Azelainsäure ist ein Inhaltsstoff, der bei Rötungen und Akne bzw. Pickeln aller Art wahre Wunder wirken kann. Wenn er nicht so zickig wäre und die Produktsuche schwierig.
Kommt einem bekannt vor, oder? Selbiges kann man nämlich auch über Vitamin A und Vitamin C sagen und natürlich auch über Sonnenschutz. In Teilen auch über AHA, BHA und Co. Also im Prinzip über die Inhaltsstoffe, die tatsächlich eine Veränderung bewirken.
Was ist Azelainsäure und was kann sie?
Chemisch gesehen ist Azelainsäure eine gesättigte Dicarbonsäure. Sie wird schon lange in der Dermatologie eingesetzt und zwar insbesondere bei entzündlichen Hauterkrankungen sowie bei Störungen der Pigmentierung.
Besonders interessant ist die anti-inflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung, weswegen Azelainsäure gerne bei Akne und Rosazea eingesetzt wird. Außerdem wirkt sie hemmend auf bestimmte Mikroorganismen (Akne) und hat eine keratolytische Wirkung, d.h. der (natürliche) Verhornungsprozess wird normalisiert, das kennen wir auch von Urea in höheren Konzentrationen. Und – last but not least – wird das Enzym Tyrosinase gehemmt, d.h. Pigmentflecken und postinflammatorische Hyperpigmentierungen („Pickelmale“) können aufgehellt werden.
Und dann wirkt Azelainsäure auch noch antioxidativ.
Den schönsten Effekt sieht man aber nach einiger Zeit der Nutzung: die Haut sieht vom Farbton her deutlich gleichmäßiger aus. Alle mit Rötungen kennen es, das sind die sehr guten (und seltenen) Tage. Mit Azelainsäure werden sie eher normal. Ein bisschen wie ein Weichzeichner, aber nicht mit Blick auf Falten, sondern auf den Hautton.
Kurz gesagt: ein wahres Wundermittel und man fragt sich, warum es nicht wie bei anderen potenten Wirkstoffen zahllose Produkte gibt. Wobei die wirklich guten Produkte ja auch nicht soooo häufig sind.
Wo liegt das Problem?
Azelainsäure ist eine Zicke mit unschönen Eigenschaften: sie ist sowohl in Wasser als auch in Öl nur sehr schwer löslich. Und dann ist da natürlich noch der pH-Wert, es ist eine Säure und das Produkt muss im leicht sauren Bereich sein, aber eben auch nicht zu sauer. Und stabil soll das Produkt auch sein, was hier auch nicht ganz einfach ist. Im schlechtesten Fall kann ein Produkt mit Azelainsäure auch kristallisieren (s. dazu weiter unten der Toner von Transparent Lab).
Kurz gesagt: es braucht viel Entwicklerkönnen für ein wirksames Produkt mit einer schönen Konsistenz. Oder ein paar Tricks.
Die einfachste Lösung ist die Nutzung von Derivaten (z.B. Uncover Skincare oder Geek&Gorgeous), die sich kosmetisch sehr schön verarbeiten lassen – nur leider nicht so ganz wirken wie Azelainsäure.
Und dann wird es kompliziert und da sind wir schon bei der aktuellen Diskussion in der Skincareworld. Auf recht vielen Produkten steht „10% Azelainsäure“, drin ist aber neutralisierte Azelainsäure. Ich bin in Chemie notorisch schlecht, ich habe verstanden, dass sich bei höherem pH-Wert die Azelainsäure in ein Salz verwandelt und wieder zurück bei Kontakt mit niedrigerem pH-Wert, also z.B. der Haut. Bei der Wirkung gehen die Meinungen auseinander, es gibt nur wenige Studien dazu.
Auf der sicheren Seite ist man bei verschreibungspflichtigen Produkten (z.B. Skinoren), das sind sogenannte Suspensionen mit entsprechendem pH-Wert und wenn drauf steht „15% Azelainsäure“ ist auch entsprechend viel freie Säure enthalten.
Ich will die Diskussion hier nicht wiederholen, es ist aber interessant, deswegen hier ein paar gute Links:
- nach meinem Gefühl der Auslöser der Diskussion: Link und Link, jeweils zu Insta
- kleiner Überblick: Link zu Insta
- Ein sehr guter Überblick einer Kosmetikentwicklerin: Link zu Substack
- Youtube-Video von Doctorly (übrigens sehr empfehlenswert): Link zu Youtube
- Und noch die dort erwähnte Studie: Link zu Pubmed
Wer es nicht so gerne auf englisch mag, kann immer die Übersetzungsfunktion des Browsers bzw. die automatische Synchronisation nutzen.
Es gibt noch viel mehr dazu, im Zweifel Google oder eine KI nach weiteren Quellen fragen.
Was muss man noch wissen?
Frei käuflich sind Produkte mit einem Anteil von 5 – 15% Azelainsäure. Das ist ein gut wirksamer Bereich, 5% eher bei empfindlicher Haut, 10% gelten als der „sweet spot“, 15% muss man ausprobieren.
