Die fehlende Objektivität, wenn es um einen geliebten Menschen geht, oder

Achtung: Werbung! Lesen auf eigene Gefahr*

wo kommt dieser Verteidigungsreflex her? Ich stelle mir diese Frage, weil ich neulich mit einer alten Bekannten richtig aneinander geraten bin. Nein, ich habe weder ihren Mann angebaggert (das ist auch gar nicht meine Art und außerdem finde ich ihn nicht mal attraktiv) noch haben wir uns über Politik unterhalten. Vielmehr ist ihr noch sehr junger Neffe (18) Vater geworden.

Sie erzählte dann ganz unbefangen, dass er ja leider wegen seines Praktikums nur alle zwei Wochen mal am Wochenende Zeit hat, seinen Sohn zu besuchen. Ich fand es nicht abwegig, mal nachzufragen, ob der junge Mann denn nicht das Gefühl hätte, der ebenfalls fast noch minderjährigen Mutter ein bisschen mehr auch praktisch zur Seite stehen zu müssen. Ich fand es auch nicht stichhaltig als Begründung dafür, dass er sich nicht kümmerte, dass er das Kind ja nicht gewollt hätte. Ich finde nämlich, dass auch Männer zuverlässig dafür sorgen können, dass Schwangerschaft nicht eintritt, wenn es ihnen denn wichtig ist. Und dass ein Mädchen, dass sich zu einer Abtreibung aus welchen Gründen auch immer nicht durchringen kann, gleichzeitig die volle und lebenslange Verantwortung alleine übernimmt, ist mir auch nicht unbedingt eingängig.

Diese Argumente wurden aber als Frontalangriff auf den Jungen empfungen, und als Moralkeule und überhaupt täte er, was er könne. Dass dies die junge Mutter an den restlichen zwölf Tagen in zwei Wochen nicht zu entlasten vermöge, war demgegenüber bedeutungslos. Es gab keine Verständigung, wir kamen nicht auf einen Nenner und irgendwie nicht zusammen, schließlich verließ sie empört den Raum.

Ich kenne diesen Reflex auch, vor allem, wenn jemand, den ich nicht mag, etwas Negatives über meine Kinder sagt. Dann möchte ich mich auch löwenmuttermäßig vor die Kinder werfen und sie gegen alle Anwürfe verteidigen. Trotzdem weiß ich, dass sie nicht unfehlbar sind, oft Mist machen, und schaffe es meistens, mich zusammen zu nehmen und nicht zurück zu schlagen. Vielleicht ist der Verteidigungsimpuls um so größer, je weniger man sich eingesteht, dass man das selbst nicht so toll findet, was der geliebte Mensch da tut? Das aber nicht thematisieren kann oder möchte?

zp8497586rq
*Aufgrund der aktuellen Rechtslage ist alles von (unbeauftragter) Namens- bzw. Markennennung bis zu bezahlten Kooperationen als Werbung zu kennzeichnen. Mehr Informationen dazu gibt es hier