht, sich als Fahrradkurier, Bettenschubser und Barkeeper über Wasser zu halten und als Kind von Immigranten seinen Platz zu finden. Ruth, Mitte fünfzig, die als Pflegefachkraft im Krankenhaus arbeitet und deren Pflichtgefühl unerschöpflich scheint.
Es ist der Beginn einer Revolte, bei der Frauen nicht mehr das tun, was sie immer getan haben. Plötzlich steht alles infrage, worauf unser System fußt. Was wäre, wenn alle Frauen sich verweigern und in einen Care-Streik treten würden? Was wäre dann? Die Gesellschaft hat keine Antwort außer Gewalt, das klarste Zeichen der Hilfslosigkeit.
Das Buch hat mich begeistert und nicht mehr losgelassen, vor allem, weil die Autorin hier strukturelle Machlosigkeit von Frauen und Immigranten verbindet und aufzeigt, dass auch eine überaus privilegierte Frau wie Elin sich plötzlich als Opfer von persönlicher Gewalt wiederfindet. Das Narrativ, dass Frauen einander die ärgsten Feindinnen seien, ist auserzählt. Zeit für neue Geschichten! Gemeinsam statt gestresst, ausgebeutet und alleine!
Die Wut, die bleibt

Die Autorin skizziert in diesem früheren feministischen Roman auf drastische Weise, was geschieht, wenn eine erschöpfte Mutter aufgibt, beschreibt die Lücken, die sie hinterlässt und die weibliche Wut, die bleibt. Sie seziert Tabuthemen, veraltete Rollenbilder und legt den Finger in die klaffenden Wunden unserer Gesellschaft.
Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit.
Helenes beste Freundin Sarah, die Helene ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die älteste Tochter von Helene, sucht nach einer Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Sie findet zusammen mit ihren Freundinnen Kraft in Gemeinschaft, Freiheit in der Erfüllung ihrer Bedürfnisse und den Mut, die Defizite der Gesellschaft bei dem Schutz von Frauen ihrerseits mit Gewalt zu beantworten.
Ich habe auch dieses Buch gerne gelesen, weil ich auch meine Erfahrungen als Frau und Mutter darin wiedererkenne, auch wenn ich nicht den Mut von Lola und ihren Freundinnen habe. Aber deren Weg muss ja nicht jede einschlagen. Aber ich vergesse auch niemals, dass Männer Angst davor haben, dass Frauen sie auslachen, während Frauen Angst davor haben, dass Männer sie umbringen.
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