Rausgekramt 2

Heute nichts von mir, sondern eine kleine Sammlung von Zitaten einer sehr geschätzten Leserin, die ihr auch alle kennt. Obwohl sie sich manchmal als Schweinehund tarnt.

1.4.2017

Schön, dass ich hier nicht alleine bin mit meinen Bedürfnissen nach freiem Raum, nach ungenutzten Flächen, nach Übersichtlichkeit und Ordnung. Ich gebe aber zu bedenken,
wenn Ihr Euch einen Kriminalfilm anguckt, kommt meistens der Punkt, an dem die Kriminalbeamtin (Blondine, selbstverständlich allein) das Haus des Verdächtigen betritt. Sie schaut sich im Wohnzimmer um: aufgeräumt, blitzblank, keine gerahmten Familienfotos an den Wänden, keine Zierdeckchen auf der gläsernen Tischplatte. Spätestens jetzt ist dem erfahrenen Zuschauer klar: das muss die Behausung des psychopathischen Serienkillers sein. (Nette Menschen wohnen in gemütlichem Chaos, schmutziges Geschirr auf dem Tisch kündet von erfülltem Leben, irgendwo festgepinnte Postkarten von befriedigenden Sozialkontakten.) Die Blondine schleicht die Kellertreppe hinunter. Im Bastelkeller liegen die Kettensägen sauber aufgereiht, die blitzenden Messer sind der Größe ihrer Klingen nach geordnet. Ihre Augen werden riesengroß, während die Filmmusik drohendes Unheil verkündet. Krachend fällt eine Metalltür ins Schloss und natürlich ist der Akku ihres Handys leer.

1.1.2017

Silvesternacht

Mein guter Freund, mein Schweinehund!
Allmählich wirst du kugelrund,
ein praller Pelzklops auf vier Pfoten.
Kekse sind ab jetzt verboten!

Wobei es kaum zu glauben ist:
ein Hund, der nachts noch Süßkram frisst …
Dein BMI? – Dir einerlei,
geht dir am Hinterteil vorbei.

Dich als Hund
kneift zwar (sei froh1) kein Hosenbund,
doch mein rapider Muskelschwund
wär eigentlich ein Trennungsgrund.

Obwohl du weißt, Bewegung ist gesund,
ersinnst du immer einen Grund,
um deines „Meditierens“ willen
auf der Chaiselongue zu chillen.

Und jedwede
Ausrede
ist dir recht.
Mir reicht’s jetzt, echt!

Meine pink-silbernen Laufschlappen
sind schon lange nur Attrappen.
Wie wohl tät mir die Winterluft,
frischer, reiner , kühler Duft!

Die Belohnung nach dem Duschen:
Wohlbehagen … rosa Puschen …
Wie fühl ich mich voll Jugendkraft,
so tugendhaft,
so voll im Saft.

Ganz schlimm, wie du dich hängen lässt!
Mein Entschluss steht felsenfest.
Bleib du bequem und träge.
Ab morgen gilt: ICH BEWEGE MICH !
AUCH OHNE DICH !

So!

24.12.2015 – Der Klassiker

Ihr Lieben,

friedlich auf elysischem Rasen
sah ich Pegasus grasen.
Ich schwör, ich hab ihn nicht gerufen –
jetzt scharrt er draußen mit den Hufen.
Liebe Irit, Du hast geschrieben, dass dieses Jahr
voll an Projekten und Arbeit war.
To do – Listen …toilettenpapierrollenlang.
Privat? Ein beherzter Neuanfang.
Urlaubswochen gab´s nur spärlich,
Schönheitsschlaf? ganz klar – entbehrlich.
Während noch finstert stockdunkle Nacht,
täglich“mal eben“ ein Posting gemacht.
Du hast (fast) alles geschafft.
Fabforties zeigen Mut und Kraft!

