Die medizinisch am schlechtesten versorgte Bevölkerungsgruppe in Deutschland, oder

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warum die Angehörigen von Ärzten so arm dran sind. Wenn man Angehöriger eines Arztes ist, dann klaffen nämlich die landläufigen Vorstellungen der Umwelt und die Realität weit weit auseinander. Meine Umwelt denkt immer, ich sei bestens versorgt, was medizinische Fragen angeht, schließlich ist mein Mann ja Arzt. Weit gefehlt, im Gegenteil, mein Mann kümmert sich den ganzen Tag um kranke und verletzte Menschen, da will er das zu Hause nicht auch noch.

Wenn ich ihn um medizinischen Rat bitte, erhalte ich regelmäßig die Antwort, das wisse er auch nicht, abwechselnd mit dem Anwurf, warum ich ihn denn fragen würde, ich täte ja sowieso immer, was ich für richtig halten würde. Nun ja, mir war vorher nicht bekannt, dass man einen Arzt nur dann um Rat fragen darf, wenn man sich vorher verpflichtet, diesen Rat auch Buchstabe für Buchstabe umzusetzen.

Nun bin ich nicht verwöhnt, sondern eher hart im Nehmen, weil ich in einer Apothekerfamilie aufgewachsen bin, in der ein vergleichbares Phänomen zu beobachten war. Während meine Umwelt annahm, ich sei ja durch meine Eltern mit allen notwendigen Medikamenten und darüber hinaus überversorgt, habe ich in meiner ganzen Kindheit kein einziges Nasenspray gesehen und die halben (!) Aspirintabletten bei Fieber über vierzig Grad kann ich an einer Hand abzählen, vorher gab es Wadenwickel. Meine Eltern waren (wohlbegründet, wie man heute weiß, denn der Conterganschock stand noch bevor) der Auffassung, dass die besten Medikamente die seien, die man nicht einnimmt. Ich hatte das so verinnerlicht, dass ich mit 17 drei Tage nach einem Armbruch nebst Operation desselben lieber vor Schmerzen geweint als um ein Schmerzmittel gebeten habe.

Insofern war ich ganz gut gerüstet, als mein Mann mir am Telefon auf die Frage, was denn jetzt mit der fälligen Heparinspritze sei, antwortete, das habe er leider am Morgen ganz vergessen, es sei aber wichtig, dass die jetzt gegeben werde und das seien so Einwegspritzen, das könne jeder Idiot alleine, einfach eine Bauchfalte quetschen und rein damit. Hm, nun ja, ich bin kein Weichei, aber ich gucke selbst nicht gerne zu, wenn mir jemand Blut abnimmt oder eine Spritze gibt. Aber ich tat es, quetschte die Falte, zielte, presste die Augen zu und haute die Spritze rein. War nicht schwer. Aber nett war es auch nicht. Ich fühlte allerdings eine vertraute Vernachlässigung, denn der Spruch mit dem Idioten hätte auch von meinem Vater sein können.

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