Nochmal: Anti-Aging, strahlende Haut und so weiter

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Vor anderthalb Jahren geschrieben, könnte aber von gestern sein.

In letzter Zeit lese ich auf allen möglichen Blogs Beiträge zum Thema „Anti-Anti-Aging“, die Allure hat dem Thema eine ganze Ausgabe gewidmet einschließlich Helen Mirren auf dem Titel. Dann gibt es natürlich noch einen kommerziellen Aspekt. Und meine Meinung zu der ganzen Geschichte.

An diesem Beitrag habe ich ziemlich lange herumgewerkelt. Eigentlich wollte ich meinen Pflegefahrplan vorstellen (der kommt auch noch, ist schon in der Mache) und nebenher ein bisschen über Anti-Aging und was das für mich bedeutet. Dann las ich diverse Beiträge zu dem Thema und ich fing an, über meinen Standpunkt nachzudenken.

Altern ist keine Krankheit, ganz im Gegenteil. Ich zitiere da gerne den Spruch „Jung sterben ist keine Alternative“. Die Veränderungen, die damit zwangsläufig einhergehen, sind erst recht keine Krankheit. Falten sind normal. Schaut man sich die Werbung der großen Firmen an, könnte man allerdings den Eindruck gewinnen, Altern ist der Horror an sich. Was sich insbesondere an den verwendeten Models verwendet, die im Normalfall meine Töchter sein könnten.

Der allgemeine Jugendlichkeitswahn treibt noch mehr absurde Blüten, gerne auch in diversen Klatschzeitschriften an Stars zu sehen. Schöne Frauen verunstalten sich zu einem merkwürdigen Zerrbild, das für mich abschreckendste Beispiel ist Meg Ryan. Ich habe mit meinen Töchtern kürzlich „Schlaflos in Seattle“ geschaut und die beiden haben sie nicht erkannt aus „Frauen“.

Das Ganze ist eine unschöne Mischung aus einem veralteten Frauenbild und kommerziellen Interessen. Das Frauenbild beinhaltet natürlich eine biologische Komponente (jung = kann Kinder bekommen), eine gesellschaftliche (schöne Trophäenfrau, s. Donald Trump) und noch eine gesellschaftliche (Frauen sind finanziell abhängig und im Gegenzug zur Versorgung müssen sie halt jung und schön aussehen). Und genau dieses Frauenbild wird gerne von der Industrie unterstützt – bringt ja Geld.

Man kann sich darüber aufregen, diskutieren, Anti-Aging in was-auch-immer umbenennen – oder einfach mal sein eigenes Ding durchziehen.

Das sieht bei mir so aus, dass ich grundsätzlich nur über Produkte schreibe, die eine Wirkung haben und nicht nur aus Produktversprechen und merkwürdigen Studien („14 Frauen fanden es toll“). Die Wirkung kann durchaus in einer nachgewiesenen Faltenreduktion bestehen (z.B. Retinol), denn wenn ich ehrlich bin: Falten möchte ich möglichst verzögert bekommen. Hauptsächlich sind es aber Produkte, die meine Haut gut aussehen lassen, gut durchfeuchtet und mit einer guten Textur – da sind mir dann die ersten Falten egal.

Oder anders gesagt: mein Ziel bei der Hautpflege ist strahlende Haut. Nicht jung aussehen oder Falten eliminieren oder festgezurrte Gesichtszüge oder bis zur Unkenntlichkeit aufgespritzt, sondern schlicht gut aussehen. Ich mag dieses Foto von mir ausgesprochen gerne, weil ich mir darauf nicht nur gut gefalle, sondern weil es haargenau meine persönliche Philosophie repräsentiert. Ich finde meine Haut schön, aber natürlich habe ich Falten, ich bin 51. Und ja, ich habe Filler, aber es sieht nach mir aus und ersetzt (hoffentlich) dezent das Volumen an den Stellen, wo es mittlerweile zurückgeht.

So, und jetzt werden wir mal alle vergnügt älter und die Firmen mit dem Jugendwahn finden hier weiterhin nicht statt. Was mir übrigens gut gefällt: der Hashtag #thatsnotme (Link). Schon sehr schade, dass Firmen mit eher teuren Produkten Modells wählen, von denen ich mich aber auch überhaupt nicht angesprochen fühle. Glücklicherweise kann ich ja ganz einfach andere Sachen kaufen. Ok, so ganz konsequent bin ich da bei Schminke nicht…

Wie sehr ihr das ganze Thema?

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5 Kommentare

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Genauso. Falten sind nicht mein Problem, aber das Gesicht ist auch nicht unabhängig von allem.

