Aufräumen – ein paar Hinweise

Menschen, die mich zum ersten Mal besuchen, schauen sich oft erstaunt um und fragen, ob ich extra aufgeräumt habe. Nein, habe ich nicht. Bei mir ist es immer aufgeräumt – außer meine Töchter stiften Chaos. Ich finde es sehr schön, abends in ein aufgeräumtes Heim zu kommen und auch ansonsten ist das meine ruhige Komponente in einem (selbst gewählt) eher hektischen Leben.

Mein Exmann sagte gerne zu mir: “Du verwechselst aufräumen mit wegwerfen”. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, war ich einfach ein unerkannter Trendsetter.

Denn das Problem mit dem Minimalismus und der schönen, klaren Wohnung ist: es ist zu viel Zeug da. Vollgestopfte Kleiderschränke mit unmodernen oder nie mehr passender Kleidung, Küchengeräte, die man wirklich nicht braucht, Krimis aus den 80ern, Vorlesungen aus grauer Vorzeit, Erinnerungsstücke, Dekokram und so weiter und so weiter.

Mein Augenöffner war das mittlerweile berühmte Buch von Marie Kondo “Magic Cleaning”. Untertitel: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert.

Liest man es, stellt man schnell fest: hier geht es natürlich auch um Ordnungssysteme (fester Platz für alles!), aber in erster Linie ums wegwerfen. Raus mit all den Dingen, die man nicht braucht. Und der Begriff “nicht brauchen” ist weit gefasst.

Das Erstaunliche: für mich funktioniert das ganz wunderbar. Ich habe mich im Lauf der letzten zwei Jahre von allem, was ungenutzt irgendwo herumliegt, getrennt. Mit freundlichen Gedanken und zunehmender Erleichterung. Und ich mag das Ergebnis. In meiner Küche gibt es nur noch Dinge, die ich benutze. Das Waffeleisen zugegeben nicht so oft, aber Dinge wie Flotte Lotte, Kartoffelpresse und diverses mehr – weg damit. In meinem Kleiderschrank findet man nur Kleidungsstücke, die ich mag, die mir passen und die ich trage. Bisher habe ich noch nichts vermisst.

Kürzlich habe ich endlich meine Bücher geräumt. Einiges bei Momox verkauft, einige in der Ikeatasche vor die Tür gestellt samt “zu verschenken”-Schild (nun gut, es waren drei volle Ikeataschen) und bisher habe ich noch keins vermisst. Meine Lieblinge stehen jetzt in einem deutlich kleineren Regal. Ich habe sogar meine Science Fiction-Sammlung geräumt und nur behalten, was ich wirklich mag.

Zugegeben: das kostet Überwindung. Lohnt sich meiner Meinung nach aber.

Wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte, findet im Netz zahlreiche Blogs zu dem Thema, einfach mal bei Bloglovin suchen. Ich lese regelmäßig Fräulein Ordnung und ansonsten eher wechselnd. Und das Buch von Marie Condo ist auch sehr empfehlenswert.

Und zum Schluss habe ich noch den ultimativen Tipp für euch nach dem Motto “Wehret den Anfängen”:

Alles, was man in zwei Minute erledigen kann, sofort erledigen. 

Das fängt bei den Kaffeetassen, die in der Spülmaschine auch gut aufgehoben sind, an und geht bis zum morgendlichen Bett machen, schmutzige Wäsche in den Wäschekorb, mal kurz die Kissen auf dem Sofa richten und so weiter. Ich finde, es wirkt wahre Wunder.

Wie haltet ihr es mit der Ordnung? Tipps?

25 Kommentare

Guten Morgen liebe Irit

Die Aufräumfrage habe ich auch schon oft gestellt bekommen. Genau wie du liebe ich es aufgeräumt!
Bei mir steht nix rum, erst recht kein Tinnef der zustauben kann.
Genauso gut kann ich mich von allem trennen was ich nicht mehr brauche, es befreit.

Mit besten Grüßen und ein schönes Wochenende
Silvia

ich musste lachen, als ich deinen Kommentar gelesen habe – ich bin nicht allein 😀

Liebe Irit,

das ist absolut bewundernswert! Das Buch von Condo steht auch bei mir im Regal und ich bin auf einem guten Weg, aber noch lange noch so perfekt wie Du 🙂
Es ist herrlich, in eine klare, aufgeräumte – und saubere! – Wohnung zu kommen. Du hast absolut recht!
Ein wunderbarer Beitrag! Danke Dir!