Der Tannenbaum ist aufgestellt
und seiner Lichter Glanz erhellt
golden, sanft den ganzen Raum.
Ach, so ein Weihnachtsbaum!
Der Schimmer der Kerzen
erwärmt die Herzen,
zaubert weiche Lichter
in glückliche Gesichter.
Der Rotton der Kugeln trifft
Deinen schönsten Lippenstift.
Und der dunklen Tanne Grün
lässt der Kugeln Rot erglühn.
Welch geheimnisvolle Pracht:
Hört nur hin, er flüstert sacht:
„Nun ist Weihnacht!“
Jetzt bin ich doch leicht überrascht –
„Pegasus!!!! – Hast du vom Glühwein genascht?“
Oje! Jetzt ist er beleidigt. Sehr beleidigt.
Nie! werde er so tief sinken
heimlich! Glühwein!!! zu trinken.
Das sei halt so mit geschmückten Bäumen:
auch nüchterne Dichter begännen zu träumen.
Und überhaupt! Ich möge Euch nur sagen,
der silbrige Glitzer – fein aufgetragen -,
stamme von ihm, der holprige Rhythmus dagegen von mir.

Und sacht entschwebt das geflügelte Tier.

Fröhliche Weihnachten Euch allen!

——-
Liebe Lissy, vielen Dank für all deine wunderbaren Kommentare!

 

12 Kommentare

  • Christiane

    Mir sind die Texte einfach zu lang

    • Sehr kurzes Drama

      Die Bühne ist leer, am seitlichen Rand steht die Dichterin, neben ihr liegend ein Schweinehund. Im Hintergrund hohe Bücherregale, einsturzgefährdet.

      Dichterin:
      „In Lyrkbänden dicht an dicht,
      stehn Gedichte – meine nicht …“

      Stimme von weit oben:
      „Hast Du mal darüber nachgedacht, warum das so ist?“

      Dichterin:
      „Nö – sind sie doch unvergleichlich,
      so unerreichlich,
      so wortgewaltig
      und so Glühwein – haltig …“

      Stimme von oben, donnernd:
      „Schluss – Aus!“
      Der Schweinehund knurrt.

      Während die Dichterin in ihren Pompadour greift und schüchtern rosa Glitzerglimmer ins Publikum wirft, erstrahlt helles Scheinwerferlicht von oben und der Schatten eines sich rasch entfernenden Flügelrosses wird auf den Bühnenboden projiziert.
      Ein Bühnenarbeiter kehrt mit einem riesigen Besen den Glitzer zusammen.
      „Wat soll der Kokolores? Unsereiner will ja auch ma Feierahmd haben!

  • Ich gebe zu…ich durchsuche manchmal die Kommentare nach Lissy 😊😉

  • Die Texte sind und bleiben herrlich!!! Danke Lissy!

    Und DANKE Irit fürs Rauskramen!!!

    Ich finde es übrigens toll, dass auch die Leserinnen hier als Persönlichkeiten erkennbar werden. Jedenfalls, wenn man den Blog über einen längeren Zeitraum liest.

    Liebe Grüße und allen einen schönen Tag,
    Ulrike

  • Danke für die Erinnerungen! Lissys Poesie ist mir immer eine Freude unter all den anderen sachlichen Kommentaren.
    Liebe Lissy, ich bin sehr froh, dass du Pegasus inzwischen handzahm und stubenrein erzogen hast. Auch wenn er immer wieder ab und zu zu tief ins Glühweinglas schaut… Bitte weitere Dichtungen, gern auch Prosa. Wie ging es eigentlich mit der blonden Kommissarin und dem minimalistischen Kettensägenliebhaber weiter? (Und kein Horrorklische jetzt bitte, du und Pegasus, ihr könnt kreativere Fortsetzungen.) 😉
    Liebe Grüße! April, die ein Faible für Blondinen und Flügelrösser hat

  • Liebe April,
    ich habe ja nur wiedergegeben, was mir immer wieder in Film und Literatur begegnet. Jetzt den geistigen Trampelpfad verlassen … schwierig. Ich schlage vor, Du leistest selbst ein wenig Arbeit und stellst Dir nach eigenem Geschmack das hektische Getippsel auf dem mausetoten Handy vor, die angstvollen Blicke, das Suchen nach einer Geheimtür in dem weiß gekachelten Kellerraum, die Stoßgebete, das Sich-an-die-Wand-Drücken. Fertig? Dann übernehme ich jetzt.

