Minimalismus für Anfänger

Für einige der Horror, für andere ein Wunschziel: eine luftige Wohnung ohne Ballast mit schönen Dingen, die man tatsächlich auch benutzt, sei es Kleidung oder Geschirr. Minimalistisch leben, dieses Wunschziel ist schnell formuliert, allein: wie kommt man dorthin? Hier kommt das Patentrezept.

Was natürlich nicht stimmt, denn wenn ich es kennen würde, würde ich ein Buch schreiben, einen millionenfachen Bestseller landen, ein Haus in der Provence kaufen und am Pool sitzend den Gärtner dirigieren.

Aber ich habe ein paar Tipps. Heute kommen die zum ersten Schritt: ausmisten.

Wohnzimmer nach Auszug meines Exmanns und vor meiner Wohnungs-Räum-Aktion

Realistisch sein

Was man in zwanzig Jahren gesammelt hat, kann man nicht in zwei Tagen entsorgen. Will man vermutlich auch nicht. Außerdem ist Minimalismus als Lebensstil und Weg zu verstehen und nicht als Ziel.

Daher einfach mal mit einem Block und Stift in der Hand durch die Wohnung gehen und notieren, was man nicht so gerne mag oder wo man sich Freiraum wünscht. Speise-/Abstellkammer nicht vergessen. Und ruhig auch in Schränke und Schubladen schauen.

Vermutlich ist das Blatt dann recht schnell voll – was gut ist. Denn jetzt kommt die ToDo-Liste.

ToDo-Liste – aber richtig

Ich kenne Menschen, die ihre ToDo-Listen nicht abgearbeitet bekommen – denn das ist der eigentliche Zweck: Haken dran machen. Was schlicht an der falschen Gestaltung liegt. Schreibe ich z.B. „Steuererklärung machen“, handle ich mir einen unübersichtlichen Haufen ein, der vermutlich monatelang von Liste zu Liste übertragen wird. Denn ToDo-Listen sollte man mit einem Erstellungsdatum versehen.

Schlauer ist es, das Ganze in machbare Häppchen aufzuteilen. Nennt man bei IT-Projekten agile Vorgehensweise. In dem Fall wären das etwa die Punkte „Steuersoftware kaufen“, „Installieren“, „Belege zusammensuchen“, „Belege sortieren“, „Übernommene Angaben überprüfen“, „Neue Sachen eintragen“ und „Erklärung verschicken“. Hat den Vorteil, dass man das erstens die Punkte im überschaubaren Zeitrahmen erledigen kann und zweitens siebenmal das gute Gefühl des Erledigt-Hakens hat.

Beim Aufräumen, Ausräumen, Aussortieren und Wegwerfen funktioniert es genauso. „Küche ausmisten“ ist ganz schlecht. Viel besser: Schränke einzeln auflisten, dito Schubladen usw usw. Bei der Gelegenheit auch mal drüber nachdenken, ob man das ganze elektrische Gerätezeugs wirklich braucht. Ich würde sagen: nein.

Vorher-Nachher-Photos machen

Klar erinnert man sich dunkel an übervolle Schränke etc, aber so genau dann doch nicht. Ungemein motivierend sind Vorher-Nachher-Photos von beendeten Projekten. Am besten auch noch die Wegwerf-/Verschenk-Tüten fotografieren. Und wer dann zwischendrin glaubt, niemals fertig zu werden, kann sich mal ganz bildlich anschauen, was schon geschafft ist.

In den nächsten Wochen schreibe ich noch mehr zu dem Thema, u.a. Beautykram ausmisten 😀

Wie sind eure Erfahrungen (sofern die minimalistische Whnung angestrebt wird)? Denkt dran, Buch, Millionenseller, Provence und so weiter… da muss noch mehr Fleisch dran.