Herzliche Grüße von
Stephanie alias die Modeflüsterin

Ich sehe das genauso – was ich nicht brauche , muss weg . Ich räume sehr gerne auf und freue mich jedes Mal , wenn ich einen Schrank aufmache und es ist übersichtlich . Kleidung kaufe ich nur dann, wenn ich etwas brauche . Bettwäsche , die ich nicht mag oder ausgedient hat, wird weggeschmissen und erst dann gibt es neue. Genauso Handtücher – 2 Farben in verschiedenen Größen , reicht doch. In der Küche sieht es genauso – habe mein geliebtes weißes Rosenthal für 18 Personen, da kommt keine neue Tasse oder Schüssel dazu, ich habe doch alles.
Krimskrams was rumsteht, sind nur Staubfänger . Ich kann Staub abwischen fast in einem Zug, muss nichts hochheben oder hin – und her rücken . Minimalistisch und immer aufgeräumt ??

ok, da bin ich noch nicht so ganz. Bei Kleidung schon, aber Handtücher, Porzellan und BEttwäsche habe ich schon ein bisschen mehr….

Ich finde ja, wegwerfen ist das tatsächliche Aufräumen. 🙂

Das Problem ist meist, keinen echten Platz für Neues zu haben, aber den hat man nur nicht, wenn das Alte nicht genauso abgeflossen ist. Nur dann entsteht ein Stau und man hat das Gefühl, man stampelt in der Gegenstromanlage und weiß nicht wohin mit dem Zeugs. Ob man viel kauft oder weniger, die Menge des Zu- und Ablusses sollte in Balance sein. Ist sie aber oft nicht. Mein Mann und ich haben uns schon extra für eine kleine Wohnung entschieden, dafür im von uns interessantesten Viertel der Stadt, damit wir nicht anfangen, Platz zum Aufheben zu haben und das, obwohl er viel zu Hause arbeitet und jede Menge Material braucht. Wir zwingen uns, mit dem Platz zu haushalten.
Wir machen, jeder für sich, einmal im Halbjahr eine Razzia und schleppen viel raus. Immer. Dann feiern wir den Moment des aktuellen Lebens.

Für mich war einer der besten neuen Gedanken, beim Kauf dem Stück eine Zeit zuzugestehen. T-Shirt oder Kleid nur für die Saison, Buch, bis es ausgelesen ist oder für 3 Jahre als Nachschlagwerk, Küchengerät nach Ernährungsphilosophie und Langlebigkeit. Die Möglichkeit der Wiederbeschaffung im Verhältnis zum Preis, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, es wieder zu brauchen. Falls es einem länger gefällt, super. Aber theoretisch ist es amortisiert und könnte weg.

Seien wir ehrlich. Wir merken auch die Qualität unseres Geldausgaben erst, wenn wir sehen, wie kurz wir was nutzen. Wenn wir was ungenutzt lange aufheben, nur weil die Anschaffung teuer war, betrügen wir uns, was die wirkliche Nutzungszeit betrifft, doch nur selber. Andererseits sind manche Kosten das schlicht und einfach im Moment wert. “Das hat doch alles Geld gekostet” ist ein Satz, der der Hortung inzwischen nicht mehr erfreuender Sachen zugrunde liegt. Die viel bessere Lernaufgabe, wirklich gute Sachen von Fehlkäufen (die völlig normal sind, weil man nun mal Kompatibilität und Benutzerfreude erst im tatsächlichen Gebrauch feststellen kann) zu unterscheiden. So irre es klingt, ich spare damit Geld aus echter innerer Einsicht und habe dafür welches, wenn tatsächlich das tiefe Herz dran hängt.

Ziel ist für mich, immer etwas Raum zu haben, im Bücherschrank, wo es mir am schwersten fällt (bin deswegen Kindle-Fan), im Kleiderschrank, im Küchenschrank. Ein Teil soll im Bewahren der Dinge liegen, die ich zeitlos toll finde, einer, der für mich langlebiger ist und ein großer Teil kurzer, der mein augenblickliches Lebensgefühl widerspiegelt, das im Fluss ist und kommen und gehen darf. Dann räumt man auch gern auf, als würde man einen Diamanten zurück ins Schmuckkästchen legen. Das ist auch Wertschätzung.

Schönes Thema. 🙂

Das Konzept mit der kleinen Wohnung ist interessant – als unterstützende Maßnahme sozusagen.

Und bei den Sachen, die teuer waren und die man deswegen behält, bin ich deiner Meinung. Totaler Quatsch, das hängt einem wie Mühlsteine um den Hals.

Warum auch nicht? Wäre ja merkwürdig, wenn wir alle die gleichen Vorlieben hätten!

