Lasst uns diskutieren…
Kürzlich schrieb ich über eine Klassenkameradin meiner großen Tochter, die ein Kopftuch tragen muss (Link). Susi schrieb bei den Kommentaren, dass es doch durchaus Muslima gibt, die freiwillig Kopftuch tragen. Daraufhin kam ich ins Nachdenken, einen Teil habe ich ja schon bei den Kommentaren geschrieben
naja, die meisten Religionen haben ja eins gemeinsam: sie reglementieren Sexualität und zwar insbesondere bei Frauen. Ein perfides Machtmittel. Nicht umsonst gab es mal die 68er, die Abtreibungsdebatte und den Wertewandel nach Einführung der Pille. Ich betrachte es als hohes Gut, dass ich als Frau machen kann wie und wann und mit wem ich will (ok, seit 25 Jahren mit meinem Mann, aber theoretisch). Es ist Freiheit. Auch geistige Freiheit, denn man muss sich sein eigenes Lebensmodell überlegen. Und nicht einfach das von irgendwelchen Männern nachkauen – und ich kenne keine große Religion, bei denen Frauen den Ton angeben.
Am Ende kam ich schließlich darauf, dass ich Vorschriften aller Art wie die Pest hasse. Das gilt natürlich nicht für allgemeine ethische Regeln wie „Du sollst nicht töten“, „Du sollst nicht stehlen“ oder „Du sollst nicht lügen“. Naja, fast nie. Nur kleine Notlügen und die sind erlaubt. Aber der Rest. Warum sollte ich mir von irgendjemanden Vorschriften für MEIN Leben machen lassen? Ich möchte nicht, dass irgendjemand anders bestimmt, wie ich lebe, wovon ich lebe, was ich esse und trinke und so weiter.
Vermutlich stehe ich deswegen auch auf Kriegsfuß mit jeder Art von Religion, bevor es überhaupt nur an eine Diskussion über das Gotteskonstrukt geht, kriege ich schon eine Krawatte wegen der diversen Vorschriften, die immer gerne daran gehängt werden.
Mir ist völlig unverständlich, wie man sich so gängeln lassen kann. Und woher die Gewissheit kommt, dass irgendein Mensch göttliche Vorschriften niedergeschrieben hat. Das ist doch ein Widerspruch an sich. Und wieso sind bei Religionen immer die Frauen die Blöden? Schön jungfräulich bleiben (mangels Vergleichsmöglichkeit steht da natürlich noch der letzte Armleuchter als Held im Bett da – haben Männer echt so viel Angst vor Frauen?), Abtreibung auf keinen Fall (Macht in Frauenhand, gar nicht gut) und so weiter und so weiter. Einer der krönenden Höhepunkte sind natürlich die Scheidungsrechte im Islam, wenn ich es richtig verstanden habe, wird man seinen Mann praktisch nur durch Totschlag los, wohingegen er einen einfach wegschicken kann. Na bravo. Mir ist schleierhaft, warum irgendeine Frau freiwillig diesen Zinnober mitmacht.
Aber zurück zum Thema Vorschriften. Ich muss da immer an das Buch denken, dass Janne vor einiger Zeit vorgestellt hat (Link). Sie schreibt dort:
Die häufigste Aussage betraf das Unglück, nicht das eigene Leben gelebt, sondern sich viel zu viel nach den Wünschen und Ansprüchen anderer gerichtet zu haben. Das stelle ich mir auch wirklich schlimm vor, wenn einem klar wird, dass das eigene Leben ganz anders ausgesehen hätte. Ich denke oft, dass den Leuten eher leid tun wird, was sie alles nicht gemacht haben, als das, was sie taten.
Ich weigere mich, die Vorstellungen anderer Menschen zu erfüllen. Es kann ja sein, dass meine Mutter meint, ich müsste dies und jenes tun. Mache ich aber nicht. Ich mache das, was ich für richtig halte. Meistens jedenfalls, nur bei meinen Kindern bin ich kompromissbereit. Glücklicherweise leben mein Mann und ich ziemlich symbiotisch und legen ansonsten Wert auf Eigenständigkeit. Eben jeder so, wie er möchte. Das mag ich auch an meinen Freundinnen Janne und Nanna, die erzählen mir nie, was ich machen soll, selbst wenn sie gerade denken, dass ich völlig durchgeknallt sein muss.
Tja, so ist das mit den Vorschriften und deswegen bin ich auch ein Kopftuchhasser. Kruzifixe in öffentlichen Räumen mag ich auch nicht.

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