Da gibt es übrigens eine sehr seltsame Sache: in Deutschland ist eigentlich alles über 10% Azelainsäure verschreibungspflichtig. Das ist aber wohl keine EU-Norm, sondern so eine Art deutsche Vereinbarung. Weswegen Theramid (Sitz Spanien) auch ein Serum mit 15% Azelainsäure verkaufen kann.
Wer noch ein bisschen mehr eintauchen möchte: ich kann die Podcastfolge von Skinsights zu dem Thema anhören (Link zu Spotify).
Produkte, Produkte…
Im Lauf der Jahre bin ich immer mal wieder über Azelainsäure gestolpert, so richtig begeistert als Dauerpflege war ich nie. Bis letztes Jahr: in einem Anfall geistiger Umnachtung landete der Balancing Toner von Transparent Lab in meinem Einkaufskorb (Stichwort Spontankauf am Sonntagmorgen, online natürlich). Die erste Benutzung fand ich furchtbar, klebriges Zeug. Ich wollte ihn nicht wegwerfen und dachte, na schön, Hautberuhigung, dann eben einfach morgens nach dem Aufstehen auftragen und später wieder abwaschen. Funktionierte exzellent, ich war begeistert. Dann fing der Toner langsam aber sicher an sich „aufzulösen“, es schwamm etwas Weißes darin herum, dann kleine Körnchen und das fand ich alles nicht mehr lustig. Also weg damit. Bzw. bei Niche Beauty Lab angemeckert und zurückgegeben.
Problem: meine Haut sah mit der täglichen Benutzung richtig toll aus und ich habe mich auf die Suche nach einem Alternativprodukt gemacht.
Die kleine Misserfolgsliste:
- Geek & Gorgeous aPad (mit Derivat): angenehm auf der Haut und es hat wirklich nichts gemacht
- Transparent Lab A5 Balacing Toner (5% Azelainsäure): die Anwendung war furchtbar, die Wirkung toll – vermutlich auch wegen der Kombination mit den Teeextrakten und einem Vitamin C-Derivat in niedriger Konzentration. Das täuscht dann leider nicht über die mangelnde Stabilität und den klebrigen Effekt auf der Haut hinweg.
- No Cosmetics Hypercalm 2-Phase Serum (5% Azelainsäure): hier wurde das Formulierungsproblem sehr geschickt gelöst – und erst gar keine stabile Emulsion abgefüllt. Die machen einfach ein Zwei-Phasen-Produkt, das man vor Gebrauch schütteln muss. Fand ich von der Idee her sehr clever. Leider besteht es hauptsächlich aus verschiedenen Ölen von Avocado bis Aprikosenkern plus Neutralöl plus Squalan. Wer trockene Haut hat wird das gerne mögen. Ich nicht. Es stand und stand und stand auf der Haut.
- Paula’s Choice 10% Azelaic Acid Booster: hat bei mir mit Blick auf Rötungen und gleichmäßigen Hautton wirklich nichts gemacht. Stattdessen bekam ich kleine rote Pickelchen.
- Anua Azelaic Acid 10 Hyaluron Redness Soothing Serum: keinerlei Wirkung auf Rötungen. Zwischenzeitlich gibt es ja die wildesten Gerüchte, was genau da seltsam ist und warum es nicht mehr (?) wirkt. Fakt ist: hat bei mir nichts gemacht.
- NINELESS A-Control 10% Azelaic Acid Serum: ich vermute, das enthaltene Niacinamid ist mir nicht gut bekommen. Schnellstens aussortiert.
- Theramid Azid Serum (15% Azelainsäure): habe ich überhaupt nicht vertragen, meine Haut brannte. Ich vermute, es lag weniger an der Azelainsäure und mehr an der langen INCI-Liste, da ist wohl etwas dabei, was mir nicht bekommt.
Mein Favorit: Skinoren 15% Gel (verschreibungspflichtig)
Bei der ersten Nutzung des Skinoren Gel war ich angenehm überrascht, es ist eine Art Creme-Gel und weder pappig noch klebrig. Es hat eine erfreulich kurze INCI-Liste, das minimiert bei mir die Wahrscheinlichkeit von Unverträglichkeiten.
Der „Formulierungstrick“: es ist ein Hydrogel und enthält mikronisierte Partikel, die sich dann gleichmäßig im Gel verteilen und das Ganze bleibt stabil. Der pH-Wert lässt sich dann natürlich auch optimal einstellen. Nicht so richtig kosmetisch elegant, aber effizient und wie gesagt angenehm auf der Haut.
Ich war damit am Anfang sehr vorsichtig und nach nun monatelangem Herumprobieren bekommt es meiner Haut am besten, wenn ich es jeden zweiten Abend verwende. Nach drei Tagen am Stück wird die Haut irgendwie „empfindlich“, das muss nicht sein. Die Wirkung ist auch so da: Rötungen adé!
Zwischenzeitlich gibt es immer mehr Produkte mit Azelainsäure (z.B. Nerds im DM), ich werde absolut nichts mehr testen, es kann nur schlechter werden.
Aber: jede Haut ist anders und regiert auch anders. Habt ihr schon mal Azelainsäure benutzt, wenn ja welches Produkt und wie sind die Erfahrungswerte?

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