  • Im Türrahmen steht eine Frau, den kräftigen tonnenförmigen Körper umspannt eine Kittelschürze. (Kannst Du Dir gern auch vorstellen, ich nehme Polyester in Gelb-Violett.)
    Stante pede beginnt sie zu keifen: (Empfindliche bitte ab hier die Ohren zuhalten – dann versteht Ihr aber auch nichts.)
    „Was habet denn Sie hier rumzuschleiche mit Ihre dreckige Latschen, wo ich grad ebe erscht gwischt hab? Ich hab weiß Gott gnug ze tun, wenn mein Hubert vom Morde kommt und überall sei blutige Schpure hinnalässt. Und das Schprühzeugs, wo se im Fernsehen imma so Werbung für mache, des taugt au nix. Herrgott nochemol, geschtern erscht hab ich gesagt, Hubert, hab ich gesagt, in Zukunft mordescht du mir net mehr wie zwoi Mal de Woch. Ich komm au so mit der Putzerei net hinnaher. Und jetzat schaffe Se Ihr dürres Ärschle hier naus, eh ich ungemütlich werd:“

    • So etwa hatte ich mir das vorgestellt. 😂
      Anderer Film:
      … Die Blondine tippte hektisch auf ihrem Handy herum, das immer noch keine Reaktion zeigte. Die Schritte auf der Treppe hörte sie erst, als er schon so dicht hinter ihr stand, dass sie seinen Atem als kalten Hauch im Nacken spüren konnte. In höchster Erregung fuhr sie herum und lies ihre Frustation an dem schmalen, in einen äusserst akkuraten Blaumann gekleideten Mann aus: „Nicht mal ein gescheites Netz gibt es in diesem Kaff! Wenn ich nicht sofort die Nummer oder wenigstens Homepage des Baumarktes erreiche, garantiere ich hier für nichts! So etwas Furchtbares habe ich noch nie gesehen, ja wissen Sie denn nicht, dass man Sägen nie, niemals liegend aufbewahrt? Aufhängen muss man die, aber mit ihren Messerchen bekommen Sie nie ein ordentliches Dübelloch in die Fliesen. Sie gehen jetzt sofort mit mir zum Baumarkt und dann zeige ich Ihnen, wie Handwerksarbeit geht!“ Auf dem verschlossenen Gesicht des Mannes breitete sich ein ungläubiges, aber glückliches Lächeln aus. Endlich war eine Frau gekommen, die ihn verstand!
      Und wenn sie nicht gestorben sind, Heimwerkern sie noch immer zufrieden vor sich hin. ENDE

      • Ich lach mich weg – ihr seid wunderbar!

        • Vielleicht sollten wir uns mal als Drehbuchautorinnen bewerben – ich kann auch Hochdeutsch.
          Ich habe, wie wohl viele hier, früher gern den „Tatort“ geguckt. Werde ich alt und grämlich oder geht es Euch auch so? Schlüsselszenen werden grundsätzlich im Stockdusteren gedreht, damit der Zuschauer weder die Figuren erkennt noch sieht, was da vorgeht (das soll wohl die Spannung steigern), an der Tontechnik wird gespart, die Schauspieler nuscheln zum Gotterbarmen – was soll’s, die Dialoge sind doch eh immer gleich, soll sich der Zuschauer was zusammenreimen aus den üblichen Textbausteinen.
          Da geh ich oft lieber in den Stadtpark und denke mir was aus.

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