Wenn ich alt bin, möchte ich glücklich und neugierig aussehen, Hautpflege macht immer noch Spaß, aber ich staune jetzt über die Dominanz, die das ganze Schönheitsthema bei mir eingenommen hat. Es ist auch nicht so, als hätte ich es komplett aufgegeben, aber vieles funktioniert jetzt über andere Wege. Ich schlafe jetzt wieder zwischen 7 und 8 Stunden, gewöhne mir regelmäßigen Wasserkonsum an, esse anders und nehme einige Dinge für die Haut ein und trainiere die Muskeln auch im Gesicht, aktiv oder passiv. Für mich wird jetzt Körperpflege wichtiger, gar nicht mal Cremes, aber Nägel, Hornhaut und Haare verändern sich und brauchen mehr Zuwendung. Ich übe regelmäßig Beweglichkeit, auch weil sich das auf den Gang auswirkt (und sehr wenig macht auf den ersten Blick älter als man ist.) Muskeln zu erhalten ist jetzt definitiv anstrengender als noch vor paar Jahren, aber wichtiger, um Kraft zu erhalten. Merkt man bei langem Stehen. Ich versuche, keine Mahlzeiten ausfallen zu lassen usw.
Ich lebe jetzt freundlicher zu mir. Mein Motto:

„Nimm dein Alter. Addiere nichts. Subtrahiere nichts. Es ist dein Alter.“

Hilft mir, nichts festzuhalten und wirklich offen zu bleiben. Schon das ist eine Herausforderung, weil das in der Jugend so leicht und im Alter so schwer wird.

Ich mach mit vertretbaren Mitteln das Beste aus meinen Möglichkeiten in diesen goldenen Jahren. Ich kümmere mich aber mehr um mich allgemein und ich meine, auch das pflegt Schönsein. Mein Auge nimmt ganz offenbar Falten kaum noch wahr, weder bei mir, noch bei anderen. Dafür schärft sich der Blick für die Gesamtausstrahlung enorm. Um mich herum nehme ich Schönheit wahr.
Was sind schon Falten und Hängebäckchen gegen freundliche, strahlende Augen, die ganz anders schön machen, aber in der Jugend konnte man so noch nicht sein. Zu viele Probleme.
Ich sah neulich mal ein Fotovergleich von Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton, früher und jetzt. Beide sahen jetzt besser aus als in der Jugend, freundlich, souverän, etwas frech, in sich ruhend – ein wunderschönes Paar. Früher faltenfrei und irgendwie nichtssagend. Ist das nicht toll? So kann es nämlich auch kommen.

Ich fand als kleines Mädchen die Haut meiner Oma wunderschön. Die war voller Falten, aber unbeeinflusst von der kulturellen Meinung und Kosmetikwerbung über Falten sah ich gar keinen Makel darin.
Schlechte und problematische Haut ist eher ein Problem der Jugend. Wenn ich das mal früher gewusst hätte…

🙂

Mir gehts in vielem wie Dir, Iridia. Ich bin immer ganz irritiert, wenn 50jährige sagen, sie fühlten sich wie 35. Was haben die die letzten 15 Jahre gemacht? 50 oder 60 oder 70 Jahre sind 50 oder 60 oder 70 gelebte Jahre. Von einem 50jährigen Menschen erwarte ich mehr als von einem 30jährigen, nämlich die Klugheit und das Wissen aus 20 Jahren mehr Erfahrung. Im wahren Leben geht diese Rechnung nicht unbedingt auf. Ältere sind nicht automatisch „weiser“, schade.

Die Haltung ist mir auch sehr wichtig. Man krümmt sich. Wird schluffig. Aufrecht und biegsam schaut man anders in die Welt.

Und dann sind da noch die Abschiede… Von der Muskelkraft, von der Belastbarkeit, von der Kompensationsfähigkeit (Nächte durchmachen? — pfffff…), vom spontanen Flirten auf der Straße, von der überströmenden und selbstverständlichen Vitalität (an die wir uns jetzt erinnern, wahrgenommen haben wir sie damals kaum). Wenn wir für jeden eine Tapferkeitsmedaille bekämen…

Was mich persönlich sehr verletzt, ist die dräuende Unsichtbarkeit. Ich seh das an 80jährigen, die ich kenne — für die interessiert sich wirklich überhaupt niemand mehr. Altern in Würde. Eine gewaltige Lebensaufgabe.

Altern in Würde ist der Sinn des Lebens für mich jetzt mit 50. Das sich niemand mehr nach mir umdreht und ich für viele Menschen unsichtbar und viele Arbeitgeber teuer geworden bin ist mir klar. aber bei manchen Menschen und Arbeitgebern ist das eher mehr eine Erleichterung, wenn ich mir manche und manch tägliches Verhalten gegen Mitmenschen und Arbeitnehmer so ansehe.
Ich sehe das Altern in Würde als keine Bürde und schon gar nicht als eine gewaltige Lebensaufgabe.
Man muss nur sehen das man sich sehr gesund ernährt, sehr gut schläft zwischen 7 und 8 Stunden, viel Wasser/Tee trinkt und zusieht grundsätzlich immer geistig und körperlich immer gesund zu bleiben. Damit kann man sehr gut in Würde altern ohne das ganze als gewaltige Lebensaufgabe hinnehmen zu müssen.

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