Das vergessene Studium

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Es gibt Leute, die brauchen das im Studium erworbene Wissen tagtäglich, setzen es ein, erweitern es, leben damit und sind auf dem neuesten Stand. So zum Beispiel Juristen, Steuerfachleute oder BWL mit Ausrichtung Bilanzierung oder Rechnungswesen. Da gibt es einen sehr festgesteckten Rahmen, den man kennen sollte. Dann gibt es solche Leute wie mich. In grauer Vorzeit habe ich Statistik und Informatik studiert, Fachgebiet Ökonometrie, d.h. die Anwendung der Statistik in der Ökonomie. Hört sich toll an, oder?

De facto sieht es so aus, dass ich von den Studieninhalten neben dem grundlegenden Verständnis für Algorithmen bestenfalls das logische Denken brauchen konnte. Ok, die eine oder andere Regressionsanalyse habe ich vor 20 Jahren noch gemacht, ich kann auch noch erklären, welchen Satz ich in meiner Diplomarbeit bewiesen habe. Aber dann hört es auch schon auf. Wie ich kürzlich peinlich berührt bemerkt habe.

Folgende Szene: Presse Event für eine neue Creme. Die Dame für den wissenschaftlichenTeil stellte die Studie zur Wirksamkeit der Creme vor und ich hörte aufmerksam zu. War übrigens eine schöne Creme, die ich demnächst ausprobiere und auch hier vorstellen werde, kommt aber erst im Juni raus.

Es wurden dann die Ergebnisse der Befragungen der Testerinnen vorgestellt, sie konnten bei unterschiedlichen Fragen „Schulnoten“ von 1 bis 7 vergeben. Dann wurden die Durchschnittswerte präsentiert.

In dem Augenblick dachte ich: Moment, Schulnoten, das sind doch keine skalierbaren Messwerte. Das sind doch…. und es fiel mir nicht mehr ein. Ich habe ein ganzes Semester eine Vorlesung über unterschiedliche Skalen gehört und welche statistischen Methoden anwendbar und zulässig sind. Und ich konnte mich noch nicht mal mehr an den Fachausdruck für die „Schulnoten“ erinnern.

Wenn ich ehrlich bin: brauche ich auch nie mehr. Ich könnte nicht mehr als Statistikerin arbeiten, alles wieder vergessen, genau wie mein großes Latinum. Dafür kann ich heute besser englisch als in der Schule (und ich hatte Leistungskurs) und habe umfangreiches Wissen in Sachen Projektmanagement. Und Bloggen und Anti-Aging…

Irgendwie schade ist es aber schon, was man alles vergisst.

PS: es sind übrigens Ordinalskalen 🙂

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