Schön, dass ich hier nicht alleine bin mit meinem Bedürfnissen nach freiem Raum, nach ungenutzten Flächen, nach Übersichtlichkeit und Ordnung.
Ich gebe aber zu bedenken,
wenn Ihr Euch einen Kriminalfilm anguckt, kommt meistens der Punkt, an dem die Kriminalbeamtin (Blondine, selbstverständlich allein) das Haus des Verdächtigen betritt. Sie schaut sich im Wohnzimmer um: aufgeräumt, blitzblank, keine gerahmten Familienfotos an den Wänden, keine Zierdeckchen auf der gläsernen Tischplatte. Spätestens jetzt ist dem erfahrenen Zuschauer klar: das muss die Behausung des psychopathischen Serienkillers sein. (Nette Menschen wohnen in gemütlichem Chaos, schmutziges Geschirr auf dem Tisch kündet von erfülltem Leben, irgendwo festgepinnte Postkarten von befriedigenden Sozialkontakten.)
Die Blondine schleicht die Kellertreppe hinunter. Im Bastelkeller liegen die Kettensägen sauber aufgereiht, die blitzenden Messer sind der Größe ihrer Klingen nach geordnet. Ihre Augen werden riesengroß, während die Filmmusik drohendes Unheil verkündet. Krachend fällt eine Metalltür ins Schloss und natürlich ist der Akku ihres Handys leer.

So eine Messerleiste hab ich auch. 😀

Andererseits kann man gut sehen, wie es mit unbewussten Klischees läuft. Wenn das sympathisch assoziiert wird und man sympathisch sein möchte, schafft man sich halt das passende Umfeld, ohne zu merken, was dahinter steckt.

Für mich war das Erweckungserlebnis lange her, die Wohnung meiner Großtante: geräumig, wenig, aber richtig tolle Sachen, keine überflüssige Wahl mehr, natürlich aufgeräumt. “bei mir gibt es nur türkischen Apfeltee zu trinken seit einem halben Jahr, hier deine Tasse”. 😀 Ich fand das so erfrischend und meine Gedanken und kreativen Wirbel feierten den Ort und die Person. Sowas wollte ich auch. Was geblieben ist, ist auch die Ansicht: dein Leben kann auch so leicht und einfach oder unverstellbar und kompliziert sein wie deine vielen Dinge.

Als ich (noch Schülerin) zum ersten Mal die Wohnung meines heutigen Mannes betrat und sah, alles ist aufgeräumt, klar, strukturiert, wenige ausgesuchte Möbel, allerdings viele Bücher in den Regalen, setzte ich mich spontan auf den Boden und sagte: “Hier gefällt es mir, hier bleibe ich.” Auch ein “Erweckungserlebnis”, denn die Wohnungen, die ich bis dahin gesehen hatte, waren völlig anders. In den Möbeln wohnen wir heute noch, nichts davon ist im Lauf der Jahrzehnte kaputt gegangen, allerdings haben sich weitere dazugesellt. Mein Mann ist Maler und er kann nur arbeiten, wenn um ihn herum Ordnung ist. Kein kreatives Chaos, sondern Stille und Leere, damit Neues entstehen kann.

Bei euch ist es aber auch ganz wunderschön!

Was ich nicht mag, ist ein Designmuseum. Ich mag Mischung aus Ikea und teuer.

Bei mir ist es auch immer aufgeräumt und ich handle nach dem Motto: wenn etwas Neues ins Haus kommt muss etwas Altes es verlassen.
Minimalistisch ist es allerdings nicht bei uns, was aber daran liegt, dass wir nicht viel Stauraum haben und deswegen (gerade in der Küche) alles, was regelmäßig benutzt wird und schön aussieht, draußen steht oder hängt.
Würde ich nicht aufräumen wäre hier Chaos.

Habe auch eher noch Probleme mit dem Aufräumen/Wegwerfen . Leider habe ich sehr viel Platz zur Verfügung, so daß sich Krempel eher weitläufig verteilt
Büchergilde voller Bücher es erscheint mir frevelhaft die wegzuzun
Bin aber besser darin geworden unser Bäcker hat ein Regal in das Ausgeleseneses stellen kann
Praktiziere ich (noch) mit ausgelesen Taschenbücher.
Einen Kindle nutze ich auch, möchte ich auch nimmer missen.
Seltsamerweise fällt es mir da leichter Platz zu schaffen.

Garderobe hab ich Grad angefangen zu sichten. Eigentlich hab ich immer Pass ich rein, will ich wieder rein passen und könnt ich noch mal Brauchen

Irgendwo in meiner DNS muss ein ich horte alles Gen stecken.