6 Kommentare

  • *grins* das mit dem Millionenbestseller wird wohl weniger funktionieren, der Buchmarkt ist in dem Bereich schon gut aufgestellt, was aber funktionieren könnte, wenn man es mit der Entwicklung des Kochbuchmarktes vergleicht, ist vermutlich ein Spezialbuch zum Aufräumen und Ordnung halten, für Kosmetik, Bücher, Küche z.B, weil es, wie du auch schreibst, was ist, was zu bewältigen – aber trotzdem nicht einfach ist. Wäre das nicht was für dich? 🙂 Sowas würde ich kaufen und sicher viele, die überschaubare Bereiche erst mal machbar finden, statt gleich alles, aber eben auch weil es wirklich ein Prozess ist, und man immer neuen Input braucht, um das System zu erhalten und zu verbessern.
    „Das Kleiderschrankprojekt“ geht ja jetzt auch in die Richtung und könnte eine neue Richtung der „kleinen Häppchen“ sein.

    Ich hab mir neulich das Buch von der „magischen Küchenspüle“ gekauft und dort wird empfohlen, kleine, feste Zeiteinheiten von 15 Minuten zu nutzen. Ich mach das jetzt probehalber mal eine Weile und hab immer das Gefühl, ich könnte jetzt noch weiter machen, höre dann trotzdem auf, aber gerade das lässt einen am nächsten Tag wieder problemlos was Neues beginnen, oder die Sache weiter machen. Es ist erstaunlich, was ich alles damit so nebenbei geschafft habe. Ich glaube auch, die kleinen Bereiche sind der Schüssel. Man ist immer wieder neu zufrieden und überfordert sich nicht. Wie sagte so schön eine Tasse, die gestern im „Into the Gloss“-Blog gezeigt wurde: „Beyoncé ist’s wasn’t build in a day“. 😀

    • ach nein, Buch schreiben ist mir zu stressig. Das war mehr ein Spaß.

      Aber die 15-Minuten-Regel ist auch gut, die ergänzt die 2-Minuten-Regel optimal!

  • Wir haben eigentlich aufgehört das ganze „Minimalismus“ zu nennen. Stattdessen denken ich jetzt an das „optimieren“. Ich möchte meinen Wohnraum so optimieren das er zu mir und meiner Familie passt. Das heisst…ich muss mir erst im klaren sein was ich will und wie das dann für mich und meine Familie aussieht. Ausmisten muss auch im Hirn stattfinden. Ich denke und bewege mich viel minimalistischer als noch vor einem Jahr. Optimiert hat sich mein Verhalten zu Dingen in meiner Umgebung noch nicht ganz. Für mich ist der Weg, und weniger das Ziel, von größter Bedeutung. Ich lerne noch, aber es macht mir sehr viel Spass. Der größte Shock ist zu wissen wie viel Geld ich in den letzten Jahren verprasst habe…einfach so…an Dingen die mir absolut NICHTS bedeuten. Diese Einsicht, und wie ich jetzt weitermache ist mir unheimlich wichtig…und gibt mir mehr als NUR ein aufgeräumtes Haus.

    • Du hast es klar erkannt: Wohnung/Haus ausmisten und Minimalismus sind zwei verschiedene Dinge! Dazu kommt demnächst auch noch etwas

  • Also, eins von den dreien ist schon mal realisiert, an den anderen Beiden arbeite ich dran😉. Ich liebe luftige,leere Räume in denen alles da ist, was ich brauche. Seit wir vor einigen Jahren aus einem 300 Quadratmeter Haus in einen Wohnwagen umgezogen sind ( mit Hund) weiss ich was ausmisten und sich trennen bedeutet. Jetzt wohnen wir wieder auf mehr Platz und ich, als erklärter Flomi Liebhaber, muss mich des Öfteren schwer zusammenreissen. Aber Platz stellt für mich den grösseren Wert da. Nie wieder will ich so viele Dinge besitzen. Es hat mich belastet und regelrecht erdrückt. Klitzekleine Ausnahme: mein Badezimmer! Aber ein kleines Laster muss drinnliegen. Ich denke auch,dass der Minimalismusgedanke ab 50+ eine andere Gewichtung bekommt.
    Ein schönes Wochenende

    • Weißt du, was eine der schönsten Dinge an 50+ ist? Man definiert sich seine eigenen Regeln. Und das Bad ist kein LAster, sondern deine Freude 🙂 genau wie bei mir

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