Die Freuden der Gärtnerin im Herbst, oder

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Abräumen ist auch ganz schön. Ich kann es mir zwar im Frühjahr niemals vorstellen, dass erstens der Herbst überhaupt kommt, zweitens die Stauden, die gerade mal vorsichtig ihre ersten grünen Triebe herausstecken, irgendwann abgeblüht sein werden und drittens ich sie dann mit Freuden entsorge. Nein, im Ernst, es ist sehr befriedigend, abzuschneiden, zu schreddern und wegzubringen. Ja, genau das, was man den Sommer über gehegt, gepflegt, geschnitten und hochgebunden hat.

Warum das so ist? Ich habe lange darüber nachgedacht, aber dieses Jahr ist mir das erste Mal klargeworden, was der wirkliche Grund ist: Es gehört dazu. Richtig, das ist alles. Es ist dieser ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, den diejenige erlebt, die einen Garten wirklich bearbeitet. Es kann im Frühjahr keine wunderschöne Narzisse, keine stolze Tulpe blühen, wenn ihr die Pflanzen des Sommers und Herbstes keinen Platz gemacht haben. Ebenso könnten die Stauden nicht wild wuchern und alles mit ihrer Vitaltität und ihren Blüten überschwemmen, wenn die Tulpen bis dahin nicht abgeräumt wären. Das Wegschn

eiden der einen Pflanzen lässt den anderen den Raum zum Leben.

Wer einen Garten hat, kann nicht zimperlich sein. Das Leben ist es auch nicht. Mein Mann regt sich jedesmal über diese meine Aktionen auf, die der Kettensägenmassaker nennt – ich nenne es das Gesundschneiden von Stauden nach der ersten Blüte. Ich weiß, es sieht brutal aus, wenn Storchschnabel und Frauenmantel bis auf die Erde abgeschnitte sind. Es braucht auch viel Zuwendung, denn mindestens zwei Wochen müssen die Überbleibsel morgens und abends gewässert werden. Aber dann schenken sie uns mit ihrer neuen Wachstumsperiode nettes frisches Grün und mit ein bisschen Glück eine weitere Blüte – statt verblühten Resten und vergilbenden Blättern.

Aber das ist sicher Geschmackssache – ich plädiere jedenfalls für beherzte Eingriffe in den Garten, schließlich soll er sich auch immer wieder wandeln. Ich habe daran gelernt, dass ein bestimmter Zustand sich nicht festhalten lässt, egal wie sehr er mir gefällt. Nächstes Jahr wird der Garten auf jeden Fall ein anderer sein – was eine wunderbare Einsicht in das Leben im Übrigen.

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