LG sabinew

Ich bin ganz schlecht im Wegtun, kann mich selten von Sachen trennen. Schlimmerweise habe ich auch noch ganz viel Geerbtes … unter anderem mehrere Services mit Goldrand, ein Gemälde, das eine ganze Wand einnimmt (Rembrandts Selbstbildnis mit Sakia) und Möbel, die man einfach nicht verkaufen kann, alte Bücher. Deswegen ist unser Speicher voll und eigentlich geht es mir auch nicht gut damit. (Was wäre denn, wenn es mal brennt?) Aus meiner Garderobe “wachse” ich nicht raus, da bin ich aber schon konsequenter geworden und trenne mich von Klamotten, die ich ein Jahr nicht getragen habe. – Aber ich beneide Menschen mit aufgeräumter Wohnung. Dass Wegwerfen (Verkaufen …) der erste Schritt dahin ist, war eben gerade eine richtige Erkenntnis. Vielleicht sollte ich mir “Magic Cleaning” zulegen, das stelle ich mir ganz wunderbar vor, wenn sich dieser Gedanke ausbauen lässt. Und möglicherweise kann ich dann die Erbstücke auch mal loslassen.
LG Kate

Geht mir auch so. Ich benutze die Erbsachen täglich, in meinem Besteckkasten liegt nur das Silber meiner Oma, das poliere ich zu Weihnachten, das Geschirr ist das gute meiner Mutter. Ich glaube, ich habe seit 30 Jahren keinen Teller im Laden gekauft. Aber keine Angst, es sieht bei uns nicht wie im Museum aus, sind ganz normal eingerichtet und es ist aufgeräumt (meinem Liebsten sei Dank). Trennen kann ich mich von Sachen, aber nicht wegwerfen. Also verkaufe ich nach und nach die alten Dinge, die doch nur in einem Karton in der Kammer stehen, auf dem Flohmarkt, neulich einen Berg Zinnsachen… Es ist schon so, wie Irit sagt: Wenn die Dinge erst einmal weg sind, vermisst man sie nicht und es befreit.
Wir haben keinen Dachboden und keinen Keller, das zwingt zu einer gewissen Disziplin. Meine Motivationshilfe ist das Buch “Feng Shui gegen des Gerümpel des Alltags” von Karen Kingston.

Ich habe vor Weihnachten auch noch mit einer Altlast aufgeräumt: mein Aussteuergeschirr. So was gibt es. Mit Goldrand. Fürchterlich. Ich habe ein Porzellangeschäft gefunden, bei denen ich es gegen Dibbern “Solid Color” tauschen konnte. Und jetzt habe ich buntes Frühstücksgeschirr in blau und grün und ich liebe es und benutze es jedes Wochenende. Und habe nicht mehr die Altlast im Schrank stehen.

Ich stamme aus einer langen Linie von Hoardern, bin aber recht gut darin geworden, mich von Dingen zu trennen.
Viele Bücher und CDs bin ich bei Momox losgeworden, auch ein paar Kleidungsstücke. Es wurden aber auch unzählige Tüten zu
H&M geschleppt und gegen Gutscheine getauscht.
(Jaaa, die ziehen dann natürlich wieder neue Klamotten nach sich, aber ich wollte ja auch nicht gänzlich auf neue Garderobe verzichten.)
Meine Wohnung könnte sicherlich minimalistischer eingerichtet sein, etwas Krimskrams gestehe ich mir aber zu.
Ich versuche beim wöchentlichen Hausputz immer ein paar Dinge zu entsorgen, ist dann nicht ganz so überwältigend und der “Trennungsschmerz” hält sich in Grenzen.
Wobei ich mich in letzter Zeit häufiger dabei ertappe, von einem großen Müllcontainer unterm Fenster zu träumen, in den ich alle unnützen Dinge in einem Rutsch entsorgen kann… 😉

ist sehr befreiend, oder? Und irgendwann stellt man dann auch fest, dass man nichts vermisst! Z.B. bei Kleidung – weil man den ganzen Prött eh nicht angezogen hat

Definitiv! =) Wobei es mir tatsächlich wesentlich leichter fiel, mich von Büchern und CDs zu trennen, bei Kleidung braucht es meist mehrere Anläufe. Wenn ich dann aber erst einmal in Wegwerflaune bin, gibt es kein Halten!

Beeindruckend! Ich selbst bin nicht so ein Aufräum-Fan, aber deine Sicht ist irgendwie motivierend. Das Wegwerfen ist echt eine wichtige Sache, da kann ich nur zustimmen. Immerhin der Punkt klappt bei mir schon ganz gut.

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